Archiv der Kategorie: G

Gebet

Ein G. ist ein versuchter Brückenschlag vom Realen zum Irrealen. Es ist immer eine Einbahnstraße, dennoch meist tröstlich, vor allem, wenn es der letzte Ausweg ist. Jedes G. ist eine Realität, weil es mit Worten daherkommt. Aber da das Erreichen des jenseitigen Brückenkopfs fraglich bleibt, gehört es doch zu unserem großen Vorrat an Irrealem – ist also besonders wertvoll (vgl. Glauben, Tragfähigkeit, Zielführend).

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Geburt

Schon mit der G. widerfährt uns die größte Ungerechtigkeit, eine kaum noch zu übertreffende. Denn wann, wo, in welcher Familie geboren, mit welchem Intelligenzquotienten ausgestattet und mit welchen Veranlagungen gesegnet oder geschlagen, das entscheidet über Glück oder Unglück des gesamten Lebens. Und dabei hat man nicht einmal die Möglichkeit, sich gegen seine G. zu wehren. Gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit der G. tun sie nach wie vor nichts, die Gewerkschaften und Kirchen und Versicherungen und all die Weltverbesserungsparteien (vgl. Schicksal, Ungerechtigkeit).

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Geburtstag

Der G. ist kein Grund, einem Mitmenschen zu gratulieren, weil keinerlei persönliche Leistung dahinter steht. Man könnte allenfalls seiner Mutter gratulieren. Ein G. ist auch kein Grund zum Feiern,  Ist er doch eher ein trauriger Anlass, jeder Geburtstag, vom ersten bis zum letzten. Weil er den nächsten Schritt in Richtung Grab markiert (vgl. Einbahnstraße, Leistung, Namenstag, Schicksal).

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Gedankenstrich

Um einen nicht ausgesprochenen Gedanken anzudeuten, schreiben wir einfach einen Strich. In den allermeisten Fällen wohl zu Recht (vgl. Dummheit, Kommunikation, Minus).

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Gegenöffentlichkeit

Der Begriff stammt aus der 68er-Bewegung des 20. Jahrhunderts. Er stand für ein Gemenge von Alternativaktionen, mit denen die Meinungsmonopole der etablierten Presse unterlaufen werden sollten. Zu diesen Aktionen zählten Demonstrationen, Blockaden, Flugblätter, Plakate sowie eigene Radiosender und die Herstellung von Videofilmen. Dazu sind auch Alternativverlage und die Zeitung taz zu zählen. Trotz aller Begeisterung und Energie blieb der Erfolg marginal. Erst durch das Internet bekam die G. seit der Jahrhundertwende eine ganz neue Dynamik, weil sich nun in den sozialen Medien und anderen Foren sowie Blogs für jeden die Möglichkeit auftut, seine Meinung den offiziell und pressemäßig verbreiteten Meinungen entgegenzusetzen, mit starker Resonanz, wenn auch oft schlecht durchdacht und in einem miserablen Deutsch. Und die etablierten Medien sehen mit hochgezogenen Augenbrauen, dass damit die ewige Einbahnstraßenregelung der Meinungsmache aufgehoben wird (vgl. Aktionismus, Blogs, Lügenpresse, Netzine).

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Geheime Liebe

Die g. L. ist für einen verheirateten Mann in der Weise das Gegenstück zur Ehefrau, wie der Geländewagen das Gegenstück zur Familienkutsche ist: Der Wunschtraum von vielen, der Besitz von wenigen (vgl. Ehefrau, Geliebte, Zweitwagen) .

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Gehirn

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Das G. ist physikalisch gesehen eine träge Masse. Meist auch in anderer Hinsicht. Außer im Boxring kaum in Bewegung zu bringen. Stahlhelme, Sturzhelme, Schutzhelme aller Art resultieren aus der Erkenntnis, dass unser Gehirn, selbst bei Minimalausbildung der wichtigste Körperteil, von diesem Körper nicht ausreichend geschützt wird. Die Schädeldecke ist zu dünn und zu brüchig. Doch die weitergehende Erkenntnis, dass wir mit dem Tragen von Helmen die evolutionäre Bildung eines wirklich schützenden Hartkopfes verhindern, hat das Gehirn uns noch nicht geliefert. Was Zweifel an seiner Schutzwürdigkeit aufkommen lässt (vgl.: Evolution, verkopft).

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Gehirnwäsche

Die Tatsache, dass man einem Menschen nur vor den Kopf sehen kann und nicht weiß, was sich hinter der Stirn versteckt, vor allem die sogenannte Mentalreservation, war schon immer ein Ärgernis. Es hat dazu geführt, dass man perfide Methoden zur Veränderung des fremden Bewusstseins erdacht hat, die diese Barriere überwinden. Solche Methoden wurden und werden vor allem gegenüber gefangenen politischen Gegnern und Kriegsgefangenen angewandt. Durch besonders suggestives Bearbeiten mit immer wieder denselben Begriffen bei pausenloser körperlicher Belastung u. a. durch Schlaflosigkeit, grelles Licht, Lärm und erzwungene Bewegungslosigkeit erreicht man, was in der Waschmittelreklame heißt: Zwingt Grau raus, bringt Weiß rein. Wer überzeugt ist, dass er das reine Weiß zu bieten hat, jedem Grau überlegen, hält sich natürlich für berechtigt, seine Mitmenschen der G., auch Brainwashing oder Mentizid genannt, zu unterwerfen, ist aber doch ein Terrorist (vgl. Gehirn, Gewalttätigkeit, Politiker).

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Geiselnahme

Eine Unverschämtheit. Aber verständlich (vgl. Staatsangehörigkeit).

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Geld

Für das G., eigentlich bloß das generelle Tauschmittel, gibt es so viele kluge Definitionen, dass es das Klügste ist, sich nicht mit ihnen zu beschäftigen, sich statt dessen darum zu bemühen, fremdes Geld in die eigene Tasche zu leiten. Denn wenn man es hat, ist es sowieso etwas qualitativ anderes als wenn man es nicht hat. Weil man plötzlich versteht, was das alte Sprichwort meint: Geld ist die Brücke zu allen möglichen Lebensträumen, aber auf einer Brücke kann man nicht leben (vgl. Durchgangsinteresse, Geldadel, Neid, Quickie, Salär, Schere, Wohlstand).

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Geldgier

G. beruht auf dem weitverbreiteten Missverständnis, Geld sei alles. Doch das Wichtigste im Leben ist Intelligenz, und gerade die kann man nicht kaufen (vgl. Geld, Intelligenz).

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Geliebte

Bei einem Seitensprung des Mannes entsetzt sich die Ehefrau über Ehebruch und Betrug und verlangt die Trennung, weil sie in der G.n ihres Mannes die Alternative zu sich selbst sieht. Dabei weiß man schon seit der Zeit der Alten Römer, dass die G. nicht das Gegenstück zur Ehefrau ist, sondern eine Ergänzung. Kann doch der Mann mit seiner Ehefrau schon aus Hochachtung so manches nicht tun, was er mit seiner G.n tut, und das allein aus Spaß an der Freud’ (vgl. Betrug, Ehebruch, Liebe, Treue).

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Gemeinnutz

G. geht vor Eigennutz, so sagte man früher. Inzwischen weiß man, dass es genau umgekehrt ist. Dass der Eigennutz dem G. vorangeht. Zu dieser Erkenntnis haben nicht zuletzt die Politiker beigetragen, was diesem Berufsstand immerhin eine gewisse Berechtigung gibt. Dienen doch auch schlechte Beispiele der Aufklärung des Volkes. Die neue Regel lautet: Eigennutz geht vor G. Diese Regel ist aber in dem Sinne zu verstehen, dass sogar aus eigennützigem Handeln Gemeinnütziges entstehen kann. Denn da das Gemeinnützige jedem einzelnen einer Gemeinschaft zugute kommt, ist es besonders geschickt, wenn man in einer Weise eigennützig handelt, die dem G. – und damit indirekt auch wieder einem selbst, also dem Eigennutz – dient (vgl.: Künstler, Politiker, Eigennutz, Eigenliebe).

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Gemeinschaftslatrine

Die G. der Alten Griechen und Römer, wie wir sie heute noch da und dort erhalten sehen – ein Dutzend und mehr Kacklöcher dicht nebeneinander in der langen Steinbank über einem verdeckten Kanal und davor ein Rinnsal zum anschließenden Händewaschen – das war das unverzichtbare Netzwerk für den Alltagsplausch, so beliebt, dass man dafür gern auf jede Intimität verzichtete, also das Facebook der Antike (vgl. Facebook, Kommunikation, Schamgefühl, Simplizität).

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Genozid

Ein G. (deutsch: Völkermord) ist der gewaltsame Versuch, fremde Gene auszurotten. Das war er unbewusst schon lange, bevor die Gen-Technologie uns die genauere Kenntnis der Begriffe gab. Die frühesten G.-Berichte stehen im Alten Testament (4 Mose, 31): Die Ausrottung der Midianiter sowie der Amalekiter durch die Hebräer, Mose angeblich von seinem Gott befohlen (4 Mose, 24), deshalb gerechtfertigt. Schon damals war die Bezeichnung Völkermord zu eng, weil die zuchterfahrenen Viehhalter die unberührten Mädchen der Feinde nicht töteten, sondern für die Verbreitung der eigenen Gene benutzten. Doch kann man nicht sagen, dass der G. mit dem “Holocaust” auf seine Erfinder zurückgefallen sei. Denn es gab ihn höchstwahrscheinlich schon vorher und anderswo, und es gibt ihn leider auch hinterher, jetzt vor allem in Afrika. Er lässt sich nicht auf eine Region oder Rasse beschränken, sondern ist offensichtlich urmenschlich (vgl. Indianer, Menschlichkeit, Nazis, Präkolumbianische Kultur, Religion, Völkermord).

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Gentechnologie

Neue technische Verfahren rund um die Reproduktion von Leben, die besonders im Hinblick auf den Menschen im Kreuzfeuer der Ideologen stehen. Das wird nicht verhindern, dass – wie immer – gemacht wird, was machbar ist (vgl. Beischlaf, Frankenstein, Pygmalion, unbefleckte Empfängnis).

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Genus

Unter G. versteht man das grammatische Geschlecht von Wörtern. Im Deutschen hat das grammatische Geschlecht nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun. Es ist, was ungebildete und sexorientierte Zeitgenossen nicht verstehen können, geschlechtsneutral. Aus Unverstand meinen diese Leute, alles doppelt bezeichnen zu müssen. So kommt zu dem geschlechtsneutralen Begriff Zeitgenosse die Zeitgenossin und zu dem Begriff Mensch die Menschin, zu dem Begriff Person der? Dabei bleibt der Schuh der Schuh, gleich wer ihn sich anzieht, ein Mann, eine Frau oder ein Kind. Wie die Arbeitskraft die Arbeitskraft bleibt, gleich wer die Arbeit tut, ein Mann, eine Frau oder ein Kind. Wegen dieser Schwierigkeiten ist in manchen sehr abgeschliffenen Sprachen die G-Einteilung schon verschwunden, beispielsweise im Englischen,  dem die Freundin fehlt, so dass ein friend nur noch durch ein zugefügtes Adjektiv oder durch den Zusammenhang als männlich oder weiblich zu identifizieren ist (vgl. Emanzipation, Sprache).

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Genuss

Der Baum genießt das Licht und das Wasser sowie die Luft und die Nährstoffe des Bodens, der Vogel genießt zusätzlich mancherlei anderes Futter und dazu seine Vögelin, der Mensch ist in seiner Mehrzahl genauso bescheiden. Nur wenige entwickeln die Fertigkeit, Kunst zu genießen (vgl. Kultur, Lebensmittel, Lust, Überlegenheit).

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Gerecht

Die hochgelobte Natur ist alles andere als gerecht, wie sie dem einzelnen sein Maß an Intelligenz zuteilt und den Todeszeitpunkt setzt (vgl. Beschwerderecht, Gerechtigkeit, Schicksal).

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Gerechtigkeit

Man sollte sich keinen falschen Hoffnungen hingeben: Im Wort G. kommt zwar das Wörtchen Recht vor, aber im Recht kommt die G. allenfalls zufällig vor (vgl. Illusion, Wünsche).

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Gescheit

Ein positives, deshalb immer gern gehörtes Werturteil. Dabei handelt es sich oft bloß um ein Schwanzwort, von gescheitert übrig geblieben (vgl. Beziehungen, Gerissenheit, Glück, Schwanzwort).

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Geschmack

Wer für dies oder das einen besonders feinen G. ausbildet – oder sich einbildet, bereitet sich damit immer wieder Momente des Genusses, aber auch Momente der Unlust. Und wehe dem Freund, der es wagt, darauf hinzuweisen, dass die einen Momente die anderen Momente aufwiegen, also alle Geschmäcklerei für die Katz ist (vgl. Eitelkeit, Geschmackliches, Oberflächendifferenzierung, Unterhaltsames).

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Geschmackliches

Die Begeisterung für G. ist bei manchen Zeitgenossen so intensiv, dass der stets neugierige Geschmackssinn das Geistige ins Vergessen abschieben kann. Verständlich, sind doch auch Zunge und Gaumen im Kopf angesiedelt (vgl. Geschmack, Mensch).

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Geschmackssache

Der eine will Rotwein, der andere Weißwein, die eine will Tee, die andere Kaffee, und das nennen sie G., dabei müsste der eine eigentlich zugeben, dass er was gegen den Durchfall tun will, wie der andere gestehen müsste, er wolle sich keine Verstopfung holen, genauso die eine und die andere, wenn sie ehrlich wären. Denn die Versorgung hat stets mit der Entsorgung zu tun. Aber über sowas am Tisch zu sprechen, das ist halt G. (vgl. Kannibalismus, Modetorheiten, Stroh, Umschreibungen).

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Geschwister

Immer wieder erstaunlich, wie sie sich bei aller natürlichen Ähnlichkeit zu unterscheiden suchen. Was dem “Spiegel” sein Brüderchen “Focus”, das ist der “Zeit” das Schwesterchen “Woche”: Nicht so tierisch ernst schwadronierend, dafür nervtötend lebhaft und verspielt (vgl. Journaille).

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