Archiv der Kategorie: N

Nationalismus

N. war die Pest des 19. und 20. Jahrhunderts. Deshalb abzulehnen. Doch im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts stellen in Europa immer mehr Nationen fest, dass sie ein N.-Defizit haben, und betonen wieder das Nationale. Was nur natürlich ist. Gehört doch zu den Grunderkenntnissen der Sozialwissenschaften, dass die einzelnen Mitglieder jeder Gruppierung bei stärkerem Zusammenwachsen der Gruppe ein immer stärker werdendes Bedürfnis entwickeln, ihre Eigenart zu zeigen, um nicht unauffindbar in der Gemeinschaft unterzugehen (vgl. Brexit, Globalisierungserfolge, Individualität, Nationalisten, Sport, Strohhalm).

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Nationalisten

Wenn N. Leute sind, die ihr Land für generell besser halten als alle anderen Länder, sollte man ihnen auf die Schnauze hauen. Sind das dagegen Leute, die ihr Land gegen eine Eroberung, gleich ob militärischer, wirtschaftlicher oder kultureller Art, verteidigen, sollte man sie unterstützen. Sind das jedoch Leute, denen es bloß darum geht, in einer Vereinigung von Ländern, die sich immer enger zusammenschließt, das eigene Profil zu betonen, um nicht verloren zu gehen, sollte man ihnen ein verständnisvolles Lächeln schenken (vgl. Europafeindlichkeit, Nationalismus).

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Naturbegeisterung

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Wenn ich nur die Sägezacken an den einladend winkenden Palmwedeln oder an den vollfleischigen Blättern der Agave sehe, bedrohlich wie Haizähne, weiß ich, welches Gesetz in der Natur gilt: das Gesetz des Stärkeren (vgl. Aasfresser, Motorsäge, Sentimentalität, Sozialisation, Unnatur).

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Naturbeobachtung

Dass die Nase eine wichtige Funktion hat als Vorwärmer der Atemluft, steht außer Zweifel. Das erklärt, weshalb die negroide Nase kurz und platt ist, denn im heißen Klima Afrikas war kein Vorwärmen erforderlich. Das müsste dann aber auch heißen, dass die extrem kurzen Nasen der Asiaten auf eine Vorzeit mit extrem heißem Klima hindeuten (vgl. Aasfresser, Klimawechsel, Kreuz, Natur).

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Naturgesetze

Manch einer glaubt daran. Dabei weiß man längst: Nach den Gesetzen beispielsweise der Aerodynamik kann die Hummel mit ihrem enormen Gewicht und den kurzen Stummelflügeln nicht fliegen. Doch die Natur schert sich nicht um N. und lässt die Hummeln fliegen, dass es eine Freude ist (vgl. Glauben, Wissenschaft, Zweifel).

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Naturkind

Sie schwimmt möglichst jeden Tag ihre 1000 Meter, benutzt aber niemals Seife. Deshalb habe sie diese feine Haut, meint sie. Lediglich für die Haare braucht sie etwas Shampoo. Aber auch eine Zahnbürste sowie Zahncreme hat sie. Doch damit ist die Kultivierung schon fast zu Ende. Sie braucht keinen Kamm und keine Bürste, weil die kurzen und naturkrausen Haare mit den Fingern beider Hände in Ordnung gebracht werden. Die hellen Haare im Gesicht sind für sie ein beliebtes Spielzeug. Immer wieder ist sie mit spitzen Fingern dabei, sie auszuzupfen. Zwischen den Zähnen prüft sie dann, ob sie ein Härchen erwischt hat. Sie kennt keinen Fön und keinen Nagelreiniger, auch keinen Deodorantstift, erst recht kein Parfum, kein Make-up, außer manchmal für die Augen ein wenig. Bloß einen kleinen Klipper zum Kürzen der Nägel hat sie. Aber zum Reinigen der Nägel findet sie irgendwo am Weg den richtigen Halm, genau wie zum Beseitigen der Essensreste zwischen den Zähnen. Sie isst am liebsten mit den Fingern und trinkt am liebsten aus der Flasche. Zum Pissen hockt sie sich hinter den nächsten Busch oder Felsbrocken. Sie kennt keine Taschentücher, schon gar nicht die Papiertaschentücher. Ihre Nase macht sie nur mit den bohrenden Fingern frei, entsprechend groß sind ihre Nüstern. Aber Geld fasst sie nicht an, sie bezahlt alles mit ihrer goldenen Visa Card (vgl. Kultur, Zivilisation).

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Nebengeräusche

Jedes Wort – außer der, die das, und oder dergleichen – hat N. und ein Farbschillern, einen speziellen Duft, was alles der Leser mitkriegt, ob er will oder nicht. Bei literarisch anspruchsvollen Texten hat der Autor das nicht nur bedacht, sondern auch beabsichtigt. Das ist in jeder Sprache so. Und das ist es, was anspruchsvolle Literatur unübersetzbar macht, weil das entsprechende Wort der anderen Sprache, das der Übersetzer benutzt, andere N. und so weiter hat. Das Wort, das übersetzt werden sollte, verliert also seine N. und so weiter, es kommt daher wie ein splitternackter Auswanderer, der nach dem Grenzübertritt erst einmal neu eingekleidet wird (vgl. Konnotationen, Literatur, Sprache, Übersetzung, Unübersetzbarkeit).

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Neid

Philosophen wie Sozialwissenschaftler sehen im N. die Triebfeder zu allen zivilisatorischen wie kulturellen Entwicklungen. Der N., dieses zwanghafte Sich-Vergleichen der Menschen, ist also positiv zu bewerten. Und da zum N. stets mindestens zwei Menschen gehören, nämlich der Neider und der Beneidete, sind sie beide positiv zu sehen. So oder so für die Gesellschaft unverzichtbar, kann sich jeder aussuchen, ob er lieber neidvoll oder beneidenswert sein will. Wieviel Lustgewinn man aus dem einen oder anderen Zustand bezieht, ist eine Frage des persönlichen Geschicks (vgl.: Freunde, Kultur, Lust, Philosophie).

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Neoliberalismus

Was sich mit neue Freiheitlichkeit übersetzen lässt, ist ein tropfnasser Schwamm, den Wirtschaftspolitiker sich seit Jahrzehnten gern gegenseitig an den Kopf werfen. Als ein Ismus ist dieser Begriff generell fragwürdig, und weil jeder etwas anderes darunter versteht, ist er sogar eine Universalwaffe. Der eine verteidigt damit die Soziale Marktwirtschaft, der andere attackiert damit Reformer, die angeblich soziale Wohltaten zurücknehmen. Das Beste ist: einfach weghören (vgl. Ideologie, Politik, Weltverbesserer).

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Nett

Ein universal einsetzbares Adjektiv, weil es angenehm kurz, unpolitisch und geschlechtsneutral ist, dabei positiv klingt und nichts sagt, also nicht auf Kritik stoßen kann (vgl. Belanglosigkeit).

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