Suttner

Die so hyperaktive wie naive Phantomjägerin Bertha von S. geborene Gräfin Kinsky (9. Juni 1843 – 21. Juni 1914) war durch die 1876 vollzogene heimliche Heirat mit dem sieben Jahre jüngeren Industriellensohn Arthur von S. vom böhmischen Adelsstand als Gräfin zum österreichischen Adelsstand als Baronin abgestiegen. Das hatte sie leicht verkraftet. Nicht so die Kriegsgräuel des Russisch-Türkischen Krieges, die das junge Ehepaar im einsamen Liebesnest im Kaukasus in den Jahren 1876 – 1885 hautnah miterlebte. Dadurch wurde Bertha zur Friedensaktivistin, ja, zur rasenden Reporterin in Sachen Frieden. Mit ihrem Bestseller „Die Waffen nieder!“ und vielen Artikeln sowie Vortragsreisen und der Gründung von Gesellschaften der Friedensfreunde rief sie die Völker der Welt zum friedlichen Miteinander auf. Mit überraschend weltweiter Resonanz und großer Anerkennung, wenn auch ohne allen Erfolg. Was sie zum Glück nicht mehr mitkriegte, weil sie kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, des schlimmsten Gemetzels, das die Menschheit je erlebt hatte, friedlich dahinschied. Als enge Freundin des Chemikers und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896), dessen Erfindungen der Initialzündung und des Sprengstoffs Dynamit in effektvolleren Waffen die Menschen in Massen zu Tode brachte, regte sie die Gründung eines Friedenspreises an. Diese Idee wurde von Nobel, der nur zu gern nach dem Feigenblatt griff, in seinem Testament berücksichtigt. Im Jahre 1901 wurde der Friedensnobelpreis neben den Nobelpreisen für Chemie, Physik, Medizin und Literatur ins Leben gerufen. Die „Friedensbertha“, wie Bertha von S. vielfach genannt wurde, bekam den Friedensnobelpreis aber erst im Jahre 1905 (vgl. Frieden, Nobelpreis).

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