Archiv der Kategorie: E

Ehepaar

Illustration: Dénes von Szebeny

Illustration: Dénes von Szebeny, Heidelberg

Zwei Menschen, die sich freiwillig aneinander fesseln lassen, weil sie am besten zu wissen glauben, wie sie einander Freude machen können. Pech, dass sie nach einiger Zeit auch wissen, wie sie einander am wirksamsten Wunden beibringen können (vgl. Ehe, Scheidungsrate).

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Ehepaar, altes

Die beiden Alten leben eine Form von après-amour, das heißt, sie kümmert sich immer noch um ihn, und er kümmert sich immer noch um sie, damit er nicht vor ihr, sie nicht vor ihm abkratze und den ganzen Entsorgungsbrassel ihr beziehungsweise ihm überlasse (vgl. Eigennutz, Fürsorglichkeit, Selbstlosigkeit, Senioren).

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Ehrgeiz

Ein falsches Wort. Denn beim Geiz geht es um ein verkrampftes Zusammenhalten von Besitz. Beim E. geht es jedoch nicht darum, die Ehre, die man besitzt, zusammenzuhalten, sondern Ehre zu bekommen. Das zeigt, dass der Begriff Geiz früher viel umfangreicher in der Bedeutung gewesen sein muss. Früher umfasste er noch das Streben nach einem Gut, nicht nur sein Zusammenhalten. Bekommen und Behalten war beim Geiz in einem Wort vereinigt, wie wir es heute noch kennen in dem Beispiel Geschäftstüchtigkeit (vgl. Bedeutungswandel, Geiz, Geständnis, Sprache).

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Eifersucht

Der Philosoph Schleiermacher soll die Platitüde verbrochen haben: “E. ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.” Sprachlich reizvoll, aber unsinnig, weil der Mensch Lust sucht und nicht Leid. Der Schriftsteller La Rochefoucauld kam der Sache schon näher mit seiner Bemerkung: “In der E. liegt mehr Eigenliebe als Liebe.” Weil jedoch die Unterscheidung von Liebe und Eigenliebe ein bloßes Vorurteil ist, können wir schlicht feststellen, dass die E. ein Phänomen der Eigenliebe ist. Es geht um einen selbst. E. ist keine therapierbare Krankheit, sie ist einfach fehlendes Selbstbewusstsein und das Eingeständnis der eigenen Austauschbarkeit. Das heißt, dass die Vehemenz der E. weder von der Stärke der Persönlichkeit dessen abhängt, der einen eifersüchtig macht, noch von der des dritten beteiligten Menschen. Sie ist allein abhängig von unserer Selbsteinschätzung. Und die Kombination von nicht überwundener Unsicherheit und heimlicher Selbstüberschätzung ist das brisante Gemisch, das aus einer banalen E.-Szene eine Katastrophe entstehen lassen kann (vgl. Basis-Instinkt, Ich, Persönlichkeit, Psychiater, Selbstbewusstsein).

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Eigenliebe

Illustration: Simone Schmidt, Mannheim

Illustration: Simone Schmidt, Mannheim

Es gibt Leute, die sind so naiv zu glauben, es gebe neben der E. noch andere Arten von Liebe. Im Laufe des Lebens kommen sie aber meist dahinter, dass sie an einem Sehfehler litten, was sie natürlich niemals zugeben. Wem doch einmal solch ein Geständnis herausrutscht, der sollte es sofort als Versprecher abtun (vgl. Gemeinnutz, Liebe, Ich-Interesse, Basis-Instinkt).

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Eigensinn

Der E. fährt den Karren an die Wand, weil er selbstverliebt statt vernünftig lenkt (vgl. Ich-Instinkt).

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Eigentum

Das E. – meist in der Form eines Häuschens – ersetzt in unserem Lohnsklavenzeitalter die Galeerenketten früherer Zeiten. Die Fesselung ist perfekt und hält ein Leben lang, der Arbeitswille wird mit der Lohnpeitsche wachgehalten. E. ist der Eckstein eines brutalen Ausnutzungssystems. Und dennoch herrscht kein Mangel mehr an Sklaven. Im Gegenteil, sie drängeln sich an den Ruderbänken. Während die Herren auf E. verzichten und mit Dienstvilla, Dienstwagen, Spesenkonto und Entscheidungsbefugnis über fremdes Kapital viel unbeschwerter leben als jeder Eigentümer (vgl. Grundbedürfnisse, Kapitalismus).

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Einbürgerung

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Deutschland ist so hart wie kein anderes Land mit einer E. auf den Bauch gefallen, nämlich mit der E. des Österreichers Adolf Hitler, der unsere Begeisterungsfähigkeit, unsere Wirtschaftskraft und unseren guten Ruf rücksichtslos mißbraucht und auf Jahrzehnte hinaus ruiniert hat, nur um sein Ich raushängen zu können. Deshalb steht es Deutschland wie keinem anderen Land an, in Sachen E. vorsichtige Reserviertheit walten zu lassen statt vorschneller Begeisterung für jeden Ausländer und alles Ausländische (vgl. Ich, Kindergarten, StaatsangehörigkeitXenophilie).

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Einehe

Jeder weiß, daß sie unnatürlich ist, muss sich – zumindest scheinbar – aber daran halten. Erst der Blick ins Tierreich, wo es nicht um den Aufbau von Vermögen, um Versorgung und Erbrecht oder den ehrlichen Namen für die Kinder geht, auch wohl kaum um Gewohnheit und Bequemlichkeit, macht die E. zu einem interessanten Phänomen. Oder geht es bei den unzertrennlichen Mandarinentenpärchen vielleicht auch um so was? (vgl. Ehe, Gossen, Seitensprünge, Treue).

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Einfallsreich

Ein typisches Beispiel: Bei den streng religiösen Israeliten war es verboten, am Sabbat zu reisen. Ausgenommen von diesem Verbot war nur, wer auf dem Wasser unterwegs war, weil die völlig vom Wind abhängige Schifffahrt sich terminlich nicht exakt planen ließ. Diese Ausnahme hatten findige Gläubige so ausgeweitet, dass sie ihrem Esel einen Wassersack auf den Rücken banden, auf den sie sich setzten, wenn sie sich am Sabbat guten Gewissens auf eine Reise begaben (vgl. Eulenspiegelei).

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