- 999. Ausgabe 13. Oktober 2026
Passiertes! – Passierte es?
Wieder so eine Meldung aus den USA: Eine Frau, die 1996 wegen Mordes zum Tode verurteilt wurde, sollte jetzt, nach 30 Jahren Gefangenschaft, mit der Giftspritze hingerichtet werden. Was misslang, aber das ist nicht das Problem. Für unser Rechtsverständnis geht es hier um eine Unmöglichkeit, weil die Mörderin eine doppelte Bestrafung erfährt, nämlich Lebenslänglich und Todesstrafe für ein und dieselbe Tat. Frage: Verstößt das nicht gegen den Rechtsgrundsatz: Ne bis in idem – kein zweimaliges Anklagen für ein und dieselbe Tat? Diesen so selbstverständlichen Rechtsgrundsatz haben die Amerikaner zwar in den 5. Zusatzartikel ihrer Verfassung aufgenommen. Es ist ihnen aber nicht wirklich Ernst damit. Sie erlauben, dass dieser Grundsatz ausgehebelt wird durch jahrzehntelanges Hinauszögern der Hinrichtung. Und ein Bundesgericht ist nicht an den Rechtsgrundsatz gebunden, wenn nur ein Gericht eines US-Einzelstaates geurteilt hat. Für unsere Rechtsauffassung krasses Unrecht. Ein Beispiel dafür, wie unbedacht das Gerede der Politiker von den gemeinsamen westlichen Werten ist, die wir gegen den Terror östlicher und arabischer Autokratien verteidigen. Da ist erst mal Wertfindung angesagt.
Mit den Augen von Investoren im lukrativen Motorsägengeschäft gesehen, ist inzwischen jeder Wald zu Schnittgut geworden – und das Wort „gut“ damit zur Farce.
Bei aller Gschaftlhuberei im Literaturbetrieb ist doch klar: Es gibt zumindest zwei unterschiedliche Maßstäbe für den Erfolg von Büchern. Der eine ist der Verkaufserfolg, der andere ist das Ankommen in der Literaturwissenschaft. Dieser zweite Maßstab, in der Presse stets unterschlagen, wird bei Wikipedia auf den Seiten der Schriftsteller deutlich, wenn man dort eine zusätzliche Rubrik „Literatur“ oder „Sekundärliteratur“ sehen kann. Aufschlussreich, wie umfangreich die ist ̶ oder ob da nichts ist. Aber nebenher bemerkt: Für meine Verleger und mich wäre es natürlich auch erfreulich, wenn Sie sich mal wieder ein Laufenberg-Buch kaufen würden, vielleicht als Ausgleich für jahrzehntelanges Vergnügen an den Laufenberg-Texten im „NETZINE“, die für Sie kostenlos sind, für mich durchaus nicht.
Auf unserem Buchmarkt ist das Jugendbuch der Gewinner. Dabei ist längst noch nicht ausdiskutiert, was denn ein Jugendbuch ausmacht. Ist es das Alter der Hauptfiguren, ist es die Erzählperspektive, ist es der Erfahrungshorizont oder die Sprache? Weil die Autoren die alte Werbeparole verstanden haben: Das Würmchen muss dem Angler gefallen, nicht dem Fisch, weil der Angler es kauft, lassen die Verlage heute Jugendbücher maßgeschneidert für erwachsene Käufer anfertigen. Und die „großen Kinder“ kaufen und kaufen und fühlen sich dabei noch in ihrem Jugendlichkeitswahn bestätigt.
Kopfrechnen war früher eine wichtige Fähigkeit. Doch mit der Verbreitung des Taschenrechners war auf einmal Schluss damit, weil scheinbar überflüssig. So wie mit dem Schönschreiben Schluss war, als die Maschinen das Schreiben übernahmen. Jetzt erleben wir diese Deklassierung bei der Fähigkeit, eine gestellte Aufgabe schriftlich zu erledigen. Lehrer berichten, dass immer mehr Schüler das nicht mehr ohne den Einsatz von KI können. Ich darf mir also heimlich gratulieren. Wird es doch in unseren modernen Gesellschaften durch die Normalisierung des Dummkopfs immer leichter, eine herausragende Stellung einzunehmen. Einfach indem man bei manchen aktuellen Trends nicht mitmacht.
Achtung, liebe schreibende Kollegen von der Presse, dem Hörfunk und Fernsehen. Am Dienstag, dem 27. Oktober, erscheint die nächste Ausgabe von „Das Laufenberg NETzine“, und das ist dann die 1000. Ausgabe des am 3. Januar 1996 gestarteten ersten literarischen Blogs im deutschen Sprachraum. Wer kann mir ein anderes literarisches Periodikum nennen, das so langlebig ist oder war? Doch statt eine Jubiläumsfeier vorzubereiten, stehe ich, weil das Netzine nach wie vor ein nichtkommerzielles Ein-Mann-Unternehmen ist, ab sofort rund um die Uhr für Sie bereit, falls Sie einen O-Ton oder Fotos brauchen oder Informationen, die über das hinausgehen, was Wikipedia liefert unter den Stichwörtern Netzine oder Blog oder unter meinem Namen. Und es bleibt dabei: Zitate aus dem Netzine mit Quellenangabe sind erlaubt und gern gesehen.
Manch einer hält mich für „närrisch“. Und das mit Recht. Weil ich schon drei Bücher veröffentlicht habe über den größten Narren in deutschen Landen, den Hofnarren Perkeo, der vor 300 Jahren im Heidelberger Schloss seine pfiffigen Scherze machte und als wichtigster Berater des Kurfürsten Carl Philipp von der Pfalz das Schicksal aller Kurpfälzer bis heute mitbestimmte. Dreimal sorgfältig recherchierte Historie als Lesespaß mit den authentischen Personen und Geschehnissen. Näheres zu den drei Büchern in den drei Links:
https://www.netzine.de/book/perkeo-der-zwerg-von-heidelberg/?grid_referrer=4078
https://www.netzine.de/book/toedliches-einmaleins/?grid_referrer=4078
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