Archiv der Kategorie: B

Bild-Zeitung

Die größte deutsche Straßenverkaufs-Tageszeitung. Gegründet 1952. Arbeitet nach dem Prinzip: Das Kleine groß und das Große klein bringen, damit der Konsument nicht durch Schwieriges belastet wird und sich doch einbilden kann, er sei informiert. Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Der Name „Bild“ kommt sowenig von Bildung, wie Bildung von „Bild“ kommt (vgl. Bildung, Boulevardpresse, Informiert, Journaille).

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Bildung

Unter Bildung verstand man früher die Gesamtheit dessen, was durch die Sozialisierungsmaßnahmen aller Art der Natur des einzelnen Menschen an Kultur hinzugefügt worden war. Die umfangreiche, positiv besetzte Wortgruppe B., zu der Begriffe wie gebildet, Gebildeter, B.s-Beflissenheit, Aus-B., B.s-Grad, B.s-Anstrengungen, B.s-Stolz gehörten, ist in den westlichen Wohlstandsländern im Zuge der totalen Kommerzialisierung des Lebens perhorresziert worden. B. ist heute ein untergegangener Begriff, nur noch in der Zusammensetzung Stau-B. geläufig (vgl.: Journaille, Sprache, Persönlichkeit, Verkehr, Kommerz).

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Bildungsmisere

Ein Begriff aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, der erst mit großer zeitlicher Verzögerung durch die Quizshows des Fernsehens illustriert wird. Sobald dort junge Menschen befragt werden, staunt man über ihr Spezialwissen: Welche Jaulgruppe in welchem Jahr mit welchem Tralala in die Hitlisten gekommen ist, welcher Fußballer nie in welchem Verein sein Geld gemacht hat und wie der Hund der Schauspielerin hieß, die in dem Film XYZ keine Hauptrolle bekommen hat (vgl. Bildung, Hohlkopf, Wissen).

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Bildungsnotstand

Ein weitverbreitetes Leiden, dessen Besonderheit ist, daß die Betroffenen selbst nicht daran leiden. Sie fühlen sich im Gegenteil sauwohl und zeigen ein entsprechendes Selbstbewußtsein. Darunter leiden deshalb allenfalls ihre Mitmenschen. Meist wird die Diagnose B. auf ganze Gesellschaften angewandt, nämlich wenn man besondere Anstrengungen (sprich: Ausgaben) auf dem Bildungs- und Ausbildungssektor anreizen will. In neuerer Zeit kein allzu wirksamer Appell mehr (vgl. Bildung, Selbstbewußtsein, Volksverdummung).

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Bionik

Ein noch junger Wissenschaftszweig, der in der Natur gefundene geniale Problemlösungen in die Welt der Technik überträgt. Eine solche Problemlösung ist beispielsweise die bei allen Lebewesen gleichzeitige Entwicklung von Maul und Arsch, die uns zur selbstverständlichen Zusammenschau von Versorgung und Entsorgung brachte. Die Leute, die diesen Zusammenhang bei der Entwicklung der Atomkraft unterschlagen haben, weil die Atomtechnik sich sonst als zu teuer erwiesen hätte, waren Ärsche, die das Maul zu voll nahmen (vgl. Atomenergie, Milchmädchenrechnung).

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Blaue Blume

Illustration: Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Illustration: Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Die berühmte B. B. der Romantik ist nicht mehr gesucht (vgl. Bildung, Bewußtsein, Denken).

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Blech

Einst ein abwertender Begriff, gern gebraucht für das, was Politiker als Rede herauslassen. Heute darf man gegen B. nichts mehr sagen, weil der schwäbische Ausdruck „heiligs Blechle“ nicht mehr nur auf unsere Ordenssucht bezogen wird, sondern vor allem auf unseren Autowahn (vgl. Auto, Bundespräsident, Mitteilungsbedürfnis).

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Blogs

Kurzform für Weblogs, die interaktiven Online-Foren, in denen die Nutzer ihre Gedanken, Meinungen, Beobachtungen, Urteile, Vorurteile und üble Nachrede zu einem gemischten Salat zusammenwerfen. Weil sie dabei meist auf Prominente zielen, die sich dagegen nicht wehren können, zeigen sich B. in den USA, dem Ursprungsland dieser Veröffentlichungen, oft als die virtuelle Variante der Lynchjustiz (vgl. Gegenmacht, Pressefreiheit).

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Blondine

US-amerikanisches Idealbild der jungen Frau, zu dem außer langem, superhellblondiertem Haar und schwarzer Augendekoration ein im übrigen total haarloser Körper gehört, mit vollem Busen und leerem Gehirn. Betonter Kontrast zu den dort massenhaft vorkommenden schwarzen und Mischlings-Schönheiten (vgl. Rassismus, Schönheit).

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Blutdürstig

B. sind wir alle. Von unseren guten Erfahrungen im Mutterleib fürs ganze Leben geprägt (vgl. Krimi)

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Bluter

Menschen, die an einer Degenerationserscheinung leiden, die sie ohne Ursache und dazu beinahe unstillbar bluten lässt. Im übertragenen Sinne sind auch ideologiefundierte Institutionen wie Kirchen und Gewerkschaften sowie Länder B., weil ihnen die Mitglieder oder Einwohner weglaufen, ohne dass es ein probates Mittel dagegen gibt ( vgl. Afrika, Berliner Mauer, Glaubwürdigkeit).

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Böse

Das Böse ist ein so dummes Vorurteil wie das Gute. Es gibt das eine wie das andere nicht, weder personifiziert noch als Qualität unseres Handelns. Denn wie eine Handlung sich auf die Mitmenschen auswirkt, das lässt sie für die einen als gut und gleichzeitig für die anderen als böse erscheinen, womit sich diese Kategorien als untaugliche Kriterien unseres Handelns erweisen (vgl. Dummheit, Gut).

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Boulevardpresse

Was auf der Straße breitgetreten wird, ist Scheiße. Alles andere hätte längst einer aufgehoben (vgl. Bild-Zeitung, Boulevardliteratur, Boulevardtheater, Schuhputzer).

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Brandschatzen

Einer aus dem Arsenal von Begriffen, die Journalisten stets falsch benutzen. Für sie ist das B. ein schönerer Ausdruck für das Plündern und Brandstiften. Dabei bedeutet das B., dass „bloß“ mit dem Anzünden eines Hauses oder einer ganzen Stadt gedroht wurde, um bestimmte Abgaben (den Schatz) zu erpressen (vgl. Bumerang, Dummheit).

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Brauchen

Für uns Deutsche ein schwieriges Wort. Sein Gebrauch geht meist daneben. Denn b. kann man so viele Dinge, doch ob man sie dann auch richtig gebraucht, hängt von den persönlichen Einsichten und Fähigkeiten ab. Hilfreich ist der Merksatz: Wer b. ohne zu gebraucht, sollte b. überhaupt nicht gebrauchen (vgl. Grundbedürfnisse, Sprachbeherrschung, Talent).

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Briefträger

Ein Berufsstand, der um seinen Erhalt kämpfen muss, weil im E-Mail-Zeitalter immer weniger Briefe verschickt werden. Der B. hat deshalb, auch wenn er Beamter ist, nichts dagegen, sich hauptsächlich als Prospektverteiler einsetzen zu lassen (vgl. Beruf).

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Brille

Die B. ist als Krücke zum besseren Sehen seit dem Ende des 13. Jahrhunderts bekannt. Sie wurde stets als ein notwendiges Übel angesehen, aber auch als Kennzeichen des Intelligenzlers, weil nur dieser eine Lesehilfe brauchte. In den letzten Jahrzehnten ist dieses Verhältnis auf den Kopf gestellt worden. Die Erst- und Zweit- und Dritt-B. wird den Leuten als Schmuckstück schmackhaft gemacht, egal ob nötig oder nicht. Inzwischen sind gut drei Viertel der modernen westlichen Menschen verglast. Ihr Anteil wächst weiter. Und nur noch Intelligenzler sind ohne B., weil sie wissen, dass es sich dabei um eine gigantische Geschäftemacherei mit riesigem volkswirtschaftlichen Schaden handelt. Davon, dass man immer seltener ein hübsches Mädchengesicht ohne B. sieht, ganz abgesehen. Augenärzte, Augenoptiker und optische Industrie verdienen sich eine goldene Nase an dem Umstand, dass die Augmuskeln, die den Augapfel strecken und zusammendrücken, genau so erlahmen wie alle anderen Muskeln, wenn sie nicht trainiert werden. Weil damit das Fokussieren verlangsamt wird, ist es keine Schwierigkeit, den Leuten einen Sehfehler einzureden und eine B. zu verpassen. Dabei haben nicht einmal 20 % der B.n-Träger von heute einen echten Sehfehler, der eine optische Krücke notwendig macht. Ihr Manko liegt woanders. Sie haben sich nicht klargemacht, dass man mit isometrischen Übungen die Augmuskulatur genauso auf Trab bringen kann wie die Arm- und Beinmuskulatur. Was ihnen natürlich kein Augenarzt sagt. Und dass es in jeder Buchhandlung ein halbes Dutzend verschiedener Taschenbücher mit einfachen Anleitungen für dieses Augentraining gibt, und das bereits seit Jahrzehnten, haben sie noch nicht mitbekommen – trotz immer stärkerer Brillen (vgl. Dummheit, Kommerz).

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British

Ein Wort, das für Engländer soviel wie paradiesisch heißt, für Nichtengländer greift es nicht ganz so weit zurück, sondern steht bloß für altmodisch, veraltet oder gar lächerlich (vgl. Tradition).

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Brüste

Illustration: Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Illustration: Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Über männliche B. kein Wort, weil sie eher peinlich sind. Weiß doch kein Mensch, wozu der Mann sie hat. Die weiblichen Brüste sind zwei mit je einem Ventil geschmückte Fetthöcker, die nach einer Geburt für kurze Zeit mit Milch für den Säugling gefüllt sind. Höher als dieser Gebrauchswert ist ihr Symbolwert für Weiblichkeit, noch höher ihr Reizeffekt. Wobei gilt: Geschickt verpackt sind die B. Aufsehen erregend, mehr aus- als eingepackt erregen sie noch anderes, ganz bloßgelegt sind sie das Eingeständnis der Dämlichkeit ihrer Trägerin (vgl. Dummheit, Körperkultur, Muttermilchräuber, Sex).

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Buch

Die das Wort B. fehlerfrei schreiben können, sind in unserer Gesellschaft die Mehrheit. Gratulation! Die hin und wieder ein B. kaufen, gehören schon zu einer kleinen, radikalen Minderheit. Die es auch lesen, stellen den harten Kern der Extremisten dar. Diese Typen können nicht vermeiden, dass man ihnen anmerkt: Sie sind ihren Multi-Media-Zeitgenossen überlegen (vgl. Persönlichkeit).

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Bücherverbrennung

Ds Verbrennen von Büchern ist eine besonders hitzige Auseinandersetzung mit Werken der Literatur, die aus politischen oder religiösen Gründen missfallen. Wie fast alles schon im chinesischen Kaiserreich (3. Jhd. v.u.Z.) erfunden. In der Antike beliebt. In der frühen Neuzeit ließen kirchliche Inquisitoren gelegentlich die Autoren gleich mit ihren Büchern verbrennen. Burschenschafter haben auf dem Wartburgfest von 1817 die Schriften des sie verspottenden Bestsellerautors August von Kotzebue verbrannt, zwei Jahre später den Autor erdolcht. Die 1933 von den Nazis zum nationalen Happening gestalteten B.en waren von Berufsverbot und Vertreibung der Autoren begleitet. Immer dasselbe Dilemma: Man meint den Geist, gegen den man nicht ankommt, und kann doch nur das Medium und den Verfasser zerstören. Die neuen Massenmedien und ihre Autoren haben dieses Schicksal noch vor sich, möchte man manchmal warnen – oder hoffen (vgl. Flaschengeist, Hohlkopf).

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Bumerang

Der B. ist erstens eine in Frühkulturen übliche Jagdwaffe aus einem gebogenen Wurfholz, dessen Besonderheit es ist, dass es in die Hand des Werfers zurückkommt, falls es das Ziel verfehlt hat. Der B. ist zweitens eine Lieblingsfloskel heutiger Journalisten. Wobei man sich darauf verlassen kann, dass sie stets falsch angewandt wird, nämlich im Sinne des Sprichworts: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. In der hartnäckig falschen Anwendung ist der B. dem Tandem und dem Scherbengericht ähnlich sowie der Flagge, die meist fälschlich als Fahne bezeichnet wird. Die falsche Anwendung ist übrigens auch bei Ausdrücken wie evakuieren oder rasant oder Öl ins Feuer gießen (schon mal probiert?) üblich. Insgesamt also ein recht schillerndes Objekt, dieser B. (vgl. Brandschatzen, DummheitJournaille, Wahrheit, Bildungsnotstand).

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Bundespräsident

In Deutschland als der erste Mann im Staat der Vorsänger der Nation. Politischer Kastrat mit extrem hoher Tonlage (vgl. Nation, Showgeschäft).

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Bürgerkrieg

Ein viel zu lascher und irreführender Begriff, weil es spätestens seit Napoleon immer die braven Bürger sind, die zum Kriegführen gezwungen werden. B. meint aber den besonders tragischen internen Krieg eines Volkes gegen sich selbst, den man besser Selbstzerfleischung oder Brudermord nennen würde (vgl. Euphemismus, Völkermord).

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Bürokratische Diktatur

Man nimmt mir das gute Geld weg und zwingt mir dafür den schwachen Mischmasch-Euro auf, man nimmt mir eine gute Rechtschreibung weg und zwingt mir eine kinderfreundliche Nonsens-Schreibweise auf (vgl. Demokratie, Politik).

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