Passiertes! – Passierte es?
Russlands Eroberungskrieg in der Ukraine ist nicht zuletzt auch der persönliche Wettkampf zweier Meister ihres Fachs, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Repräsentieren sie doch die beiden wichtigsten Strategiefelder moderner Kriegsführung: Putin, der Magier der Geheimdienstarbeit, gegen Selenskyj, den Artisten der Öffentlichkeitsarbeit.
Wenn ich die Todesanzeigen in der Zeitung betrachte, stelle ich fest, dass die tröstlichen Sprüche, die man den Verstorbenen hinterherschickt, meist nicht mehr aus der Bibel stammen. Der neue Jesus oder Salomon oder Hiob heißt Rilke oder Goethe, Jean Paul oder Wilhelm Busch. Nur konsequent, dass auch die Kreuze aus den Traueranzeigen verschwunden sind. Dichter gehören nicht ans Kreuz. Reicht doch schon, dass man ihre Werke „schön“ und „tröstlich“ findet.
Die Genderei ist nicht nur lästig und störend, überflüssig und wirkungslos, sie kann auch teuer sein. Eine Angestellte, die von ihrem Arbeitgeber, einem Bundesamt, abgemahnt und dann auch gekündigt wurde, weil sie ein Dokument nicht durchgehend genderte, hat vom Arbeitsgericht Hamburg bestätigt bekommen, dass Abmahnung und Kündigung unrechtmäßig waren. Und die von dem Bundesamt dagegen erhobene Berufung wurde vom Landesarbeitsgericht als unrechtmäßig zurückgewiesen. Jetzt wurde das Urteil rechtskräftig. Uns Steuerzahlern sind durch das rechtswidrige Verlangen nach Genderformen Prozesskosten von rund 18.000 Euro entstanden.
Die Schule entwickelt sich bei uns von einer Lehr-Institution zur Leer-Institution, weil immer weniger Menschen bereit sind, als Lehrer zu arbeiten, und immer mehr Kinder der Schule einfach fernbleiben. Dabei wächst der Berg der mehr oder weniger wissenschaftlichen Pädagogik-Literatur so, wie die Kultur-Bürokratie in Bund und Ländern wächst. Und kein Mensch kommt auf die Idee, die zuständigen Kulturfummler zusammen mit ihren Erfolgsrezepten „Antiautoritär“ und „Laissez-faire“ endlich in den wohlverdienten –, nein, zum Teufel zu schicken.
Leser, die sich Enttäuschungen sparen wollen, sollten nicht auf Bestseller- und Buchpreis-Listen nach meinem Namen suchen. Dort bin ich nicht zu finden, denn ich gehöre zu der im Moment nicht so gefragten, weil nicht so hippen Randgruppe der Kulturschaffenden, die männlich und westdeutsch sind, keine Debütanten, nicht mehr jung, weder schwul noch vorbestraft sowie ohne Migrationshintergrund – und zu allem Überfluss auch noch nachdenklich.
Bücher lesen? Wozu? – Wissenschaftler der Yale-Universität haben in einer Studie festgestellt, dass dreieinhalb Stunden Lesen pro Woche das Sterberisiko um 23 Prozent verringern. Das bringt mich ans Rechnen, sehe ich doch die Chance, schon mit einigen Stunden Lesen pro Tag unsterblich zu werden. Und ich Dummkopf bemühe mich bisher um dieses Traumergebnis mit einigen Stunden Schreiben pro Tag – was bekanntlich viel anstrengender ist.
Das Städel-Museum in Frankfurt am Main zeigt noch bis zum 20. September in einer Sonderausstellung die Druckgrafik des flämischen Renaissancemalers Pieter Bruegel der Ältere, der von 1526 oder 1530 bis 1569 gelebt hat, also gar nicht alt geworden ist. Der Mann, über dessen Leben man nur sehr wenig weiß, dessen Werke aber jedem schon begegnet sind (Bauernhochzeit, Sturz des Ikarus, Heimkehr der Jäger, Große Fische fressen kleine Fische usw.) hat uns einmalig rätselhafte Bilder hinterlassen. Ich war rund 20 Jahre auf seiner Fährte. Bei geduldiger Intensiv-Betrachtung seiner Bilder und bei Berücksichtigung von Bruegels Umwelt – in den von Spanien besetzten Niederlanden brannten die Scheiterhaufen, auf denen Protestanten und Calvinisten ihr Leben aushauchten – taten sich mir Erkenntnisse auf, die für die Kunstgeschichte neu waren. Daraus ist meine Romanbiografie über Pieter Bruegel entstanden, die unter dem Titel „Die Frauen des Malers“ auf dem Markt ist. https://www.netzine.de/book/die-frauen-des-malers/?grid_referrer=4078


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