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911. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Der Mond, heute sehe ich ihn hier, gestern war er noch dort. Dabei wird er auch immer größer. Wie er strahlt, das muss meinen Vorvorvorfahren unheimlich gewesen sein. So was wie ein Superauge, das sie verfolgte. Und ich kann über solche Ängste nicht einmal lachen, obwohl ich weiß, dass der Mond überhaupt kein Licht hat, nur ein angestrahlter Klotz ist, der wie am Draht um mich herum geschleudert wird, genauso wie ich um die Sonne. Bringt mich das doch auf den Verdacht, dass wir Leute von heute vermutlich genau wie unsere Vorvorvorfahren auch an Dinge glauben, die sich irgendwann als völlig anders erweisen. 

 

Aus Alt mach Neu! Jetzt beschert die Facebook- und Instagram-Mutter Meta uns eine neue KI-Modellreihe namens Massively Multilingual Speech (MMS), die mehr als 1.100 Sprachen beherrscht. Und die soll sogar auf bis zu 4.000 Sprachen ausgebaut werden. Die Textgrundlage dafür ist das Neue Testament, heißt es, weil es das in sehr vielen Sprachen gibt. Dachte ich’s mir doch, dass auch hinter der Bibel die Amerikaner stecken.

 

Im ganzen Mai keinen einzigen Maikäfer gesehen. Zum Ausgleich bot sich mir von meinem Schreibtisch aus der Anblick eines veritablen U-Boots. Auf dem Rhein. Das Schiff war auf der Fahrt von Kiel zum Technikmuseum in Speyer. Allerdings nicht im Wasser, sondern auf einem Spezialfrachter, quasi über dem Wasser schwebend. Ein absolut peinlicher Anblick. Wie unter den Rock geschaut: Splitternackt die glatten, prallen Rundungen, die sonst immer verborgen bleiben. Ich musste es mir verkneifen, ein Foto zu machen. Wollte ich doch nicht riskieren, Me-too-Aktivistinnen oder ähnlich engagierten Gutmenschen übel aufzufallen. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wie heißt übrigens die Tochter? – Nein, nix mit haha.

 

Nichts geht über die Muttersprache. Immer wieder behaupten Sprachwissenschaftler, mehrsprachig aufgewachsene Kinder seien im Vorteil gegenüber den einsprachig aufgewachsenen. Für die Brauchbarkeit im Berufsalltag mag das sogar stimmen, weil eine gewisse oberkellnerhafte Sprachwendigkeit meist genügt. In der anspruchsvollen Literatur glänzen aber nach wie vor die einsprachig Aufgewachsenen. Weil man in einer Sprache leben muss, um sie wirklich zu beherrschen. Immerhin gibt es auch mehrsprachig Aufgewachsene unter den großen Könnern, beispielsweise Stefan Heym, Rainer Maria Rilke, Annette Kolb, René Schickele, Yvan Goll, Paul Celan, Terézia Mora, Vladimir Nabokov, Herta Müller, Elias Canetti, Joseph Conrad und Jorge Semprun.

 

Einen münzgroßen Computerchip ins Gehirn stecken, wie in einen Automaten, und der Gelähmte kann wieder laufen. Bisher waren solche Experimente mit Gehirnimplantaten zur Behebung von schweren Krankheiten und Behinderungen nur bei Tieren erlaubt. Jetzt aber wurden in den USA die dafür nötigen klinischen Tests mit Menschen erlaubt. Das ist ein Wendepunkt der menschlichen Entwicklung, an dem die tollsten Hoffnungen realisierbar erscheinen, aber auch die schlimmsten Missbrauchsbefürchtungen, weil in immer mehr Ländern der Erde, auch in solchen mit angeblicher Demokratie, autoritäre Herrscher die Macht an sich reißen.

 

Am 18. Mai wurde in der Frankfurter Paulskirche das Jubiläum der ersten in Deutschland etablierten Demokratie gefeiert. Der von 1848. Der Bundespräsident würdigte mit bewegten Worten die Leistung der „Revolutionäre“, die uns dazu verholfen haben. Da zeigte sich wieder der changierende Charakter des Wortes Revolutionäre: Sind diese mutigen Leute erfolgreich, werden sie als Helden gefeiert, doch solange sie nicht erfolgreich sind, werden dieselben Leute als Verbrecher verfolgt.

 

Der Buchbinder hatte keine Schwierigkeiten damit, Goethe und Tschechow in einem Hardcover-Band aufeinander zu kleben. Wie ich keine Schwierigkeit damit hatte. Basiert doch unser abendländisches Denken auf dem Grundsatz, dass jedes Phänomen sich von seinem Gegenteil her definiert. Und ein krasserer Gegensatz als Goethe und Tschechow geht kaum. Deshalb die besondere Art meiner aufrichtigen Bewunderung für diese beiden Groß-Schriftsteller. Ein einziges Lesevergnügen, versprochen. https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/goethe-und-tschechow-kuehler-kopf-und-warmes-herz/

 

 

 

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910. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Neuerdings gilt die Formel Null als der Hit: Das große Rennen um Sicherheit und Hilfe im Alltag. Ausgetragen von den beiden größten Vereinen Deutschlands. Der zweitgrößte Verein, der ADAC, der ständig neue Mitglieder gewinnt, ist mit jetzt 21,4 Millionen Mitgliedern drauf und dran, den größten Verein (nicht im juristischen Sinne) die Römisch-Katholische Kirche Deutschlands, die ständig Mitglieder verliert und jetzt nur noch 21,6 Millionen Mitglieder hat, zu überholen.

 

Manchmal macht unsere Journaille den Eindruck, dass ihr nur die Linken recht sind und alles, was die Rechten tun und wollen, ihr zu link ist.

 

Immer wieder reizvoll: die Sprache der Tiere. Schweizer Forscher haben jetzt die Lautäußerungen der Schimpansen, unserer nächsten Verwandten, identifiziert. Bei denen gibt es nur zwei Wörter. Das eine ist „Huu“ und dient als Ausdruck der Überraschung, das andere ist „Waa“ und fordert zum Mitmachen bei Angriffen oder bei der Jagd auf. Also ein Wort der Reaktion und ein Wort der Aggression. Und besonders beliebt ist der Zwei-Wörter-Satz „Huu Waa“, der auch von den anderen Schimpansen verstanden wird. Dass die Schimpansen mit diesen beiden Wörtern und dem einen Satz auskommen, ist natürlich für alle „Zurück-zur-Natur“-Propagandisten ein Schlag ins Gesicht: „Huu!“ Andererseits kann man das als einen Vorzug sehen, weil wir Menschen unsere Sprache angeblich nur dazu nutzen, die Wahrheit zu verschleiern. Was man allerdings auch mit dem Vortäuschen von Überraschtheit „Huu“ machen kann, wenn es sich in Wahrheit um einen Angriff „Waa“ handelt. Bei kriegerischen Überfällen seit eh und je üblich.

                                                                                                          

In dem Zusammenhang: Das Bundesland Bremen hat jetzt seiner Bevölkerung ein besonderes Geschenk gemacht: Die Landesverfassung ist in sogenannter Einfacher Sprache erschienen, d. h. in kurzen Sätzen von höchstens 10-15 Wörtern, die das Passiv vermeiden, nur einen einzigen Gedanken enthalten und auf Gedankensprünge und Metaphern sowie nicht allgemein bekannte Fremdwörter verzichten. Ungefähr so die gängige Kurz-Definition von Einfacher Sprache. In Ordnung. Man sollte die Vereinfachung nur nicht zum politischen Programm machen.   

   

Im Internet findet man auch Empfehlungen für eine gehobene Sprache. Weil die im Berufsleben hilfreich sein soll. Man solle nicht so oft kurze Wörter und kurze Sätze benutzen, weil die Kürze der Ausdrucksweise ein Zeichen schlechterer sozialer Herkunft sei, so heißt es da. Professioneller und stilvoller wirke man, wenn man Wörter wie „Achtsamkeit“, „Ambition“, „Hierarchie“ und „Stimulus“ in seinen Sprachgebrauch übernehme. Da kann ich nur hoffen, dass die Sprecher wissen, was diese Begriffe meinen. Andernfalls würden sie von mir auf Kölsch das Urteil zu hören kriegen: „De dunn sech nen Deu aan.“

 

In unserer Hauptstadt Berlin war 2022 der beliebteste Name für männliche Babys Mohammed. Der hat den Vorjahresliebling Noah auf den zweiten Platz verdrängt. Was man auf Berlinisch kommentiert mit: „Da kiekste, wa? Et jeht ebent allet weiter.“

 

Man kann sich gar nicht oft genug an ihn erinnern. An diesen Mann aus Düren, der sich sein Leben lang mit wissenschaftlichen Methoden darum bemüht hat, uns allen zu einem genussreicheren Leben zu verhelfen. Um hier wenigstens die berühmten zwei Gossenschen Gesetze zu erwähnen. Ich verdanke Dir Einiges, Hermann Heinrich Gossen. Deshalb habe ich Dich in dem biografischen Roman „Die Berechnung des Glücks“ verewigt. Alles erzählt auf  der Basis Deines Buches und der wenigen greifbaren Unterlagen über Dein vermasseltes Leben. Spannend wie ein Krimi, dabei aber auch noch sinnvoll. https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/die-berechnung-des-gluecks-das-leben-des-hermann-heinrich-gossen/   

 

 

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909. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Wenn ich in einer Buchmessen-Nachschau lese, dass die Schlange stehenden Messebesucher dafür gesorgt haben, dass ein Krimiautor vier Stunden seinen Namen in seine Bücher kritzeln musste, sage ich mir: Sehr gut. Die Leute haben sich um die Literatur verdient gemacht, indem sie vier Stunden lang den Mann davor bewahrt haben, weiter Bücher zu schreiben.

 

Jetzt muss ich mich ausgegrenzt fühlen. Denn die neueste Masche der Rassismus-Überspannten ist, sogar den Begriff schwarz als vergiftet abzulehnen und durch farbig zu ersetzen. Womit ein Gegensatz von schwarz=farbig und weiß behauptet wird. Als ob Weiß keine Farbe wäre. Farbig sind doch alle, auch wir Weißen.

 

In dem Zusammenhang: Die Sprachlern-Plattform Preply hat die Online-Formen des Lachens in einer Weltkarte des Lachens aufgezeigt. Daraus ein paar Beispiele: Europa lacht gern mit Abkürzungen. Auf Portugiesisch wird „riso“, das Lachen dargestellt mit „rsrsrs“. Im Englischen schreibt man „lol“, was steht für „laughing out loud“, die entsprechende Abkürzung heißt im Französischen „mdr“ und meint „mort de rire“. In Indien schreibt man „haha“ für Männerlachen und „hehe“ für Frauenlachen. Im Thailändischen schreibt man „5555“, weil die Zahl 5 gesprochen „haa“ klingt. Auch im Japanischen steht eine Abkürzung fürs Lachen, nämlich „www“ – im Ernst.

 

Wenn unser Verteidigungsminister Pistorius jetzt darauf umschaltet, für die Bundeswehr die Waffen zu kaufen, die es am Markt gibt, statt auf Neuentwicklungen zu setzen  – und zu warten, warten, warten, ist das ein erfreuliches Zeichen von gesundem Menschenverstand. Wenn damit auch übersehen wird, dass die Kleinkriege da und dort und überall im Interesse der Wirtschaftsbosse geführt werden, die für Neuentwicklungen der Waffentechnik immer auf der Suche nach Testmöglichkeiten in Echtsituationen sind. Wenn wir diese Leute nicht mit Aufträgen verwöhnen, holen sie sich die Aufträge woanders.

 

Lese in der Zeitung, dass die Frauen in immer mehr Männerberufe einsteigen, die Männer in Frauenberufe. Abgesehen davon, dass es weder Männerberufe noch Frauenberufe gibt, muss man hinnehmen, dass Männer und Frauen von Natur aus unterschiedliche Eignung mitbringen. Schon in der Schule zeigt sich in gemischten Klassen die geistige Überlegenheit der Mädchen gegenüber den gleichaltrigen Jungen. Seit zwei Jahren haben wir an den deutschen Hochschulen mehr Studentinnen als Studenten. Das ist nur konsequent. Und dadurch ist unsere Zukunft klar vorgezeichnet: Alle Berufe, die vor allem Köpfchen voraussetzen, werden Frauenberufe sein, alle Berufe, die starke Arme fordern, Männerberufe.

 

So geht Historie: Zuerst in einem türkischen Restaurant in Tübingen gut gegessen, dann im Vorstadttheater eine Lesung gehalten. Aus meinem historischen Roman „Die Sünderin. Wien 1683“, der den verzweifelten Abwehrkampf des christlichen Abendlandes gegen ein gewaltiges türkisches Heer vor Wien schildert. Ich habe die Stelle gelesen, an der eine Nonne in religiöser Ekstase das Kruzifix von der Wand ihrer Zelle nimmt und es auf dem Venushügel aufrichtet. Was beim aufmerksam lauschenden Publikum keinen Anstoß erregte. Für mich beruhigend, weil keine Anzeige wegen anstößiger Blasphemie zu erwarten ist.

 

Zweimal hat die Universitätsstadt Mannheim, die eigentlich als die Erfinderstadt Mannheim – Benz, von Drais, Lanz – firmieren müsste, für weltweite Aufregung gesorgt. Das eine Mal durch einen Stich ins Herz, das andere Mal durch eine Enthauptung. Die drei Personen, um die sich dabei alles drehte, obwohl sie vorher nie was miteinander zu tun hatten, habe ich nach umfangreichen Recherchen in einem spannenden historischen Roman wieder aufleben lassen. Und damit das ganze Mannheim vom Anfang des 19. Jahrhunderts, das die deutsche Geschichte total umgeprägt hat: „Hotel Pfälzer Hof“. Siehe https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/hotel-pfaelzer-hof/

 

 

 

 

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908. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Die selbsternannten Paten des Weltklimas geraten sich in die Haare, und die braven Bürger reiben sich verwundert die Augen. Jetzt haben Aktivisten von „Letzte Generation“ und „Fridays for Future“ sowie „Grüne“ sich schon wechselseitig den Missbrauch des Demonstrationsrechts vorgeworfen. Das sei elitärer und selbstgerechter Protest, hieß es. Harsche Kritik, für die man sogar Verständnis aufbringen kann, kostet doch jede Klima-Protest-Aktion, einschließlich Public-Relations-Vorbereitung und juristischer Nachbetreuung, eine Menge Geld. Das verschärft den Wettbewerb der Protest-Organisationen um die im Hintergrund bleibenden Geldgeber, ohne die nichts geht, obwohl die natürlich immer ihre eigenen Interessen verfolgen.

 

In der neuen Freibade-Saison werden wir uns mit dicken Wörterbüchern abschleppen. Denn jetzt ist sogar das Arschgeweih schon out. Oberhalb des Steißbeins, wo vor Jahren diese symmetrische Tätowierung sein musste, da gehört heute ein japanisches Schriftzeichen hin. Notfalls tut es auch ein chinesisches oder arabisches Schriftzeichen. Jedenfalls sind das die neuen Ästhetik-Favoriten für Tattoos. Da soll mir nur keiner sagen: Jetzt ist alles …

 

Nicht nur die verschiedenen Sprachen haben ihre Eigentümlichkeiten, sondern auch ihre Sprecher. Das zeigt sich beispielsweise bei Franzosen und Slawen an dem Problem, ein H zu sprechen. Ganz ähnliche Schwierigkeiten haben die Italiener mit dem CH, das bei ihnen zum SCH wird. Dieser auch bei uns Rheinländern typische „Sprachfehler“ braucht uns also nicht peinlich zu sein; denn er ist ein Zeichen altrömischer Herkunft, das uns stolz sein lässt: Unsere Vorfahren haben die römischen Besatzer erfolgreich eingebürgert. 

 

Was der Mensch isst, das verändert ihn. Das ist jetzt kein Aufruf zu einer neuen Diät und auch keine Warnung davor. Nein, es geht bloß um einen Blick auf die Menschheitsgeschichte. Als der Mensch sich vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern entwickelte, bildete sich der gewaltige Unterkiefer zurück, den er zum Zerkauen von Fleisch und Nüssen gebraucht hatte. Die aufkommende Landwirtschaft hat uns mit dem Verzehr von Getreide, Obst und Gemüse einen kleineren Unterkiefer eingebracht. Und damit auch eine feinere Sprache. Denn der reduzierte Unterkiefer ermöglichte mit der veränderten Stellung der Unterlippe zu den oberen Schneidezähnen ganz neue Ausdrucksformen. Auf einmal konnten unsere Vorfahren sogar f und v aussprechen. So alt schon ist der Zusammenhang von Dichter und Bauer.

 

Die Milch der frommen Denkungsart im Wandel. Vor 50 Jahren, als ich für den Deutschen Entwicklungsdienst tätig war, hatten wir ein großes Thema, das mir besonders am Herzen lag: Die erschreckende Steigerung der Säuglingssterblichkeit in den Entwicklungsländern, verursacht durch die Werbefeldzüge von Lebensmittelkonzernen für künstliche Babynahrung, womit die Mütter vom Stillen abgebracht wurden. Weil dort bei den meisten Frauen das Geld nicht reichte, streckten sie die teure Flaschenmilch auf unhygienische Weise mit unsauberem Wasser, was zu typischen Mangelkrankheiten und vielfach zum Tod der Kinder führte. Heute gilt die Kuhmilch als das Problem. Dagegen geht die Lebensmittelindustrie jetzt vor, damit die Kühe nicht das Weltklima kaputtpupsen. Und wir in den Wohlstandsländern sind die Adressaten, denen in den Läden ein neues Sortiment von Veganmilch aufgedrängt wird: Hafermilch, Sojamilch, Mandelmilch, Reismilch, Haselnussmilch, Erbsenmilch, Kokosnussmilch, Dinkelmilch, Hanfmilch sowie Lupinenmilch. Und ob wir gescheiter reagieren als die Frauen in den Entwicklungsländern reagiert haben, ist noch die Frage.

 

Habe eine junge Trauerrednerin erlebt, auf dem Friedhof, am offenen Grab, die den Zuhörern, nicht dem Toten zugewandt, geraten hat, sich doch einmal klarzumachen, und das ganz ehrlich, was man an seinem letzten Tag auf dem Totenbett bedauern werde. Die ganze Trauergesellschaft ein einziges Fragezeichen. Man werde sich dann, klärte die Rednerin uns nach einer Kunstpause auf, an die Chancen erinnern, die man in seinem langen Leben nicht genutzt hat, nun aber nicht mehr wahrnehmen könne. – Und ich hörte, wie hinter mir eine Frau fragte: „Gehen wir nach dem Trauerumtrunk zu mir oder zu Ihnen?“

                                     

Seine Herkunft zu einem Stück Literatur werden zu lassen, das ist heute für viele Autoren das spezielle Anliegen. Das autofiktionale Erzählen im Extrem. Dabei geht es um die erfahrene oder erlittene Prägung durch Familie und Wohnort, was mehr oder weniger zu einem Geständnis wird. Das Leben als Großstädter (ca. 30 % unserer Bevölkerung) ist schon immer ausführlich beschrieben worden, in der jüngeren Vergangenheit auch stark das Leben als Dörfler (ca. 15 %). Jetzt ist die große Mehrheit der Kleinstädter dran. Dabei geht es immer darum, mit heutigem Bewusstsein Erlebnisse darzustellen, die man mit kindlichem Bewusstsein aufgenommen hat. Was besonders schwierige Hochseil-Artistik ist. Immerhin werden dabei sowohl der Autor als auch die Beschränktheit seiner Mitmenschen kritisch beleuchtet. Das macht diese Art Literatur so wichtig und für die Leser besonders reizvoll. Die Kleinstadt meiner Kindheit und Jugend heißt Opladen, meine Autobiografie heißt: https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/der-dritte-seine-praenatale-biografie-et-cetera-pp/

 

 

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906. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Mit dem Sammelbegriff soziale Medien (dumm übersetzt aus englisch Social Media) für Facebook, Instagram, Twitter, Blogs und dergleichen haben wir dem Adjektiv sozial die positive Bedeutung genommen, die es früher hatte, beispielsweise im sozialen Wohnungsbau. Die EU versucht es mit einem neutralen Sammelbegriff: Digitale Dienste. Doch bleibe ich lieber bei der einzig passenden Bezeichnung: Digitale Plattformen. Denn platter als bei Facebook und Co. geht’s nicht.

 

„Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n.“ Die deutschen Bundesverdienstkreuze für Frauen sind bisher acht Millimeter kleiner als die für Männer. Nach Anweisung des Bundespräsidenten, der sie verleiht, sind sie jetzt „weitgehend anzugleichen“. Außerdem soll bei den Geehrten die Frauenquote von bisher nur gut einem Drittel auf vierzig Prozent erhöht werden.

 

Die Kronen-Zeitung Wien meldete jetzt: Das vor wenigen Jahren in Reykjavik eröffnete Isländische Phallusmuseum ist um ein berüchtigtes Kunstwerk reicher: Besucher können dort als spektakuläre Ergänzung zu den vielen Hundert Tier-Penissen nun den erigierten Penis von Rocklegende Jimi Hendrix als Gipsabguss bestaunen. Geschaffen hat das Kunstwerk die Künstlerin Cynthia Albittron, die Abgüsse der Penisse von rund 50 Rockstars angefertigt hat. So kam der Rock ins Museum. Ich war schon vor 20 Jahren im damals noch weltweit einzigen Penis-Museum in dem Städtchen Húsavik in Nordisland, als Besucher. Da hat mich das gewaltige Fortpflanzungsorgan eines Wals ganz klein werden lassen. 

 

Das Streben nach dem Glück ist uns allen gemeinsam. Und selbstverständlich. Über den Mann, der uns beigebracht hat, wie man seinem Glück näher kommt durch geschickteres Genießen, habe ich 2012 das Buch veröffentlicht „Die Berechnung des Glücks“. Jetzt steht meine kurze Lesung aus diesem Buch als Video bei Youtube, und ich kann sagen: Viel Vergnügen! https://www.youtube.com/watch?v=bXQBAANYHWw&t=11s

 

Wem geht die Genderei, die mit Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich, Schrägstrich und Binnen-I jeden Text verlängert und fast unlesbar macht, nicht schon lange auf die Nerven? In Baden-Württemberg ist jetzt eine überparteiliche Initiative zu einem Volksbegehren gestartet, womit Behörden und Schulen dieses gegen die geltende Rechtschreibung verstoßende Gendern ausdrücklich untersagt werden soll. Verantwortlich zeichnet der Rechtsanwalt Professor Klaus Hekking. Der Verein Deutsche Sprache stellt sich voll hinter diese Initiative, die mit dem Link stoppt-gendern-in-bw.de alle Wahlberechtigten des Landes Baden-Württemberg dazu aufruft, mit abzustimmen. Denn obgleich man schon mehr als die Hälfte der notwendigen Stimmen hat, ist der Erfolg noch nicht sicher.

 

Viele Menschen in der Ukraine waren vor Putins Überfall ganz selbstverständlich zweisprachig. Sie beherrschten sowohl das Ukrainische als auch das Russische. Deshalb wusste man als Besucher oft nicht, ob man es gerade mit einem Russen oder einem Ukrainer zu tun hatte. Der Krieg, so hört man, führt jetzt bei vielen zu einer neuen Eindeutigkeit: Für das Ukrainische und gegen die Sprache des Aggressors, das Russische.

 

Das war vor 20 Jahren, als mich meine Freunde für lebensmüde hielten. In den letzten beiden Wochen vor dem unmittelbar bevorstehenden Überfall der Amerikaner auf den Irak, der sich auf einen Vorwand stützte, war ich als Internet- und Buchautor auf Einladung des Diktators Saddam Hussein im Irak, zusammen mit einer Handvoll Zeitungsjournalisten. Wir waren die letzten „Gutachter“ aus dem Westen. Als Staatsgäste jeden Tag in Regierungslimousinen unterwegs. Zwar habe ich den Staatschef nicht mehr treffen können, weil der schon versteckt leben musste, aber ich konnte viele Menschen aus unterschiedlichen Schichten kontaktieren und meine Kommentare ohne Kontrolle direkt ins Internet eingeben. Daraus ist ein Buch geworden, das durch die desaströse Entwicklung des Irak nach der Hinrichtung Saddam Husseins von Tag zu Tag immer aktueller wird. Reine Reportage, Wort für Wort wahr, mit zahlreichen Fotos. Siehe https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/denk-ich-an-bagdad-in-der-nacht-staatsgast-am-abend-vor-kriegsbeginn/   

 

 

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898. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Verlustmeldung. Der Literat und Publizist Hans Magnus Enzensberger ist gestorben. Mit triumphalen 93 Jahren. Doch zu sagen: Der Mann hat ja was gehabt von seinem langen Leben, wäre Ignoranz. In diesem Fall muss es heißen: Die geistige Welt hat viel gehabt von diesem langen Leben und betrauert jetzt einen entsprechend großen Verlust. Zu den Trauernden zähle auch ich. Denn Hans Magnus Enzensberger hatte literarische Texte von mir gelesen und mir ab 1982 als Mitautor in „TransAtlantik“, dem von ihm und Gaston Salvatore gegründeten Kultur-Magazin von einmaligem Niveau, ein wichtiges Startbrett geboten. Möge er ruhen in Frieden, ich bleibe unfriedlich.

 

Jetzt hat eine Lektorin mich verwarnt, als ich etwas über Schwarz-Weiß-Zeichnung geschrieben hatte. Das gehe nicht, weil es an Hautfarben erinnere und deshalb diskriminierend sei. Da verlor ich plötzlich die ganze Farbpalette, weil Gelb so wenig ging wie Schwarz, Rot ebenso unmöglich war, Braun ohnehin nazifarben und Grün marsmännchenhaft und einseitig parteipolitisch. Mein Trost, dass mir bei dieser farblichen Überempfindlichkeit wenigstens Blau noch bliebe, wurde mir dann auch noch mit dem Hinweis genommen: Blau sein heißt besoffen sein. Also nur noch Weißzeichnung, was dann so aussieht:

 

 

 

 

 

Das Bürgergeld ist da. Bundestag, Bundesrat, Regierung und Opposition haben damit gemeinsam klargestellt, dass die ganze Genderei ein Quatsch ist. Kommt doch kein Mensch, kein Bürger und kein Wähler, kein Deutscher und kein Europäer auf den Gedanken, bei dem Ausdruck Bürgergeld fehle was. Kein Mensch macht sich die unsinnige Mühe, das Bürgergeld auch noch verkleidet in die rund zwanzig inzwischen entdeckten Geschlechtsvarianten auftreten zu lassen.

 

Jede Mutter ist glücklich, wenn das erste Wort, das ihr Kind lallt, Mama ist. Doch nach dem Willen des Europarates sollte das Kind den Ausdruck Elter benutzen, weil das nicht sexistisch sei. Mittlerweile schon eine alte Forderung. Nach Auskunft von Hebammen hat sich jedoch das Verhalten der Babys bisher kein bisschen gebessert.

 

Nebenbei bemerkt: Heute gibt es für alle, die einen Facebook Account haben, als kleine Überraschung eine Verlosung meines Wien-Buches: https://www.facebook.com/groups/historischeLiteratur

 

Unsereins hat neuerdings, anders als unsere Politiker, immer häufiger Schwierigkeiten mit den Bezeichnungen Milliarde und Billion, weil die nicht in unsere Vorstellungswelt passen, außerdem teilweise bei den Amerikanern einen anderen Wert haben als bei uns Europäern. Für Datenwissenschaftler sind die im Computerbereich anfallenden Mengen nicht mehr mit diesen Begriffen und Vorsilben wie Milli-, Mega- und Tera- zu fassen. Deshalb sind jetzt auf einer Expertenkonferenz in Versailles neue Maßeinheiten kreiert worden. Die neuen Vorsilben für Zahlen mit 27 bzw. 30 Nullen lauten ab sofort Ronna- bzw. Quetta-. Die extrem kleinen Maße heißen dann Ronto und Quekto. Danach hat der Planet Jupiter eine Masse von 2 Quettagramm, und der Durchmesser des gesamten beobachtbaren Universums ist 1 Ronnameter. – Jetzt komme ich doch gleich viel besser zurecht im Weltall.

 

Das Vereinswesen, für uns Deutsche angeblich der Lebensinhalt, hat durch die Corona-Einschränkungen starke Einbußen erlitten. Die Zurückhaltung der Leute bei näheren Kontakten führt überall – vom Gesangsverein über Herrenvereinigungen bis zu den Kirchen –zu krassem Mitgliederschwund. Und das Gegenmittel, das großzügige Küren von Ehrenmitgliedern, kann den Niedergang nicht wirklich aufhalten. Eine der Folgen ist, dass Ehepartner mehr miteinander zu tun haben. Die gerade veröffentlichte neue Kriminalstatistik über die Zunahme von Gewalt in deutschen Familien zeigt, wie das aussieht. 

 

Bin Goethes Anregung gefolgt: „Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten.“ Habe auch in dem schwierigen Jahr 2022 zwei neue Bücher herausgebracht. Lektüre zum hellen Vergnügen und gleichzeitig auch noch hochinformativ, wie mir von allen Seiten gesagt wird: https://www.netzine.de/library/

 

 

 

 

 

 

 

 

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897. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Was in der Politik immer wieder an neuen Reizworten propagiert wird, ist meist nur dreistes In-Besitz-Nehmen von Begriffen. Man benutzt sie, damit der politische Gegner sie nicht benutzen kann (Mitbestimmung, Geschlechtergerechtigkeit). Die neuen Begriffe werden nicht etwa tiefer durchdacht, sie werden nur wie Sitze im Zug als besetzt deklariert. Noch rabiater ist der Gebrauch von autoritären Botschaften (Hungerlohn, Berufsverbot, Mietendeckel, Rettungsschirm). Schon tückisch ist die absichtsvolle Verwendung unsinniger Formulierungen (konzertierte Aktion), auch das Veralbern der Wähler (Doppelwumms). Und ein so schönes Wort wie Bürgergeld ist einfach nur ein neues Mäntelchen für Leute, die es gern etwas bequemer und wärmer haben. Zu Risiken und Nebenwirkungen dieser „Wortsetzungsmacht“ schlagen Sie nach in „Laufenbergs Läster-Lexikon“ unter https://www.netzine.de/category/w/ oder fragen Ihre Nachbarn, wer die Politiker noch ernst nimmt.

 

Acht von zehn Deutschen lesen Zeitung. So die Feststellung des Bundesverbandes der Zeitungsverleger. Ich auch, an sechs Tagen der Woche, und das intensiv. Umso mehr genieße ich es am Sonntag, den Kopf frei zu haben.

 

In der Zeitung taz hieß es jetzt, das Siezen sei out. Nicht verwunderlich. Die Frage, ob man siezen oder duzen soll, ist der neueste Sport auf dem Meinungstrampolin. Doch so toll die Sprünge sind, die da vorgeführt werden, bei genauerem Hinsehen erkennt man den Fehler: Immer geht es nur um das Du und das Sie. Doch das Problem ist, was dahinter folgt. Das ist beim Du der Vorname, beim Sie ist es der Nachname. Und erst wenn man einmal vergeblich versucht hat, einen neuen Duz-Bekannten wieder zu kontaktieren, ihn aber in keinem Verzeichnis (weder Google noch Wiki noch Lexikon, Telefonbuch, Adressbuch, Gräberplan oder Taufregister) suchen kann, weil man den Nachnamen nicht weiß, erst dann versteht man, was die angeblich so menschenfreundliche Duzerei in Wahrheit ist: Distanzierung und ein deutliches Zeichen von Desinteresse an den Mitmenschen. Als Problemlösung bietet sich allenfalls an, das Du mit dem Nachnamen zu kombinieren, z. B. „Du, Laufenberg, du kannst mich mal!“

 

Die totale Interdependenz wird oft nur in Nebensätzen deutlich. So ist im Wirtschaftsteil der Zeitung nur mühsam zu entdecken, dass der Corona-Pandemie auch ein positiver Effekt beigemessen wird: Sie hat uns zwei Jahre lang sehr niedrige Insolvenzzahlen beschert. Erst jetzt, da im Abflauen der Pandemie die Preise der wichtigsten Produktionsfaktoren Energie, Löhne und Kreditzinsen steigen, klettern die Insolvenzzahlen wieder auf den Stand von vor Corona.

 

Die EU-Kommission hat festgestellt, dass bereits vor vier Jahren 91 % der Deutschen zwischen 15 und 30 Jahren mindestens zwei Sprachen schreiben und lesen konnten. In Frankreich waren es 79 %, was nahe beim europäischen Durchschnitt von 80 % lag. In England aber waren es nur 32 %. Volles Verständnis für das Desinteresse des einzelnen Briten. Doch die britischen Kulturpolitiker, die für wichtige Examina das Pflichtfach Fremdsprachen abgeschafft haben, handelten als typische Eroberer. Weil ‚Britannia rules the waves’ nicht mehr funktioniert, zwingen die Briten die ganze Welt, mit der sie zu tun haben, vom Sport über Kultur, Handel und Verkehr bis zur Wissenschaft, zur mühsamen Verständigung in ihrer Sprache Englisch, was ihnen überall den Heimvorteil bietet.   

 

Die Vorfreude ist doch immer die schönste Freude. Auf dem traditionell zerstrittenen Territorium von Mittel- und Südamerika sind sich jetzt zwei Länder einen großen Schritt entgegen gekommen: Die Schönheitskönigin von Puerto Rico hat die Schönheitskönigin von Argentinien geheiratet. Das muss ja wunderschöne Kinder geben!

 

Ein Krimi muss nicht immer brutal sein. Er darf auch mal ein Vergnügen sein. Wie der ultimative Regionalkrimi „Das Mannheimer TT ermittelt“. Ein Krimi für die Lachfältchen – trotz drei Morden, einem Mordversuch, schwerer Körperverletzung und sexueller Nötigung. Mittendrin junge Asylantinnen, die kaum Sprachkenntnisse und auch sonst nichts zu bieten haben außer Sex. Es geht um Liebe und Sucht. Da ist es reizvoll, sich auf die richtigen Fragen zu stürzen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Doch ist dann alles ganz anders als das, was man bisher kennt. Ein Dreihundert-Seiten-Buch, das etliche Seiten mehr als 300 hat, wie man nach dem Lesen überrascht feststellt: https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/das-mannheimer-tt-ermittelt-der-ultimative-regionalkrimi/

 

 

 

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896. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Jetzt bietet sich den Krimiautoren ein neues Themenfeld an: Forscher haben festgestellt, Babyschreie verraten, aus welchem Sprachraum die Mutter kommt. Schon länger bekannt ist: Deutsche Babys schreien „Mama“, wobei die Betonung auf der im Deutschen üblichen ersten Silbe liegt. Französische Babys dagegen schreien „maman“, mit der im Französischen üblichen Betonung des Wortendes. Jetzt weiß man, dass sogar schon die vorsprachlichen Lautäußerungen von Kleinstkindern in Frequenz, Melodie und Tonhöhe der Sprache der Mutter entsprechen. Die Muttersprache hinterlässt also schon früheste Spuren.

 

Avers und Revers: Rishi Sunak ist der erste Inder, der Britannien regiert. Das passt mir; denn damit gehört er auf die Vorderseite der Medaille, deren Rückseite Warren Hastings zeigen könnte, den wichtigsten Briten, der weite Teile Indiens regiert hat, und zwar vor 240 Jahren. Dieser Warren Hastings ist übrigens eine der zentralen Figuren des Romans, an dem ich seit anderthalb Jahren schreibe, schreibe, schreibe – mehr wird aber noch nicht verraten.

 

Unsere Energiepolitik ist so widersprüchlich, wie die Parteiprogramme einander widersprechen. Also kein Wunder, sondern ein unvermeidliches Übel der Demokratie. Dadurch kommt es zu gewaltigen Fehlinvestitionen, beispielsweise bei den Gasverbindungen mit Russland, und zu peinlichen Verspätungen, so bei den Stromtrassen in den Süden, den LNG-Anlegern und den Stromzapfsäulen sowie zu überteuerten Energieeinkäufen. Wofür es immer Erklärungen gibt und Alternativlösungen gesucht und gefunden werden. Nicht so bei dem forcierten massenhaften Umstieg der Radfahrer auf E-Bikes. Dieser „Fortschritt“ ist Stromvergeudung, Verkehrsgefährdung und Wegfall von Körperertüchtigung ohne jeden Vorteil als Ausgleich, außer in der Kasse der Fahrradhersteller und -händler.

 

Toll: „Smash“ wurde als das Jugendwort des Jahres 2022 entdeckt. Begründung: Weil es von Jugendlichen besonders häufig verwendet wird, und zwar für „mit jemand etwas anfangen“ und „jemand abschleppen“ und auch „mit jemand Sex haben“, daneben aber auch für „eine begehrte Person“ sowie für „ein romantisches Stelldichein“. Wenn man sich klar macht, dass das englische Wort „smash“  zudem soviel heißt wie „zerstören“ oder „Schlag“ und „Krach“ sowie „Unfall“, kriegt das Wort eine ganz neue Qualität. Es wird durch die Vielfalt der Bedeutungen zum Ausdruck von Sprachlosigkeit. Weil dieser ä-betonte Luftstoß beliebig verwendbar wird. Genau so gut könnte man einfach „mäh“ sagen für alles, was einem gefällt und missfällt.

 

Jetzt haben wir erstmals eine Zeitumstellung erlebt, die fast ganz ohne Proteste in der Öffentlichkeit ablief, schon fast gewohnheitsmäßig. Das  liegt daran, dass man sich international ziemlich einig ist in der Einstellung: Diese Zeitumstellungen bringen kaum Energieeinsparungen, also weg damit! Doch hat sich daraus das neue Problem ergeben, dass dann manche Länder die Sommerzeit ganzjährig einführen wollen, andere die Winterzeit. Und keiner von den führenden Politikern entschließt sich dazu, die Lösung dieses Problems zu seinem Thema zu machen, weil dahinter keine direkt betroffene Bevölkerungsgruppe steht, damit also keine Unterstützung für ihn bei der nächsten Wahl zu erwarten ist. 

 

In diesem Frühjahr hat uns das Deutsche Institut für Normung (DIN) ein neues Buchstabieralphabet serviert. Mit Städtenamen statt der bisher üblichen Vornamen, also Aachen statt Anton. Man hatte erkannt, dass Vornamen anders als Städtenamen dem wechselnden Zeitgeist unterworfen sind, auch politisch, was in der Nazi-Zeit zur Verbannung aller jüdischen Vornamen von der Liste geführt hatte. Die Deutsche Bahn hat genau den umgekehrten Weg beschritten, als sie die an ihren silbrig blinkenden Fernzügen prangenden Namen von Berühmtheiten der deutschen Kultur durch Namen von berühmten deutschen Städten ersetzte. Ein Schildbürgerstreich, der weniger routinierte Reisende, vor allem auch ausländische, dazu verführt, in den falschen Zug zu steigen.  

 

Die älteste Buchhandlung Berlins, die Nicolaische, hatte mich eingeladen, mein neues Buch „Goethe und Tschechow – Kühler Kopf und warmes Herz“ (https://www.netzine.de/library/) in ihren Räumen öffentlich vorzustellen. Offenbar passte der Inhaberin meine kritisch-sachliche Einstellung zu dem Großdichter Goethe. Hatte doch schon Friedrich Nicolai, der Sohn des Gründers der Buchhandlung, eine Parodie auf Goethes Bestseller „Die Leiden des jungen Werthers“ veröffentlicht, über die sich Goethe maßlos geärgert hat. Hier die von der Buchhandlung gemachte Aufzeichnung meines Auftritts: https://www.youtube.com/watch?v=pVrtHte4Rt4

 

 

 

 

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895. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Die Erde ist wirklich überbevölkert. Dabei sind wir Menschen, die wir diesen Planeten Erde bewohnen, nur eine verschwindend kleine Gesellschaft im Vergleich mit den Ameisen. Deren Anzahl ist jetzt erstmals aufgrund von vielen regionalen Erhebungen halbwegs sicher geschätzt worden. Danach kommen auf jeden Menschen mindestens zweieinhalb Millionen Ameisen, wenn nicht noch viel mehr, weil man die Zahl der unterirdisch lebenden Ameisenarten überhaupt nicht schätzen kann. Ein Glück, dass die Ameisen wenigsten sehr klein sind. Die geschätzte Ameisen-Biomasse soll nur rund 20 Prozent der Biomasse aller Menschen entsprechen. Es bleibt uns also noch genügend Bewegungsraum, wobei wir allerdings nicht vermeiden können, dass immer mehr Ameisen unter die Füße geraten. Soll man, weil die Ameisen doch geradezu Muster an Fleiß, Selbstverleugnung und Disziplin sind, sagen: Schade drum? Manche Politiker sehen sie ja als unsere großen Vorbilder.

 

Wenn ich dazu gedrängt werde, auch einmal was zu der völlig unnötigen Diskussion um das Gendern zu sagen, kann ich es kurz machen: Ich halte das Gendern für eine schwere Fehlerin.

 

Das grammatische Geschlecht wurde in der deutschen Sprache bisher als bedeutungslos, weil zufällig (der Schuh, die Waffe, das Mädchen), hingenommen und störte niemanden. Doch seit eine Gruppe von links-orientierten Möchtegern-Besserwissern es als ein Feld entdeckt hat, auf dem man Bedeutung und gut dotierte Posten erobern kann, wird unsere Sprache durch Gendersternchen und anderen Schnickschnack verunziert und umständlicher gemacht. Und das alles mit dem scheinheiligen Anspruch, damit etwas für die Geschlechtergerechtigkeit zu tun. Zu diesem Scheinargument hat die Zeitung taz einmal den Hinweis geliefert, dass es in der türkischen Sprache kein grammatisches Geschlecht gibt, und daran die Frage geknüpft: Sind also Frauen in der Türkei besser gestellt?

 

Jetzt sind mir doch tatsächlich drei Tandems hintereinander begegnet. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Faszinierend und Fragen aufwerfend. Weil ich noch in Erinnerung hatte, was ich in der Schule gelernt habe: Das lateinische Wort tandem heißt soviel wie endlich. Ja, sind dann drei Tandems hintereinander schon so was wie das definitive Ende? Oder vielleicht eher der Anfang der Unendlichkeit?

 

Wenn ich von dem erfolgreichen Stadttaubenmanagement höre, das zum Saubererhalt der Stadt betreute Taubenschläge aufgestellt hat, in denen Ernährungsprogramme durchgeführt und Taubeneier heimlich gegen Gipseier ausgetauscht werden, wehrt sich alles in mir gegen die fiese Frage: Steht dahinter nicht derselbe besserwisserische Herrengeist, der andernorts sich herausnimmt, bestimmte Volksgruppen besonderen Erfassungs- und Erziehungsmaßnahmen zu unterziehen? 

 

Immer das, was wir gerade verloren haben, schätzen wir am höchsten ein. Jetzt, da in deutschen Landen überall die Dialekte im Schwinden sind, heißt es beispielsweise beim Bayerischen Rundfunk, es sei ausdrücklich erwünscht, dass Mitarbeiter Dialekt sprechen. Das habe ich ganz anders erlebt. Als ich vor Jahrzehnten beim aktuellen Fernsehen des Westdeutschen Rundfunks war, störte meine Chefs an meinen Fernsehauftritten die rheinische Klangfärbung meiner hochdeutschen Ausdrucksweise. Ich musste zur Neutralisierung meiner Sprache Extra-Sprachkurse nehmen, auf eigene Kosten. Die von meinen aus Köln stammenden Eltern übernommene Klangfärbung ist jedoch geblieben – und darauf bin ich stolz. Der Sprachlehrer stellte nach einigen Übungsstunden fest: „Das Kölsche kriegen Sie nie ganz weg.“ Darauf ich: „Das hätten Sie mir auch früher sagen können; damit hätte ich viel Geld gespart.“ Er darauf: „Von irjendwat muss ich doch och leben.“  

 

Habe schon selbst in einer mitgemacht, und es ging in anderen Gruppen auch schon um Bücher von mir. Ich spreche von Literaturkreisen und Lesezirkeln. Die Frage, wie viele derartige Initiativen im deutschsprachigen Raum aktiv sind, kann kein Mensch beantworten. Es könnten Tausende sein, und es entstehen immer wieder neue. Gibt es doch überall, auf dem Land wie in der Großstadt, ernsthaft interessierte Menschen, denen Zeitungen, Zeitschriften, Funk, Fernsehen und Internet nicht genügen, weshalb sie sich in kleinen privaten Gruppen dazu verabreden, ein bestimmtes Buch zu lesen, jeder für sich, um es dann gemeinsam zu besprechen. Eine bewährte Methode, den Mehrwert eines Buches aufzuspüren, der weit über Nervenkitzel oder Empathie oder Information hinausgeht. Diese Lesezirkel sind immer auf der Suche nach dem nächsten Buch, das für sie gerade richtig wäre – und fallen leicht dem Werbespruch von Amazon.de zum Opfer, wer das Buch X gelesen habe, dem würden auch die Bücher Y bis Z gefallen“. Unsinn, denn sich immer das Gleiche zuzumuten, bringt bloß Stillstand. Einmal nach etwas ganz Anderem zu greifen, nur das erweitert den Horizont, beispielsweise nach meinem Lebensbericht, der so außergewöhnlich ist wie mein Leben: https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/der-dritte-seine-praenatale-biografie-et-cetera-pp/ 

 

 

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