Archiv der Kategorie: J

Jugend

Wer seiner oder seinem Geliebten die viel bewunderte J. und Attraktivität auf ewig erhalten will, braucht sie oder ihn nur rechtzeitig zu verlassen – auf Nimmerwiedersehen. Nebeneffekt: Das macht auch die eigene Attraktivität ewig (vgl. Jugendlichkeit, Relativität).

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Jugendlichkeit

Ein modernes, von den Medien absichtsvoll unterstütztes Vorurteil ist, J. sei etwas Positives. In Wahrheit ist J. die bloße Möglichkeit, ein ernstzunehmender Mensch zu werden; dagegen ist die Erfahrung des Alters eine Wirklichkeit. Leuten, die ihre J. überbetonen, sollte man sagen: Mach dir nichts draus, das gibt sich (vgl. Dummheit, Jugend, Jugendlichkeitswahn).

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Jugendlichkeitswahn

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Was bei Lehrern anfing, die sich den Schulkindern anbiederten, indem sie sich spätpubertär gaben, hat in Mode und Sport bereits zu mancher Kindesmisshandlung geführt. Jetzt hat der J. den Literaturbetrieb erreicht. Jung, jünger am jüngsten sind literarische Kriterien geworden. Dabei weiß jeder: Der Mensch wird dumm geboren und ist ein Leben lang gezwungen, mühsam dazuzulernen. Doch nur das Nobelpreiskomitee in Stockholm kennt noch die echte Bewertungsskala für Schriftsteller: alt, älter, am gescheitesten (vgl. Gescheit, Jahrgang, Literaturkritik, Nobelpreis, Rezensent).

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Jugendstil

Beim Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert aufgekommene Kunstrichtung mit der Betonung floraler oder geometrischer Elemente, die ein neues Lebensgefühl ausdrückte: Natürlichkeit im Denken und Handeln, in der Kleidung und im Wohnen (von Germanenkult, Reformkost und Wandervogelbewegung bis zur Nacktkörperkultur und Bauernromantisierung). Die erste Entartung, nämlich Arierwahn und Blut-und-Boden-Kult, haben wir überwunden, die zweite erleben wir gerade (vgl. Jugendlichkeitswahn, Körperkultur).

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Jung

J. sein heißt heute, modische Ansprüche zu haben, was das Styling der diversen unvermeidlichen Prothesen betrifft, geschmäcklerisch vor allem bei Zahnersatz, Brille, Haarteil, Auto, Rückenstütze, Gesundheitsmatratze, Fernsehsessel, Hörgerät und Luftpolsterschuh, und sich noch sehr zu langweilen beim Warten auf die Verrentung (vgl. Alt, Prothetik).

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Jungbrunnen

Illustration: Jochen Böttcher, Klein Schmölen bei Dömitz

Illustration: Jochen Böttcher, Klein Schmölen bei Dömitz

Das Prinzip „Aus Alt mach Neu“ durch ein Bad im J. verwirklichen zu können, ist einer der atavistischen Wunschträume der Menschheit. Im Unterschied zu den atavistischen Wunschträumen Sieben-Meilen-Stiefel (Flugzeug), Allgegenwärtigsein (Fernsehen), Allwissendsein (Computer) und Esel-Streck-Dich (Sozialstaat) zeichnet sich für den J. noch keine Methode der Realisierung ab. Wir haben also noch Zukunft (vgl. Erfinder, Hoffnung, Zufriedenheit).

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Jungfrauengeburt

Soll Jesus passiert sein. In vielen Kulturen gibt es für einzelne Spitzentypen die Vorstellung einer Geburt ohne vorhergehende geschlechtliche Zeugung, als ob die was Schlechtes wäre. So bei den Pharaonen angenommen, auch bei Buddha sowie Dionysos, bei der Pallas Athene und der Aphrodite und vielen anderen in anderen Mythologien sowie bei Alexander dem Großen. Das macht outstanding, wie die Werbesprache diese Deklarierung eines Produkts nennt. Ist zwar kaum zu glauben, aber nicht ganz unwahrscheinlich, weil es die J. bei etwa 40 Arten von Wirbeltieren gibt. Dazu gehört sogar das größte Landreptil, der indonesische Komdo-Drache. Was unsere Chromosomen-Vorstellung total verwirrt: In Jungfernzeugung brüten die Weibchen auch männliche Sprösslinge aus, obwohl die doch völlig überflüssig sind. Mach dir nichts draus, Mann (vgl. Emanzipation, Jesus, Macho).

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