Archiv der Kategorie: O

Ödipus

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Die klassisch-griechische Story von dem jungen Mann Ö., der ohne es zu wissen seinen Vater erschlägt und genauso ahnungslos anschließend mit seiner Mutter ins Bett geht, haben die Psychologen missbraucht für ihren Quatsch von der Eifersucht des Sohnes auf den Vater, der die Mutter beschläft, was sie als Ödipuskomplex bezeichnen. Totale Fehldeutung. In Wahrheit steckt viel Ernsthafteres dahinter, nämlich ein Beispiel für die Allgewalt des persönlichen Schicksals (griechisch: moira), dem man trotz oder gerade wegen der größten Bemühung nicht entgehen kann. Bei diesem Fatalismus ist es kein Wunder, dass es die Alten Griechen längst nicht mehr gibt (vgl. Psychologie, Bauernfängerei, Mythologie).

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Olympiade

Illustration: Walter Hanel, Bergisch Gladbach

Illustration: Walter Hanel, Bergisch Gladbach

Eine O. ist der Zeitraum von vier Jahren zwischen zwei Olympischen Spielen, von Unwissenden meist mit diesen Spielen selbst verwechselt. Die uns bekannten frühesten Olympischen Spiele fanden im Sommer des Jahres 776 v.u.Z. statt, und zwar in Elis, in der nordwestlichen Peloponnes, im Zeus geweihten heiligen Bezirk von Olympia. Damit ist dieses Datum der Beginn der griechischen Zeitrechnung. Im Jahre 394, nach insgesamt 293 O.n, verbot der christliche Kaiser Theodosius I. die Olympischen Spiele als heidnische Kulthandlungen. Auf Betreiben des französischen Barons Pierre de Coubertin (1862-1937) wurden die 1. Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen veranstaltet. Weil immer mehr Sportler sich olympisch fühlen wollen, werden seit 1924 jeweils zur Halbzeit der O. die Olympischen Winterspiele eingeschoben. Nicht erst in der Neuzeit, sondern schon in der Antike waren die Olympischen Spiele von erheblicher politischer Bedeutung und hatten den Olympioniken neben der Ehre auch große materielle Vorteile eingebracht (vgl.  Kommerz, Olympische SpieleSport, Vorhaut).

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Olympische Spiele

Ursprünglich ein innergriechischer sportlicher Wettbewerb junger Männer. Heute ein weltweiter medienfinanzierter Wettbewerb von Pharmazeuten, Sportärzten und Gentechnikern im verdeckten Einsatz immer neuer Dopingmethoden, für die es im Falle eines nicht gelungenen Nachweises Gold-, Silber- und Bronzemedaillen gibt (vgl. Doping, Mumpitz, Olympiade).

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Onan

Laut Bibel war O. einer der Bankerte von des Patriarchen Jakob ungehorsamem Sohn Juda. Gemäß uraltem Stammesrecht musste dieser O. seiner Schwägerin Tamar zu einem Nachkommen verhelfen, weil sein älterer Bruder schon vor der Schwängerung seiner Frau gestorben war. Dieser Pflicht entzog O. sich in einer Art, die ihn – wenn auch ein bisschen schief – unsterblich werden ließ. Er ging brav mit Tamar ins Bett, ließ aber seinen Samen unter sich gehen, um sich keine weiteren Konkurrenten um die viel zu knappen Weide- und Wasserplätze zu schaffen. Er stilisierte also den Koitus Interruptus zur Überlebenstechnik hoch. Was ihm allerdings nichts nützte. Denn auch er starb bald darauf – wenn auch nicht daran (vgl. Betrug, Onanie, Raffinesse, Sexbesessenheit).

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Onanie

Die O. wie die Masturbation, das ist die Liebe an und für sich. Weil aber nicht produktiv, kulturell meist geächtet. Der sprachliche Bezug auf den biblischen Onan beruht auf einem Missverständnis, in dem Bereich nicht dem einzigen (vgl. Liebe, Onan).

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Online

O. heißt angeleint. Denn wenn fast alles nur noch o. möglich ist, wird von jedem einzelnen festgehalten, wo er sich wann aufhält, was er isst und trinkt, welche Bücher und Zeitschriften er liest, wie viel und wofür er Geld ausgibt und mit wem er Kontakt hat. Da hilft ihm auch die strengste Zurückhaltung bei Meinungsäußerungen nichts, er ist schon fest an der Leine. Noch sind es mehrere Hände, nämlich Konzerne und Staatsapparate, die sich um die Leine reißen. Und wir können immer noch bellen, aber uns das Herrchen aussuchen oder ihm entlaufen, das können wir längst nicht mehr. Die Einschränkungen, die in autoritär geführten Staaten dem Internet aufgezwungen werden, sind nicht nur schmerzhafte Verluste anderer an Freiheit, sie zeigen auch schon, wer uns in Zukunft an der Leine führen wird (vgl. Bequemlichkeit, Digitalisierungswahn, Freiheit, Huxley).

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Opak

Das Gegenteil von klar ist o., und das Opake ist das Gegenstück zum Klaren. Leicht zu merken, denn man braucht nur was als o. abzutun, schon weiß keiner mehr, was gemeint ist (vgl. Fremdwörter).

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Oparolle

Dreimal verlierst du deine Freunde, zuerst wenn sie heiraten, dann wenn sie sich ganz der O. hingeben, und noch einmal, wenn sie beerdigt werden (vgl. Enkel, Freundschaft, Nachkommenschaft).

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Orchester

Etwas fürs Auge. Der Versuch sehr unterschiedlicher Menschen, bei der Suche nach dem richtigen Ton sich einander anzugleichen. Die ideale Übung für den Homo sapiens. Wenn nur nicht diese linken Händchen der Streicher wären. So zittrig, so verkrallt. Aber vielleicht ist das ja gerade das Zeichen des Unterschieds zum Affen, der ganz anders zupacken kann (vgl. Musik, Übermensch).

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Ordnung

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Nach jüdisch-christlicher Vorstellung ist O. nicht nur das Gegenteil von Chaos, sondern auch dessen direkter Nachfolger, weil Gott in seinem ersten Schöpfungsakt aus dem Chaos O. gemacht und diese O. dann mit Leben bestückt hat. Seitdem gibt es die Sünde, gibt es dieses chaotische Durcheinander von Verfehlungen aller Art. Dass es vorher, im Chaos, ordentlicher zugegangen ist, wird im Schöpfungsbericht nicht gesagt, kann aber unterstellt werden, weil es damals ja noch keine Menschen gab (vgl. Religion, Philosophie).

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