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842. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Es gibt Länder, in denen am Staatsfeiertag alles in vollem Flaggenschmuck ist. Deutlich anders Deutschland am 3. Oktober. Hier war davon nichts zu sehen. Die Siegermächte haben uns Deutschen nach dem Krieg bei der Umerziehung neben dem Nationalsozialismus allen Nationalstolz und das Talent zum Sich-Freuen gleich mit ausgetrieben. Dabei dürften wir doch mit recht stolz sein auf die friedlich vollzogene Wiedervereinigung und auf so manches Andere in Kultur und Wirtschaft.

 

Meine Tageszeitung berichtet: Die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung besaßen 2019 rund 84 % des gesamten Vermögens der Welt. Aber schon seit der Jahrhundertwende ist der Vermögensanteil der reichsten 10 Prozent im Sinken, während der Anteil des einen Prozents, das am allerreichsten ist, steigt. Nun ja, – ich bitte um Pardon, dass mir diese Verschiebung der Gewichte nicht den Schlaf raubt. Ich kann mich doch nicht um alle kümmern.

 

Was bleibt einem als Satiriker noch, wenn Möchtegern-Politiker die Satire schon auf die Spitze treiben? Der rot-blutrot-grüne Berliner Senat hat einen Leitfaden zur „diversitäts-gerechten Sprache“ herausgegeben. Er verlangt allen Ernstes, die Landesbediensteten sollten statt „Ausländer“ schreiben: „Einwohnende ohne deutsche Staatsbürgerschaft“. Und sogar die „Menschen mit Migrationshintergrund“ wissen die Berliner noch weiter zu veralbern als „Menschen mit internationaler Geschichte“. Da hat man doch gleich wieder das Lied im Kopf: „Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin …“

 

Ein älteres Ehepaar beim Müsli-Frühstück belauscht. Sie: „Aber wir sind uns doch einig, wir müssen alles für unsere Gesundheit tun.“ Er: „Ja – aber was haben wir von der Gesundheit?“ Sie: „Dass wir länger so leben können, wie wir leben.“ Er: „Also länger alles für unsere Gesundheit tun müssen.“

 

Ich wurde gefragt: Was ist der Unterschied zwischen Genealogie und Genialität? – Mit viel Mühe verschaffen wir uns einen Überblick über zwei bis drei Generationen nach uns und zwei bis drei Generationen vor uns. Genealogie ist also eine Sache von gerade nur etwa sechs Generationen, nur selten ein paar mehr. Genialität dagegen ist, etwas als Unsinn zu entlarven, was sechstausend Generationen von ihren Eltern gelernt haben, nämlich die Erde sei der Mittelpunkt des Alls, um den sich Sonne, Mond und Sterne drehen. 

 

Jetzt wagt die Verkäuferin aus Corona-Vorsicht es nicht mehr, den vom Kunden mitgebrachten Behälter anzufassen, und packt die Ware lieber in Wegwerfplastik; und der Kunde ist mit seinem alten Ford in die Innenstadt gefahren, weil ihm die Luft in der Straßenbahn zu gefährlich war. In der Konkurrenz von Gesundheitsschutz und Umweltschutz ist die Umwelt die Verliererin. Dabei wäre es – objektiv gesehen – besser, die Präferenzen zu tauschen, weil mehr Tote durch vernachlässigten Gesundheitsschutz der Umwelt zugute kämen. Gibt es doch keinen schlimmeren Umweltschädling als den Menschen.

 

Wenn man sich klar macht, dass wir in den letzten hundertfünfzig Jahren unsere Luft so bedenkenlos vergiftet haben wie den Boden und die Meere, und dass wir nicht wissen, wohin mit all dem noch Jahrhunderte lebensgefährlich bleibenden Atommüll, sich auch klar macht, dass wir unvermeidlich immer mehr Mikroplastik essen und dass wir jetzt schon kein Trinkwasser mehr haben, das frei ist von den Giften durch die Überdüngung der Äcker und von schädlichen Hormonen aus den Wässerchen der Frauen, wenn man das alles sich eingesteht, dann hat man fast schon Verständnis für die Leute, die immer lascher mit dem winzigen und unsichtbaren Corona-Virus umgehen, von dem man doch noch gar nichts spürt. Weil es immer die anderen trifft. – Noch.

 

Der amerikanische Student Stephen C. Merrick hat damit angefangen. Er hatte sich als Thema für seine Master-Arbeit mein Buch „Ratgeber für Egoisten“ vorgenommen. Das Ergebnis „Walter Laufenberg’s Laufenberg Instinct“ steht  schon lange als Buch in der Fachbibliothek der Arizona State University, Phoenix, USA. Inzwischen nehmen Studierende es gerne wahr, dass ich im NETZINE als Autor für Historisches, für Reisen, für Krimis, für Biografien und so weiter aufgeführt bin (www.netzine.de/autor/). Diese Aufteilung in einzelne Literatursparten macht es natürlich leichter, sich mit dem Werk eines modernen Autors zu beschäftigen.

 

Wer im Moment keine Reisen machen will, dem bietet sich eine elegante Ausweichmöglichkeit: Er kann sich noch viel mehr Genuss verschaffen durch das Lesen über Reisen. Mach ich so. Zum Beispiel mit dem Buch „Hohe Zeit“. Hat mir jetzt viel gegeben,  ̶  obwohl mir auffiel: Das kenne ich doch schon. 

 

 

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841. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Der Unfug mit den Gendersternchen erzeugt immer neue Probleme: Die Katholische Studierende Jugend schreibt neuerdings Gott*, womit sie Gott aus der geschlechtlichen Ebene herausheben will, weil Gott keinem Geschlecht angehört. Genau andersherum war das Gendersternchen für die Autoren der Wahlunterlagen zur Kommunalwahl vom 13. September 2020 in NRW das Mittel, geschlechtliche Vielfalt zu betonen. Das hat jetzt einen Dortmunder veranlasst, Beschwerde bei der Stadt und dem Innenministerium einzulegen, weil die Wahlunterlagen nach gesetzlicher Vorschrift auf Deutsch verfasst sein müssen, Gendersternchen aber nicht den amtlichen Regeln der deutschen Sprache entsprechen, womit klar ist, dass die Kommunalwahl nicht rechtmäßig durchgeführt wurde.  

 

Eine Wunschreise ausfallen lassen? Halb so schlimm. Ohnehin ist ein Urlaub im Hotel inzwischen belanglos, weil in jedem Zimmer ein Fernseher steht, zu dem sich die Gäste gleich nach dem Abendessen zurückziehen. Also nichts mehr mit interessanten Gesprächen oder Geselligkeit in der Hotelbar oder der Kneipe nebenan. Etwas besser noch auf den Kreuzfahrtschiffen, die kein volles Fernsehprogramm boten. Da waren die Bars gut besucht, und da sprach man noch miteinander. Aber jetzt liegen die Schiffe ja fast alle auf Wartestation. 

 

Inzwischen sind wir darüber aufgeklärt, dass wir beim Sprechen und erst recht beim Singen oder Niesen und Husten eine dicke Wolke von feinsten Tröpfchen Speichel mit Viren und Bazillen aller Art auswerfen, dem Gegenüber ins Gesicht und auf alle Gegenstände in unseren Händen oder auf dem Tisch. Deshalb das Masken- und Abstandsgebot. Wissenschaftler haben das unvermeidliche Streuphänomen genauer untersucht und jetzt festgestellt, dass eine Sprache mit vielen Konsonanten viel gefährlicher ist als eine mit weniger von diesen rausgehauchten oder auch explosiv gesprochenen Lauten. Ihre Folgerung aus dieser Erkenntnis: Nur ja kein Englisch sprechen! Lieber auf Japanisch ausweichen!

 

Das deutsche Wort Kindergarten ist ein extrem erfolgreiches Wort. Es hat sich als Fremdwort ins Englische, Französische, Spanische und Japanische eingenistet. Dabei ändert sich das, was es bezeichnet, in erschreckendem Tempo. Inzwischen spricht schon jedes fünfte Kind in den deutschen Kindergärten kein Deutsch, und auch bei ihm zuhause wird kein Deutsch gesprochen.

 

Seit eh und je stöhnen die Menschen über die ihnen abgepressten Steuern. Jetzt bedrängen Politiker und Journalisten uns, doch gefälligst darüber zu stöhnen, dass der Staat weniger Steuern einnimmt. Da ist es Zeit für den Aufruf: Stöhnverweigerer aller Bundesländer, vereinigt euch!

 

Man verbitte sich jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten. So energisch abweisend reagieren Staatsführer in Ost und West, Nord und Süd auf Kritik, die sie von Außenstehenden zu hören kriegen. Dabei gibt es keine inneren Angelegenheiten von Staaten mehr, seitdem alles, was in einem Staat passiert, durch die weltweite Verflechtung von Wirtschaft, Kultur und Klima unvermeidlich auch viele andere Staaten betrifft. Durch die totale Interdependenz haben auch die Maßnahmen, die früher innere Angelegenheit eines Staates waren, längst den Charakter von Weltpolitik angenommen, die deshalb entsprechende Reaktionen von Außenstehenden verlangen.

 

Berlin ist immer einen Seufzer wert. Möchte man sagen, wenn man erfährt, dass in den Berliner Schulen schon den Jüngsten eine Geschlechtsumwandlung schmackhaft gemacht wird oder dass Radwege auf ihre mehrfache Breite gebracht werden und dann sofort die Luft verlieren, wie alte Fahrradschläuche. Offenbar ist zeitlos gültig, was der österreichische Operettenkomponist Franz von Suppè zur Berlin-Hymne gemacht hat: „Du bist verrückt, mein Kind, du musst nach Berlin. Wo die Verrückten sind, da jehörste hin.“

 

Arthur Schopenhauer schrieb: „Glauben und Wissen verhalten sich wie die zwei Schalen einer Waage – in dem Maße, wie die eine steigt, sinkt die andere.“ Bei aller Verehrung, lieber Arthur, aber das Bild ist nicht gut gewählt. Du willst sagen, dass die Schale, die mit mehr Wissen beladen wird, die Schale des Glaubens leichter werden und dadurch steigen lässt. Schön wär’s, doch wissen wir inzwischen, dass alles Wissen nur Geglaubtes ist, weil es bloß solange als Wissen gilt, wie es noch nicht durch neue Erkenntnisse widerlegt ist. Ich glaube, wir müssen uns allmählich von dem allzu bequemen Alternativdenken verabschieden. Nur weiß ich nicht, was dann kommen sollte. Vielleicht die Fuzzi-Logik? Dazu mehr im LLL unter www.netzine.de/fuzzilogik/.

 

Als Autor von historischen Romanen wird man mit mehr als bloß der alltäglichen Wirklichkeit konfrontiert. Das verändert die Sehweise. Deshalb hat mich die Corona-Pandemie kaum überrascht. Denn für das Buch „Die Sünderin. Wien 1683“ über die Belagerung von Wien durch die Türken hatte ich mich intensiv mit der Pest beschäftigen müssen. Die hatte kurz vorher – 1679/80 – Wien heimgesucht und etwa ein Fünftel der Bevölkerung dahingerafft. Und in dem Buch „Die Berechnung des Glücks“ musste ich die Cholera-Epidemie schildern, die meine Hauptperson Hermann Heinrich Gossen im Jahre 1831 als Student in Berlin erlebt und glücklich überlebt hatte, obwohl sie in Preußen noch gut vierzig Jahre wütete. Doch in diesen beiden Büchern, in dem Wiener Barock-Roman wie in dem Berliner Biedermeier-Roman, sind die verheerenden Seuchen nur schreckliche Episoden geblieben, von den spannenden historischen Ereignissen, die geschildert werden, in den Hintergrund verdrängt. Wenn das für uns heute nicht tröstlich ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

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840. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Die Medien servieren uns tagtäglich Massenproteste da und dort, rund um den Globus. Die Bilder gleichen sich, doch die Anlässe sind alles andere als gleich. Während es in Belarus, in den USA und Russland sowie in Hongkong um die Grundrechte des Menschen geht, genau wie in vielen südamerikanischen, afrikanischen und anderen asiatischen Staaten, ähneln die Massenproteste in den Freizeitgesellschaften Deutschlands, Frankreichs und Britanniens oft mehr den Narrenfesten, wie sie im Mittelalter üblich waren: Einfach mal lospoltern, weil es Spaß macht, und keinerlei Verbote akzeptieren.

                                                                              

Unsere Achtundsechziger hatten noch geglaubt, die wahre Volksherrschaft herstellen zu können, indem sie vermieden, dass es Unterlegene gibt, wie bei Mehrheitsentscheidungen unvermeidbar. Das Rezept dazu boten ihnen zwei große Vorbilder, die Einstimmigkeit verlangten, nämlich die Papstwahl und einige europäische Institutionen. Doch die Ernüchterung, weil die römische Kirche nicht als Ausstellungsstück der Demokratie taugte, war genauso unausweichlich, wie die Aufweichung des Einstimmigkeitsprinzips in Brüssel. Macht nichts, konnten sich viele Altachtundsechziger sagen. Waren sie doch beim Marsch durch die Institutionen inzwischen pensionsberechtigt geworden.

 

Die neuseeländische Ministerpräsidentin hat die Höchststrafe für den Massenmörder von Christchurch, der 51 Menschen ermordete und das per Helmkamera ins Internet übertrug, noch erhöht. Sie hat öffentlich empfohlen, dass der Name des Täters nie wieder genannt werde. Eine kluge Frau, die verstanden hat, worum es bei derart – eigentlich sinnlosen – Verbrechen geht, nämlich um das Ich des Täters. Vgl. Herostrat in Laufenbergs Läster-Lexikon (www.netzine.de/category/h/page/3/).            

 

Nicht nur Künstler und Forscher, Sportler, Politiker und Verbrecher, nein, jeder hat das Ziel, sich einen Namen zu machen. Und dieser Name ist in den westlichen Gesellschaften der Familienname, weil der nicht ganz so häufig vorkommt wie der Vorname. Doch moderne Flachdenker propagieren eifrig das Du mit dem Vornamen statt des Sie mit dem Nachnamen. Dieses vertraulich tuende Gerede mit Anna und Fritz, Maria und Horst, ist im Endeffekt die perfekte Methode der Anonymisierung. Denn was nach besonderem Entgegenkommen aussieht, das verdeckt das totale Desinteresse an dem Gegenüber, den man ja allein mit der Kenntnis seines Vornamens nie mehr kontaktieren kann.

 

Ich frage mich: Ist es ein gutes Zeichen oder ein schlechtes, dass in der Öffentlichkeit das Wort korrupt öfter gebraucht wird als das Wort korrekt? Bringt die Verwendung des Begriffs Korruption, wie in Laufenbergs Läster-Lexikon nachzulesen ist, doch verheerende Nebenwirkungen (www.netzine.de/category/k/page/5/). 

 

Gut 7 Milliarden Menschen leben neben mir auf der Erde, die meisten leider ganz und gar vergebens, wie ich in der mir angeborenen extremen Bescheidenheit feststellen muss. Weil ihre Lebensumstände ihnen nicht die Gelegenheit geben, wenigstens einmal im Leben ein Buch von mir zu lesen.

 

Die Meere sind zugemüllt mit Plastik, das langsam und unaufhaltsam zerrieben wird und als Mikroplastik in die Nahrungskette gelangt. Auch wir Menschen nehmen permanent Mikroplastik in unseren Organismus auf. Ich habe gelernt, dass ich zu etwa zwei Dritteln aus Wasser bestehe. Doch weiß ich nicht, zu wie viel Prozent das übrige Drittel meines Körpers jetzt schon aus Plastik besteht. Jedenfalls wird das Jahr für Jahr mehr. Deshalb kann ich davon ausgehen, dass irgendwann in naher Zukunft unsere Nachkommen die ersten Plastiken sein werden, die belebt sind und herumlaufen. Schöne neue Welt.

 

Zum aktuellen Thema Homeoffice ein Blick in unsere jüngere Geschichte: In der Zeit der Industrialisierung haben die beiden traditionellen Hauptsysteme des Produzierens eine gegensätzliche Entwicklung durchgemacht. Dem Manufaktursystem (alle arbeiten unter einem Dach) ging bei der rasanten Vergrößerung der Aufträge bald die Luft aus. Dagegen konnte sich das Verlagssystem (Heimarbeiter und Kleinproduzenten arbeiten für ein Vertriebsunternehmen) den wachsenden Aufträgen problemlos anpassen. Nun sieht es so aus, als ob sich diese Entwicklung und damit die im Bereich Produktion gemachte positive Erfahrung im Bereich Verwaltung wiederholte. Unternehmen und öffentliche Institutionen sind plötzlich mit den Vorteilen und Vorlieben der Arbeit im Homeoffice konfrontiert. Nur Mut!

 

Die geplante Feier zum Erscheinen des neuen Buches „Zwei vor Zwölf“ musste ich wegen Corona leider absagen. Da tut ein Blick zurück gut, nämlich auf das Fest 2010 zum Erscheinen des Buches „Favoritin zweier Herren“, das die ersten 800 Jahre Geschichte der Johanniter und Malteser zum Erlebnis werden lässt. Mehr als siebzig Freundinnen und Freunde feierten mit uns in der Malteserstadt Heitersheim. Und als besonderer Gast hatte sich der Schauspieler Peter Brownbill eingefunden, in dem eigens dafür und für die Produktion des  Viertelstundenfilms „Perkeos Rückkehr“ (www.youtube.com/watch?v=6sm-bnmNFDo) vom Heidelberger Theaterschneider gefertigten Originalkostüm des Hofnarren Perkeo auf dem Heidelberger Schloss.

 

 

 

 

 

 

 

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835. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Es gibt in vielen Sprachen das Bedürfnis nach einem dritten Geschlecht, und das nicht nur bei der Suche nach der richtigen Tür der Bedürfnisanstalt für alle, die sich nicht als Herr und nicht als Dame fühlen. Im Schwedischen gibt es dafür neben han (er) und hon (sie) schon lange das Pronomen hen, das jetzt auch offiziell anerkannt wurde. Und im Englischen experimentiert man mit dem Mx, das neben Mr (Mister) und Mrs (Missis) fungieren soll. Nur weiß man noch nicht, wie man es aussprechen soll. Als Mix? Oder als Max? Da denkt unsereiner doch gleich an Moritz.

 

Dass Deutschland, einst eines der wichtigsten Kulturländer, als das Land der Dichter und Denker gerühmt, heute in der Welt nur noch als Lieferant von Autos und anderen Maschinen Bedeutung hat, ach ja, neben Kopfschmerztabletten und Hilfsgeldern, das ist blamabel. Eingelullt vom permanenten Krimi- und Fußballrummel haben wir Deutschen nicht mehr viel zu bieten. Wir sind eher die nützlichen Idioten der Welt geworden.

 

Die Nationalsozialisten haben den Begriff Rasse für ihre brutale Vernichtungspolitik gegenüber den Juden missbraucht und damit für uns Heutige zu einem Schreckwort gemacht. Also weg mit dem Begriff? So einfach geht es wohl nicht. Wissen wir doch, dass wir Menschen biologisch bloß eine höher entwickelte Tierart sind. Und bei Tieren – denken wir nur einmal an Pferde und Rinder, Hunde und Hühner – sind uns die Rassen eminent wichtig.

 

Vor vielen Jahren wurde ich in einem Ostblockland von einem Einheimischen gefragt: „Wie kommt es, dass es euch Deutschen so viel besser geht als uns, wo ihr doch den Krieg verloren habt?“ Da konnte ich nur antworten: „Weil wir gleich nach Kriegsende führende Politiker hatten, die sich vernünftig für ihr Land eingesetzt haben und nicht korrupt waren.“ Was prompt die nächste Frage auslöste: „Und wie kommt es, dass ihr solche Politiker hattet und wir nicht?“ Ich wollte nicht überheblich wirken, musste aber ehrlich zugeben: „Weil wir in Deutschland eine etwas höhere allgemeine Volksbildung hatten, die dazu führte, dass nur höher gebildete Politiker, die sich schon in anerkannten Berufen bewährt hatten, an die Spitze kommen konnten, nicht aber Leute, die sich durch windige Aktionen die Macht erschlichen haben.“

 

Seitdem so gut wie jeder Zugang zum Internet hat, ist es für die einfacher gestrickten Zeitgenossen selbstverständlich, dass fast alles rechtefrei und kostenlos ist. Damit nähern wir uns einem Zustand, den es schon früher gab, als die Maler ihre Bilder noch nicht signierten, und die Schreiber und Bildhauer, die Bauherren wie die Musikschaffenden unbekannt blieben, weil Nachahmung und Vervielfältigung sogar Kulturtaten waren. Wenn wir uns weiter in dieser Richtung zurückentwickeln, sieht das Urheberrecht eines Tages nur noch wie ein heiteres Zwischenspiel aus, genau wie das kreative Leben der freien Künstler.

 

Wie dieses störende, gerade nur punktgroße Tierchen auf meinem Blatt Papier keine Vorstellung davon hat und haben kann, wo es sich befindet und wie leicht ich es zerdrücken kann, so stehen wir Menschen den unvorstellbaren Dimensionen des Weltalls gegenüber: Als noch nicht einmal punktgroße Winzwesen ohne die Vorstellung von einem übergroßen Wesen, das uns aus Ordnungssinn oder aus Versehen zerdrücken kann. Und was das Tollste ist: Wenn man an solch ein Superwesen glaubt, findet man auch immer wieder Bestätigungen für diesen Glauben.

 

Rentner klagen darüber, dass sie trotz 40 Jahren Arbeit und Einzahlung in die Rentenversicherung, dann doch nur eine Monatsrente von weniger als 1.000 Euro bekommen. Als ich vor 35 Jahren in West-Berlin gesehen habe, dass die Bürohäuser der Rentenversicherung fast ein ganzes Stadtviertel füllen, wo Tausende Angestellte sitzen, die das Rentengeld verwalten, wurde mir klar: Da kann für Rentenzahlung kaum was übrig bleiben. Abgesehen davon, dass noch viele weitere personalstarke Rentenburgen in den einzelnen Bundesländern stehen. Immerhin hatte der zuständige Minister mit dem Spruch: „Die Rente ist sicher“, für den großen Volksbetrug die richtige Wortwahl getroffen. Denn sicher gibt es irgendwann die Rente, nur wie niedrig sie ist, das blieb eine offene Frage.

 

Die Hirnforschung verrät uns, dass wir beim Anhören von Sprache vor allem die linke Gehirnhälfte benutzen, beim Musikhören dagegen die rechte. Das gibt uns die Chance, einmal verstärkt unsere gesamte Gehirnkapazität einzusetzen. Wir brauchen uns einfach nur ein Lied vorsingen zu lassen, allerdings nicht aus den Carmina Burana, sondern ein Lied, bei dem wir auch den Text verstehen.

 

Wochenlang hat Facebook mir 5 Dollar als Geschenk angeboten, wenn ich bereit wäre, etwas zu bewerben. Jetzt habe ich dem Drängen nachgegeben und Facebook einen Werbeauftrag für „Tödliches Einmaleins“ erteilt, meinen historischen Heidelberg-Krimi über den Zwerg Perkeo als Hofnarr und Ermittler. Doch schon am zweiten Tag der Aktion wurde mir mitgeteilt: „Abgelehnt. Dieser Beitrag kann nicht beworben werden, weil er den Facebook-Werberichtlinien nicht entspricht.“ Was für Schwierigkeiten die Facebooker konkret mit dem Einmaleins haben, wurde nicht verraten. Aber dieser Barockzeit-Krimi ist natürlich nicht nur zeitgemäß sexy, sondern auch eine intellektuelle Herausforderung.  

 

 

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808. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Das ist die Mutter aller Fragen: Wird die kleine Küstenseeschwalbe demnächst sesshaft? Noch ist sie der Star unter den Langstreckenfliegern. Sie wechselt jedes Jahr von der Arktis, wo sie gebrütet hat, in die Antarktis, wo sie überwintert, um von dort wieder zu den arktischen Brutplätzen zurückzukommen. Das sind immer circa 30.000 Kilometer zu flattern, und das rund dreißig Jahre lang. Doch wird die Extremfliegerin durch die Klimaänderungen wohl bald merken, dass sie sich die weiten Flüge sparen kann, weil es da wie dort wärmer wird.

 

So plötzlich, wie jetzt Politiker aller Parteien sich für das Thema Klima erwärmen, kann es demnächst nur sehr heiß werden.

 

Aus der Vogelperspektive ist das Mittelmeer ein Meer des Todes. Und das nicht nur wegen der vielen tausend Afrikaner, die bei dem Versuch, nach Europa zu kommen, ertrinken. Rund um das Mittelmeer werden Jahr für Jahr Millionen Vögel in Fallen gefangen oder abgeschossen, die als besondere Delikatesse auf die Speisekarten kommen. Auch besonders geschützte Arten. Vor allem auf Zypern und Malta sowie in Italien.

 

Die Hersteller von Hundefutter stehen vor einem Jahrhundertproblem: Weil echte Tierfreunde es generell ablehnen, dass Tiere getötet werden, um daraus Nahrungsmittel zu machen, müssen sie jetzt veganes Hundefutter produzieren. Dieses Futter muss so fleischähnlich sein, dass selbst die hochempfindlichen Hunde den dreisten Betrug weder riechen noch schmecken können. Bisher unmöglich.

 

Goethe, Schiller, Kleist, Ihr hattet es besser. Unsere Klassiker durften noch dem Ehrgeiz folgen, große Kunst zu produzieren. Heute steht hinter jedem Schriftsteller der Staat – in Gestalt eines Finanzbeamten – mit der Forderung, möglichst Seichtes zu schreiben, mit dem ein Massenpublikum erreicht werden kann und ein Maximum an Steuern eingenommen wird. Der Staat kennt keine Kunst, er kennt nur Umsatz.

 

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat voller Stolz verkündet, dass das Jahr 2018 erstmals wieder positive Zahlen brachte. Nachdem die Zahl der Buchkäufer jahrelang geschmolzen war, hat man 300.000 Buchkäufer dazugewonnen, und das obwohl eintausend neue Titel weniger auf den Markt gekommen waren. Das Buch ist und bleibt doch attraktiver als alle Elektronik und Bildchenguckerei.

 

Das Stichwort Nationalcharakter habe ich in meinen großen Lexika von Meyers und Brockhaus vergebens gesucht. Fehlt einfach. Und bei Wikipedia wird es nur mit ängstlichen Einschränkungen gebracht, weil ethnische Diffamierungen und die Verbreitung von bloßen Klischees sowie die Selbstüberschätzung der Schreiber als Fehlerquellen nicht auszuschließen sind. Dennoch und trotz der schon weit fortgeschrittenen Globalisierung und bei aller Liebe meiner Zeitgenossen zur Gleichmacherei wage ich zu behaupten: Es gibt auch heute noch deutliche Unterschiede im Nationalcharakter. Denn klimatische Bedingungen und politische Ereignisse sowie kulturelle und wirtschaftliche Erfolge der einzelnen Völker haben dazu geführt, dass hier und da und dort ein jeweils etwas anderer Menschentypus vorherrschend wurde. Und den zu betrachten, ist ein Spaß für sich, fast schon ein Besuch in einem Kuriositätenkabinett. In „Laufenbergs Läster-Lexikon“ habe ich unter dem Stichwort „Verallgemeinerung“ ein paar von diesen Typen karikiert. Wird fortgesetzt. Versprochen. Ist ja ein Läster-Lexikon!

 

In „Laufenbergs Läster-Lexikon“ zu lesen, das ist wie flippern. Die Kugel wird aufs Feld geschossen, indem beispielsweise das Stichwort „Sucht“ aufgerufen wird. Dann macht man schon mit dem Anklicken der ersten Verweisung so was wie Punkte und folgt, neugierig geworden, beim Hin und her einer Verweisung nach der anderen. Ob man nachher als Gewinner dasteht, ist nicht so einfach festzustellen wie mit dem simplen Punktsystem, weil man beim Lesen der Stichwörter und Betrachten der Illustrationen nicht einfach Punkte kriegt, wie beim Flippern, sondern eine Bewusstseinserweiterung erlebt, viel effektiver als mit Drogen – wenn auch genauso bedenklich. 

 

Ich komme immer wieder auf Malta zurück. Was diese Inselgruppe im Mittelmeer so unvergleichlich macht, ist mir dreimal zu einem Buch geworden: Aus längeren Besuchen und intensiven Recherchen entstanden die beiden Kulturthriller „Sarkophag“ und „Hypogäum“ sowie der historische Roman „Favoritin zweier Herren“ über den kampfkräftigen Ritterorden der Johanniter/ Malteser, der Jahrhunderte lang Europa gegen das Vordrängen des Islam verteidigt hat, bis Napoleon ihn von der schwer befestigten Insel vertrieben hat. 

 

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