Goethe und Tschechow

Goethe und Tschechow – Kühler Kopf und warmes Herz

Book Cover: Goethe und Tschechow – Kühler Kopf und warmes Herz

Editionen:Hardcover: € 20,00 EURKindle: € 12,99 EUR

Goethe und Tschechow – als Schriftsteller sind sie uns wohlbekannt. Die beiden Nationaldichter, die zu Recht auch heute noch die Bühnen der literarischen Welt beherrschen. Aber was für Menschen waren sie? In zwei kompakten Erzählungen blicken wir hinter die Kulissen der Applaus gewohnten Dichter. Wir verfolgen Goethes innerfamiliären Kleinkrieg mit der Trivial-Literatur seiner Zeit und wundern uns über Tschechows pfadfinderhafte Anstrengungen für eine bessere Welt: seine Exkursion auf die Sträflingsinsel Sachalin. Mit viel Augenzwinkern zeigt Laufenberg die Dichterfürsten als Menschen mit ihren Stärken und Schwächen. Geschichten, die so nah an der Wahrheit bleiben, dass sie die beiden Berühmtheiten in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen.

Veröffentlicht: 9. Mai 2022
Verlag: Dittrich-Verlag, Weilerswist und Berlin
Genres:

Auszug:DER ANFANG ALS LESEPROBE

Goethe versus Vulpius, Vulpius,
Vulpius und Vulpius

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Rezensionen: DER VERLAG schreibt:

Walter Laufenberg hat in diesem Buch zwei Großautoren zusammengeführt, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Entsprechend unterschiedlich hat er die beiden Erzählungen gestaltet.

In der Erzählung mit dem Titel “Goethe versus Vulpius, Vulpius, Vulpius und Vulpius” schildert er, wie schnell der gerade erst nach Weimar gekommene junge Goethe in der spontan entstandenen Freundschaft mit dem jungen Herzog Karl August sich zum allmächtigen Verwaltungschef entwickelt.

Wie aus der Theaterloge beobachtet Laufenberg die beinahe lebenslange Auseinandersetzung Goethes mit drei Generationen der Weimarer Familie Vulpius. Und er lässt weitere Zeitgenossen auftreten, die dem Dichter das Leben schwer machen. Wann hat man Goethe je so bedrängt gesehen? Faszinierend, wie der Dichter und Staatsminister sich in allen Schwierigkeiten durchsetzt, wie geschickt er die bienenfleißigen Konkurrenten Christian August Vulpius und Friedrich Schiller ausbremst. Und wie er die ihm zugetanen Frauen Charlotte von Stein, Christiane Vulpius, Bettine von Arnim und Marianne Willemer aushungert. Das zeichnet ein Goethe-Porträt der unbestreitbaren Überlegenheit – aber ohne Goldrand.

In der Erzählung mit dem Titel “Tschechow zu Gast beim Doppelmörder” stellt Laufenberg das Buch “Die Insel Sachalin” vor, das Tschechow selbst als den groben Häftlingskittel in seiner belletristischen Garderobe bezeichnet hat. Dieser Bericht von der Wahnsinnsreise des lungenkranken russischen Autors auf die Gefängnisinsel Sachalin im äußersten Nordosten Sibiriens, 10.000 km von Moskau entfernt, schildert die unsäglichen Strapazen des Häftlingsweges und die schreckliche Strafe Katorga. Dahinter stand der völlig unverständliche Wunsch des jungen Autors, mit seinem Bericht das russische Strafsystem etwas humaner werden zu lassen – was er auch schaffte.

Auf Sachalin trifft Tschechow zufällig den Doppelmörder und ehemaligen Gardeoffizier Landsberg. Laufenberg bringt in dem Gespräch mit Landsberg und seiner Gefährtin, einer Baroness, ebensoviel Nichtgesagtes wie Gesagtes und lässt damit eine ungewöhnliche Mixtur von Anstand und Abscheu aufscheinen. So komplettiert er das Porträt des amüsanten Plauderers und Dramenautors Tschechow: ein Gutmensch und Sinnsucher.

EIN REZENSENT schreibt:

Unter der Überschrift “Nationaldichter als Protagonisten” schreibt Dr. Miriam Seidler im Juli 2022 in literaturkritik.de:

Johann Wolfgang von Goethe und Anton Pawlowitsch Tschechow waren unbestritten hervorragende Autoren. So ist ihr Werk nicht nur Gegenstand für literaturwissenschaftliche Untersuchungen, sondern auch Autorinnen und Autoren setzen sich immer wieder mit ihren Schriften auseinander. Nicht zuletzt beruht ihre Popularität auch auf solchen literarischen Texten, hat doch Bettina von Arnims halbfiktionales Briefbuch Goethes Briefwechsel mit einem Kinde (1835) bei den Zeitgenossen großes Interesse gefunden (…) Dichtung und Wahrheit liegen in solchen Werken genauso eng beieinander wie in Goethes eigener Autobiographie. Diesem Muster, historische Quellen mit fiktionalen Elementen zu verbinden, folgen auch die beiden Erzählungen in dem Band Goethe und Tschechow. Kühler Kopf und warmes Herz von Walter Laufenberg.

Dreh- und Angelpunkt der Erzählung Goethe versus Vulpius, Vulpius, Vulpius und Vulpius ist (…) Goethes Verhältnis zur Familie Vulpius. Dieses wurde bereits von Sigrid Damm in ihrer Recherche Goethe und Christiane minutiös aufbereitet. Ist bei Sigrid Damm der wissenschaftliche Anspruch auch aufgrund der vielen historischen Quellen, die sie verwendet hat, unverkennbar, so wählt Walter Laufenberg für seinen Text die Gattungsbezeichnung Erzählung. Es besteht also kein Anspruch auf historische Korrektheit, stattdessen steht dichterische Freiheit im Vordergrund. Das Ergebnis kommt wie eine wissenschaftliche Untersuchung im narrativen Gewand einher, die versucht, die negativen Charaktereigenschaften Goethes unter anderem anhand seiner Beziehung zu seiner späteren Frau Christiane und deren mit seinen Unterhaltungsromanen sehr erfolgreichen Bruder Christian August Vulpius zu erzählen. Chronologisch wird Goethes rücksichtsloser Kampf für sein eigenes Werk und um die literarische Vorherrschaft in Weimar geschildert, der zugleich als Ringen um die Gunst der Leser zwischen Unterhaltungs- und Bildungsliteratur entworfen wird. Auch wenn dabei immer mal wieder ein verständnisvoller Blick auf die Arbeitsbelastung des Ministers geworfen wird, kommt Goethe als Mensch dabei nicht gut weg (…)

Die Geschichte Goethes mit der Familie Vulpius beginnt mit dem Registrator und Kopisten Johann Christian Vulpius. Goethe entdeckte kurz nach seiner Ankunft in Weimar in den Büchern der Bibliothek Unstimmigkeiten – entweder fehlten Bücher oder Gelder wurden unterschlagen. Verantwortlich gemacht wurde dafür der Registrator – auch wenn sich im Nachhinein herausstellte, dass diesen keine Schuld traf, war sein Ruf und der seiner Familie ruiniert. So gelang es auch seinem Sohn Christian August nur schwer, beruflich Fuß zu fassen. Erst durch das Bittgesuch seiner Schwester Christiane beim Minister Goethe wendete sich das Blatt. Christiane wurde zur Lebensgefährtin Goethes und dieser setzte sich für ihren Bruder Christian August ein. Ihm gelang der literarische Durchbruch Jahre später mit dem 1799 erschienenen Trivialroman Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann. Dieser Erfolg, so Laufenberg, schmerzte Goethe, weshalb er versuchte, Vulpius durch Beförderung vom weiteren Schreiben abzuhalten (… ) Die Geschichte lässt sich mit den Worten des Autors wie folgt zusammenfassen:
Den Namen Vulpius (…) hatte Goethe fast während seiner gesamten Weimarer Zeit im Kopf, also mehr als fünfzig Jahre lang, mal weiblich, mal männlich, mal alt, mal jung, mal liebevoll, aber meistens ärgerlich. Immer vulpiuste es um ihn herum. Der Name Vulpius war für ihn wie die Schattenseite des Mondes, fremd und düster (…)

Etwas anregender ist die zweite Erzählung Tschechow zu Gast beim Doppelmörder. Hier widmet sich Laufenberg der Reise des russischen Autors zur im Pazifik gelegenen Sträflingsinsel Sachalin im Jahr 1890. Dort will er die berüchtigte Strafe der Katorga untersuchen, eine nur in Russland bekannte Strafmaßnahme. Diese ist direkt nach der Todesstrafe angesiedelt und besteht aus Zwangsarbeit mit anschließender Ansiedlung für mehrere Jahre auf der Insel Sachalin bzw. in einem anderen Katorgagebiet. Die Schilderung der Reise sowie des Aufenthalts auf der sibirischen Pazifikinsel ist immer wieder durch Gespräche unterbrochen, die durch erzählende Passagen in erlebter Rede Einblick in Gefühle und Gedanken der Beteiligten geben. Damit erzählt Laufenberg die Leerstellen aus dem bewusst objektiv gehaltenen Bericht Tschechows aus, der auf Deutsch unter dem Titel Die Insel Sachalin im Diogenes Verlag erschienen ist. Ein besonderes Interesse liegt auf dem Besuch des Autors bei dem Doppelmörder Landsberg. Dieser hatte erhebliche Spielschulden und tötete den Geldverleiher Wasslow, als dieser ihn bei der Suche nach den Schuldscheinen überraschte. Die besondere Tragik der Geschichte bestand darin, dass Wasslow Landsberg die Schulden erlassen und ihn sogar als Erben einsetzen wollte. Das Aufeinandertreffen zwischen dem ehemaligen Offizier und Tschechow ist als Duell (…) gestaltet. Die Uneinsichtigkeit Landsberg in seiner Selbstdarstellung ist kaum zu überbieten:
Der Mann ist dreist, aber gar nicht so dumm. Dann muss er eigentlich auch den Begriff der Moira kennen, mit dem die Alten Griechen dieses vergebliche Ankämpfen gegen ein missgünstiges Geschick bezeichneten. Mal sehen, ob er da mithalten kann. „Ich bin Opfer des Schicksals“, stellte Landsberg mit einem gewissen Pathos fest, „ein Opfer wie Ödipus, der bekanntlich bei dem Bemühen, alles richtig zu machen, genau das Falsche tat. Sie wissen, er erschlug seinen Vater und schlief mit seiner Mutter, beides aus Unwissenheit. So machte ihn sein persönliches Schicksal zum Opfer. Die Alten Griechen wussten schon, was das Unvermeidbare, nämlich die Moira, ist.“

In der erlebten Rede wird das Duell ausgeführt, während in der direkten Rede die Höflichkeit gewahrt bleibt. Die sprachliche Gestaltung ist hier durchaus reizvoll. Die Umkehrung literarischer Motive und Themen ist allerdings so überspitzt, dass sie nicht entlarvend, sondern vielmehr komisch wirkt. Die Frage, warum der bereits an Tuberkulose erkrankte Tschechow diese beschwerliche Reise auf sich nimmt, ist immer wieder Gegenstand der Gespräche, wird aber am Ende nicht aufgelöst. Die erschreckenden Zustände auf der Sträflingsinsel sind auch heute noch schockierend. Der Versuch, einen entlegenen Landstrich zu besiedeln, ist zum Scheitern verurteilt. Die Schilderungen dieser Insel der Unmenschlichkeit sind beeindruckend, was allerdings weniger das Verdienst Laufenbergs als das Tschechows ist.

Der Untertitel des Bandes Kühler Kopf und warmes Herz beruht auf einer Bewertung des Sachaliner Inselkommandanten, der seinen Vorgesetzten in Moskau berichtet, dass von Tschechow keine Gefahr ausgehe: Er sei „nur ein Dichter, mehr warmes Herz als kühler Kopf.“ Der Gegensatz, den Walter Laufenberg aufmachen möchte, ist der zwischen dem eitlen Dichterfürsten Goethe und dem empfindsamen Kämpfer für eine bessere Welt Tschechow (…).

Elke Barker am 15. 7. 2022 im Mannheimer Morgen schreibt:

Prof. Dr. Martin Laun, Ludwigsburg 26. November 2022 schreibt:

Das Buch “Goethe und Tschechow – Kühler Kopf und warmes Herz” habe ich gelesen, und es hat mich begeistert.

Dr. Götz Unger, Mannheim 30. 9. 2022 schreibt:

Das neue Buch habe ich regelrecht verschlungen und an einem Tag
gelesen. Es “menschelt” doch sehr in Walter Laufenbergs neuem Werk,
denn der Autor stellt uns zwei Titanen der Literatur von einer
äußerst menschlichen Seite vor. Abseits der literarischen Hauptsraße
gelingt es dem Verfasser, mit großem Sprachwitz die großen und
kleinen Bedürfnisse, Ängste, Ansprüche, Egozentrik, Stärken und
Schwächen beider Dichterfürsten darzustellen. Dabei begibt er sich
auf Seitenpfade, die man doch eher selten betritt. Geschickt versteht
es Walter Laufenberg, den Leser in das damalige Lebensgefühl zu
versetzen. Dies ist auch notwendig, denn nur so versteht der heutige
Betrachter das jeweilige Handeln von Goethe und Tschechow.
Literatur wird neu erschlossen, indem man dieDichter von ihrem hohen
Podest holt und sieht, dass auch sie nur Menschen sind, wenn auch
große, mit allen ihren Fehlern und guten Seiten zugleich.
Gerade die frische Sprache und die Beigabe von Anekdoten machen
das Buch zu einem reinen Lesevergnügen. Wer Goethe und Tschechow
von einer anderen Seite kennenlernen möchte, sollte dieses Buch
unbedingt lesen. Gerade jüngere Leser, denen das Verständnis für
ältere Sprache fehlt, werden so vielleicht neugierig auf “Faust” oder
“Ivanow”.
Dr. Götz Unger, Mannheim 30. 9. 2022

Dr. Dr. Tilo Johannes Barth, Mannheim 12. 9. 2022 schreibt:

Jetzt habe ich mir das 10-Minuten-Video (https://www.youtube.com/watch?v=rO1_IiqInX0) zu dem Goethe-Tschechow-Buch angesehen und muss sagen: Das ist eine kluge Vorstellung des Buches, sehr informativ und unbedingt überzeugend. Ein Genuss, dem Autor zuzuhören. Dieses Buch wird meine nächste Lektüre sein.

Guntram Erbe, Hilpoltstein 17. August 2022 schreibt:

So quicklebendig wie Goethe in Deinem neuen Buch daherkommt und dabei so hinterhältig und liebevoll von Dir durch sein Leben gewirbelt wird, habe ich mir in dieser Nacht mit Vergnügen zu Gemüte geführt. Hätte das Herr Goethe lesen können, hätte er sich aus lauter Notwehr ringsum geschmeichelt fühlen müssen.

Dr. T. Riester, Mannheim 7.8.22 schreibt:

Zuruf aus dem vorbeifahrenden Auto: Kompliment zu dem neuen Buch. Hat mich begeistert!

Doris Gsell-Urbanek, Triesen, Liechtenstein 26. Juli 2022 schreibt:

Die beiden Männer in einem Buch zu vereinen, die durch ihre Gegensätzlichkeit wohl nicht zu übertreffen sind, ist absolut faszinierend. Das Leben und Streben Goethes, in spannender Vielfalt und feinen Nebengeräuschen dargestellt, lässt den Leser nicht mehr los bis zur letzten Seite. Gegensätzlicher könnte die Tschechow-Geschichte nicht sein. Packend zu lesen und mitzuerleben, wie Tschechow in das Abenteuer eintaucht, in einer der unwirtlichsten Gegenden der Erde Menschen zu treffen, und wie er sich aufopfernd für sie einsetzt. – Dieses Buch ist in seiner Sprache und Erzählkunst eine wahre Schatztruhe. Ich bin sehr glücklich, es zu besitzen.

Ina Bassarak, 27. Juni 2022 bei amazon.de schreibt:

Ein Lesegenuss

Das Buch enthält zwei Erzählungen, eine über Goethe und eine über Tschechow, einen deutschen und einen russischen Nationaldichter. Der Titel der ersten Erzählung ist “Goethe versus Vulpius, Vulpius, Vulpius und Vulpius”. Dieser Titel ist sehr treffend, weist er doch darauf hin, dass Goethe im Laufe seines langen Lebens viel länger mit Mitgliedern der Familie Vulpius zu tun hatte als mit seinem Dichterkollegen Schiller, mit dem er gerade mal zehn Jahre verbunden war. Und darauf, dass seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Christiane es eigentlich viel eher als sein Kollege Schiller verdient gehabt hätte, gemeinsam mit ihm auf dem Sockel des berühmten Doppeldenkmals in Weimar zu stehen. Die 91 Seiten dieser Erzählung sind eine höchst gelungene Beschreibung des gesamten Lebens des Dichters, die gegenüber “normalen” Goethe-Biografien zwei unbestreitbare Vorzüge aufweist: Erstens ist sie durch die vielen witzigen Anspielungen Laufenbergs auf Vorgänge der heutigen Zeit sehr vergnüglich zu lesen. Zweitens listet sie nicht einfach nur auf, in welchem Jahr Goethe was geschrieben hat, sondern sie stellt sein dichterisches Schaffen in den praktischen Kontext seiner jeweiligen Lebenssituation, so dass man nachvollziehen kann, warum Goethe in welchem Jahr was geschrieben hat. Laufenberg stellt auf überaus spannende Weise vielfache Zusammenhänge mit Goethes Freundschaft mit dem weimarischen Landesherrn Herzog Carl August, mit Goethes administrativer und forscherischer Tätigkeit, mit seinen vielfachen amourösen Eskapaden und mit seiner Konkurrenz zu dem Wirken von drei Generationen der Weimarer Familie Vulpius dar. Ganz besonders gewürdigt wird dabei seine Lebensgefährtin Christiane Vulpius, die Goethe achtzehn Jahre lang als bequeme Bettgefährtin, als Gebärerin seiner Kinder und zugleich als billige Haushälterin benutzte und sie erst heiratete und ihr dadurch endlich seinen Namen und seinen Adelstitel verlieh, nachdem sie ihn mutig vor der Bedrohung durch aufgeputschte französische Besatzungsoffiziere gerettet hatte.

Zu widersprechen ist allerdings Laufenbergs Darstellung aller Künstler als Einzelkämpfer und Egomanen (u.a. gleich auf der ersten Seite der Erzählung). Auf ihn selbst mag das ja vielleicht zutreffen. Aber man soll nicht immer von sich auf alle anderen schließen. Denken Sie dagegen an Künstler wie z.B. Orchestermusiker, die sich bei der Ausübung ihrer Kunst sehr diszipliniert um die Erzielung einer höchst präzisen Kollektivleistung bemühen. Dennoch ist die Lektüre dieser ersten Erzählung ein Genuss und kann den Leser auch dazu anregen, sich mal wieder mit einigen Werken aus Goethes Schaffen zu befassen.

Nach dieser spannenden Lektüre über Goethe erwartet der Leser/die Leserin nun wahrscheinlich einen gleichen Genuss von der etwas kürzeren Erzählung über Tschechow. Mit anderen Worten, man könnte vermuten, eine ähnlich vollständige Beschreibung von Tschechows Leben wie in der vorigen Erzählung über Goethe zu erhalten. Aber der Titel dieser Erzählung lautet “Tschechow zu Gast beim Doppelmörder”. Das lässt eher erwarten, eine Beschreibung der kritikwürdigen Zustände auf der russischen Gefängnisinsel Sachalin und von Tschechows diesbezüglichen Verbesserungsvorschlägen zu erhalten. Doch beide Erwartungen werden enttäuscht. Die Erzählung besteht fast nur aus der Beschreibung von Tschechows dreimonatiger Reise durch Sibirien, die durchaus interessant und angenehm zu lesen ist, sowie von seinen ersten beiden Tagen auf Sachalin. Seine dreimonatige Tätigkeit auf der Insel und seine Rückreise auf dem Seewege über Odessa nach Moskau werden jedoch nur ganz kurz auf zwei Seiten zusammengefasst. Und über die von Tschechow empfohlenen Verbesserungen des russischen Gefängniswesens erfährt der Leser nichts. So mag man sich am Ende des Buches fragen, welche Funktion diese zweite Erzählung nach der sehr gelungenen Lebensbeschreibung von Goethe in diesem Band überhaupt hat. Ging es etwa nur darum, Seiten zu schinden, da Goethes wunderbare Lebensbeschreibung für ein ernst zu nehmendes Buch sonst etwas dünn gewesen wäre? Oder besteht sie vielleicht darin, durch die Einbeziehung eines russischen Schriftstellers einen impliziten Bezug zum derzeitigen russischen Aggressionskrieg gegen die Ukraine herzustellen? Letzteres ist zumindest der Eindruck, den die Rezensenten gewonnen haben.

Libelle bei amazon.de 23. 5. 2022 schreibt:

Berechnung und Idealismus

Hier werden zwei mir – und bestimmt vielen anderen Lesern auch – unbekannte Aspekte aus dem Leben von Goethe bzw. Tschechow erzählt.

Goethe und seine Frau Christiane, bekanntlich eine geborene Vulpius, umgab ein ganzer Weimarer Vulpius-Clan, den Goethe durchaus als störend empfand. Vor allem die literarischen Erfolge von Christian August Vulpius, Autor eines Romans über den Räuberhauptmann Rinaldo Rinaldini (ein Bestseller mit höherer Auflage als Goethes Werke) wurmten Goethe nicht wenig. So verschaffte er dem Konkurrenten eine Stelle als Bibliothekar – und dieser hatte nicht mehr viel Zeit für seine schriftstellerische Arbeit. Sieh mal an: Der so hoch angesehene Dichter setzte kühle Überlegungen zu seinem Vorteil ein und war durchaus berechnend. Ganz ähnlich hat er übrigens auch Schiller kaltgestellt.

Tschechow hingegen war ein Menschenfreund. Wir erfahren, dass er mit 30 Jahren als Lungenkranker 1890 eine dreimonatige, strapaziöse Exkursion von Moskau quer durch Sibirien zur Sträflingsinsel Sachalin unternommen hat. Seine Absicht war es, die Katorga und die schlimmen Zustände auf Sachalin in Augenschein zu nehmen und bei den Verantwortlichen in Moskau für Besserung zu sorgen. Dabei machte er u.a. auch Bekanntschaft mit der „besseren“ Gesellschaft, die sich in durchaus nicht unbehaglicher Nachbarschaft zu den Sträflingen auf Sachalin etabliert hatte, wozu auch ein verurteilter Doppelmörder gehörte, der jetzt wieder als Kaufmann in einem schönen Haus seinen Geschäften nachgehen konnte.

Durch diese beiden Erzählungen bekommt man zwei klassische Autoren auf ganz besondere Weise nahegebracht.

Ursula Ott, Badenweiler 18. Mai 2022 schreibt:

Habe das neue Buch „Goethe und Tschechow – Kühler Kopf und warmes Herz“ schon gelesen und kann nur sagen: So was von informativ, spannend, unterhaltsam und bereichernd. Ich bin fasziniert und habe sofort zwei Exemplare zum Verschenken in der Buchhandlung bestellt.

Ursula Ott, Badenweiler, am 27. Oktober 2025 schreibt:

Ich habe jetzt das Buch „Goethe und Tschechow“ von Walter Laufenberg zum zweiten Mal gelesen. Was man da alles erfährt, dabei glaubte ich schon gut Bescheid zu wissen. Und das ist alles so gewitzt erzählt. Dass es ein einziges amüsantes Leseerlebnis ist.
Ursula Ott, Badenweiler 27. Oktober 2025

Valerie Bennett bei Gloss Book Club schreibt:

Als unser Kurationsteam auf Ihre Doppel-Erzählung „Goethe und Tschechow – Kühler Kopf und warmes Herz“ gestoßen ist, hat uns besonders begeistert, wie feinsinnig und humorvoll Sie den Schleier der Unnahbarkeit von diesen zwei Weltliteraten lüften. Es ist erfrischend und unglaublich nahbar, wie Sie die menschlichen Eigenheiten beider Persönlichkeiten beleuchten und den zeitlosen Kontrast zwischen kühlem Verstand und warmem Herzen herausarbeiten.

 
ISBN 978-3947373796 Kategorie Zwei Erzählungen Umfang 172 Seiten / Buch (Gebundene Ausgabe) Verlag Dittrich-Verlag, Weilerswist und Berlin 2022 Preis 20,00 €