Passiertes! – Passierte es?
Unsere Autoproduzenten zeigen eine erstaunliche Begeisterung für negativ besetzte Namen, die sie besonders teuren Wagen geben. Beispielsweise nannte Porsche sein teures Geländewagendickerchen nach einer berüchtigten Sträflingsinsel für Schwerverbrecher Cayenne. Und Volkswagen nannte seinen teuersten Bottich nach Phaeton, dem missratenen Sohn des Sonnengottes Helios, der sich ohne Erlaubnis des Vaters den Sonnenwagen geschnappt und ihn prompt in den Graben gefahren hat. Vermutlich ist diese negative Namenswahl für die Wagen der besonders geldschweren Klientel Absicht. Sagt der Volksmund doch: Hinter jedem großen Vermögen steckt ein großes Verbrechen.
Neues von der deutschen Sprache? Was Gottfried Wilhelm Leibniz und die Brüder Grimm vorgemacht haben, als sie den sich laufend weiterentwickelnden deutschen Wortschatz beschrieben und aufbereitet haben, das soll in Zukunft ein neues Forschungsinstitut machen: Das „Akademienzentrum Digitale Lexikographie des Deutschen“ (ADL). Da frage ich mich: Ist diese Wörtersammlung vielleicht nur eine Rückzugsstrategie, weil wir Deutschen zulassen, dass unsere Sprache im täglichen Gebrauch immer mehr vom Englischen unterwandert und verdrängt wird?
berflüssiges. Die erste Blamage des neuen britischen Königs Charles III. war der missglückte Versuch, mit einem historischen Instrument zu schreiben, nämlich mit einem klecksenden Füllfederhalter. Wer benutzt denn noch so was? Der Füller gehört zu den drei Artikeln, die inzwischen so überflüssig geworden sind, dass sie nur noch durch irrsinnige Preiserhöhungen als Luxusgüter an den Mann (m/w/d) zu bringen sind. Wie dem Füller, so ergeht es den Armbanduhren: Inzwischen weitgehend durch das Handy ersetzt und deshalb immer teurer aufgemotzt. Dieselbe Entwicklung hat auch schon das Auto erfasst, das im Delivery- und Homeoffice-Zeitalter mehr Stehzeug als Fahrzeug ist und entsprechend verteuert und vergöttert werden muss.
Was wir gerade verloren haben, schätzen wir am höchsten ein. Jetzt, da in deutschen Landen überall die Dialekte im Schwinden sind, heißt es bei den Rundfunkanstalten, es sei ausdrücklich erwünscht, dass Mitarbeiter Dialekt sprechen. Das habe ich ganz anders erlebt. Als ich beim aktuellen Fernsehen des Westdeutschen Rundfunks war, störte meine Chefs an meinen Fernsehauftritten die rheinische Klangfärbung meiner Sprache. Ich musste Extra-Sprachkurse nehmen, auf eigene Kosten. Natürlich vergebens. Der Sprachlehrer stellte nach einigen Übungsstunden fest: „Das Kölsche kriegen Sie nie ganz weg.“ Darauf ich: „Das hätten Sie mir auch früher sagen können; damit hätte ich viel Geld gespart.“ Er darauf: „Von irjendwat muss ich doch och leben.“
Deutsche Sprache, schwere Sprache. Ich las in der Zeitung: Jede zweite Ehe wird geschieden. Das nenne ich eine Zeitungsente, denn bei mir wurde die erste Ehe geschieden. Und ohne dieses aufwendige Verfahren hätte es überhaupt keine zweite Ehe gegeben. Gack-gack!
Das grammatische Geschlecht wurde in der deutschen Sprache bisher als bedeutungslos hingenommen, weil zufällig (der Schuh, die Nase, das Mädchen), und störte niemanden. Doch seit eine Gruppe von links-orientierten Möchtegern-Besserwissern es als ein Feld entdeckt hat, auf dem man Bedeutung und gut dotierte Posten erobern kann, wird unsere Sprache durch Gendersternchen und anderen Schnickschnack verunziert und umständlicher gemacht. Und das alles mit dem scheinheiligen Anspruch, damit etwas für die Geschlechtergerechtigkeit zu tun. Weil ich gedrängt wurde, einmal was zum Gendern zu sagen, hier kurz und knapp: Für mich ist alles Gendern eine dumme Fehlerin.
Als der Bonner Prominenten-Fotograf Jupp Darchinger mich in Berlin vor dem Reichstagsgebäude aufgenommen hat, war ich dabei, den Staatskanzlei-Roman „So schön war die Insel“ zu schreiben. Aus dem direkten Erlebnis heraus. Hatte mich doch der neue Regierende Bürgermeister von Berlin, Richard von Weizsäcker, zu seinem Werbechef gemacht. Ich war der Berlin-Jubler mit Direktorengehalt und stattlichem Etat an seiner Seite. 1999 ist das Buch dann in Berlin erschienen. Feinster Sarkasmus, dabei ist alles authentisch. Heute gilt es schon als wichtige Dokumentation einer vergangenen, ganz anderen Welt, nämlich des letzten Jahrzehnts von Berlin vor dem Fall der Berliner Mauer. Das gebundene Buch ist längst vergriffen, aber immer wieder im antiquarischen Handel zu finden. Eine Neuauflage gab es nicht, weil der Verlag nach dem frühen Tod des Verlegers den Betrieb einstellte. Zum Glück hat der Kopenhagener Saga-Verlag es als e-book auf den Markt gebracht, komplett und selbstverständlich auf Deutsch. Ein literarischer Leckerbissen für schlappe 9,99 Euro. Siehe
https://www.netzine.de/book/so-schoen-war-die-insel/?grid_referrer=4078


Der Computer Doktor in Mannheim