992. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Dass das Jahresgehalt des Bundeskanzlers fast an die halbe Million Euro herankommt, kann ich als Steuerzahler akzeptieren. In dem Amt wird ja was geleistet, auch für mich. Dass das Jahresgehalt des Fußball-Bundestrainers jedoch bei 7 Millionen Euro liegt, lässt mich an meinem Verstand zweifeln. Oder müsste ich eigentlich zweifeln an …?

 

Mandarin, das Hochchinesisch, soll nach dem Willen des chinesischen Volkskongresses künftig Vorrang vor den Sprachen der 55 anerkannten Minderheiten haben. Kritiker sehen darin eine weitere Verschärfung der Assimilierungspolitik gegenüber ethnischen Minderheiten wie den Uiguren oder Tibetern, die eigene Sprachen und Schriftsysteme besitzen. Die chinesische Regierung hingegen begründet die Neuregelung mit dem Ziel, die nationale Einheit zu stärken. Für  u n s e r e  Zukunft bedeutet das jedenfalls eine Erleichterung, weil unsere Nachkommen sich nur noch mit einem Chinesisch  abquälen müssen, statt mit einigen Dutzend.

 

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so wenige Kinder geboren, wie noch nie nach 1945. Eigentlich unglaublich bei all den finanziellen Anreizen zum Kinderkriegen, die in den letzten Jahren aufeinander gehäuft wurden. Allmählich wird unübersehbar, dass die Enthaltsamkeit im Kinderkriegen eine Wohlstandsdiät ist, vergleichbar dem Wohlstandssingledasein und dem Wohlstandsalkoholismus. Das alles lässt sich auch mit dem nächsten Geldsegen nicht heilen.

 

Das führerlose, autonome Auto der nahen Zukunft wird programmiert von Menschen der Gegenwart. Das wirft die Frage auf: Wie entscheiden die sich in all den Grenzfällen, in denen es darum geht, ein Leben in seiner Wertigkeit mit einem anderen zu vergleichen. Solche Abwägungs-Szenarien wurden in einer weltweiten Befragung Millionen Menschen vorgelegt. Beispielsweise war zu entscheiden, ob in einem unausweichlichen Alternativfall der Mann im Auto oder die Frau auf der Straße zu opfern sei, der greise Wagenhalter oder das spielende Kind, ob ein Tier eher zu opfern sei als ein Passant, eine einzelne Person eher als eine Gruppe, ein Penner eher als der Notarzt. Die Ergebnisse waren schockierend: Im Schnitt sollten Frauen eher verschont bleiben als Männer, Kinder eher als Alte. Doch schon dabei galt in Asien, wo das Alter besonders geschätzt wird, das Gegenteil. Die Deutsche Ethik-Kommission sagt, jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Gesundheit sei strikt untersagt. Schön gesagt. Ohnehin haben wir Menschen in solchen Grenzsituationen keine Zeit zum Überlegen und reagieren spontan irgendwie. Aber ein auch für diese Grenzsituationen programmiertes Auto, wie wird sich das entscheiden?

 

Goethe und Schiller, dieses Autorenpaar so einsam auf hohem Podest vor dem Weimarer Theater, ihre Lebenssituation sah anders aus. In ihrer Zeit waren unsere beiden Heroen umwimmelt von rund hundert Autoren, von denen viele dem großen Publikum mehr bedeuteten als unsere Dichterfürsten, weil sie dem Geschmack des einfachen Volkes mehr entgegenkamen. Sie erzielten höhere Auflagen, hatten mehr Aufführungen, wurden mehr übersetzt, erhielten mehr Literaturpreise und waren landauf landab im Gespräch. Doch heute sind diese Wimmelautoren bis auf ganz wenige Namen total vergessen. – Wenn das nicht tröstlich ist. 

 

In eigener Sache: Ich gehörte 2026 zu den für den Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb von Verlegerseite offiziell Vorgeschlagenen, allerdings ohne Erfolg. Den Bachmannpreis hat eine junge Frau erhalten. Was zu der Statistik passt, nach der junge Frauen zwischen 20 und 30 zu den eifrigsten Buchkäufern und Buchlesern gehören. In den von ihnen bevorzugten Young-Adult-Büchern geht es vor allem um Liebe und die persönlichen Probleme mit dem Erwachsen- und Frau-Werden. Meine Vorstellung von Literatur ist natürlich eine ganz andere, wie man mir und meinen Büchern ansehen kann. Deshalb werde ich mich nicht mehr für diesen Wettbewerb vorschlagen lassen.

 

Die Politik macht einige meiner Bücher brandaktuell. Als ich, der Autor des Internet-Magazins netzine.de, zusammen mit einer Handvoll Zeitungsreportern auf Einladung von Saddam Hussein in den letzten beiden Wochen vor dem Einmarsch der Amerikaner das gefährliche Schaukelspiel der Religionen im Irak kennengelernt habe, entstand „Denk ich an Bagdad in der Nacht.“ Als ich das erste Mal die Karibik erlebte, auf Einladung des Versandhauskönigs Joseph Neckermann, hieß mein Kreuzfahrtschiff nach dem ukrainischen Nationaldichter „Taras Schewtschenko“ (1814-1861) und fuhr unter sowjetischer Führung mit ausschließlich sowjetischem Personal, was ich beschrieben habe in „Karibik ohne Kannibalen“. Und als ich auf der Krim als Teil einer Städtepartnerschaft-Delegation so fürsorglich bei einer Familie von Ukrainern aufgenommen war, in der man nur russisch sprach, entstand mein Buch über die kuriosen Schwierigkeiten dieses Ferienparadieses: „Krim Intim“. Die Bücher sind immer noch im Handel, das Krim-Buch aber nur mit Direktbestellung per eMail beim Autor. Siehe https://www.netzine.de/meine-buecher/

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