Passiertes! – Passierte es?
Mit Milliarden wird die Künstliche Intelligenz gefördert. Dabei ist deren Kern die selbstlernende Software. Das ist das automatische Sich-Selbst-Belehren und Lernen von Maschinen, das sich, einmal angestoßen, unaufhaltsam fortsetzt und immer höher aufschwingt. Damit werden diese Maschinen sehr bald der menschlichen Intelligenz so weit voraus sein, dass sie uns beherrschen. Die gedankenlose Förderung der KI bestätigt also nicht nur die Beschränktheit menschlicher Intelligenz, sie ist auch schon der Anfang unserer Selbstentsorgung.
Je mehr unsere Medien mich mit dem Konkurrenzgetue der amerikanischen Parteien Demokraten und Republikaner belästigen, umso mehr wird mir die Blödsinnigkeit der Namen dieser Parteien klar. Sind doch die Mitglieder beider Parteien zweifellos Demokraten; denn sie alle wollen am Prinzip Demokratie festhalten. Und sämtliche Mitglieder beider Parteien sind auch Republikaner, denn das ist die Staatsform, zu der sie alle stehen. Die Parteinamen zeigen also keine Gegensätze. Die beiden Parteien sollten sich Gaspedal und Bremse nennen. Das ist wenigstens ein Gegensatzpaar. Und es entspricht der Wirklichkeit, in der stets die eine Partei als Bremse wirkt, wenn die andere Partei Gas gibt. Nur welche gerade dies tut und welche das, wechselt hin und wieder – hoffentlich auch weiterhin.
Der Karl-Marx-Kopf in Chemnitz, sieben Meter hoch, die Karl-Marx-Statue in Trier, fünfeinhalb Meter hoch, und die Friedrich-Engels-Statue in Wuppertal, fast vier Meter hoch, dazu die beiden Typen auch noch in Berlin, in doppelter Lebensgröße. Das sind unübersehbare Warnzeichen, die von dem Versuch abhalten sollen, sich Gedanken zu machen, wie man die Menschheit beglückt. Weil sie zeigen: Man weiß nie, was dabei herauskommt. Wir Deutschen haben die Warnung vor dem Gedankenmachen verstanden und beschäftigen uns nur noch mit Sport und Krimis, Autos, Kochrezepten und Familienschnulzen.
Die unsinnige Behauptung, die deutsche Sprache sei patriarchalisch, ist erst vor gut 40 Jahren aufgekommen. Als feministische Linguistik, die zum Glück jetzt dabei ist, wieder zu verschwinden. Beim Schreiben wie beim Sprechen sind die Beidnennungen wie die Genderzeichen nur hinderlich, und die behauptete Gerechtigkeit wird damit nicht hergestellt. Eine Reparatur, die sowieso nicht erforderlich ist. Denn laut Statistik sind 46 % aller deutschen Substantive feminin, nur 34 % maskulin und 20 % geschlechtsneutral. Und wie man im Gespräch mit seinen Mitmenschen jeden Tag feststellen kann, ist ihnen der Gesichtspunkt Geschlecht vollkommen egal, wenn von Bürgern, Politikern, Schülern, Studenten, Lesern, Mitgliedern und so weiter die Rede ist. Das sind einfach nur Kategorien von Menschen.
Die Anrede Du mit Vornamen ist weiter auf dem Vormarsch, gefördert durch populäre Fernsehsendungen und das Internet. In vielen Unternehmen sogar schon zur Pflicht gemacht. Manch einer hält das für Modernität, die sich dem angelsächsischen Gebrauch anpasst. Dahinter steht peinliche Unkenntnis; denn das englische You ist sprachhistorisch kein Du, sondern ein Ihr. Ein Trugschluss auch, das Du mit Vornamen für persönlicher als das bisher übliche Sie mit Nachnamen zu halten. Haben doch noch viel mehr Menschen denselben Vornamen als denselben Nachnamen. In Wahrheit ist die Duzerei mit Vornamen der Ausdruck von völligem Desinteresse an dem anderen und eine Methode der Anonymisierung. Aber das merkt man erst, wenn man irgendwann versucht, den geduzten Fremden, von dem man nur den Vornamen weiß, zu kontaktieren. Nichts geht. Da hilft kein Telefonbuch, auch kein Google.
Sogar Papiertaschentücher verraten, wohin die Entwicklung unserer Sprache geht: Zu einem deutsch-englisch gemischten Gebrabbel hin. Ist doch der alte die Packungen schmückende Werbespruch Sanft & Sicher modernisiert worden zu Soft & Sicher. Wobei man sich gut vorstellen kann, wie dafür argumentiert wurde: Das Wort sanft ist zu betulich und durch den Grabspruch Ruhe sanft negativ besetzt, andererseits ist der Ausdruck safe für sicher nicht brauchbar, weil durch Tresorknacker und die Förderung von safer sex ebenfalls negativ besetzt. Also bleibt nur eine wilde Auswahl nach Brauchbarkeit und Belastetheit, wobei die englischen Ausdrücke immer im Vorteil sind, weil wir nicht so viel über ihre störenden Konnotationen wissen.
Haarsträubende Tatsachen, in einem großen historischen Roman geschildert: „Favoritin zweier Herren“. Das Erfolgsbuch, weil es Information und spannende Unterhaltung in ein ideales Gleichgewicht gebracht hat. Es geht um die Entstehung des souveränen Militärordens der Johanniter und Malteser, um 800 Jahre voller Kämpfe zur Verteidigung des Abendlandes gegen den Islam und um eine erstaunlich kluge Mätresse des letzten Großmeisters auf Malta. An den Schauplätzen der Handlung recherchiert und mit dem historischen Personal wiederbelebt. So geht historische Literatur. Zu Kommentaren siehe:
https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/favoritin-zweier-herren/

Der Computer Doktor in Mannheim