Körperkultur

Ein Gespenst geht um in Europa, die K., natürlich aus den USA importiert. Was vor 500 Jahren in der Renaissance eine Rückbesinnung auf das Ideal des Schön-und-gut-Seins (Kalokagathie) der Klassik war, ist jetzt bloße Oberfläche. Denn die moderne Evolution des Körperlichen geht Hand in Hand mit der Devolution des Geistigen. Also der typische Fall einer Revolution: Die Verluste wiegen die Gewinne auf. Die heute zu beobachtenden Symptome der K. sind: Fitnessstudios florieren, während Goetheinstitute dichtmachen, Bodybuilding wird nicht mehr nur belächelt, für Designerkleidung werden schon Kinder zu Kriminellen, Männerköpfe unter Frisierhauben sind nicht mehr ungewöhnlich, Modellathleten umgeben sich mit Parfumwolken, Sportler und Schauspieler sind die neuen Heroen, Tätowierung genau wie Piercing, die sogen. Körperkunst, ist aus dem Ghetto der Eingeborenen und Seeleute in die bürgerliche Gesellschaft übergeschwappt, der Analphabetismus wächst, die Körpersprache muss immer mehr die schwindenden schriftlichen und mündlichen Ausdrucksmöglichkeiten ersetzen. Die neue Renaissance greift also nicht auf die Klassik zurück, sondern viel weiter – nämlich auf die Steinzeit (vgl.: Bildung, Karriere, Kindskopf, Kultivierung, Moderne).

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