- 989. Ausgabe 26. Mai 2026
Passiertes! – Passierte es?
Moderne Kriege sind Fälle von extremem Narzissmus einzelner Machthaber, daneben Waffentests in Realität, nebenbei auch Religionskriege und Wettkämpfe um die Sprachherrschaft. Der neueste Sprachenkrieg findet gleich nebenan statt: Die Ukraine hat seit 2019 ein Sprachgesetz zur Stärkung des Ukrainischen, das in öffentlichen Einrichtungen als einzige Sprache verwendet werden soll. In Film, TV und Hörfunk soll es eine bestimmte Ukrainisch-Quote geben. Seit Mitte 2022 werden Verstöße geahndet. Doch sollen manche Amtspersonen, die für die Angabe und Verfolgung von Verstößen gegen das Sprachgesetz zuständig sind, Schwierigkeiten mit der Meldung in ukrainischer Sprache haben, weil sie bisher nur Russisch gesprochen und geschrieben haben.
Immer mehr Menschen haben Übergewicht. Obwohl die Festsetzung eines Normalgewichts ein Unsinn ist, weil die Natur keine Normen kennt, sind die vorsichtig zu genießenden Statistiken aussagekräftig. So die Feststellung, dass in den USA und allen europäischen Ländern viel mehr Männer Übergewicht haben als Frauen, mit der einzigen Ausnahme Türkei, wo es umgekehrt ist. Wird damit das dort herrschende völlig andere Frauenbild sichtbar?
Sehr schlechtes Englisch bei einem Flugkapitän aus Polen, das war mir an der Rezeption meines Hotels in New York aufgefallen. Sie seien „tree persons“, brauchten also „tree rooms“, erklärte er ohne jedes TH-Gezisch. Dann bestätigte er auch noch die ihm zugeteilte Zimmernummer 9 mit dem Wort „niner“. Und er wurde verstanden. Was mich sehr wunderte. Weil ich noch nichts gehört hatte von dem international verwendeten Luftfahrtenglisch, dem sogenannten Fliegerenglisch, das eine Reihe von absichtlichen „Fehlern“ macht, damit kein Spielraum für Interpretationen bleibt. Dazu gehört auch ein anderes Buchstabieralphabet, das mit Alpha, Bravo, Charlie beginnt. Und dieses „falsche“ Englisch gehört international zur Pilotenausbildung.
Dass die Deutsche Post im Auslandsgeschäft Erfolge hat, ist ihr so zu Kopf gestiegen, dass sie nun den Konzernnamen Deutsche Post ablegt und demnächst nur noch unter dem Namen des von ihr vor Jahren übernommenen amerikanischen Unternehmens DHL, dem Kürzel für die Namen dreier Amerikaner, firmiert als DHL AG. Typisch deutsch, eine Selbstverleugnung, die keinem amerikanischen oder europäischen Konzernchef einfallen würde. Diese Umbenennung soll ab dem 1. September dieses Jahres gelten und rund 37 Millionen Euro kosten. Man hat es ja. Und es bleibt ein Trösterchen: Lediglich die kleine Tochterfirma für das innerdeutsche Brief- und Paketgeschäft soll den Namen Deutsche Post behalten.
Das lernte man schon als Kind: Alle Elektrogeräte, die nur batteriebetrieben funktionieren, sind Stromverschwender, weil die Batterie sich leert, auch wenn man das Gerät überhaupt nicht anmacht. Doch als Erwachsener soll man glauben, dass das bei Elektroautos, die ja auch die meiste Zeit nicht angemacht herumstehen, nicht Stromverschwendung ist, sondern ein Zeichen von Umweltbewusstheit.
Früher scherzte man gern über das himmlische Bodenpersonal. Heute hört man immer dieses fiese Gerede von Missbrauch und Vertuschung. Man könnte glatt neidisch werden auf die Priester, die bei ungehemmt sexueller Freizügigkeit und hohen Gehaltszahlungen von einem pleitesicheren Arbeitgeber immer noch ein besonderes Prestige genießen und gleichzeitig immer weniger Mühe mit ihren Schäfchen haben, weil das durch massenhaften Austritt aus der Kirche immer weniger werden.
Der kleinste EU-Staat hat viel mehr und Besseres zu bieten als Strandleben und Englisch-Unterricht. Wie die imponierende Historie der Insel präsentiert wird, da wird man leicht zum Malta-Fan, wie ich, und kommt immer wieder. Zuletzt habe ich sogar mein Weihnachtsessen in einem Gartenrestaurant in Valletta einnehmen können, die leichte Jacke über die Stuhllehne gehängt. Aus meinen wiederholten intensiven Malta-Erkundungen sind meine drei Malta-Romane entstanden: Lese-Erlebnisse von bleibender Aktualität, die jeden Reiseführer toppen. Ich werde übrigens nicht bezahlt für meine Malta-Begeisterung.
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