Archiv der Kategorie: E

Emanzipation

Der Reinfall des 20. Jahrhunderts. Denn was als Befreiung der Frau aus der Abhängigkeit vom Mann gedacht war, entartete zur Angleichung an den Mann, womit sich die Frau die Last einer Doppelrolle auflud, bei gleichzeitigem Wegfall aller traditionellen Privilegien. Und weil Dummheit abstößt, wurde der Begriff Emanze zum Schimpfwort (vgl. Dekadenz, Frauenforschung, Gleichmacherei, Volksverdummung).

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Emoji

Um nicht ernst gemeinte schriftliche Beiträge von ernst gemeinten unterscheidbar zu machen, was man in weniger abgeschliffenen Sprachen als dem Englischen durch ein geschicktes Formulieren schafft, hat 1982 der amerikanische Informatik-Professor Scott E. Fahlman vorgeschlagen, ein Bildzeichen zum Text zu setzen. So wurde das erste Emoji :-) kreiert. Inzwischen gibt es viele Tausende solcher Emojis, die aber in verschiedenen Ländern manchmal unterschiedliche Bedeutung haben. Deshalb entwickelten sich schon Emoji-Wörterbücher, und es gibt bereits Emoji-Dolmetscher. Doch eine Ersatz- oder Welthilfssprache stellen die Emojis damit nicht dar, weil sie kaum einen Wortschatz und keine Grammatik haben. Auch haben sie natürlich keine einheitliche Aussprache. Und eine hochentwickelte und formenreiche Kultursprache wie das Deutsche braucht sie eigentlich überhaupt nicht (vgl. Scherzkeks, Welthilfssprache).

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Engländer

Der E. ist ein verstellbarer Schraubenschlüssel. Den sollte man als Warnung vor sich sehen, wenn es um die E. geht, also um die Bewohner Englands. Denn die verstehen es seit jeher, ihre Interessen so kraftvoll, verstellt und unwiderstehlich in immer neuen Windungen durchzusetzen, dass den politischen und kommerziellen Gegnern Hören und Sehen vergeht und sie nur noch Bahnhof verstehen, und zwar, als wäre das selbstverständlich, auf Englisch (vgl. Amerikaner, Deutscher, Schwede, Schweizer, Verallgemeinerung).  

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Enkel

Enkel sind das Größte, sobald man einsehen muss, dass man aus sich selbst nichts Großes gemacht hat und auch aus seinen Kindern nichts Großes mehr werden kann (vgl. Bescheidenheit, Nachkommenschaft).

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Entfesselungskünstler

Beim E. liegt die wahre Kunst nicht im dramatisch vorgeführten Entfesseln, vielmehr im Fesseln, bei dem er den entscheidenden Knoten unauffällig so geschickt anbringen muss, dass er sich mit einem einzigen kräftigen Ruck befreien und den Applaus des dämlich dreinschauenden Publikums einheimsen kann (vgl. Kurpfuscher, Psychotherapeut, Unternehmensberater).

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Entlassungsproduktivität

Einerseits als Unwort des Jahres 2005 verworfen, andererseits als Fachbegriff in die Betriebswirtschaftslehre aufgenommen. Der besondere Reiz liegt in der Prägnanz der Bezeichnung für einen komplizierten Zusammenhang. Das A & O des Wirtschaftens ist bekanntlich die Produktivitätssteigerung. Die Faustformel dafür heißt: Die Produktivität eines Betriebes steigt, wenn ein höherer Ertrag bei gleichem Einsatz erzielt wird oder der gleiche Ertrag bei weniger Einsatz. Pfiffige Köpfe haben nun zwischen dieser Lehrbuch-Alternative eine Ideallinie entdeckt: Die Produktivitätssteigerung durch Massenentlassungen, wenn weniger Einsatz von Lohngeldern den gleichen Ertrag bringt, wobei nichts davon gesagt wird, dass dieses Ergebnis nur durch höhere Leistung der im Betrieb verbliebenen Mitarbeiter zustande kommt. Das wird in der Chefetage grinsend als unvermeidlich hingenommen und an der Börse zu Recht mit einem Kurssprung honoriert (vgl. Arbeit, Ehrlichkeit, Investition, Kapitalismus).

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Entschädigung

Ein Wort, das nach jahrzehntelanger Zahlung von E.en Deutschlands aus dem deutschen Wortschatz gestrichen wurde, weil semantisch falsch und irreführend. In Wahrheit aber, damit nicht irgendwelche Leute eines Tages auf die fixe Idee kommen, eine E. zu verlangen für die Schäden, die sie im und nach dem Zweiten Weltkrieg durch die völkerrechtswidrige Flächenbombardierung von deutschen Wohngebieten erlitten haben oder durch die Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten oder durch den Raubbau am Schwarzwald oder durch die Demontage der deutschen Industrie oder durch die Mißachtung deutscher Patente oder als Frau durch die Vergewaltigung durch die Eroberer oder als Kriegsgefangener durch den gegen die Haager Landkriegsordnung verstoßenden Einsatz zur Zwangsarbeit. Ein Trost: In allen anderen europäischen Sprachen sowie im Russischen und Hebräischen gibt es das Wort E. nach wie vor. Es ist also für die Kultur kein großer Verlust zu beklagen (vgl. Krieg, Siegermentalität, Sprache).

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Entwicklungshilfe

Umschreibung für das mit gutem Gewissen ausgehaltene Verreckenlassen ganzer Völker. Denn je mehr seit einem halben Jahrhundert darüber geschrieben und an Organisationen gegründet wird, um so mehr vergrößert sich der Abstand zwischen den reichen und den armen Ländern. Selbst das 1970 von den Vereinten Nationen vorgegebene maßvolle Ziel, daß die Industriestaaten 0,7 % ihres Bruttosozialprodukts für E. ausgeben sollten, ist nicht annähernd erreicht worden (rühmliche Ausnahmen bilden nur Norwegen, Schweden, Dänemark und die Niederlande). Was leider nur zu verständlich ist. Denn so wie das Lebensgefühl des einzelnen Menschen vom Kontrast in seinen Verhältnissen zu schlechter gestellten bestimmt wird, so lebt das wirtschaftliche Handeln vom Wohlstandsgefälle zwischen den Ländern oder Regionen (vgl. Egotismus, Entwicklungsländer, Ignoranz, Menschlichkeit).

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Entwicklungsländer

Die nach den westlichen Maßstäben der Produktivität und des Lebensstandards als unterentwickelt bezeichneten Länder Asiens, Afrikas, Amerikas und teilweise auch Europas haben sich als besonders attraktiv für den Tourismus erwiesen. Weil der Tourist seinen Wohlstand dort am wohltuendsten wahrnimmt, wo er im größtmöglichen Kontrast zum Leben der Einheimischen steht. Der Tourismus fördert jedoch die Entwicklung dieser Länder nicht, wie man lange Zeit geglaubt hat. Im Gegenteil. Verweigern sich doch immer mehr Menschen in den E.n der sogenannten Höherentwicklung, sobald sie die Touristen aus den höher entwickelten Ländern kennengelernt haben (vgl. Entwicklungshilfe, Mastferkel, Tourismus).

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Ephemera

In der Medizin der Fachbegriff für Eintagsfieber. Im Alltagsgebrauch der Sammelbegriff für allerlei Flüchtiges, für Dinge ohne bleibende Bedeutung, die nur für einmaligen Gebrauch bestimmt sind. Das sind vor allem diverse Papiererzeugnisse wie Fahrscheine und Eintrittskarten, Zeitungen, Reklamezettel, Poster und Bierdeckel, Tütchen und Kassenbons. Auf sie haben sich E.-Sammler spezialisiert. Erstaunlich ist, dass E. durch den Gebrauch wertvoller werden können wie Briefmarken, Notizzettel und Ansichtskarten. Was aber ganz sicher nicht generell gilt, weil auch Papiertaschentücher und Toilettenpapier unter den Begriff E. fallen, und die werden nun mal nicht durch den Gebrauch, sondern durch den Verbrauch wertvoller – für den Hersteller (vgl. Abfall, Kleinkram).

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