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902. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Wieder einmal zeigt sich: Alles ist ersetzbar. Je rasanter sich offensichtlich unsere Fähigkeit zur korrekten schriftlichen Äußerung verliert, umso beliebter und wichtiger werden die Emoticons. Schon wurden scheinbar nur witzige Emojis vor Gericht als Beleidigungen gewertet, die als Begründung für eine fristlose Kündigung genügten. Ein Daumen-Hoch ist als Vertragsannahme gewertet worden. Und in Frankreich hat mehrfaches Versenden eines Pistolen-Emojis an die Ex zur Verurteilung wegen Morddrohung gereicht.

 

Für Absurditätsliebhaber. Die Behauptung gilt als wissenschaftlich: Keine Schneeflocke ist in ihrer komplizierten kristallinen Struktur exakt einer anderen gleich. Doch wenn ich stundenlang mit Begeisterung zuschaue, wie sich draußen die Landschaft von immer mehr Schnee einpacken lässt, befallen mich gewisse Zweifel an unseren Naturwissenschaften.

 

Ein bisschen Fremdsprachen-Statistik gefällig? In Deutschland ist im Moment die von den meisten gelernte Fremdsprache das Englische. Ihm folgt in der Beliebtheit mit deutlichem Abstand das Französische, das dabei auch noch ständig abnimmt. An dritter Stelle steht Latein, und auf dem vierten Platz kommt Spanisch, das stetig wächst. Wenn ich mir klarmache, dass die englische Sprache ja genau wie das Deutsche aus Sprachen germanischer Stämme entstanden ist, kann ich feststellen: Zwischen den beiden in Mitteleuropa konkurrierenden Sprachfamilien Germanisch und Romanisch gibt es nach wie vor ein Auf und Ab, das noch kein Endergebnis mit einer Siegerin und einer Verliererin erkennen lässt. Immerhin ein Trost.

 

Ein befreundeter Schriftsteller klagte mir sein Leid: „Jetzt bin ich in einer öffentlichen Diskussion einfach damit abgetan worden, ich sei ja ein alter weißer Mann; deshalb habe ich zu schweigen. Und das sagen mir die Leute, die angeblich 24 Stunden am Tag gegen die Ungerechtigkeiten der Welt ankämpfen.“ Wirklich absurd, denn in dem Fall haben die Weltverbesserer gleich dreifach gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen, das in europäischen und deutschen Gesetzen und Verordnungen festgelegt ist. Weil weder der Hinweis auf das Alter meines Kollegen, noch auf seine Hautfarbe und auch nicht auf sein Geschlecht bei der Zurückweisung seines Gesprächsbeitrags erlaubt waren.

 

Es klingt verdammt naheliegend, dass aus künstlicher Intelligenz intelligente Kunst entsteht, ja entstehen muss. Doch gehört zu unserem Kunstbegriff, dass es dabei um eine menschliche Leistung geht. Diese Forderung lässt dem schönen Gedanken die Luft raus. Da hilft wohl nur ein neuer Kunstbegriff.

 

Der erste der vier Verlage, bei denen meine Bücher im Programm sind, hat mir jetzt im Januar schon die Abrechnung über die Verkäufe im Jahr 2022 geschickt. Der Verlag Regionalkultur. Vorbildlich. Was mich besonders freut: Die Verkäufe steigen von Jahr zu Jahr. Dank meiner stetig wachsenden Leserschaft.

 

Etliche meiner wichtigsten Bücher sind seit langem ausverkauft. So erfreulich das für einen Autor ist, so bedauerlich ist, dass sie weg sind.  Das betrifft „Axel Andexer oder Der Geschmack von Freiheit und so fort“, aber auch die beiden großen Historienbilder „Ritter, Tod und Teufel“ sowie „Im Paradies fing alles an“, bei denen auch die Folgeausgaben als Lübbe- und als Ullstein-Taschenbuch restlos verkauft sind. Von meiner Romanbiografie des Hofnarren Perkeo ist wenigstens die Taschenbuchausgabe „Perkeo, der Zwerg von Heidelberg“ noch auf dem Markt, sogar in der zweiten Auflage. Und meine nach der Jahrhundertwende erschienenen Bücher sind sämtlich noch im Handel. Um von denen nur ein literarisches Schwergewicht zu erwähnen: „Der Hund von Treblinka“, ein Roman über eine Männerfeindin. Ein Buch, zu dem es nichts Vergleichbares gibt. Mal reinschauen. Es lohnt sich:
https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/der-hund-von-treblinka/

 

 

 

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901. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Habe am Silvesterabend mal das Fernsehen angehabt. Das passiert mir nicht noch einmal. Denn hinterher musste ich den Bildschirm eine Stunde lang streicheln und ihm immer wieder zuprosten und alles Gute wünschen, damit er sich allmählich beruhigt nach all dem Geschrei und Gezappel, das ihm als fröhliches Feiern geboten worden war.

 

Kein Zeichen von Wohlstand. Von 2019 bis 2021 ist bei uns die Zahl der übergewichtigen Kinder um 11 % gestiegen, meldete die Kaufmännische Krankenkasse KKH. Und was tut man dagegen? Man hat für 11.500 Kinder die Diagnose Adipositas erstellt. Na, das ist doch was.

 

Als niemand mehr mit dem Füllhalter schrieb, wurden die Füller zu Kultobjekten, von den Herstellern unsinnig aufgemotzt und zu Irrsinnspreisen angeboten. Den Armbanduhren ging es genauso, nachdem sie durchs Smartphone überflüssig geworden waren. Und jetzt könnte dieses Schicksal der Pseudo-Veredlung auch dem gedruckten Buch drohen, das immer mehr vom Internet ersetzt wird. Schon produziert man Prachtbücher, die als edle Coffee Table Books nur zur Demonstration der Wohnkultur ausgelegt werden.

 

Es gibt noch Menschen mit Sprachgefühl. Die bleiben bei dem Begriff Flüchtlinge, der vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sowie seit mehr als 70 Jahren von der Genfer Flüchtlingskonvention benutzt wird, und lehnen die scheinbare Modernisierung durch den Begriff Geflüchtete ab, weil damit die lebensgefährliche Flucht als getan und erledigt verharmlost wird

 

Vorsicht! Fremdsprachen-Lernen verändert einen. Je mehr wir englischsprachige Medien konsumieren, umso mehr verlieren wir unsere Muttersprache. Und das betrifft nicht nur die eigentlich unnötige Verdrängung deutscher Wörter durch englische, also den Anglizismen-Unfug. Inzwischen verändert sich bei vielen von uns auch der Satzbau, weil die Engländer nicht wie wir an die Folge von Subjekt-Prädikat-Objekt gebunden sind. Wer jede Äußerung einleitet mit „Ich denke“ oder „Ich meine“, der ist schon infiziert mit der englischen Verlegenheitsfloskel „I think“ und nicht mehr ernst zu nehmen. Und ein Ausdruck wie „Das macht Sinn“ ist kein Deutsch mehr, sondern die platte Übersetzung von „that makes sense“; denn im Deutschen wird Sinn nicht gemacht, vielmehr „ergibt es Sinn“ oder „ist sinnvoll“. 

 

Unverkäuflich gewordene Lebensmittel, Tag für Tag landen sie bei den Supermärkten nach Ladenschluss in den Abfallcontainern. Sich daraus Brauchbares zu holen, das so genannte Containern, ist zu einem neuen Überlebensweg für Leute mit wenig Einkommen geworden. Doch sind die Lebensmittel im Abfallcontainer nach deutschem Recht keine herrenlosen Sachen. Wer sie sich einfach nimmt, begeht deshalb Diebstahl. Das will Bundesernährungsminister Cem Özdemir jetzt ändern. Dabei dürfte ihm das französische Beispiel helfen. Denn bei unserem Nachbarn gilt das Weggeworfene als aufgegeben, ist also für jedermann freigegeben. Zusätzlich gibt es in Frankreich eine gesetzliche Pflicht für die Händler, unverkäufliche Lebensmittel zu spenden statt wegzuwerfen. So eine Pflicht käme hierzulande den immer mehr in Anspruch genommenen Tafeln sehr entgegen.

 

Papst im Doppelpack im Vatikan, und wir können sagen: Wir sind dabei gewesen. War ja ordentlich geregelt: Der eine in function, der andere out of function, wenn auch beide schön in Weiß und als Heiligkeit bezeichnet. Aber seit Neujahr 2023 ist das Geschichte. Eine nicht so ordentliche Geschichte hat sich gut 600 Jahre vorher abgespielt, als der (erste) Papst Johannes XXIII. gewählt wurde, der dann das Konzil zu Konstanz einberief, um die zwei Päpste loszuwerden, die sich bekämpften, weil jeder der echte sein wollte. Plötzlich Papst im Dreifachpack. Das konnte ja nur ein großes Desaster werden. Der neue Papst, der aufräumen wollte, wurde selbst kurzerhand abgeräumt. Trotz Heiligenscheine ein spannender Krimi. Auf der Basis intensiver Recherchen von mir zu einem historischen Roman gestaltet, pünktlich zum Konzilsjubiläum erschienen und von der Katholischen Kirche vergebens totzuschweigen versucht: „Der Papst im Kerker“ https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/der-papst-im-kerker/

 

 

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900. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Diese 900. Netzine-Ausgabe ist jetzt so pünktlich im Netz, wie es alle anderen Ausgaben vor ihr waren. Und das Netzine wird auch nach 27 Jahren weltweit von immer mehr Menschen entdeckt und gelesen. Damit ist vermutlich ein absoluter Rekord aufgestellt. Weiß ich doch von keiner anderen Literatur-Gazette, die so viele Ausgaben erlebt und so viele Jahre überlebt hat. Aber die Presse zu einer Jubiläumsfeier einzuladen, habe ich mir verkniffen, weil die Zeitungsleute doch voll ausgelastet sind mit der Sorge um ihre eigenen Medien.

 

Die Bezeichnung Ampel für die gegenwärtige Regierungskoalition ist allgemein akzeptiert, weil die Ampelfarben Rot, Grün, Gelb zufällig den Symbolfarben der beteiligten Parteien entsprechen. Der Nürnberg-Erlanger Professor Horst Haider Munske wunderte sich jetzt darüber, dass diese Metapher bisher nicht weiter ausgedeutet wird: „Sonst stünde ja die SPD für Halt, die Grünen für Los geht’s und die Gelben für beides: jetzt auf die Bremse treten oder jetzt Gas geben.“   ̶  Wenn das nicht ein passender Spruch zum Neuen Jahr ist.

 

Üblich ist, dass uns in Presse, Funk und Fernsehen zum Jahresende die großen Ereignisse des Jahres noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Also nur kalter Kaffee. Überraschend und sinnvoll dagegen, was heute die FAZ im Wirtschaftsteil unter der Überschrift bietet Unternehmen geht es gut: „Die hundert umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland haben ihren Umsatz in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 30 Prozent gesteigert … Fast drei Viertel der Unternehmen haben in den ersten neun Monaten neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt stieg die Beschäftigung um 2 Prozent auf 4,35 Millionen.“  ̶   Okay, bei diesem Feuerwerk positiver Meldungen muss die Wirtschaft es verkraften können, dass ich bei der albernen Silvester-Knallerei nicht mitmache.

 

Bemerkenswert selbstbewusst. Die Berufung einer erstplazierten Frau auf eine Forschungsstelle der Universität Triest musste jetzt zurückgezogen werden, nachdem der abgelehnte Zweitplazierte dagegen geklagt hat, weil die Frau ihren Lebenslauf nur auf Englisch eingereicht hatte. Damit hatte sie nach Ansicht des Gerichts nicht alle geforderten Bewerbungsunterlagen eingereicht. Es fehlte der Lebenslauf, denn ihre Bewerbung war amtlicher Schriftverkehr, und die Amtssprache in Italien ist Italienisch.  ̶  Es gibt noch Richter in Italien.

 

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2021 rund 662.100 Menschen von deutschen Gerichten verurteilt. Das waren 5,3 % weniger als im Jahr 2020. Damit setzte sich eine Tendenz fort: Es wird bei uns immer weniger gestraft, und wenn überhaupt, dann in fast 80 % der Fälle nur mittels Geldstrafe. In nicht einmal 100.000 Fällen gab es Freiheitsentzug. Wie diese positive statistische Entwicklung mit dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung kontrastiert, dazu wurde leider nichts gemeldet. 

 

Ich lese in der Zeitung: „In Deutschland wird jede zweite Ehe geschieden.“ Toll! Bestätigt mir das doch, dass ich was Besonderes bin, denn bei mir war es die erste Ehe, die geschieden wurde. – Tja, man muss nur richtig lesen können.

 

Ob wir das gut finden oder nicht: Wir leben mit der amerikanischen Leitkultur. Und jetzt schiebt Putin mit seiner Eroberungspolitik uns noch fester an die amerikanische Brust. Ich habe die amerikanische Leitkultur bei etlichen USA-Besuchen kennen gelernt, nach dem dort vorherrschenden Motto: Have a taste! Daraus sind drei Bücher über Amerika entstanden. 1972 erschienen „Die letzten Tage von New York“, 1983 „Orakelfahrt“ und 2019 „Die Triangel“. Sehr persönliche, sehr ehrliche Bücher, die jedes Mal auch Blicke in unsere eigene Zukunft waren. Warum also nicht zum Jahresende einen solchen Blick nach vorne wagen?! In diesem Sinne wünsche ich all meinen Leserinnen und Lesern ein erfolgreiches und trotzdem angenehmes Jahr 2023!

 

 

 

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898. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Verlustmeldung. Der Literat und Publizist Hans Magnus Enzensberger ist gestorben. Mit triumphalen 93 Jahren. Doch zu sagen: Der Mann hat ja was gehabt von seinem langen Leben, wäre Ignoranz. In diesem Fall muss es heißen: Die geistige Welt hat viel gehabt von diesem langen Leben und betrauert jetzt einen entsprechend großen Verlust. Zu den Trauernden zähle auch ich. Denn Hans Magnus Enzensberger hatte literarische Texte von mir gelesen und mir ab 1982 als Mitautor in „TransAtlantik“, dem von ihm und Gaston Salvatore gegründeten Kultur-Magazin von einmaligem Niveau, ein wichtiges Startbrett geboten. Möge er ruhen in Frieden, ich bleibe unfriedlich.

 

Jetzt hat eine Lektorin mich verwarnt, als ich etwas über Schwarz-Weiß-Zeichnung geschrieben hatte. Das gehe nicht, weil es an Hautfarben erinnere und deshalb diskriminierend sei. Da verlor ich plötzlich die ganze Farbpalette, weil Gelb so wenig ging wie Schwarz, Rot ebenso unmöglich war, Braun ohnehin nazifarben und Grün marsmännchenhaft und einseitig parteipolitisch. Mein Trost, dass mir bei dieser farblichen Überempfindlichkeit wenigstens Blau noch bliebe, wurde mir dann auch noch mit dem Hinweis genommen: Blau sein heißt besoffen sein. Also nur noch Weißzeichnung, was dann so aussieht:

 

 

 

 

 

Das Bürgergeld ist da. Bundestag, Bundesrat, Regierung und Opposition haben damit gemeinsam klargestellt, dass die ganze Genderei ein Quatsch ist. Kommt doch kein Mensch, kein Bürger und kein Wähler, kein Deutscher und kein Europäer auf den Gedanken, bei dem Ausdruck Bürgergeld fehle was. Kein Mensch macht sich die unsinnige Mühe, das Bürgergeld auch noch verkleidet in die rund zwanzig inzwischen entdeckten Geschlechtsvarianten auftreten zu lassen.

 

Jede Mutter ist glücklich, wenn das erste Wort, das ihr Kind lallt, Mama ist. Doch nach dem Willen des Europarates sollte das Kind den Ausdruck Elter benutzen, weil das nicht sexistisch sei. Mittlerweile schon eine alte Forderung. Nach Auskunft von Hebammen hat sich jedoch das Verhalten der Babys bisher kein bisschen gebessert.

 

Nebenbei bemerkt: Heute gibt es für alle, die einen Facebook Account haben, als kleine Überraschung eine Verlosung meines Wien-Buches: https://www.facebook.com/groups/historischeLiteratur

 

Unsereins hat neuerdings, anders als unsere Politiker, immer häufiger Schwierigkeiten mit den Bezeichnungen Milliarde und Billion, weil die nicht in unsere Vorstellungswelt passen, außerdem teilweise bei den Amerikanern einen anderen Wert haben als bei uns Europäern. Für Datenwissenschaftler sind die im Computerbereich anfallenden Mengen nicht mehr mit diesen Begriffen und Vorsilben wie Milli-, Mega- und Tera- zu fassen. Deshalb sind jetzt auf einer Expertenkonferenz in Versailles neue Maßeinheiten kreiert worden. Die neuen Vorsilben für Zahlen mit 27 bzw. 30 Nullen lauten ab sofort Ronna- bzw. Quetta-. Die extrem kleinen Maße heißen dann Ronto und Quekto. Danach hat der Planet Jupiter eine Masse von 2 Quettagramm, und der Durchmesser des gesamten beobachtbaren Universums ist 1 Ronnameter. – Jetzt komme ich doch gleich viel besser zurecht im Weltall.

 

Das Vereinswesen, für uns Deutsche angeblich der Lebensinhalt, hat durch die Corona-Einschränkungen starke Einbußen erlitten. Die Zurückhaltung der Leute bei näheren Kontakten führt überall – vom Gesangsverein über Herrenvereinigungen bis zu den Kirchen –zu krassem Mitgliederschwund. Und das Gegenmittel, das großzügige Küren von Ehrenmitgliedern, kann den Niedergang nicht wirklich aufhalten. Eine der Folgen ist, dass Ehepartner mehr miteinander zu tun haben. Die gerade veröffentlichte neue Kriminalstatistik über die Zunahme von Gewalt in deutschen Familien zeigt, wie das aussieht. 

 

Bin Goethes Anregung gefolgt: „Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten.“ Habe auch in dem schwierigen Jahr 2022 zwei neue Bücher herausgebracht. Lektüre zum hellen Vergnügen und gleichzeitig auch noch hochinformativ, wie mir von allen Seiten gesagt wird: https://www.netzine.de/library/

 

 

 

 

 

 

 

 

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897. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Was in der Politik immer wieder an neuen Reizworten propagiert wird, ist meist nur dreistes In-Besitz-Nehmen von Begriffen. Man benutzt sie, damit der politische Gegner sie nicht benutzen kann (Mitbestimmung, Geschlechtergerechtigkeit). Die neuen Begriffe werden nicht etwa tiefer durchdacht, sie werden nur wie Sitze im Zug als besetzt deklariert. Noch rabiater ist der Gebrauch von autoritären Botschaften (Hungerlohn, Berufsverbot, Mietendeckel, Rettungsschirm). Schon tückisch ist die absichtsvolle Verwendung unsinniger Formulierungen (konzertierte Aktion), auch das Veralbern der Wähler (Doppelwumms). Und ein so schönes Wort wie Bürgergeld ist einfach nur ein neues Mäntelchen für Leute, die es gern etwas bequemer und wärmer haben. Zu Risiken und Nebenwirkungen dieser „Wortsetzungsmacht“ schlagen Sie nach in „Laufenbergs Läster-Lexikon“ unter https://www.netzine.de/category/w/ oder fragen Ihre Nachbarn, wer die Politiker noch ernst nimmt.

 

Acht von zehn Deutschen lesen Zeitung. So die Feststellung des Bundesverbandes der Zeitungsverleger. Ich auch, an sechs Tagen der Woche, und das intensiv. Umso mehr genieße ich es am Sonntag, den Kopf frei zu haben.

 

In der Zeitung taz hieß es jetzt, das Siezen sei out. Nicht verwunderlich. Die Frage, ob man siezen oder duzen soll, ist der neueste Sport auf dem Meinungstrampolin. Doch so toll die Sprünge sind, die da vorgeführt werden, bei genauerem Hinsehen erkennt man den Fehler: Immer geht es nur um das Du und das Sie. Doch das Problem ist, was dahinter folgt. Das ist beim Du der Vorname, beim Sie ist es der Nachname. Und erst wenn man einmal vergeblich versucht hat, einen neuen Duz-Bekannten wieder zu kontaktieren, ihn aber in keinem Verzeichnis (weder Google noch Wiki noch Lexikon, Telefonbuch, Adressbuch, Gräberplan oder Taufregister) suchen kann, weil man den Nachnamen nicht weiß, erst dann versteht man, was die angeblich so menschenfreundliche Duzerei in Wahrheit ist: Distanzierung und ein deutliches Zeichen von Desinteresse an den Mitmenschen. Als Problemlösung bietet sich allenfalls an, das Du mit dem Nachnamen zu kombinieren, z. B. „Du, Laufenberg, du kannst mich mal!“

 

Die totale Interdependenz wird oft nur in Nebensätzen deutlich. So ist im Wirtschaftsteil der Zeitung nur mühsam zu entdecken, dass der Corona-Pandemie auch ein positiver Effekt beigemessen wird: Sie hat uns zwei Jahre lang sehr niedrige Insolvenzzahlen beschert. Erst jetzt, da im Abflauen der Pandemie die Preise der wichtigsten Produktionsfaktoren Energie, Löhne und Kreditzinsen steigen, klettern die Insolvenzzahlen wieder auf den Stand von vor Corona.

 

Die EU-Kommission hat festgestellt, dass bereits vor vier Jahren 91 % der Deutschen zwischen 15 und 30 Jahren mindestens zwei Sprachen schreiben und lesen konnten. In Frankreich waren es 79 %, was nahe beim europäischen Durchschnitt von 80 % lag. In England aber waren es nur 32 %. Volles Verständnis für das Desinteresse des einzelnen Briten. Doch die britischen Kulturpolitiker, die für wichtige Examina das Pflichtfach Fremdsprachen abgeschafft haben, handelten als typische Eroberer. Weil ‚Britannia rules the waves’ nicht mehr funktioniert, zwingen die Briten die ganze Welt, mit der sie zu tun haben, vom Sport über Kultur, Handel und Verkehr bis zur Wissenschaft, zur mühsamen Verständigung in ihrer Sprache Englisch, was ihnen überall den Heimvorteil bietet.   

 

Die Vorfreude ist doch immer die schönste Freude. Auf dem traditionell zerstrittenen Territorium von Mittel- und Südamerika sind sich jetzt zwei Länder einen großen Schritt entgegen gekommen: Die Schönheitskönigin von Puerto Rico hat die Schönheitskönigin von Argentinien geheiratet. Das muss ja wunderschöne Kinder geben!

 

Ein Krimi muss nicht immer brutal sein. Er darf auch mal ein Vergnügen sein. Wie der ultimative Regionalkrimi „Das Mannheimer TT ermittelt“. Ein Krimi für die Lachfältchen – trotz drei Morden, einem Mordversuch, schwerer Körperverletzung und sexueller Nötigung. Mittendrin junge Asylantinnen, die kaum Sprachkenntnisse und auch sonst nichts zu bieten haben außer Sex. Es geht um Liebe und Sucht. Da ist es reizvoll, sich auf die richtigen Fragen zu stürzen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Doch ist dann alles ganz anders als das, was man bisher kennt. Ein Dreihundert-Seiten-Buch, das etliche Seiten mehr als 300 hat, wie man nach dem Lesen überrascht feststellt: https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/das-mannheimer-tt-ermittelt-der-ultimative-regionalkrimi/

 

 

 

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896. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Jetzt bietet sich den Krimiautoren ein neues Themenfeld an: Forscher haben festgestellt, Babyschreie verraten, aus welchem Sprachraum die Mutter kommt. Schon länger bekannt ist: Deutsche Babys schreien „Mama“, wobei die Betonung auf der im Deutschen üblichen ersten Silbe liegt. Französische Babys dagegen schreien „maman“, mit der im Französischen üblichen Betonung des Wortendes. Jetzt weiß man, dass sogar schon die vorsprachlichen Lautäußerungen von Kleinstkindern in Frequenz, Melodie und Tonhöhe der Sprache der Mutter entsprechen. Die Muttersprache hinterlässt also schon früheste Spuren.

 

Avers und Revers: Rishi Sunak ist der erste Inder, der Britannien regiert. Das passt mir; denn damit gehört er auf die Vorderseite der Medaille, deren Rückseite Warren Hastings zeigen könnte, den wichtigsten Briten, der weite Teile Indiens regiert hat, und zwar vor 240 Jahren. Dieser Warren Hastings ist übrigens eine der zentralen Figuren des Romans, an dem ich seit anderthalb Jahren schreibe, schreibe, schreibe – mehr wird aber noch nicht verraten.

 

Unsere Energiepolitik ist so widersprüchlich, wie die Parteiprogramme einander widersprechen. Also kein Wunder, sondern ein unvermeidliches Übel der Demokratie. Dadurch kommt es zu gewaltigen Fehlinvestitionen, beispielsweise bei den Gasverbindungen mit Russland, und zu peinlichen Verspätungen, so bei den Stromtrassen in den Süden, den LNG-Anlegern und den Stromzapfsäulen sowie zu überteuerten Energieeinkäufen. Wofür es immer Erklärungen gibt und Alternativlösungen gesucht und gefunden werden. Nicht so bei dem forcierten massenhaften Umstieg der Radfahrer auf E-Bikes. Dieser „Fortschritt“ ist Stromvergeudung, Verkehrsgefährdung und Wegfall von Körperertüchtigung ohne jeden Vorteil als Ausgleich, außer in der Kasse der Fahrradhersteller und -händler.

 

Toll: „Smash“ wurde als das Jugendwort des Jahres 2022 entdeckt. Begründung: Weil es von Jugendlichen besonders häufig verwendet wird, und zwar für „mit jemand etwas anfangen“ und „jemand abschleppen“ und auch „mit jemand Sex haben“, daneben aber auch für „eine begehrte Person“ sowie für „ein romantisches Stelldichein“. Wenn man sich klar macht, dass das englische Wort „smash“  zudem soviel heißt wie „zerstören“ oder „Schlag“ und „Krach“ sowie „Unfall“, kriegt das Wort eine ganz neue Qualität. Es wird durch die Vielfalt der Bedeutungen zum Ausdruck von Sprachlosigkeit. Weil dieser ä-betonte Luftstoß beliebig verwendbar wird. Genau so gut könnte man einfach „mäh“ sagen für alles, was einem gefällt und missfällt.

 

Jetzt haben wir erstmals eine Zeitumstellung erlebt, die fast ganz ohne Proteste in der Öffentlichkeit ablief, schon fast gewohnheitsmäßig. Das  liegt daran, dass man sich international ziemlich einig ist in der Einstellung: Diese Zeitumstellungen bringen kaum Energieeinsparungen, also weg damit! Doch hat sich daraus das neue Problem ergeben, dass dann manche Länder die Sommerzeit ganzjährig einführen wollen, andere die Winterzeit. Und keiner von den führenden Politikern entschließt sich dazu, die Lösung dieses Problems zu seinem Thema zu machen, weil dahinter keine direkt betroffene Bevölkerungsgruppe steht, damit also keine Unterstützung für ihn bei der nächsten Wahl zu erwarten ist. 

 

In diesem Frühjahr hat uns das Deutsche Institut für Normung (DIN) ein neues Buchstabieralphabet serviert. Mit Städtenamen statt der bisher üblichen Vornamen, also Aachen statt Anton. Man hatte erkannt, dass Vornamen anders als Städtenamen dem wechselnden Zeitgeist unterworfen sind, auch politisch, was in der Nazi-Zeit zur Verbannung aller jüdischen Vornamen von der Liste geführt hatte. Die Deutsche Bahn hat genau den umgekehrten Weg beschritten, als sie die an ihren silbrig blinkenden Fernzügen prangenden Namen von Berühmtheiten der deutschen Kultur durch Namen von berühmten deutschen Städten ersetzte. Ein Schildbürgerstreich, der weniger routinierte Reisende, vor allem auch ausländische, dazu verführt, in den falschen Zug zu steigen.  

 

Die älteste Buchhandlung Berlins, die Nicolaische, hatte mich eingeladen, mein neues Buch „Goethe und Tschechow – Kühler Kopf und warmes Herz“ (https://www.netzine.de/library/) in ihren Räumen öffentlich vorzustellen. Offenbar passte der Inhaberin meine kritisch-sachliche Einstellung zu dem Großdichter Goethe. Hatte doch schon Friedrich Nicolai, der Sohn des Gründers der Buchhandlung, eine Parodie auf Goethes Bestseller „Die Leiden des jungen Werthers“ veröffentlicht, über die sich Goethe maßlos geärgert hat. Hier die von der Buchhandlung gemachte Aufzeichnung meines Auftritts: https://www.youtube.com/watch?v=pVrtHte4Rt4

 

 

 

 

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895. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Die Erde ist wirklich überbevölkert. Dabei sind wir Menschen, die wir diesen Planeten Erde bewohnen, nur eine verschwindend kleine Gesellschaft im Vergleich mit den Ameisen. Deren Anzahl ist jetzt erstmals aufgrund von vielen regionalen Erhebungen halbwegs sicher geschätzt worden. Danach kommen auf jeden Menschen mindestens zweieinhalb Millionen Ameisen, wenn nicht noch viel mehr, weil man die Zahl der unterirdisch lebenden Ameisenarten überhaupt nicht schätzen kann. Ein Glück, dass die Ameisen wenigsten sehr klein sind. Die geschätzte Ameisen-Biomasse soll nur rund 20 Prozent der Biomasse aller Menschen entsprechen. Es bleibt uns also noch genügend Bewegungsraum, wobei wir allerdings nicht vermeiden können, dass immer mehr Ameisen unter die Füße geraten. Soll man, weil die Ameisen doch geradezu Muster an Fleiß, Selbstverleugnung und Disziplin sind, sagen: Schade drum? Manche Politiker sehen sie ja als unsere großen Vorbilder.

 

Wenn ich dazu gedrängt werde, auch einmal was zu der völlig unnötigen Diskussion um das Gendern zu sagen, kann ich es kurz machen: Ich halte das Gendern für eine schwere Fehlerin.

 

Das grammatische Geschlecht wurde in der deutschen Sprache bisher als bedeutungslos, weil zufällig (der Schuh, die Waffe, das Mädchen), hingenommen und störte niemanden. Doch seit eine Gruppe von links-orientierten Möchtegern-Besserwissern es als ein Feld entdeckt hat, auf dem man Bedeutung und gut dotierte Posten erobern kann, wird unsere Sprache durch Gendersternchen und anderen Schnickschnack verunziert und umständlicher gemacht. Und das alles mit dem scheinheiligen Anspruch, damit etwas für die Geschlechtergerechtigkeit zu tun. Zu diesem Scheinargument hat die Zeitung taz einmal den Hinweis geliefert, dass es in der türkischen Sprache kein grammatisches Geschlecht gibt, und daran die Frage geknüpft: Sind also Frauen in der Türkei besser gestellt?

 

Jetzt sind mir doch tatsächlich drei Tandems hintereinander begegnet. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Faszinierend und Fragen aufwerfend. Weil ich noch in Erinnerung hatte, was ich in der Schule gelernt habe: Das lateinische Wort tandem heißt soviel wie endlich. Ja, sind dann drei Tandems hintereinander schon so was wie das definitive Ende? Oder vielleicht eher der Anfang der Unendlichkeit?

 

Wenn ich von dem erfolgreichen Stadttaubenmanagement höre, das zum Saubererhalt der Stadt betreute Taubenschläge aufgestellt hat, in denen Ernährungsprogramme durchgeführt und Taubeneier heimlich gegen Gipseier ausgetauscht werden, wehrt sich alles in mir gegen die fiese Frage: Steht dahinter nicht derselbe besserwisserische Herrengeist, der andernorts sich herausnimmt, bestimmte Volksgruppen besonderen Erfassungs- und Erziehungsmaßnahmen zu unterziehen? 

 

Immer das, was wir gerade verloren haben, schätzen wir am höchsten ein. Jetzt, da in deutschen Landen überall die Dialekte im Schwinden sind, heißt es beispielsweise beim Bayerischen Rundfunk, es sei ausdrücklich erwünscht, dass Mitarbeiter Dialekt sprechen. Das habe ich ganz anders erlebt. Als ich vor Jahrzehnten beim aktuellen Fernsehen des Westdeutschen Rundfunks war, störte meine Chefs an meinen Fernsehauftritten die rheinische Klangfärbung meiner hochdeutschen Ausdrucksweise. Ich musste zur Neutralisierung meiner Sprache Extra-Sprachkurse nehmen, auf eigene Kosten. Die von meinen aus Köln stammenden Eltern übernommene Klangfärbung ist jedoch geblieben – und darauf bin ich stolz. Der Sprachlehrer stellte nach einigen Übungsstunden fest: „Das Kölsche kriegen Sie nie ganz weg.“ Darauf ich: „Das hätten Sie mir auch früher sagen können; damit hätte ich viel Geld gespart.“ Er darauf: „Von irjendwat muss ich doch och leben.“  

 

Habe schon selbst in einer mitgemacht, und es ging in anderen Gruppen auch schon um Bücher von mir. Ich spreche von Literaturkreisen und Lesezirkeln. Die Frage, wie viele derartige Initiativen im deutschsprachigen Raum aktiv sind, kann kein Mensch beantworten. Es könnten Tausende sein, und es entstehen immer wieder neue. Gibt es doch überall, auf dem Land wie in der Großstadt, ernsthaft interessierte Menschen, denen Zeitungen, Zeitschriften, Funk, Fernsehen und Internet nicht genügen, weshalb sie sich in kleinen privaten Gruppen dazu verabreden, ein bestimmtes Buch zu lesen, jeder für sich, um es dann gemeinsam zu besprechen. Eine bewährte Methode, den Mehrwert eines Buches aufzuspüren, der weit über Nervenkitzel oder Empathie oder Information hinausgeht. Diese Lesezirkel sind immer auf der Suche nach dem nächsten Buch, das für sie gerade richtig wäre – und fallen leicht dem Werbespruch von Amazon.de zum Opfer, wer das Buch X gelesen habe, dem würden auch die Bücher Y bis Z gefallen“. Unsinn, denn sich immer das Gleiche zuzumuten, bringt bloß Stillstand. Einmal nach etwas ganz Anderem zu greifen, nur das erweitert den Horizont, beispielsweise nach meinem Lebensbericht, der so außergewöhnlich ist wie mein Leben: https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/der-dritte-seine-praenatale-biografie-et-cetera-pp/ 

 

 

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894. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Hört, hört! Im Wintersemester 2021/22 waren in den deutschen Hochschulen erstmals mehr Studentinnen als Studenten eingeschrieben. Das heißt, die geistige Überlegenheit des weiblichen Geschlechts über das männliche Geschlecht bei Gleichaltrigen, die sich ja in gemischten Klassen schon in der Schule gezeigt hat, ist jetzt eine Stufe höher deutlich geworden. Daraus kann man den Blick in eine Zukunft ableiten, die sich krass von der heutigen Wirklichkeit unterscheiden wird: Für alles, was Köpfchen verlangt, werden ganz selbstverständlich Frauen zuständig sein, für alles, was kräftige Arme verlangt, Männer.

 

Aus den USA erneut Bilder von Zerstörungen durch einen gewaltigen Wirbelsturm. Verständlich, dass all diese nach Katalog gekauften Ein-Familien-Häuser aus Spanplatten und ähnlichem Material von einem Hurrikan ruck-zuck weggerissen werden. Damit hat man ja schon viele Jahrzehnte leidvolle Erfahrung gemacht. Völlig unverständlich, dass dort trotzdem die Massivbauweise aus Stein nicht zur Selbstverständlichkeit wird. Ist das Armut oder eher ihr Gegenteil?

 

Überflüssiges wird Historie. Die erste Blamage des neuen britischen Königs Charles III. war ein missglückter Versuch mit einem historischen Instrument, dem klecksenden Füllfederhalter. Wer benutzt denn noch so was? Der Füller gehört zu den drei Artikeln, die inzwischen so überflüssig geworden sind, dass sie nur noch durch irrsinnige Preiserhöhungen als Luxusgüter an den Mann (m/w/d) zu bringen sind. Wie dem Füller, so ergeht es den Armbanduhren: Inzwischen weitgehend durch das Handy ersetzt und deshalb immer teurer aufgemotzt. Dieselbe Entwicklung hat auch schon das Auto erfasst, das im Delivery- und Homeoffice-Zeitalter mehr Stehzeug als Fahrzeug ist und entsprechend verteuert und vergöttert werden muss.

 

Dass Jahr für Jahr alte Sprachen verschwinden, weil ihre letzten Sprecher sterben, ist zu bedauern, aber nicht zu verhindern. Die heute mögliche und übliche technische Konservierung ist dabei das einzig Tröstliche. Kein Ersatz für die verlorenen Sprachen ist es, dass die Literatur und der Film uns neue Sprachen liefern, wie die Kunstsprache „Silmarillion“ des britischen Professors John Ronald Reuel Tolkien (1892-1973) und die Fantasiesprachen in Serien, beispielsweise „Klingonisch“ in „Star Trek“ und „Hochvalyrisch“ in „House of Dragon“. Diese hochentwickelten Fantasiesprachen, die immer weiter ausgebaut werden, stehen eher wie die Kunstmärchen dem Volksmärchen gegenüber.

 

Das Elsass, immer mal wieder Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich, ist stolz darauf, eine eigene Sprache zu haben, das Elsässische. In einer Zeit, in der immer wieder das Verschwinden von Sprachen bedauert wird, muss man besonders hervorheben: Ein französisches Meinungsforschungsinstitut hat jetzt festgestellt, dass der Anteil der Elsässer, die Elsässisch beherrschen, in den letzten zehn Jahren von 43 auf 46 Prozent gestiegen ist. Wenn das auch nur Statistik ist  ̶  immerhin.

 

Früher lernte jeder, der Journalist werden wollte, das alte Gesetz der Journaille: Eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht, eine gute Nachricht ist keine Nachricht. Jetzt weist ein Artikel im Programmheft des Deutschlandfunks darauf hin, dass dieses Gesetz nicht mehr gilt. Danach spüren die Medien die wachsende Nachrichtenmüdigkeit des Publikums, und die Statistiker bestätigen ihnen, dass inzwischen schon mehr als ein Drittel der Adressaten vermeiden, die Nachrichten zu hören oder zu sehen. In den USA soll die Abkehr vom Nachrichtenkonsum sogar noch viel stärker sein. Verständlich, denn so interessant jeder Unfall, Überfall, Terrorakt, Krieg und jede Naturkatastrophe ist, seitdem die ganze Welt mit Kameras und Mikrofonen bestückt ist, kriegt man Tag und Nacht pausenlos Unheil und Leid serviert. So viel permanentes Mitleiden und Bedauern kann kein Mensch ertragen. Deshalb ist ein Umdenken der Medienschaffenden angesagt, so die Quintessenz dieses Artikels, und ein neuer, positiver Journalismus nötig, „der auf Lösungsansätze mit dem gleichen professionellen Interesse schaut wie auf die Probleme.“

 

Ich bin überrascht, wie schnell in der Schweiz und in Liechtenstein das neueste Australien-Erlebnisbuch entdeckt wurde. In anderen Weltecken ist man noch beim Lesen – und offenbar verwundert. Weil da einmal ein ferner Kontinent nicht nach Sehenswürdigkeiten durchstöbert wurde, auch nicht nach putzigen Tieren. Stattdessen einige Dutzend Begegnungen mit Australiern aller Schattierungen in ihrem Alltag. Wahrheitsgemäß und ohne alle Schnörkel geschildert, so entsteht Aussie für Aussie auf amüsante Weise ein völlig neues Australienbild. 
https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/gesichter-australiens/

 

 

 

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893. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Die Anrede Du mit Vornamen ist weiter auf dem Vormarsch, gefördert durch populäre Fernsehsendungen sowie das Internet, in einigen Unternehmen sogar schon zur Pflicht gemacht. Manch einer hält das für Modernität, die sich dem angelsächsischen Gebrauch anpasst. Dahinter steht peinliche Unkenntnis, denn das englische You ist sprachhistorisch kein Du, sondern ein Ihr. Ein Trugschluss auch, das Du mit Vornamen für persönlicher als das bisher übliche Sie mit Nachnamen zu halten. In Wahrheit ist die Duzerei mit Vornamen der Ausdruck von völligem Desinteresse an dem anderen und eine dumme Methode der Anonymisierung. Aber das merkt man erst, wenn man irgendwann versucht, den geduzten Fremden, von dem man nur den Vornamen weiß, zu kontaktieren. Nichts geht. Da hilft kein Telefonbuch, auch kein Google.

 

Die Hartnäckigkeit, mit der in EU-Institutionen an der Voraussetzung von Einstimmigkeit bei wichtigen Entscheidungen festgehalten wird, hat was von Altersstarrsinn. Das rechtfertigt das Erscheinungsbild der EU in den Köpfen  jüngerer Menschen: EUR OPA.

 

Aktuell gibt es drei Tendenzen, die sich partout nicht in Übereinstimmung bringen lassen wollen. Tendenz 1: Wetterkapriolen treten mit immer extremerer Wirkung auf. Tendenz 2: Die zuständigen Warninstitutionen schlagen wegen der schlechten Erfahrungen mit der Katastrophe von 2021 im Ahrtal schon bei immer geringeren Anzeichen Alarm, was unvermeidlich immer öfter Fehlalarm ist. Tendenz 3: Bei Presse, Funk und Fernsehen hält man sich mit der Wiedergabe der Katastrophenwarnungen immer mehr zurück, weil die zu befürchtenden Falschmeldungen das Image schädigen. 

 

Hybrid ist in. Kein Gedanke mehr an Bedeutungen dieses Fremdwortes wie überheblich, vermessen und übersteigert. Keine Erinnerung mehr an Abwertungen wie Bastard, Mischling oder Zwitter. Hybrid arbeiten zu dürfen, das ist das neue Glücksrezept. Es steht für die Wahlfreiheit von unselbständig Beschäftigten, sich mal im Büro, mal unterwegs und mal zu Hause für seinen Arbeitgeber abzurackern. Dank der Corona-Pandemie sind die Zahlen der glücklichen Hybridarbeiter rasant gewachsen. So ist aus Negativem etwas Positives entstanden, – auch das gibt es; muss man sich nur einmal bewusst machen.

 

In den USA diskutiert man neuerdings die Methode vieler Historiker, die Ereignisse früherer Zeiten in Bezug auf heutige Problemkreise wie Rasse, Geschlecht, Sexualität, Nationalismus oder Kapitalismus zu beschreiben. Diese Darstellungsart, Präsentismus genannt, wird dann gern zur Rechtfertigung von kritischen politischen Einstellungen zu heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen genutzt. Was ein krasser Missbrauch ist, weil damit Seh- und Denkweisen in die Vergangenheit projiziert werden, die es damals überhaupt nicht gegeben hat. Ein Fettnäpfchen auch für Autoren historischer Romane, die up to date sein möchten.

 

Sogar Papiertaschentücher verraten uns, wohin die Entwicklung unserer Sprache geht: Zu einem deutsch-englisch gemischten Gebrabbel hin. Ist doch der alte die Packungen schmückende Werbespruch Sanft & Sicher modernisiert worden zu Soft & Sicher. Wobei man sich gut vorstellen kann, wie dafür argumentiert wurde: Das Wort sanft ist zu betulich und durch den Grabspruch Ruhe sanft negativ besetzt, andererseits ist der Ausdruck safe für sicher nicht brauchbar, weil durch Tresorknacker und die Förderung von safer sex ebenfalls negativ besetzt. Also eine wilde Auswahl nach Brauchbarkeit und Belastetheit, wobei die englischen Ausdrücke immer im Vorteil sind, weil wir nicht so viel über ihre Konnotationen wissen.

 

Der mit 10.000 Euro dotierte Gossen-Preis, die höchste Auszeichnung für junge Wirtschaftswissenschaftler, ist in diesem Jahr an den Bonner Ökonomen Christian Bayer vergeben worden. Der Preis erinnert an einen Juristen, der meist fälschlich als Ökonom bezeichnet wird, nämlich Hermann Heinrich Gossen, Regierungsassessor in preußischen Diensten. Gossen wurde 1810 in Düren geboren und starb 1858 in Köln. Um die Menschheit glücklich zu machen, hat er sich fast sein ganzes Leben lang darum bemüht, die mathematische Formel für das Genießen und Glücklichwerden zu finden. Er hat die Formel tatsächlich gefunden und wurde doch selbst todunglücklich. Aber sein Wissen wurde uns überliefert, gegen seinen Willen. So wurde er zu einem der Stammväter der Nationalökonomie. Für viele Wissenschaftler ist er einer der bedeutendsten Denker, die je gelebt haben. Seine höchst unordentliche Lebensgeschichte und den Ertrag seines Lebens, das Erste und das Zweite Gossensche Gesetz, diese zeitlos gültigen und für jedermann zum Alltag gehörenden Wege zu mehr Genuss, habe ich in dem sorgsam recherchierten und spannend geschriebenen Buch „Die Berechnung des Glücks“ lesbar gemacht. Wie schreibt der Verlag: Ein Roman von beschwingter Lebenslust, ungestillter Neugier und einem tief verwurzelten Streben nach Glück: https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/die-berechnung-des-gluecks-das-leben-des-hermann-heinrich-gossen/ 

 

 

 

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