Archiv der Kategorie: Aktuell

838. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Da und dort und überall Massenproteste gegen die Corona-Einschränkungen. Dass so viele Menschen die Corona-Vorschriften für unnötig halten, beunruhigt mich, wundert mich aber nicht. Denn die Zahlenangaben zur Corona-Krise, mit denen wir in Radio, Fernsehen und Presse Tag für Tag abgespeist werden, sehen nach Verschleierung aus. Lassen diese Zahlen doch nicht erkennen, wie abhängig die Entwicklung der Krankheit von den staatlichen Maßnahmen der Einschränkung und dem Angebot an Testmitteln und Klinikbetten ist. Vor allem wird nicht geklärt, was als Corona-Sterbefall definiert wird und was nicht. Und den Vergleich der absoluten Todesfallzahlen von heute mit den Vorjahreszahlen in demselben Zeitraum und Gebiet sucht man vergebens.

 

Wir leben in einem wirtschaftlich gesunden und politisch einigermaßen klug geführten Staat. Trotzdem geht die Jugend in Deutschland nur noch gesenkten Hauptes daher. Ist ja unvermeidlich, wenn man das winzige Gekritzel auf dem Handy in der Hand entziffern will.

 

Wenn in den Fernsehnachrichten Gewaltszenen gebracht werden und die Kommentare der über die Gewaltausbrüche pflichtgemäß erstaunten und empörten Politiker, können die Fernsehzuschauer das gar nicht so richtig genießen, weil das so mickrig ist im Vergleich zu all der Brutalität, die tagtäglich und nachtnächtlich auf dem Bildschirm in Filmen und schon in ihren Trailern gezeigt wird,

 

Das Wort Rassismus erfährt heute eine fast schon hysterisch zu nennende Überbewertung als das absolut Böse. Und das nur, weil nicht unterschieden wird zwischen der unübersehbaren Feststellung von äußerlichen Unterschieden (Hautfarbe, Augenform, Langnase oder Kurznase) bei Gruppen von Menschen und der unsinnigen Behauptung, die Gruppen seien deshalb von Natur aus unterschiedlich wertvoll. 

 

Jetzt hat auch die Stadt Stuttgart einen Leitfaden herausgegeben, der für die Schriftsätze ihrer Behörden entgegen der geltenden orthografischen Norm Gendersternchen zur Regel machen soll. Wenn die Texte dadurch auch nicht mehr laut lesbar werden, hält man das nicht für schlimm. Erstens sollen die Bürger sowieso leise sein, und zweitens ist es für Behördensprache seit eh und je typisch, dass sie in schlechtem Deutsch daherkommt.

 

Heutzutage müssen Firmengründer meist ihr Konzept zunächst einem Geldgeber erläutern, und zwar in einer speziellen Präsentation, die Investoren-Pitch genannt wird. Kein  allzu schöner Begriff, der auch nicht gerade deutsch klingt. Dabei hat das Beratungsportal Basic Thinking gerade erst dazu geraten, bei solchen Präsentationen nicht mit Denglisch groß zu tun, weil das nur zeigt, dass man sich nicht klar und verständlich auszudrücken versteht.

 

Der Wirecard-Skandal zeigt Wirkung, und dem Leser des Wirtschaftsteils der Zeitung sträuben sich die Haare: Fängt man jetzt doch tatsächlich an, die Frage zu stellen, ob es richtig ist, dass Firmen, die sich von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beraten lassen, hinterher von derselben Gesellschaft sich die Ordnungsmäßigkeit ihrer Buchführung bestätigen lassen dürfen. Sind diese Bananen unseren Ministern zu groß?

 

Der neue Duden kommt voller Stolz mit zusätzlichen 3.000 Wörtern daher. Dabei besteht die deutsche Sprache schon aus mehr als fünf Millionen Wörtern. Also kein erheblicher Zuwachs. Allerdings besteht der aktive Wortschatz meiner deutschsprachigen Zeitgenossen durchweg aus nur 12.000 bis 16.000 Wörtern. Da ist es schon eine Frage, ob der Neuerwerb von 3.000 Begriffen ein Zugewinn ist. Die Antwort hängt davon ob, welche deutschen Wörter, um die es schade ist, dafür wegfallen. Trösten wir uns damit, dass der Duden keine Norm setzen kann, sondern nur notiert, was nach Meinung der Redaktion üblich ist. 

 

Vor 33 Jahren bin ich, der ehemalige Opladener, Heidelberger geworden, nachdem ich mal Berliner, mal Bonner war, mal Aachener und mal Oldenburger. In Heidelberg wurde das Heidelberger Schloss meine Welt, und ich erkannte den Hofnarren Perkeo als meinen kleinen, großen Urahn. Der hat mich zu zwei Büchern inspiriert, zu der Romanbiografie „Perkeo – Der Zwerg von Heidelberg“ und zu dem historischen Regionalroman „Tödliches Einmaleins“, in dem Perkeo als Ermittler wider Willen agiert, sowie zu dem YouTube-Viertelstundenfilm „Perkeos Rückkehr“. Und ein weiterer Perkeo-Krimi mit dem Titel „Tödliche Lotterie“ ist fast fertig. Jetzt durfte ich meinem Urahn Perkeo mal wieder einen Vormittag lang einen Dienst erweisen, weil der deutsch-französische Fernsehsender ARTE mich eingeladen hatte, im Hof und im Fassbau des Heidelberger Schlosses über sein Leben und sein wildes Treiben zu berichten. Hat wieder Spaß gemacht, wenn ich auch befürchten muss, dass ich auf Perkeo-Format gekürzt werde, also von 1,90 auf 1,10 m. Wann der Film gesendet wird, erfahre ich erst in einigen Monaten, werde ich dann aber sofort hier und in Facebook bekannt geben. 

 

 

 

 

 

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837. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Früher hieß es: Gestorben wird immer. Doch auf unseren Friedhöfen ist es ruhiger geworden. Die Bestatter sprechen von einem Rückgang der Beerdigungen um 10 Prozent. Schon gibt es in der Branche Kurzarbeit und Gejammer über massive Umsatzeinbußen. Schuld sei die Corona-Pandemie. Weil die Leute möglichst nicht zum Arzt gingen und sich nicht ins Krankenhaus einweisen ließen, werde weniger gestorben. Gleichzeitig fehlten die Toten aus den missglückten Operationen, weil die Kliniken Tausende Eingriffe nicht ausführten, um die Betten für Coronafälle freizuhalten. Und gleichzeitig melden die Statistiker immer weniger Verkehrstote. Es ist zum – ja, was eigentlich?

 

In Deutschland schmücken die Medienleute sich gern mit täglichem Gerede über  Shutdown und Lockdown, und das schafgeduldige Publikum muss jedes Mal überlegen, ob es nun um das Herunterfahren von Freiheiten oder von Einschränkungen geht und ob man selbst ausgesperrt wird oder nur die Ansteckungsgefahr.

 

Heute gilt es die Rechte der X-Minderheit zu respektieren, morgen die der Y-Minderheit und am nächsten Tag die der Z-Minderheit. Die Minderheitenrechte ziehen auf wie ein Gewitter nach dem anderen. Und du stehst im Regen, ohne Schirm. Und fragst dich, wieso eine Minderheit die Mehrheit, zu der du gehörst, beherrschen darf. Da hilft nur noch dir klarzumachen, dass es schon immer so war: Seit eh und je beherrschen die wenigen Reichen all die Armen, wie die wenigen Cleveren all die vielen Schlafmützen beherrschen.

 

Ständig kommt man uns mit englischen Begriffen, die uns besonders imponieren und verwirren sollen. Als erste Maßnahme gegen das Corona-Virus wurde uns Social Distancing empfohlen. Jetzt gibt es erstmals, von afrikanischen Künstlern gestartet, eine Corona-Hymne. Das Lied heißt Stand Together. – Bloß nichts mehr wörtlich nehmen!

 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete am 21. Juli unter dem Titel „Lebensader in Gefahr“ über das im englisch-amerikanischen Sprachraum virulente Intellectual Dark Web (I.D.W.). Es ging dabei um Beispiele von Gegenöffentlichkeit im Netz, die sich gegen den Mainstream behaupten. Mich wunderte die Bemerkung, deutsche Intellektuelle seien noch nicht dabei. Aber natürlich kann man das Netzine mit Laufenbergs Läster-Lexikon leicht übersehen. Was ist schon ein regelmäßig erscheinendes Medium mit nur etwas über 500 000 Zugriffen pro Monat.

 

Immer wieder neue schlechte Nachrichten über die Firma Wirecard. Da fragt sich mancher: Was habe ich damit zu tun? Antwort: Wer sich dämlich-gläubig moderne Zahlungsmethoden aufschwätzen lässt, statt einfach mit Bargeld zu zahlen, fördert damit das Entstehen von immer neuen Geldinstituten als Zwischenhändler, die skrupellos absahnen und für uns alle Waren und Dienstleistungen teurer machen, – für jeden von uns. Das haben wir damit zu tun.

 

Nach Angaben der International Society of Plastic Surgery haben sich im Jahre 2018 in Deutschland fast 390 000 Menschen, hauptsächlich Frauen, einer Schönheitsoperation unterzogen, die oft sehr schmerzhaft ist und manchmal tödlich endet. Dabei ist die Bezeichnung Schönheitschirurg bei uns kein geschützter Begriff, und was schön ist, hängt von den Launen der Mode ab. Im Moment gilt übrigens ein dicker, runder Hintern, the Brazilian Butt, als schön.

 

Das Quadrat bei Schokolade ist jetzt gerichtlich gegen Konkurrenz geschützt. Ist deshalb die Schokoladentafel, die ich in der Buchhandlung sehe, so ehrlich? Da offeriert man eine Schokolade als Abdruck der barocken Mannheimer Innenstadt. Sie zeigt Mannheim, das sich gern Quadratestadt nennt, mit seinem exakten Grundriss, der aus lauter Rechtecken besteht, aber ohne ein einziges Quadrat. Ist das vorauseilender Gehorsam?

 

In der belletristischen Literatur wird hin und wieder einem besonderen Frauentyp ein Denkmal gesetzt. Das waren beispielsweise die Titelfiguren „Nana“ in dem Roman von Émile Zola, „Anna Karenina“ in dem Roman von Leo Tolstoi und „Lolita“ in dem Roman von Vladimir Nabokov. Ich habe mit der Anna Fries in meinem Roman „Der Hund von Treblinka“ einen weiteren extremen Frauentyp präsentiert: die Testosteronfeindin. Die Type hat es zwar nicht zur Titelfigur geschafft und ist auch längst nicht so berühmt wie ihre Vorgängerinnen, dafür aber ist sie moderner und – was zu befürchten ist – ein Zukunftstyp. 

 

 

 

 

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836. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Der Mainstream bekommt endlich eine Gegenströmung. Auf der Website der amerikanischen Zeitschrift  Harper’s Magazine haben 150 Intellektuelle einen offenen Brief veröffentlicht, der das illiberale Meinungsklima anprangert, das von den Verfechtern bestimmter Gruppen erzeugt wird. Mit der Tabuisierung von Begriffen und Sehweisen wird, so klagen die Autoren, der freie Austausch von Informationen und Ideen, also der Lebensnerv einer modernen Gesellschaft, von Tag zu Tag mehr eingeengt. Es breitet sich eine Atmosphäre der Zensur aus, weil kaum noch jemand wagen kann, von den herrschenden Meinungen abzuweichen. Was für die USA gilt, das gilt auch für Deutschland mit seinem linksgrünen Mainstream. Bleibt zu hoffen, dass wir jetzt wenigstens so gescheit sind, auch die Gegenströmung kommen zu lassen. 

 

Ein „Lexikon der schönen Wörter“ gibt es nun, zusammengestellt von dem Sprachwissenschaftler Roland Kaehlbrandt und dem Vorsitzenden des Vereins Deutsche Sprache, Walter Krämer. Sechshundert Wörter, die besonders klingen oder berührend sind, wunderlich, würzig oder vom Aussterben bedroht. Kein Gegenstück zu „Laufenbergs Läster-Lexikon“, weil nicht so grundsätzlich, aber doch eine interessante Ergänzung, was die beiden Wörtersammler da an schönen Begriffen präsentieren wie Ansinnen, Dasein, Wucht, zeitvergessen, alsbald, gemach oder zaghaft. 

 

Freundlichkeit ist der Neuling auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Phänomene. Denn die Vorschriften zum Masketragen und Abstandhalten schränken den Lebensraum der Freundlichkeit so weit ein, dass sie sich kaum noch halten kann. Alle Versuche, mit dem Ellenbogen Freundlichkeit auszudrücken, sind an Lächerlichkeit gescheitert – und daran, dass der Ellenbogen negativ vorbelastet ist.  

 

Ein schöner neuer Begriff hat sich ganz schnell in Norddeutschland eingebürgert. Dort heißt der jetzt vorgeschriebene Mund-Nasen-Schutz einfach Schnutenpulli. 

 

War das schön, als man in der Schule lernte, dass alles entweder fest oder flüssig oder gasförmig ist. Endlich wusste man, was die drei Aggregatzustände sind: fest, flüssig, gasförmig. Doch jetzt lese ich im Wirtschaftsteil meiner Zeitung die Überschrift: „Viele Flüssiggas-Projekte liegen auf Eis.“ Na ja, wenn das Gasförmige flüssig sein kann, dann soll es sich meinetwegen auch zu Eis verfestigen können. Aber bitte ohne mich!

 

Sprache lebt, so heißt es. Das ist natürlich, aber manchmal stinkt’s mir doch. So wenn „wewurt skihit“, der althochdeutsche Seufzer des Hildebrandsliedes aus dem 9. Jahrhundert über Schlimmes, das geschieht, im 21. Jahrhundert dabei ist, sich zu dem Seufzer „shit happens“ zu konkretisieren. 

 

Das habe ich den vielen Schiffen auf dem Rhein, die an meinem Fenster vorbeifahren, als eine Erkenntnis fürs Leben abgeguckt: Den am meisten imponierenden Auftritt bieten stets die leer Daherkommenden.

 

Jetzt weiß ich: Ich habe Tausende Tierfreunde als persönliche Kontakte. Denn nicht ein einziger meiner zahllosen Netzine-Leser hat sich daran gestört, dass ich in der vorigen Ausgabe den Menschen als eine bloß höher entwickelte Tierart bezeichnet habe.

 

Am Sonntag 12. Juli, brachte des ZDF in der Sendung Terra X über die erst jetzt entdeckte Gleichrangigkeit der Frau mit dem Mann in Urzeiten einige Bilder aus dem ältesten noch erhaltenen Kultbau der Menschheit, dem Hypogäum auf der Insel Malta. Wer meinen Kulturthriller „Hypogäum – Triumph der Venus von Malta“ gelesen hat, 2013 im Salon Literatur Verlag erschienen, kannte sich in dieser Unterwelt schon bestens aus, freute sich über das Wiedersehen mit der großen Urmutter und erinnerte sich gern an das ungewöhnlich spannende Leseerlebnis, das früheste Vergangenheit und aktuelle Problematik miteinander verknüpfte. Wer dieses Buch nicht kennt – der Verleger hat noch letzte Exemplare. www.netzine.de/library/walter-laufenberg/hypogaeum-triumph-der-venus-von-malta/

 

 

 

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835. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Es gibt in vielen Sprachen das Bedürfnis nach einem dritten Geschlecht, und das nicht nur bei der Suche nach der richtigen Tür der Bedürfnisanstalt für alle, die sich nicht als Herr und nicht als Dame fühlen. Im Schwedischen gibt es dafür neben han (er) und hon (sie) schon lange das Pronomen hen, das jetzt auch offiziell anerkannt wurde. Und im Englischen experimentiert man mit dem Mx, das neben Mr (Mister) und Mrs (Missis) fungieren soll. Nur weiß man noch nicht, wie man es aussprechen soll. Als Mix? Oder als Max? Da denkt unsereiner doch gleich an Moritz.

 

Dass Deutschland, einst eines der wichtigsten Kulturländer, als das Land der Dichter und Denker gerühmt, heute in der Welt nur noch als Lieferant von Autos und anderen Maschinen Bedeutung hat, ach ja, neben Kopfschmerztabletten und Hilfsgeldern, das ist blamabel. Eingelullt vom permanenten Krimi- und Fußballrummel haben wir Deutschen nicht mehr viel zu bieten. Wir sind eher die nützlichen Idioten der Welt geworden.

 

Die Nationalsozialisten haben den Begriff Rasse für ihre brutale Vernichtungspolitik gegenüber den Juden missbraucht und damit für uns Heutige zu einem Schreckwort gemacht. Also weg mit dem Begriff? So einfach geht es wohl nicht. Wissen wir doch, dass wir Menschen biologisch bloß eine höher entwickelte Tierart sind. Und bei Tieren – denken wir nur einmal an Pferde und Rinder, Hunde und Hühner – sind uns die Rassen eminent wichtig.

 

Vor vielen Jahren wurde ich in einem Ostblockland von einem Einheimischen gefragt: „Wie kommt es, dass es euch Deutschen so viel besser geht als uns, wo ihr doch den Krieg verloren habt?“ Da konnte ich nur antworten: „Weil wir gleich nach Kriegsende führende Politiker hatten, die sich vernünftig für ihr Land eingesetzt haben und nicht korrupt waren.“ Was prompt die nächste Frage auslöste: „Und wie kommt es, dass ihr solche Politiker hattet und wir nicht?“ Ich wollte nicht überheblich wirken, musste aber ehrlich zugeben: „Weil wir in Deutschland eine etwas höhere allgemeine Volksbildung hatten, die dazu führte, dass nur höher gebildete Politiker, die sich schon in anerkannten Berufen bewährt hatten, an die Spitze kommen konnten, nicht aber Leute, die sich durch windige Aktionen die Macht erschlichen haben.“

 

Seitdem so gut wie jeder Zugang zum Internet hat, ist es für die einfacher gestrickten Zeitgenossen selbstverständlich, dass fast alles rechtefrei und kostenlos ist. Damit nähern wir uns einem Zustand, den es schon früher gab, als die Maler ihre Bilder noch nicht signierten, und die Schreiber und Bildhauer, die Bauherren wie die Musikschaffenden unbekannt blieben, weil Nachahmung und Vervielfältigung sogar Kulturtaten waren. Wenn wir uns weiter in dieser Richtung zurückentwickeln, sieht das Urheberrecht eines Tages nur noch wie ein heiteres Zwischenspiel aus, genau wie das kreative Leben der freien Künstler.

 

Wie dieses störende, gerade nur punktgroße Tierchen auf meinem Blatt Papier keine Vorstellung davon hat und haben kann, wo es sich befindet und wie leicht ich es zerdrücken kann, so stehen wir Menschen den unvorstellbaren Dimensionen des Weltalls gegenüber: Als noch nicht einmal punktgroße Winzwesen ohne die Vorstellung von einem übergroßen Wesen, das uns aus Ordnungssinn oder aus Versehen zerdrücken kann. Und was das Tollste ist: Wenn man an solch ein Superwesen glaubt, findet man auch immer wieder Bestätigungen für diesen Glauben.

 

Rentner klagen darüber, dass sie trotz 40 Jahren Arbeit und Einzahlung in die Rentenversicherung, dann doch nur eine Monatsrente von weniger als 1.000 Euro bekommen. Als ich vor 35 Jahren in West-Berlin gesehen habe, dass die Bürohäuser der Rentenversicherung fast ein ganzes Stadtviertel füllen, wo Tausende Angestellte sitzen, die das Rentengeld verwalten, wurde mir klar: Da kann für Rentenzahlung kaum was übrig bleiben. Abgesehen davon, dass noch viele weitere personalstarke Rentenburgen in den einzelnen Bundesländern stehen. Immerhin hatte der zuständige Minister mit dem Spruch: „Die Rente ist sicher“, für den großen Volksbetrug die richtige Wortwahl getroffen. Denn sicher gibt es irgendwann die Rente, nur wie niedrig sie ist, das blieb eine offene Frage.

 

Die Hirnforschung verrät uns, dass wir beim Anhören von Sprache vor allem die linke Gehirnhälfte benutzen, beim Musikhören dagegen die rechte. Das gibt uns die Chance, einmal verstärkt unsere gesamte Gehirnkapazität einzusetzen. Wir brauchen uns einfach nur ein Lied vorsingen zu lassen, allerdings nicht aus den Carmina Burana, sondern ein Lied, bei dem wir auch den Text verstehen.

 

Wochenlang hat Facebook mir 5 Dollar als Geschenk angeboten, wenn ich bereit wäre, etwas zu bewerben. Jetzt habe ich dem Drängen nachgegeben und Facebook einen Werbeauftrag für „Tödliches Einmaleins“ erteilt, meinen historischen Heidelberg-Krimi über den Zwerg Perkeo als Hofnarr und Ermittler. Doch schon am zweiten Tag der Aktion wurde mir mitgeteilt: „Abgelehnt. Dieser Beitrag kann nicht beworben werden, weil er den Facebook-Werberichtlinien nicht entspricht.“ Was für Schwierigkeiten die Facebooker konkret mit dem Einmaleins haben, wurde nicht verraten. Aber dieser Barockzeit-Krimi ist natürlich nicht nur zeitgemäß sexy, sondern auch eine intellektuelle Herausforderung.  

 

 

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808. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Das ist die Mutter aller Fragen: Wird die kleine Küstenseeschwalbe demnächst sesshaft? Noch ist sie der Star unter den Langstreckenfliegern. Sie wechselt jedes Jahr von der Arktis, wo sie gebrütet hat, in die Antarktis, wo sie überwintert, um von dort wieder zu den arktischen Brutplätzen zurückzukommen. Das sind immer circa 30.000 Kilometer zu flattern, und das rund dreißig Jahre lang. Doch wird die Extremfliegerin durch die Klimaänderungen wohl bald merken, dass sie sich die weiten Flüge sparen kann, weil es da wie dort wärmer wird.

 

So plötzlich, wie jetzt Politiker aller Parteien sich für das Thema Klima erwärmen, kann es demnächst nur sehr heiß werden.

 

Aus der Vogelperspektive ist das Mittelmeer ein Meer des Todes. Und das nicht nur wegen der vielen tausend Afrikaner, die bei dem Versuch, nach Europa zu kommen, ertrinken. Rund um das Mittelmeer werden Jahr für Jahr Millionen Vögel in Fallen gefangen oder abgeschossen, die als besondere Delikatesse auf die Speisekarten kommen. Auch besonders geschützte Arten. Vor allem auf Zypern und Malta sowie in Italien.

 

Die Hersteller von Hundefutter stehen vor einem Jahrhundertproblem: Weil echte Tierfreunde es generell ablehnen, dass Tiere getötet werden, um daraus Nahrungsmittel zu machen, müssen sie jetzt veganes Hundefutter produzieren. Dieses Futter muss so fleischähnlich sein, dass selbst die hochempfindlichen Hunde den dreisten Betrug weder riechen noch schmecken können. Bisher unmöglich.

 

Goethe, Schiller, Kleist, Ihr hattet es besser. Unsere Klassiker durften noch dem Ehrgeiz folgen, große Kunst zu produzieren. Heute steht hinter jedem Schriftsteller der Staat – in Gestalt eines Finanzbeamten – mit der Forderung, möglichst Seichtes zu schreiben, mit dem ein Massenpublikum erreicht werden kann und ein Maximum an Steuern eingenommen wird. Der Staat kennt keine Kunst, er kennt nur Umsatz.

 

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat voller Stolz verkündet, dass das Jahr 2018 erstmals wieder positive Zahlen brachte. Nachdem die Zahl der Buchkäufer jahrelang geschmolzen war, hat man 300.000 Buchkäufer dazugewonnen, und das obwohl eintausend neue Titel weniger auf den Markt gekommen waren. Das Buch ist und bleibt doch attraktiver als alle Elektronik und Bildchenguckerei.

 

Das Stichwort Nationalcharakter habe ich in meinen großen Lexika von Meyers und Brockhaus vergebens gesucht. Fehlt einfach. Und bei Wikipedia wird es nur mit ängstlichen Einschränkungen gebracht, weil ethnische Diffamierungen und die Verbreitung von bloßen Klischees sowie die Selbstüberschätzung der Schreiber als Fehlerquellen nicht auszuschließen sind. Dennoch und trotz der schon weit fortgeschrittenen Globalisierung und bei aller Liebe meiner Zeitgenossen zur Gleichmacherei wage ich zu behaupten: Es gibt auch heute noch deutliche Unterschiede im Nationalcharakter. Denn klimatische Bedingungen und politische Ereignisse sowie kulturelle und wirtschaftliche Erfolge der einzelnen Völker haben dazu geführt, dass hier und da und dort ein jeweils etwas anderer Menschentypus vorherrschend wurde. Und den zu betrachten, ist ein Spaß für sich, fast schon ein Besuch in einem Kuriositätenkabinett. In „Laufenbergs Läster-Lexikon“ habe ich unter dem Stichwort „Verallgemeinerung“ ein paar von diesen Typen karikiert. Wird fortgesetzt. Versprochen. Ist ja ein Läster-Lexikon!

 

In „Laufenbergs Läster-Lexikon“ zu lesen, das ist wie flippern. Die Kugel wird aufs Feld geschossen, indem beispielsweise das Stichwort „Sucht“ aufgerufen wird. Dann macht man schon mit dem Anklicken der ersten Verweisung so was wie Punkte und folgt, neugierig geworden, beim Hin und her einer Verweisung nach der anderen. Ob man nachher als Gewinner dasteht, ist nicht so einfach festzustellen wie mit dem simplen Punktsystem, weil man beim Lesen der Stichwörter und Betrachten der Illustrationen nicht einfach Punkte kriegt, wie beim Flippern, sondern eine Bewusstseinserweiterung erlebt, viel effektiver als mit Drogen – wenn auch genauso bedenklich. 

 

Ich komme immer wieder auf Malta zurück. Was diese Inselgruppe im Mittelmeer so unvergleichlich macht, ist mir dreimal zu einem Buch geworden: Aus längeren Besuchen und intensiven Recherchen entstanden die beiden Kulturthriller „Sarkophag“ und „Hypogäum“ sowie der historische Roman „Favoritin zweier Herren“ über den kampfkräftigen Ritterorden der Johanniter/ Malteser, der Jahrhunderte lang Europa gegen das Vordrängen des Islam verteidigt hat, bis Napoleon ihn von der schwer befestigten Insel vertrieben hat. 

 

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