Archiv der Kategorie: S

Scheintote

Eine der größten Ängste unserer Vorfahren war, für tot erklärt und beerdigt zu werden, während man nur bewusstlos ist. Gegen diese Gefahr hatten sie sich viele Tricks mit Fesseln oder Abstechen des Ohnmächtigen und mit Seilzügen, Klingeln oder Leitern an den Särgen einfallen lassen. Schon Demokrit und Plutarch hatten die Gefahr der fehlerhaften Todesfeststellung beschworen, und noch Fjodor M. Dostojewski, Hans Christian Andersen, Edgar Allan Poe und Johann Nestroy haben davor gezittert. Merkwürdigerweise waren die Gegenstücke zu den S.n, die Scheinlebenden, für unsere Vorfahren kein Problem. Und sie sind es auch heute nicht, denn für die Scheinlebenden haben wir ja das Fernsehen und das Internet, die Virtual reality, die alles überwuchernden sozialen Netzwerke und die Flut der Computerspiele (vgl. Leben, Unterhaltung).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | Kommentare deaktiviert für Scheintote

Schere

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Eine S. ist ein Instrument, das – wenn es auseinanderklafft – sehr gefährlich ist. So die Vermögensentwicklung in der bundesdeutschen Gesellschaft: Die Reichen werden Jahr für Jahr reicher, die Armen ärmer. Wen kümmert’s? Nur die Statistiker. Einmal im Jahr veröffentlichen sie im Statistischen Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland die peinlichen Zahlen. Immer mehr Millionäre und Milliardäre mit immer größeren Privatvermögen, gleichzeitig immer mehr Habenichtse, die auf die diversen Transferleistungen angewiesen sind. Die Mitte schwindet langsam, aber sicher. Das wird, damit sich niemand daran verletzt, in schlichten grauen Zahlen präsentiert, gut versteckt im unsäglichen Zahlengestrüpp dieses Buches, das die Armen ohnehin nie in die Hand kriegen. Dafür ist es viel zu teuer (vgl. Sozialstaat, Ungerechtigkeit, Volksverdummung, Wahrheitsliebe).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | vbnm Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Schlager

Populäres Lied, das attraktiv ist durch eine ungewöhnlich getextete und intonierte erste Zeile, die nervtötend wiederholt wird, während mit dem übrigen Text die dämlichsten Vorstellungen und Vorurteile der Leute bestätigt werden (vgl. Goldader, Volksverdummung).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | vbnm Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Schlaraffia

Hoher Anspruch, tiefer Schlaf, so der berühmte Werbespruch eines deutschen Matratzenherstellers, der die Parodie der uralten und in vielen Kulturen nachweisbaren Vorstellung von einem Idealland (Paradies, Goldenes Zeitalter) als Schlaraffenland (= Faulenzerland) zu seinem Markennamen gemacht hat. Ebenso, aber damit nicht zu verwechseln, die im Jahre 1859 in Prag gegründete und heute weltweit verbreitete deutschsprachige Herrengesellschaft, die sich der Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor verschrieben hat. Weil dabei der Freundschaft zuliebe die interessantesten Themen, nämlich Politik, Frauen und Religion, tabu sind, bedarf es zum Genuss der dargebotenen Kunst manchmal eines besonderen Humors (vgl. Eudämonismus, Fex, Ideal, Wirklichkeit, Trotzdem).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | vbnm Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Schnarchen

Das S. wird zu Unrecht verdammt. Du solltest froh sein zu hören, dass der Mensch, der neben dir im Bett liegt, immer noch atmet. Viel zu bald könnte die große Stille kommen (vgl. Bewusstsein, Tod, Toleranz).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S | Hinterlasse einen Kommentar

Schnecke

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Sinnbild der Langsamkeit. Dabei ist die S. für ihre Verhältnisse ein sehr schnelles Tier. Versuch doch mal, dein Haus in derselben Geschwindigkeit von einem Platz zum anderen und wieder zurück zu tragen. Nur warum die S. das tut, darfst du dich nicht fragen, sonst sagst du Schwesterlein zu ihr (vgl. Post, Sinn).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | vbnm Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Schneeflocke

Eine S. ist nicht mehr und nicht weniger als ein auf dem Weg von der Wolke zur Erde gefrorenes Wassertröpfchen. Angeblich gleicht keine S. in ihrer komplizierten Struktur einer anderen, was wissenschaftlich zu beweisen unmöglich sein dürfte. Jedenfalls ist eine einzelne S., die fällt, so uninteressant wie ein einzelner Soldat. Erst die Masse macht’s (vgl. Invasion, Wintersport).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | Kommentare deaktiviert für Schneeflocke

Scholastik

Die im Mittelalter vorherrschende Manie, Fragen aufzuwerfen und mit heiligem Ernst zu diskutieren, die man ohne Schaden hätte unbeantwortet lassen können. So hätte man damals, wenn man es nur gedurft hätte, endlos darüber streiten können, ob die Frau ein Loch mehr hat als der Mann, weil der Penis nicht als Loch gilt, sondern als Rüssel, was aber dann auch von der beim Mann meist größeren Nase behauptet werden könnte, so dass der Mann mit einem Defizit von drei Löchern dastehen würde, wenn man nicht auf das Rüsselargument verzichtet und großzügig Gleichstand annimmt (vgl. Bildung, Engel, Nadelspitze, Wissenschaft).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | vbnm Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Schöne

Es gibt das S. und die S., letztere sogar auch in der Mehrzahl als die S.n. Doch lohnt nicht, danach zu suchen und sich dafür zu verbiegen. Sieht man sich an allem S.n doch viel zu schnell satt (vgl. Gossen, Schöne, das, Schönheit).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | vbnm Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Schöne, das

Die Erfahrung lehrt: Alles Schöne endet in Tränen. Und wer so clever ist, sich d. Sch. besonders bewusst zu machen, während er es erlebt, um damit die späteren Tränen auszugleichen, der legt sich selbst herein. Denn je intensiver d. Sch. erlebt wurde, umso reicher und salziger fließen später die Tränen (vgl. Bewusstsein, Haltung, Kontoführung, Lebenskünstler).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | vbnm Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar