Archiv der Kategorie: G

Gebet

(Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein)

Ein G. ist ein versuchter Brückenschlag vom Realen zum Irrealen. Es ist immer eine Einbahnstraße, dennoch meist tröstlich, vor allem, wenn es der letzte Ausweg ist. Jedes G. ist eine Realität, weil es mit Worten daherkommt. Aber da das Erreichen des jenseitigen Brückenkopfs fraglich bleibt, gehört es doch zu unserem großen Vorrat an Irrealem – ist also besonders wertvoll (vgl. Glauben, Tragfähigkeit, Zielführend).

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Geburt

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Schon mit der G. widerfährt uns die größte Ungerechtigkeit, eine kaum noch zu übertreffende. Denn wann, wo, in welcher Familie geboren, mit welchem Intelligenzquotienten ausgestattet und mit welchen Veranlagungen gesegnet oder geschlagen, das entscheidet über Glück oder Unglück des gesamten Lebens. Und dabei hat man nicht einmal die Möglichkeit, sich gegen seine G. zu wehren. Gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit der G. tun sie nach wie vor nichts, die Gewerkschaften und Kirchen und Versicherungen und all die Weltverbesserungsparteien (vgl. Schicksal, Ungerechtigkeit).

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Geburtstag

Der G. ist kein Grund, einem Mitmenschen zu gratulieren, weil keinerlei persönliche Leistung dahinter steht. Man könnte allenfalls seiner Mutter gratulieren. Ein G. ist auch kein Grund zum Feiern,  Ist er doch eher ein trauriger Anlass, jeder Geburtstag, vom ersten bis zum letzten. Weil er den nächsten Schritt in Richtung Grab markiert (vgl. Einbahnstraße, Leistung, Namenstag, Schicksal).

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Gedanken

Illustration: Petr Simak, Ludwigshafen

Die Gedanken sind frei, ja, das sagt sich so leicht. Doch ist unser Denken nur im Schlaf völlig frei und unabhängig. Was uns oft Anlass gibt, uns über unsere Verstandesarbeit im Schlaf zu wundern. Was wir aber nicht überbewerten dürfen. Über unsere Verstandesarbeit im Wachzustand wundern sich andere noch viel öfter (vgl. Meinung, Standpunkt). 

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Gedankenstrich

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Um einen nicht ausgesprochenen Gedanken anzudeuten, schreiben wir einfach einen Strich. In den allermeisten Fällen wohl zu Recht (vgl. Dummheit, Kommunikation, Minus).

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Gefühle

Die Intensität seiner G. zu forcieren, durch Wiederholung, durch Verstärkung der Reize oder durch Sich-Bewusst-Machen der Aktion, die G. ausgelöst hat, viele halten das für die Formel zum Glück. Tatsächlich bringt das ein Mehr an Gefühlsgenuss, der aber sowohl freudvoll als auch tränenreich sein kann. Die wahre Steigerung der G. schafft man erst, indem man den Gefühlssturm durch den Einsatz von kühler Überlegung in feste Bahnen lenkt. Das heißt: Nur wer die Zonen unter und über der Gürtellinie zusammenbringt, ist der Meister seines Selbst (vgl. Denken, Rationalität, Sex).

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Gegenöffentlichkeit

Der Begriff stammt von der 68er-Bewegung des 20. Jahrhunderts. Er stand für ein Gemenge von Alternativaktionen, mit denen die Meinungsmonopole der etablierten Presse unterlaufen werden sollten. Zu diesen Aktionen zählten Demonstrationen, Blockaden, Flugblätter, Plakate sowie eigene Radiosender und die Herstellung von Videofilmen. Dazu sind auch Alternativverlage und die Zeitung taz zu zählen. Trotz aller Begeisterung und Energie blieb der Erfolg marginal. Erst durch das Internet bekam die G. seit der Jahrhundertwende eine ganz neue Dynamik, weil sich nun in den sozialen Medien und anderen Foren sowie Blogs für jeden die Möglichkeit auftut, seine Meinung den offiziell und pressemäßig verbreiteten Meinungen entgegenzusetzen, mit starker Resonanz, wenn auch oft schlecht durchdacht und in einem miserablen Deutsch. Und die etablierten Medien sehen mit hochgezogenen Augenbrauen bei fallenden Auflagenzahlen, dass damit die ewige Einbahnstraßenregelung der Meinungsmache aufgehoben wird (vgl. Aktionismus, Blogs, Lügenpresse, Netzine).

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Gegenteil

Wie Unglück nicht das G. von Glück ist, weil Glück das Gefühl eines Zustands ist, ein Unglück aber nur ein Ereignis, so ist die Untat nicht das G. von Tat, sondern bloß eine negativ bewertete, vergleichbar dem Unmenschen, der leider auch nicht das Gegenstück zum Menschen ist. Die Manie des westlichen Denkens, alles durch sein G. zu definieren, stößt immer wieder an ihre Grenzen. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen nach Bauchgefühl leben statt zu denken  – als ob das ein Gegensatzpaar wäre (vgl. Alternativdenken, Fuzzilogik, Logik, Unsinn).

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Geheime Liebe

Die g. L. ist für einen verheirateten Mann in der Weise das Gegenstück zur Ehefrau, wie der Geländewagen das Gegenstück zur Familienkutsche ist: Der Wunschtraum von vielen, der Besitz von wenigen (vgl. Ehefrau, Geliebte, Zweitwagen) .

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Gehirn

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Das G. ist physikalisch gesehen eine träge Masse. Meist auch in anderer Hinsicht. Außer im Boxring kaum in Bewegung zu bringen. Stahlhelme, Sturzhelme, Schutzhelme aller Art resultieren aus der Erkenntnis, dass unser Gehirn, selbst bei Minimalausbildung der wichtigste Körperteil, von diesem Körper nicht ausreichend geschützt wird. Die Schädeldecke ist zu dünn und zu brüchig. Doch die weitergehende Erkenntnis, dass wir mit dem Tragen von Helmen die evolutionäre Bildung eines wirklich schützenden Hartkopfes verhindern, hat das Gehirn uns noch nicht geliefert. Was Zweifel an seiner Schutzwürdigkeit aufkommen lässt (vgl.: Evolution, verkopft).

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