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849. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Der Kurznachrichtendienst Twitter hat nach dem Sturm des Pöbels auf das Kapitol in Washington den Account von Präsident Trump gesperrt, dann hat auch Facebook ihn blockiert. Dagegen konnte der Präsident sich nicht wehren, und das fand man gut und richtig, weil Trump mit der Ermunterung der Protestierer einen Angriff auf die Demokratie unternommen habe. Erst mit erheblicher Verspätung wird in der Öffentlichkeit angesprochen, was sich dahinter zeigt: Es gibt inzwischen Konzerne, deren Macht noch über die Macht des angeblich mächtigsten Mannes der Welt hinausgeht, und diese Konzerne haben mit Demokratie nichts zu tun, sondern sind in der Hand von ein paar Privatleuten, die nicht gewählt worden sind.  

 

Für Politologen ist der Vorwurf, Präsident Trump habe die US-Gesellschaft gespalten, absurd. Ist Spaltung doch als Grundprinzip der Demokratie akzeptiert. Jede demokratisch herbeigeführte Entscheidung hat zunächst im Wahlkampf die Wahlberechtigten nach Kräften gegeneinander aufgebracht und hinterlässt die Gesellschaft dann gespalten in Gewinner und Verlierer. Das Besondere daran ist jedoch, dass das Demokratie-Prinzip von den Verlierern verlangt, die Gewinner zu respektieren und mit der herbeigeführten Mehrheitsentscheidung friedlich zu leben. An dem Punkt hakt es bei Donald Trump.

 

Wir sind sprachlich so auf den Hund gekommen, dass der Verein Deutsche Sprache (VDS) jetzt für Beiträge im deutschen Rundfunk schon Übersetzungen ins Deutsche anbieten muss. Hier nur ein Beispiel: „Die Musikfestivals, früher Highlights des Sommers, wurden gecancelt.“ So klang das im Radio. Das hieß auf Deutsch: „Die Musikfeste, früher Höhepunkte des Sommers, wurden gestrichen.“ Wie gut das klingt. Doch der tumbe deutsche Michel muss sein Minderwertigkeitsgefühl mit fremden Sprachbrocken tarnen.

 

In den Fernseh-Nachrichten Tag für Tag Bilder vom Impfen. Ein Piekser nach dem anderen. Verlegenheitsbebilderung in Großaufnahme. Das fördert ganz sicher nicht die Impfbereitschaft in der Bevölkerung.

 

Kaum zu glauben, aber wahr: Vom 19. – 23. Juli dieses Jahres, so lese ich, findet in dem schönen Städtchen Ventspils in Lettland die Internationale Linguistik-Olympiade 2020 statt. Dass manche Leute den Unterschied von Olympiade und Olympischen Spielen nicht kennen, ist ein bekanntes Bildungsproblem. Aber sogar für Linguistik-Fachleute?! Einfach mal im Läster- Lexikon aufrufen: www.netzine.de/olympiade/

 

Immer spürbarer wird, dass wir nicht nur von unserer Gemeinde, von der Landeshauptstadt und von Berlin aus regiert werden, sondern darüber hinaus noch eine weitere Regierung in Brüssel haben. Und all diese Regierenden tragen wir auf unseren zwei schmalen Schultern. Die Corona-Pandemie lässt das unübersehbar werden, weil die organisatorischen Fehler, die auftreten, als Vorwürfe auf diesen vier Ebenen hin und her geworfen werden. Ein lustiges Spiel, Äquilibristik mit vier Bällen, immer zwei in der Luft, zwei in den beiden Händen. Und wenn ein Ball auf den Boden fällt, dann müssen wir springen und ihn aufheben; denn wir alle sind die Balljungen.

 

Ist etwas faul im Staate Dänemark? Dass in Moscheen Hasspredigten in Sprachen gehalten werden, die kein Bürgermeister und kein Polizist versteht, soll nicht länger geduldet werden. Deshalb plant die Regierung ein neues Gesetz, das Predigten in nichtdänischen Sprachen verbietet. Was natürlich die deutsche Minderheit im Land, deren Recht zum Gebrauch der deutschen Sprache gesetzlich garantiert ist, sofort in Unruhe versetzt hat. Jetzt arbeitet die Regierung Dänemarks daran, den quadratischen Kreis zu erfinden.

 

Das nordafrikanische Gericht Couscous ist endlich auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes gekommen. Das haben die Länder Algerien und Marokko, die heftige Feinde sind, zusammen mit Mauretanien und Tunesien geschafft. Auf dieser Liste ist die Pizza schon lange, während die Griechen immer noch vergeblich bemüht sind, auch Gyros auf die Liste zu bekommen. Doch für das im Nahen Osten beliebte Gericht Hummus gibt es überhaupt noch keinen Antrag bei der Unesco, weil sich dafür zu viele miteinander verfeindete Länder zusammentun müssten, so erfahre ich aus der Zeitung. Da frage ich mich: Wie sieht es denn mit der rheinischen Leibspeise Rievkooche aus? 

 

Die helfenden Hände der Johanniter und Malteser sieht man jetzt überall am Werk, auch im Kampf gegen Corona. Recht so, denn diese Hilfsorganisationen mit den vielen tausend engagierten Menschen sind aus dem wehrhaften Orden von Mönchsrittern entstanden, der 800 Jahre lang das christliche Abendland gegen den Islam verteidigt hat. Wer diese Historie nacherleben will, in einem spannenden und historisch gut recherchierten Roman, der schenkt sich selbst ein Exemplar meines Erfolgsbuchs „Favoritin zweier Herren“. Näheres dazu unter www.netzine.de/library/.

 

 

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848. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

25 Jahre NETZINE. Halleluja! Juchhu! Hurra und Ogottogott! Ein Vierteljahrhundert, eine völlig ungewöhnliche Hartnäckigkeit für eine Literaturzeitschrift. Nur so zu erklären: Weil das NETZINE kein kommerzielles Unternehmen ist, kann es nicht kaputtgehen, solange der Autor nicht kaputtgeht. Und den hält aufrecht, dass er als Schriftsteller von Jahr zu Jahr immer mehr anspruchsvollen Lesern ein Begriff wird. Sogar ohne das übliche Gemauschel der Kultur-Funktionäre.

 

Nur natürlich, dass für einen Schriftsteller, der ja für alle Menschen schreibt, die neuesten Meldungen über die Weltbevölkerung aufregend sind: Die Anzahl der Menschen auf der Erde hat sich seit dem 2. Weltkrieg mehr als verdreifacht und steigt weiterhin. Waren die Menschen im Jahr 1950 durchschnittlich 23,6 Jahre alt, so sind sie jetzt schon 30,9 Jahre alt und demnächst noch älter. Gleichzeitig ist auch die Lebenserwartung gestiegen, in Europa von 64 auf 79 Jahre, in Afrika von 38 auf 64 Jahre. Und sie steigt weiterhin. Also gibt es immer mehr potentielle Leser im gereifteren Alter. Das heißt, es ist nicht nötig, auf Kinderei, Klimbim und Krimi zu setzen. Die Zukunft gehört der anspruchsvollen Literatur.

 

Haben wir inzwischen das Aus für Klingelingeling und Lametta eingeläutet? Weihnachten, schon immer ein altertümliches Wort, wurde jetzt von den perfekt außengeleiteten Zeitgenossen rigoros beiseite geschoben. Steht doch für alle sich modern Gebenden das X in dem englischen Ausdruck Xmas, den sie gerne als Umschreibung für Weihnachten benutzen, für nichts Bestimmtes. Dabei ist das X überhaupt kein X, sondern das griechische Initial für das Wort Christus.

 

Jetzt kriegen die christlichen Kirchen auch noch Trouble mit den Genderbesoffenen unter ihren Gläubigen. Einige haben schon den Begriff Gott mit einem Gendersternchen verziert, andere haben die Männlichkeit des Jesuskindes angezweifelt. Ich muss wohl in der Krippe mal genauer hingucken. Jedenfalls steht fest: Um möglichst vielen Geschlechtsvarianten gerecht zu werden, wird man demnächst sowohl Gott als auch Jesus stets mit einem Dutzend Sternchen versehen müssen. Schmückt ja auch.    

 

Der Chef der Drogeriemarktkette Rossmann hat sich von zwei Ghostwritern einen Unterhaltungsroman schreiben lassen, der ihn als Autor in die Literatur bringen soll. Dabei hat er aber nicht bedacht, dass man mit der Produktion von Trivialität keine Berühmtheit wird. Er ist offenbar auf den dummen Leitspruch reingefallen, der in seinen Läden auf Packungen von  Papiertaschentüchern zu lesen ist: think less, live more.

 

Wie der Deutsche Jagdverband mitteilt, legen immer mehr Männer und Frauen die Jägerprüfung ab. Gleichzeitig schleppen wir immer mehr Nudeln und Klopapier nach Hause. Das heißt, wir entwickeln uns zurück zu einer Jäger- und Sammlerkultur. Das war bekanntlich der Vorläufer der Ackerbauern und Viehzüchter, von denen wir uns jetzt abwenden, weil sie sich in der Neuzeit zu Zerstörern von Nahrung und Umwelt entwickelt haben.

 

Noch kein abschließender Bericht, wohl aber ein erster Eindruck, was die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) jetzt über die beliebtesten Babynamen des Jahres 2020 verraten hat: Danach hat sich nicht viel geändert. Emma, Mia und Lina sind weiterhin sehr beliebt, ebenso Paul, Leon und Felix. Besonders interessant ist jedoch, welche Namen abgelehnt wurden, beispielsweise Dynamite, Hustle und Ende. Ob diese Namensvorschläge für Mädchen oder für Jungen gedacht waren, wird nicht mitgeteilt. Vermutlich waren diese Bezeichnungen weder für Mädchen noch für Jungen vorgesehen, sondern sollten für diverse weitere Geschlechtsvarianten stehen.

 

Ich höre von festen Vorsätzen: Das neue Jahr will der eine ganz groß kommen lassen, indem er auf mehr Glücksspiel setzt, der andere setzt auf mehr Frömmigkeit. Genau besehen läuft beides auf dasselbe hinaus. Denn Lotterie ist genau wie Religion der Versuch, auf einfache Weise einen riesigen Gewinn zu erzielen. Aber dafür musst du viel einsetzen und sogar zweisetzen und bald auch dreisetzen, viersetzen und so weiter. Doch mit einiger Geschicklichkeit gewinnst du sogar, nämlich Hoffnung, immer wieder neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

 

Wunderbar! Authentische Schilderungen, spannend serviert, also optimale Unterhaltung. Schon im Frühjahr hat der Kopenhagener Verlag Saga meine drei vergriffenen Berlin-Romane als eBooks neu auf den Markt gebracht: „Hitlers Double“ und „So schön war die Insel“ sowie unter dem neuen Titel: „Tage des Terrors“ das „Sylvesterfeuerwerk“. Jetzt ist dort auch mein China-Roman „Odysseus’ Dilemma“ unter dem neuen Titel „Mensch in Menschenmassen“ als eBook neu erschienen. Alle mit Leseproben anzusehen bei www.netzine.de/library/. Da stehen auch meine fünf weiteren eBooks. Die nächsten Monate daheim, wenn die Reiselust wächst, können also sehr abwechslungsreich werden, weil diese eBooks in viele Weltecken entführen, bequem im Lesesessel zu genießen. Alle bei den Online-Versandbuchhändlern zu Lockpreisen im Angebot. Und zu lesen auf PC, Laptop, Smartphone, Tablet und Reader. Neues Jahr – neuer Genuss!

 

 

 

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847. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Na, schön: Lebensmittelläden bleiben geöffnet, und Restaurants dürfen außer Haus verkaufen. Da wäre es eigentlich konsequent, auch Buchhandlungen geöffnet zu halten. Denn der Spruch Der Mensch lebt nicht vom Brot allein enthält mehr Wahrheit, als man im ersten Moment ihm zubilligt. Den geistig aufgeschlossenen Teil der Bevölkerung nur mit Zeitungen und Zeitschriften abzuspeisen, passt nicht zu dem Land, das einmal das Land der Dichter und Denker war.

 

Worte des Jahres und Unworte des Jahres haben ihren Glanz längst verloren, werden aber von Vorgestrigen weiterhin propagiert. Nun hat die Schweiz sich einen gelungenen Scherz erlaubt: Das vor sieben Jahren als Unwort des Jahres verteufelte Wort systemrelevant ist jetzt zum Wort des Jahres 2020 erhoben worden.

 

Autoren und Filmregisseure rackern sich ab in dem Bemühen, immer noch brutalere Mörder und Gewalttaten zu kreieren und dem Volk vor die Feierabendaugen zu bringen. Dabei konkurrieren sie mit den Wahnsinnstätern, die permanent und überall bemüht sind, den weltweiten Wettbewerb um die noch bildkräftigere Grausamkeit zu gewinnen. Hilft da wirklich nur noch das Augenschließen?

 

Uns täglich Not: Bei jedem Frühstück in der Zeitung Gewalttaten, die so sinnlos sind, dass sofort die Frage ansteht: Kittchen oder Klappsmühle für den Täter? Die Bürger verlieren den Glauben an den Schutz durch die Staatsmacht. Zumal sie wissen: Verurteilte Täter kommen viel zu schnell wieder frei. Das bringt uns allmählich amerikanische Verhältnisse, d. h. jeder bewaffnet sich so umfangreich wie möglich.

 

Flugzeug, Fahrzeug, Schwimmzeug. Die Sprache liefert mir ungeheuer viel Zeug zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Aber ich habe mich entschieden: Ich bleibe beim Schreibzeug.

 

Sprachforscher schätzen, dass es heute weltweit 6.000 Sprachen gibt und dass  5.000 andere Sprachen schon ausgestorben sind, zumeist weil sie keine Schrift ausgebildet hatten. Das zeigt den Unwert des bloßen Gequassels und bestätigt die alte Volksweisheit: Wer schreibt, der bleibt.

 

Beim Buchstabieren eines Wortes am Telefon gehen wir meistens nach dem deutschen Buchstabieralphabet vor: A wie Anton, B wie Berta, C wie Cäsar, D wie Dora, … N wie Nordpol, … S wie Siegfried und Z wie Zeppelin. Kaum einem ist bewusst, dass erst in der Nazizeit die Dora und der Nordpol, der Siegfried und der Zeppelin in diese Aufstellung gekommen sind, als Ersatz für die bis dahin üblichen Namen David und Nathan, Samuel und Zacharias. Schon lange gibt es Bestrebungen, das rückgängig zu machen. Deshalb wird empfohlen, demnächst die alte Buchstabentafel wieder zu verwenden. Was die Gender-Aktivistinnen sehr stören dürfte. Halb so schlimm, kommt doch schon 2022 eine ganz neue Buchstabiertabelle auf uns zu, die – ähnlich der europäischen – überwiegend aus Städtenamen besteht. Ohnehin buchstabieren die Österreicher auf ihre eigene Art und die Schweizer noch anders. Und im internationalen Verkehr wie auch bei der NATO gilt eine ganz andere Buchstabiertafel. Also sollte, wer sicher sein will, dass er richtig verstanden wird, jeden Buchstaben mindestens mit fünf Code-Wörtern verdeutlichen. Passt doch zu der heutigen Tendenz, jegliche Kommunikation zu verkomplizieren.

 

Acht Bayerische Kleinverlage, die für viele kleine, ambitionierte Verlage stehen, zeigen einmal, was literarische Kultur ist. In einem Offenen Brief an das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst haben sie auf überzeugende Weise dargelegt, was der Preis in Höhe von 7.500 Euro bedeutet, der vom Land Bayern alle zwei Jahre an einen Bayerischen Kleinverlag vergeben wird. Sie vergleichen das mit den 50.000 Euro, die allein für die Neuinszenierung der Operette „Die Lustige Witwe“ an eines der zahlreichen Theater des Landes gegeben wurden. Sie stellen fest, das sei, „als würde man den Spielern des Branchenführers Bayern München mit staatlichen Fördermitteln die Fußballschuhe vergolden und zu den kleinen Fußballvereinen, die sich um die Ausbildung junger Talente und die Entwicklung neuer Spielformen bemühen, sagen: Regt euch nicht auf, wir fördern euch doch auch, ihr alle gemeinsam bekommt von uns alle zwei Jahre ein neues Eckfähnchen.“   

 

Auch wenn man gerade nirgendwo hin reisen kann, gibt es immer noch den einen Ausweg: Man reist in die Vergangenheit. Na denn: Lass dich von dem historischen Roman „Die Salzhexe“ ins 13. Jahrhundert entführen und schau dich mit staunenden Augen um im Salzkammergut, denn da kann man gut … (www.netzine.de/library/).

 

 

 

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835. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Es gibt in vielen Sprachen das Bedürfnis nach einem dritten Geschlecht, und das nicht nur bei der Suche nach der richtigen Tür der Bedürfnisanstalt für alle, die sich nicht als Herr und nicht als Dame fühlen. Im Schwedischen gibt es dafür neben han (er) und hon (sie) schon lange das Pronomen hen, das jetzt auch offiziell anerkannt wurde. Und im Englischen experimentiert man mit dem Mx, das neben Mr (Mister) und Mrs (Missis) fungieren soll. Nur weiß man noch nicht, wie man es aussprechen soll. Als Mix? Oder als Max? Da denkt unsereiner doch gleich an Moritz.

 

Dass Deutschland, einst eines der wichtigsten Kulturländer, als das Land der Dichter und Denker gerühmt, heute in der Welt nur noch als Lieferant von Autos und anderen Maschinen Bedeutung hat, ach ja, neben Kopfschmerztabletten und Hilfsgeldern, das ist blamabel. Eingelullt vom permanenten Krimi- und Fußballrummel haben wir Deutschen nicht mehr viel zu bieten. Wir sind eher die nützlichen Idioten der Welt geworden.

 

Die Nationalsozialisten haben den Begriff Rasse für ihre brutale Vernichtungspolitik gegenüber den Juden missbraucht und damit für uns Heutige zu einem Schreckwort gemacht. Also weg mit dem Begriff? So einfach geht es wohl nicht. Wissen wir doch, dass wir Menschen biologisch bloß eine höher entwickelte Tierart sind. Und bei Tieren – denken wir nur einmal an Pferde und Rinder, Hunde und Hühner – sind uns die Rassen eminent wichtig.

 

Vor vielen Jahren wurde ich in einem Ostblockland von einem Einheimischen gefragt: „Wie kommt es, dass es euch Deutschen so viel besser geht als uns, wo ihr doch den Krieg verloren habt?“ Da konnte ich nur antworten: „Weil wir gleich nach Kriegsende führende Politiker hatten, die sich vernünftig für ihr Land eingesetzt haben und nicht korrupt waren.“ Was prompt die nächste Frage auslöste: „Und wie kommt es, dass ihr solche Politiker hattet und wir nicht?“ Ich wollte nicht überheblich wirken, musste aber ehrlich zugeben: „Weil wir in Deutschland eine etwas höhere allgemeine Volksbildung hatten, die dazu führte, dass nur höher gebildete Politiker, die sich schon in anerkannten Berufen bewährt hatten, an die Spitze kommen konnten, nicht aber Leute, die sich durch windige Aktionen die Macht erschlichen haben.“

 

Seitdem so gut wie jeder Zugang zum Internet hat, ist es für die einfacher gestrickten Zeitgenossen selbstverständlich, dass fast alles rechtefrei und kostenlos ist. Damit nähern wir uns einem Zustand, den es schon früher gab, als die Maler ihre Bilder noch nicht signierten, und die Schreiber und Bildhauer, die Bauherren wie die Musikschaffenden unbekannt blieben, weil Nachahmung und Vervielfältigung sogar Kulturtaten waren. Wenn wir uns weiter in dieser Richtung zurückentwickeln, sieht das Urheberrecht eines Tages nur noch wie ein heiteres Zwischenspiel aus, genau wie das kreative Leben der freien Künstler.

 

Wie dieses störende, gerade nur punktgroße Tierchen auf meinem Blatt Papier keine Vorstellung davon hat und haben kann, wo es sich befindet und wie leicht ich es zerdrücken kann, so stehen wir Menschen den unvorstellbaren Dimensionen des Weltalls gegenüber: Als noch nicht einmal punktgroße Winzwesen ohne die Vorstellung von einem übergroßen Wesen, das uns aus Ordnungssinn oder aus Versehen zerdrücken kann. Und was das Tollste ist: Wenn man an solch ein Superwesen glaubt, findet man auch immer wieder Bestätigungen für diesen Glauben.

 

Rentner klagen darüber, dass sie trotz 40 Jahren Arbeit und Einzahlung in die Rentenversicherung, dann doch nur eine Monatsrente von weniger als 1.000 Euro bekommen. Als ich vor 35 Jahren in West-Berlin gesehen habe, dass die Bürohäuser der Rentenversicherung fast ein ganzes Stadtviertel füllen, wo Tausende Angestellte sitzen, die das Rentengeld verwalten, wurde mir klar: Da kann für Rentenzahlung kaum was übrig bleiben. Abgesehen davon, dass noch viele weitere personalstarke Rentenburgen in den einzelnen Bundesländern stehen. Immerhin hatte der zuständige Minister mit dem Spruch: „Die Rente ist sicher“, für den großen Volksbetrug die richtige Wortwahl getroffen. Denn sicher gibt es irgendwann die Rente, nur wie niedrig sie ist, das blieb eine offene Frage.

 

Die Hirnforschung verrät uns, dass wir beim Anhören von Sprache vor allem die linke Gehirnhälfte benutzen, beim Musikhören dagegen die rechte. Das gibt uns die Chance, einmal verstärkt unsere gesamte Gehirnkapazität einzusetzen. Wir brauchen uns einfach nur ein Lied vorsingen zu lassen, allerdings nicht aus den Carmina Burana, sondern ein Lied, bei dem wir auch den Text verstehen.

 

Wochenlang hat Facebook mir 5 Dollar als Geschenk angeboten, wenn ich bereit wäre, etwas zu bewerben. Jetzt habe ich dem Drängen nachgegeben und Facebook einen Werbeauftrag für „Tödliches Einmaleins“ erteilt, meinen historischen Heidelberg-Krimi über den Zwerg Perkeo als Hofnarr und Ermittler. Doch schon am zweiten Tag der Aktion wurde mir mitgeteilt: „Abgelehnt. Dieser Beitrag kann nicht beworben werden, weil er den Facebook-Werberichtlinien nicht entspricht.“ Was für Schwierigkeiten die Facebooker konkret mit dem Einmaleins haben, wurde nicht verraten. Aber dieser Barockzeit-Krimi ist natürlich nicht nur zeitgemäß sexy, sondern auch eine intellektuelle Herausforderung.  

 

 

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808. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Das ist die Mutter aller Fragen: Wird die kleine Küstenseeschwalbe demnächst sesshaft? Noch ist sie der Star unter den Langstreckenfliegern. Sie wechselt jedes Jahr von der Arktis, wo sie gebrütet hat, in die Antarktis, wo sie überwintert, um von dort wieder zu den arktischen Brutplätzen zurückzukommen. Das sind immer circa 30.000 Kilometer zu flattern, und das rund dreißig Jahre lang. Doch wird die Extremfliegerin durch die Klimaänderungen wohl bald merken, dass sie sich die weiten Flüge sparen kann, weil es da wie dort wärmer wird.

 

So plötzlich, wie jetzt Politiker aller Parteien sich für das Thema Klima erwärmen, kann es demnächst nur sehr heiß werden.

 

Aus der Vogelperspektive ist das Mittelmeer ein Meer des Todes. Und das nicht nur wegen der vielen tausend Afrikaner, die bei dem Versuch, nach Europa zu kommen, ertrinken. Rund um das Mittelmeer werden Jahr für Jahr Millionen Vögel in Fallen gefangen oder abgeschossen, die als besondere Delikatesse auf die Speisekarten kommen. Auch besonders geschützte Arten. Vor allem auf Zypern und Malta sowie in Italien.

 

Die Hersteller von Hundefutter stehen vor einem Jahrhundertproblem: Weil echte Tierfreunde es generell ablehnen, dass Tiere getötet werden, um daraus Nahrungsmittel zu machen, müssen sie jetzt veganes Hundefutter produzieren. Dieses Futter muss so fleischähnlich sein, dass selbst die hochempfindlichen Hunde den dreisten Betrug weder riechen noch schmecken können. Bisher unmöglich.

 

Goethe, Schiller, Kleist, Ihr hattet es besser. Unsere Klassiker durften noch dem Ehrgeiz folgen, große Kunst zu produzieren. Heute steht hinter jedem Schriftsteller der Staat – in Gestalt eines Finanzbeamten – mit der Forderung, möglichst Seichtes zu schreiben, mit dem ein Massenpublikum erreicht werden kann und ein Maximum an Steuern eingenommen wird. Der Staat kennt keine Kunst, er kennt nur Umsatz.

 

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat voller Stolz verkündet, dass das Jahr 2018 erstmals wieder positive Zahlen brachte. Nachdem die Zahl der Buchkäufer jahrelang geschmolzen war, hat man 300.000 Buchkäufer dazugewonnen, und das obwohl eintausend neue Titel weniger auf den Markt gekommen waren. Das Buch ist und bleibt doch attraktiver als alle Elektronik und Bildchenguckerei.

 

Das Stichwort Nationalcharakter habe ich in meinen großen Lexika von Meyers und Brockhaus vergebens gesucht. Fehlt einfach. Und bei Wikipedia wird es nur mit ängstlichen Einschränkungen gebracht, weil ethnische Diffamierungen und die Verbreitung von bloßen Klischees sowie die Selbstüberschätzung der Schreiber als Fehlerquellen nicht auszuschließen sind. Dennoch und trotz der schon weit fortgeschrittenen Globalisierung und bei aller Liebe meiner Zeitgenossen zur Gleichmacherei wage ich zu behaupten: Es gibt auch heute noch deutliche Unterschiede im Nationalcharakter. Denn klimatische Bedingungen und politische Ereignisse sowie kulturelle und wirtschaftliche Erfolge der einzelnen Völker haben dazu geführt, dass hier und da und dort ein jeweils etwas anderer Menschentypus vorherrschend wurde. Und den zu betrachten, ist ein Spaß für sich, fast schon ein Besuch in einem Kuriositätenkabinett. In „Laufenbergs Läster-Lexikon“ habe ich unter dem Stichwort „Verallgemeinerung“ ein paar von diesen Typen karikiert. Wird fortgesetzt. Versprochen. Ist ja ein Läster-Lexikon!

 

In „Laufenbergs Läster-Lexikon“ zu lesen, das ist wie flippern. Die Kugel wird aufs Feld geschossen, indem beispielsweise das Stichwort „Sucht“ aufgerufen wird. Dann macht man schon mit dem Anklicken der ersten Verweisung so was wie Punkte und folgt, neugierig geworden, beim Hin und her einer Verweisung nach der anderen. Ob man nachher als Gewinner dasteht, ist nicht so einfach festzustellen wie mit dem simplen Punktsystem, weil man beim Lesen der Stichwörter und Betrachten der Illustrationen nicht einfach Punkte kriegt, wie beim Flippern, sondern eine Bewusstseinserweiterung erlebt, viel effektiver als mit Drogen – wenn auch genauso bedenklich. 

 

Ich komme immer wieder auf Malta zurück. Was diese Inselgruppe im Mittelmeer so unvergleichlich macht, ist mir dreimal zu einem Buch geworden: Aus längeren Besuchen und intensiven Recherchen entstanden die beiden Kulturthriller „Sarkophag“ und „Hypogäum“ sowie der historische Roman „Favoritin zweier Herren“ über den kampfkräftigen Ritterorden der Johanniter/ Malteser, der Jahrhunderte lang Europa gegen das Vordrängen des Islam verteidigt hat, bis Napoleon ihn von der schwer befestigten Insel vertrieben hat. 

 

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