Passiertes! – Passierte es?
Lernprogramm für Bundeskanzler. Ich erinnere mich: Helmut Kohl musste man erst beibringen, dass sein ständig freundliches Lächeln nicht zu seiner wichtigen politischen Rolle passt; woraufhin er sich an die neue Maske gewöhnte: „Ernsthafter Macher“ – und damit Erfolg hatte. Friedrich Merz möchte ich empfehlen, endlich das ständig gezeigte Unglücksgesicht einzupacken und ebenfalls die Maske „Ernsthafter Macher“ aufzusetzen, um genauso erfolgreich zu sein.
Warum hat eine Fußballmannschaft immer elf Spieler? Das hat nichts mit dem Elferrat vom Kölner Karneval zu tun, sondern kommt aus England, wo Studenten die ersten Fußballbegeisterten waren. Mitte des 19. Jahrhunderts fasste die Universität von Cambridge das Spiel in feste Regeln. Und weil sich damals immer elf Studenten einen Schlafsaal teilten und die Zimmergenossen sich gern als Elfer bezeichneten, wurde das ein Spiel von Schlafsaal gegen Schlafsaal. – Manchmal hat man ja heute noch den Eindruck.
Öfters stößt man auf die Zeitungsmeldung, eine Führungsposition, die ein Mann wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung Untergebener verlor, sei jetzt mit einer Frau besetzt worden. Da fragt man sich: Ist das vielleicht weniger konfliktanfällig, weil Männer sich nicht beschweren, falls sie von einer Frau sexuell belästigt (z. B. Dekolleté) werden?
Heute gibt es eine starke neue Tendenz in der Rechtswissenschaft: Die Natur als solche und einzelne Naturphänomene sollen als selbständige Rechtspersönlichkeiten anerkannt werden. Das betrifft den Regenwald so gut wie die Nordsee. Ein rechtliches Subjekt hat eine stärkere Stellung in juristischen Auseinandersetzungen als ein bloßes Objekt. Vor allem ein Existenzrecht. Weil damit die so selbstverständliche Nutzung und Zerstörung unzulässig wird. Dazu gibt es in manchen Ländern schon Gesetze. Der Ganges und der Yamuna-Fluss in Indien sowie große Flüsse in Bangladesch und in Neuseeland sind neuerdings juristische Personen, auch schon einzelne Gletscher im Himalaja. Warum sollen wir nicht einmal was von den Ureinwohnern lernen, die eine viel engere Beziehung zur Natur hatten?!
Ein Unsinn im gesamten Kulturbetrieb der westlichen Welt, gleich ob es um Musik oder Literatur geht, ist die Annahme, man könne Qualität an der Menge der Konsumenten ablesen. Das ist der schlimmste Fehler, weil es die dümmste aller Dummheiten ist, Quantität und Qualität zu verwechseln. Soviel zu dem Bestsellerwahn.
Zum Thema Fair trade: Beim Aufwachen kein Vogelgezwitscher mehr wie früher. Und die Spinne auf dem Balkon immer noch in ihrem leeren Netz. Weil es kaum noch Insekten gibt. Dabei sind inzwischen in der EU Insekten als Lebensmittel zugelassen. Und die neuen proteinreichen Leckerbissen sind schon in den Supermärkten zu kaufen, fettarm und beinahe frei von Kohlehydraten sowie Cholesterin, dabei reich an Vitaminen. Man empfiehlt uns, die Essgewohnheiten total umzustellen. Denn 80 % eines Insekts sind essbar, gegenüber nur 50 % beim Rind. Und für 1 kg Rindfleisch wurden 10 kg Futter verbraucht, während für 1 kg Insekten nur 1,2 kg Futter nötig waren. Alles überzeugend, aber wenn rundum schon die Vögel und Spinnen verhungern, weil sie keine Insekten mehr finden, halte ich es für extrem unfair, wenn auch ich ihnen noch das Futter stehle.
Flandern zum Kunst-Erwandern. Dabei immer wieder einem Maler begegnen, dessen Bilder jeder schon gesehen hat, von dem man aber kaum etwas weiß: Pieter Bruegel der Ältere. Die Romanbiografie dieses Großmeisters der Malerei konnte ich erst nach zwanzigjähriger Recherche schreiben, unter dem Titel „Die Frauen des Malers“. Das Buch schildert die Turbulenzen der Zeit, wie sie sich in seinen Bildern verraten, wenn man genauer hinschaut. Faszinierend, was der Mann mit viel Geschick sogar noch unter dem Terror der spanischen Besatzer zu veröffentlichen gewagt hat. 352 Seiten, 15.50 Euro, ein Erfolgsbuch, überall im Buchhandel und auch direkt vom Verlag zu beziehen. Siehe https://www.netzine.de/book/die-frauen-des-malers/?grid_referrer=4078

Der Computer Doktor in Mannheim