Archiv der Kategorie: J

Jargon

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Was die Franzosen als unverständliches Gemurmel bezeichnen – die Sprache bestimmter sozialer Schichten oder einer wissenschaftlichen Disziplin – , kann so wertvoll wie gefährlich sein. Wer den J. einer Gruppe beherrscht, kann sich schon allein damit als dazugehörend einschleichen, wer ihn nicht beherrscht, verrät sich als nicht dazugehörend (vgl. Bildung, Bluff).

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Jeans

Arbeitshose aus reiner Baumwolle, von dem deutsch-jüdischen Emigranten Lewis Strauss Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA hergestellt und 1872 als Nietenhose zum Patent angemeldet. Ursprünglich nur blau und so hässlich, dass sie ganz von selbst weltweit zum Modeartikel wurde, inzwischen vielfach abgewandelt und zum Symbol des Amerikanismus geworden. Vom Papst noch nicht als “Verhüterli” verflucht, dabei ist die hautenge Hose das wirksamste Mittel zur Empfängnisverhütung, weil sie zwar an der Frau sehr aufreizend wirkt, beim Mann aber durch die Dauererwärmung der Hoden die Zeugungsunfähigkeit fördert (vgl. Fleischeslust, Wirtschaftsimperialismus, Zeugungsfähigkeit).

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Jeder

Immer daran denken und trotzdem die Nerven behalten: J. ist für sich selbst der Mittelpunkt des gesamten Universums. Nichts Wichtigeres gibt es für ihn als ihn selbst (vgl. Ich, Warnung).

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Jerusalem

Die Stadt wird oft als Welthauptstadt des Monotheismus bezeichnet. Dabei wird dort mindestens fünf verschiedenen Gottesvorstellungen gehuldigt, von dem Gott Mammon mal ganz abgesehen (vgl. Monotheismus, Religiosität).

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Jesus

Der weltweit bekannteste Jude. Nach jüdischer Deutung der uneheliche Sohn einer Jüdin und eines römischen Besatzungssoldaten, als Unruhestifter hingerichtet. Nach christlicher Deutung der von einer Jungfrau geborene Sohn Gottes und Gründer ihrer Religion und Kirche, schuldlos am Kreuze gestorben, jedoch nach drei Tagen auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Auch nach muslimischer Deutung von einer Jungfrau geboren, aber als der Geist Gottes, der letzte in der langen Reihe der Propheten vor dem Propheten Mohammed. Alles möglich, obwohl man nicht weiß, ob es diesen J. überhaupt gegeben hat. Gibt es doch keinen einzigen außerbiblichen Hinweis auf seine Existenz. So ist man aufs Glauben angewiesen. Natürlich hat die phantastischste der drei Deutungen weltweit die meisten Anhänger gefunden (vgl. Glauben, Buch: Jesus Online, Judenfeindlichkeit, Religiosität, Religionsgründer).

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Journaille

Das vom franz. Wort für “Tag” abgeleitete Fremdwort J. dient als Sammelbezeichnung für alles, was sich mit den Ereignissen des Tages beschäftigt und von Journalisten gemacht wird, also die gesamte Presse und weite Bereiche von Funk und Fernsehen. Das Wort J. hat einen mehr negativen als positiven Klang. Es erkennt zwar die atemlose Bemühung um die Aktualität an, geißelt aber die zwangsläufige Oberflächlichkeit und Fehlerhaftigkeit dieser Dienstleistung, die den Zeitgenossen trotzdem unverzichtbar erscheint (vgl. Bildung, Journalist, Kommerz).

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Juckreiz

Für wen die Liebe ein bloßer Juckreiz ist, der hat viele Möglichkeiten, sie voller Lust zu empfinden. Unser Nervensystem ist so allumfassend, dass wir sogar das Jucken am Ellbogen oder an der kleinen Zehe als Lust empfinden können – wenn wir nur bescheiden genug sind (vgl. Liebe, Lust, Mensch).

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Judenfeindlichkeit

Eine naheliegende Erklärung der seit Urzeiten in erschreckend vielen Epochen und Gesellschaften anzutreffenden J. liegt in der Religion der Juden, die als die Verehrung des Gottes Ich interpretiert werden kann. Manifestiert einerseits in der Antwort, die Moses vor dem brennenden Dornbusch von Gott erhielt: Ich bin, der ich bin, andererseits in den ersten drei der Zehn Gebote: 1. Ich bin der Herr, dein Gott. 2. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. 3. Du sollst den Namen deines Gottes ehren. Im Alltag zeigt sich diese religiös fundierte Ich-Verehrung in dem typischen Namenskult der Juden und in der offensichtlichen Bevorzugung zunächst der Familie, dann der Gemeinde und danach der übrigen Glaubensgenossen, wonach erst der Rest der Menschheit gesehen wird. Weil die jüdische Religion nicht nur dem Gott Ich dient, sondern auch dem individuellen Ich, wird konsequenterweise die Hürde für den Übertritt zur jüdischen Religion (Konversion) hoch gehalten und im Unterschied zu fast allen anderen Religionsgemeinschaften keine Missionierung betrieben (vgl. Antisemitismus, Egoismus, Egozentrik, Jesus, Viktimologie).

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Jugendlichkeit

Ein modernes, von den Medien absichtsvoll unterstütztes Vorurteil ist, J. sei etwas Positives. In Wahrheit ist J. die bloße Möglichkeit, ein ernstzunehmender Mensch zu werden; dagegen ist die Erfahrung des Alters eine Wirklichkeit. Leuten, die ihre J. überbetonen, sollte man sagen: Mach dir nichts draus, das gibt sich (vgl. Dummheit, Jugendlichkeitswahn).

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Jugendlichkeitswahn

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Was bei Lehrern anfing, die sich den Schulkindern anbiederten, indem sie sich spätpubertär gaben, hat in Mode und Sport bereits zu mancher Kindesmisshandlung geführt. Jetzt hat der J. den Literaturbetrieb erreicht. Jung, jünger am jüngsten sind literarische Kriterien geworden. Dabei weiß jeder: Der Mensch wird dumm geboren und ist ein Leben lang gezwungen, mühsam dazuzulernen. Doch nur das Nobelpreiskomitee in Stockholm kennt noch die echte Bewertungsskala für Schriftsteller: alt, älter, am gescheitesten (vgl. Gescheit, Literaturkritik, Nobelpreis, Rezensent).

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Jugendstil

Beim Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert aufgekommene Kunstrichtung mit der Betonung floraler oder geometrischer Elemente, die ein neues Lebensgefühl ausdrückte: Natürlichkeit im Denken und Handeln, in der Kleidung und im Wohnen (von Germanenkult, Reformkost und Wandervogelbewegung bis zur Nacktkörperkultur und Bauernromantisierung). Die erste Entartung, nämlich Arierwahn und Blut-und-Boden-Kult, haben wir überwunden, die zweite erleben wir gerade (vgl. Jugendlichkeitswahn, Körperkultur).

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Jung

J. sein heißt heute, modische Ansprüche zu haben, was das Styling der diversen unvermeidlichen Prothesen betrifft, geschmäcklerisch vor allem bei Zahnersatz, Brille, Haarteil, Auto, Rückenstütze, Gesundheitsmatratze, Fernsehsessel, Hörgerät und Luftpolsterschuh, und sich noch sehr zu langweilen beim Warten auf die Verrentung (vgl. Alt, Prothetik).

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Jungbrunnen

Illustration: Jochen Böttcher, Klein Schmölen bei Dömitz

Illustration: Jochen Böttcher, Klein Schmölen bei Dömitz

Das Prinzip „Aus Alt mach Neu“ durch ein Bad im J. verwirklichen zu können, ist einer der atavistischen Wunschträume der Menschheit. Im Unterschied zu den atavistischen Wunschträumen Sieben-Meilen-Stiefel (Flugzeug), Allgegenwärtigsein (Fernsehen), Allwissendsein (Computer) und Esel-Streck-Dich (Sozialstaat) zeichnet sich für den J. noch keine Methode der Realisierung ab. Wir haben also noch Zukunft (vgl. Erfinder, Hoffnung, Zufriedenheit).

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Jungfrauengeburt

Soll Jesus passiert sein. In vielen Kulturen gibt es für einzelne Spitzentypen die Vorstellung einer Geburt ohne vorhergehende geschlechtliche Zeugung, als ob die was Schlechtes wäre. So bei den Pharaonen angenommen, auch bei Buddha sowie Dionysos, bei der Pallas Athene und der Aphrodite und vielen anderen in anderen Mythologien sowie bei Alexander dem Großen. Das macht outstanding, wie die Werbesprache diese Deklarierung eines Produkts nennt. Ist zwar kaum zu glauben, aber nicht ganz unwahrscheinlich, weil es die J. bei etwa 40 Arten von Wirbeltieren gibt. Dazu gehört sogar das größte Landreptil, der indonesische Komdo-Drache. Was unsere Chromosomen-Vorstellung total verwirrt: In Jungfernzeugung brüten die Weibchen auch männliche Sprösslinge aus, obwohl die doch völlig überflüssig sind. Mach dir nichts draus, Mann (vgl. Emanzipation, Jesus, Macho).

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