Archiv der Kategorie: N

Nachdenken

N. ist die Form des Engagements, an die am wenigsten gedacht ist, wenn gefordert wird, die Köpfe der Nation sollten sich engagieren. Gedacht ist dabei mehr ans Kopf-Hinhalten als ans Denken (vgl. Dichter, Ignoranz, Intellektueller, Vordenker).

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Nachdenklichkeit

Der in der bildenden Kunst lange Zeit beliebte schiefgeneigte Kopf, in die Hand gestützt, wird heute nicht mehr dargestellt. Das signalisiert uns: Die N. ist out. Was vermutlich an der verhängnisvollen Vorsilbe „Nach“ liegt. Gilt doch in unserer Zeit nur noch das „Vor“, das „Über“, das „Neu“, das „Super“. Obgleich auch all diese Präfixe sich durchaus sinnvoll mit dem Schwanzwort „Denklichkeit“ zusammenschweißen ließen, ist noch niemand auf den Gedanken gekommen, diese Wortbildungen zu propagieren. Leider propagiert außer mir auch niemand die N.; dabei wäre sie dringend nötig. Doch uns fehlt der Platz für N., denn das „Nach“ des Genusses ist für uns wieder der Genuss, das „Nach“ der Arbeit wieder Arbeit, das „Nach“ des Leidens weiteres Leiden, das „Nach“ des Lebens das Nichts. So dass das Leben selbst mangels N. zum Nichts wird (vgl. Abseits, Bewusstsein, Leben, Nachdenken).

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Nachhaltigkeit

Das Schlagwort des Tages. Es bedeutet, dass Entscheidungen stets mit Blick auf ihre langfristigen Folgen gefällt werden sollen. Nur scheinbar der Stein der Weisen. Weiß doch jedes Kind: Wenn es einen Stein in den Dorfteich wirft, wirkt der nicht nur in der zeitlichen Dimension weiter, sondern auch in der räumlichen. Neuestes Beispiel für N.: Die von Millionen Frauen massenhaft geschluckten Anti-Baby-Pillen mit ihrer Hormon-Überdosierung sorgen über das stetig fliessende Wässerchen der Damen, die Abwässersammler und die Trinkwasseraufbereitung zuverlässig dafür, dass wir immer weniger Kinder kriegen, weil wir Männer mit dem hormonhaltigen Leitungswasser allmählich zeugungsunfähig gemacht werden (vgl. Geschwätz, Kindergeld, Nachdenklichkeit, Onan, Spätfolgen, Zeugungsfähigkeit).

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Nachkommenschaft

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Schon bei den alten Israeliten und den alten Griechen, den Begründern unserer westlichen Leitkulturen, war eine zahlreiche N. der allgemeine Wunschtraum. Und das nicht nur wegen der billigeren Arbeitskraft der Familienmitglieder, sondern um sich im Andenken der Nachgeborenen ein Fortleben und ein Stückchen Unsterblichkeit zu sichern. Das heißt, man war kinderlieb aus Eigenliebe. Lange Zeit auch bei uns. In der modernen Gesellschaft aber ist man viel weniger kinderlieb, weil sie den Kindern keine Zeit und Gelegenheit mehr lässt, ihre Eltern und deren Vorfahren zu rühmen. So wird unsere N. immer kleiner, und das trotz des wachsenden Kindergeldes (vgl. Ich, Muttertier, Oparolle, Vatertier).

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Nachrichten

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Die N. in Presse, Funk und Fernsehen bringen eine kleine den Redakteuren wichtig erscheinende Auswahl von dem, was passiert ist, abgeschrieben von der etwas größeren Auswahl, die N.-Agenturen als wichtig gebracht haben, zusammengestellt aus der Menge der Meldungen, die bei den Agenturen von Leuten eingereicht wurden, die gerade diese Meldungen für wichtig hielten. Faustformel: Was dieses dreifache Durchsieben nach Wichtigkeit überstanden hat, kann man sich getrost schenken. Weil wichtig sich längst nicht immer mit richtig deckt und meist mit aktuell verwechselt wurde (vgl. Aktualität, Interessant).

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Nachruhm

Der N. ist ein Phantom, dem man nicht begegnen kann. Du hast deshalb nur was von deinem N., wenn du schon zu Lebzeiten ihn dir immer wieder vorgestellt hast, andernfalls ist er, falls er kommt, für die Katz. Dabei brauchst du das Risiko, dass er überhaupt nicht kommt, nicht zu fürchten, weil du ihn ja schon vorweg genossen hast (vgl. Bewusstsein, Ich, Lebenskunst, Lebensverkürzung, Lebensverlängerung, Ruhm).

 

 

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Nacht

Für Dichter ist die N. nicht nur die Schwester des Tages, sie ist der schwarze Fächer, mit dem die müde Sonne den Tag und alle Alltäglichkeiten wegwischt. Damit wir Schlaf tanken, unseren Kraftstoff für den nächsten Tag. Wir aber opponieren mit Kunstlicht, von jeher ein Behelf, zudem eine Beleidigung für die Kunst.  Sprachtechnisch ist N. nicht nur der für die Definition des Tages unverzichtbare Antagonismus, es ist das auch die Negierung aller Helligkeit und damit eine Peinlichkeit, der wir uns nur entziehen können, indem wir sie einfach verschlafen (vgl. Wachheit).

 

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Name

N. ist Schall und Rauch. Ja – aber gibt es etwas Wichtigeres als Schall und Rauch? (vgl. Ich, Namenskult, Unsterblichkeit, Vorname).

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Namenskult

Für Künstler, Erfinder und Wissenschaftler ist selbstverständlich und unverzichtbar, dass sie ihre Namen bekannt machen. Das ist aber auch bei Normalbürgern beliebt, wie der Spruch beweist: Der Name der Jecken steht an allen Ecken. Superreiche und Politiker blähen sich mit Hilfe ihres Namens auf, indem sie ihn an Stiftungen und Großbauten kleben. Jedes Ich trägt einen Namen, und der Name trägt es in seinen Himmel (vgl. Egoismus, Ich, Name).

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Namenstag

Die alte Sitte, seinen N. zu feiern, d. h. den Tag, an dem der Vorname im Heiligenkalender steht, ist trotz der eifrigen Mund-zu-Mund-Beatmung durch den Blumenhandel gestorben. Jahrhundertelang durften die Protestanten den Geburtstag feiern, die Katholiken aber mussten statt dessen den N. feiern. Die Leute sollten an den Heiligen denken, dessen Namen sie tragen, nicht an sich. Und sollten sich ihn zum Vorbild nehmen. Damit waren sie überfordert. So wechselten die Katholiken einfach zu der protestantischen Sitte über, den Geburtstag zu feiern. Dabei hatten die katholischen Theologen den N. schon zum Geburtstag umfunktioniert. Sie propagierten diesen Tag, an dem der Heilige gestorben war, als den Tag, an dem er für den Himmel geboren wurde (vgl. Geburtstag, Ich, Volksverdummung).

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