Passiertes! – Passierte es?
Ein deutsches Unternehmen nach dem anderen macht Englisch zur Firmensprache. Doch nun kommen Zweifel auf. Weil die Mitarbeiter fürs gequälte Englisch-Parlieren mehr Arbeitszeit verbrauchen und sich ausländischen Partnern unterlegen fühlen, auch weil beim Übersetzen Fehlinterpretationen auftreten und aus Unsicherheit Manches einfach ungesagt bleibt, was einen guten Eindruck machen würde. Natürlich wäre es gescheiter, alles in perfektem Deutsch rüberzugeben und der Gegenseite beim Übersetzen den Mehraufwand an Arbeitszeit, die Ängste und Unsicherheiten sowie Fehler zu überlassen. Doch übernimmt man in deutschen Unternehmen lieber die Opferrolle. Der deutsche Michel mit der über beide Ohren gezogenen Schlafmütze war schon immer ein Symbol der Dummheit, für unsere Nachbarn die reine Freude.
Das englische Wörtchen fair reizt zu allerlei schönen Wortspielen im Deutschen, weil es sich als Ersatz für die Wendung ver anbietet. Mal ist vom Umfairteilen des Reichtums die Rede, mal von der Fairwertung von Abfällen. Bei diesem sprachlichen Transfair rechtfertigt der Gleichklang die Fairkehrtschreibung. Egal, ob fairliebt, fairlobt oder fairheiratet, Hauptsache, man wird nachdenklich. Man muss ja nicht gleich soweit gehen, dass man Hannover in Hannofair fairwandelt.
Die nächste Zeitumstellung kommt bald, und das wird nicht die letzte sein. Das läuft inzwischen fast ganz ohne Proteste ab, beinahe gewohnheitsmäßig. Man ist sich international ziemlich einig in der Einstellung: Diese Zeitumstellungen bringen kaum Energieeinsparungen, also weg damit! Doch hat sich daraus das neue Problem ergeben, dass dann manche Länder die Sommerzeit ganzjährig einführen wollen, andere die Winterzeit. Und keiner von den führenden Politikern entschließt sich dazu, die Lösung dieses Problems zu seinem Thema zu machen, weil dahinter keine direkt betroffene Bevölkerungsgruppe steht, damit also keine Unterstützung für ihn bei der nächsten Wahl zu erwarten ist.
Lachen wie die Affen. Das Lachen ist für Sozialwissenschaftler ein Sesam-öffne-dich. Kann es doch so viel Verschiedenes bedeuten und bezwecken. Mal ist es Bestätigung, mal Stärkung des Gegenübers, oder aber eine Kriegserklärung, wenn nicht schon ein KO-Schlag. Wenn man Glück hat, wird man nicht ausgelacht, sondern angelacht im Sinne einer Umarmung und muss nur mitlachen. Jedenfalls ist das Lachen eine der ältesten Formen zwischenmenschlicher Interaktion. Um die Evolution der Laute zu erkennen, haben Sprachforscher der britischen Universität Warwick 140 Lachsequenzen von Menschen mit denen heute lebender Menschenaffen verglichen. Dabei haben sie herausgefunden, dass „eine grundlegende rhythmische Struktur seit unserem letzten gemeinsamen Vorfahren unverändert geblieben ist“. Das heißt, das Lachen ist eine uralte „Sprache“, die uns mit unseren Vorvorvorfahren verbindet. Das ist Tradition hoch drei. Und dabei ist Lachen auch noch gesund!
Wenn ich von einem erfolgreichen Stadttaubenmanagement höre, das zum Saubererhalt der Stadt betreute Taubenschläge aufgestellt hat, in denen Ernährungsprogramme durchgeführt und Taubeneier heimlich gegen Gipseier ausgetauscht werden, wehrt sich alles in mir gegen die fiese Frage: Steht dahinter nicht derselbe besserwisserische Herrengeist, der sich hier und da herausnahm und herausnimmt, bestimmte Volksgruppen besonderen Erfassungs- und Erziehungsmaßnahmen zu unterziehen?
Karambolage am Sonntagmorgen. Nur zufällig wurde ich Augenzeuge des Geschehens: Die Nummer Eins, nur mal so genannt, um Ordnung in das Ganze zu bringen, also die Nummer Eins imponierend groß und weiß vorneweg, gab die Geschwindigkeit vor. Zum Verwechseln ähnlich gleich dahinter die Nummer Zwei, ebenso majestätisch dahinziehend. Gefolgt von den Nummern Drei bis Sieben, alle fünf sehr viel kleiner, eines so grau wie das andere. Alle sieben mit dem gleichen Sicherheitsabstand voneinander, sauber auf Linie und in Eile. Doch plötzlich an der Spitze eine Vollbremsung, weiß der Teufel, warum. Jedenfalls ungebremster Aufprall der Nummer Zwei auf die Nummer Eins und noch fünf Mal ein weiterer Aufprall, immer ungebremst voll drauf. Aber nichts zu hören, kein Scheppern, kein Schreien, überhaupt kein Ton. Totale Stille. Und kein Blut zu sehen. Dann zieht sie weiter, die Familie auf dem Rhein. Der Schwan wieder vorneweg, die Schwänin hinterher, mit den fünf Schwanenküken im Schlepp. Nichts passiert. Ein schöner Sonntagmorgen.
Meine heutige Buch-Empfehlung: Keine leichte Lektüre, weil das Buch Gewicht hat, nämlich mehr als die 495 Gramm. Und ist doch absolut unterhaltsam. Dabei sind die Zeitbezüge zum Jetzt unübersehbar. Die Türken vor Wien. Mit einem gewaltig überlegenen Heer. Eine zweimonatige Belagerung, Mauern und Nerven zerfetzend. Die hungernden Verteidiger beinahe am Ende. Doch dann müssen die Türken Hals über Kopf fliehen, weil ihr Befehlshaber nicht aufgepasst hat. Das alles ist in dem Roman „Die Sünderin. Wien 1683“, exakt nach den historischen Belegen geschildert. Und auf die für die Historiker offene Frage, warum der Führer der Türken einen so verheerenden taktischen Fehler gemacht hat, für den er prompt umgebracht wird, gibt dieses Buch mit dem uralten Judith-Motiv eine recht delikate Erklärung.
https://www.netzine.de/book/die-suenderin-wien-1683/?grid_referrer=4078


Der Computer Doktor in Mannheim