935. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Die Olympischen Spiele in Paris werden sehr modern sein, hört und liest man immer wieder. Ich verstehe: Ohne den unglaubwürdigen Zopf des Amateurstatus. Was längst überfällig ist. Aber um sich wirklich modern zu geben, wird Frankreich auch den Nationalismuszopf abschneiden müssen. Die Athleten werden nicht mehr für dieses oder jenes Land antreten, sondern für Unternehmen wie Pfizer, Johnson & Johnson, Novartis, Merck, Roche, Boehringer, Bayer usw., die ihnen in dem klammheimlichen olympischen Schluck- und Spritzwettbewerb um das Schneller, Weiter, Höher zu Rekorden verhelfen.

 

Was uns als Luxus empfohlen wird, das sind immer tollere Autos und immer tollere Uhren. Und die sind immer noch teurer als ihre teuren Vorgänger. Da fragt man sich: Wozu? – Nun ja, die Autos werden wenigstens immer schneller. Aber die Uhren? Nicht mal das.

 

So stolz die Briten darauf sind, dass ihre Sprache eine der ganz großen Weltsprachen ist, sie sind gleichzeitig unglücklich über die vielen Menschen in anderen Ländern, die das Englische verändern. Mit dem mehr abgeschliffenen amerikanischen Englisch haben sie sich längst abgefunden, aber auch Australier und Kanadier und Inder und viele andere haben Englisch verändert. Und jetzt sind wir Deutschen besonders eifrig und erfindungsreich dabei, unser eigenes Englisch zu basteln. Mit Wörtern, die es im Englischen nicht gibt bzw. die in England für etwas anderes gebraucht werden. Die tollsten Scheinanglizismen sind Handy, Service Point, Showmaster, Talkmaster, Evergreen, Barkeeper (englisch bartender), Basecap (englisch baseball cap), Dressman (englisch male model), Flipper (englisch pinball machine), Homestory (englisch exclusive story), Hotline (englisch helpline), Longseller (englisch long-term seller) und Trampen (englisch hitchhiking). Daneben lieben wir falsch gebrauchte Begriffe wie Public Viewing (eigentlich Aufbarung im offenen Sarg), Home Office (eigentlich Innenministerium) und Oldtimer (eigentlich ein Veteran), Es ist zum Kotzen (englisch disgusting).

 

Endlich haben zwei deutsche Sprachwissenschaftler sich die Mühe gemacht, zu erforschen, wie viele Wörter es im Englischen für den Begriff Trunkenheit gibt. Sie kamen nach intensiven Vor-Ort-Recherchen auf 546 Synonyme für den Zustand des Mehr-oder-Weniger-Betrunkenseins. Als Sammelbegriff empfehlen sie dafür die Bezeichnung Drunkonyme. Tja, Schnaps ist Schnaps, und Wissenschaft ist Wissenschaft.

 

Ähnlich ist nicht gleich, dennoch in manchen Fällen nicht weniger, sondern bloß anders. Ein Beispiel: Nicht nur unsere Viecher, auch wir Menschen brauchen Salz, und zwar täglich ein bis drei Gramm. Doch ist in unserer Nahrung viel mehr Salz enthalten, als unser Organismus braucht. Normalerweise mehr als das Doppelte. Was unseren natürlichen Instinkt zur Salzaufnahme und den Geschmackssinn abstumpft. Mit der Folge, dass wir immer mehr Salz aufnehmen, sogar aufnehmen müssen, um noch den Geschmacksreiz zu spüren. Die Forschung weiß schon lange, dass Drogen wie Heroin und Kokain jene Gene in den Zellen des Gehirns beeinflussen, die auch für den Ur-Instinkt, den Appetit auf Salz, verantwortlich sind. Damit ist Salz zwar noch kein Rauschgift, aber ähnlich – und damit sehr bedenklich.

 

Jeden Tag kommen an die zweitausend Besucher zu meinem Blog, dem dienstältesten Literatur-Blog im deutschen Sprachraum, Sprach-Interessierte, die was von mir sehen und lesen wollen. So sehr mich das freut, dafür ist meine Wohnung viel zu klein. Deshalb halte ich die Tür geschlossen und verweise auf den elektronischen Eingang zum Netzine. Schon nach dem ersten Schritt ins LLL („Laufenbergs Läster-Lexikon“) kommt ein Besucher kaum noch los davon, weil dieses Wörterbuch der anderen Art garantiert jedem auf die Füße tritt.

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