Passiertes! – Passierte es?
Die Ukrainer machen den alten Spruch wahr: „Stell dir vor, es gibt Krieg, und keiner geht hin.“ Rund 100.000 ukrainische junge Männer haben ihr Land schon verlassen, und weitere strömen ungehindert nach. Es sieht so aus, als ob sich die Erkenntnis endlich durchsetzte: Krieg ist nur die Sache von wenigen Führungspersonen und von Finanzspekulanten. Aber wir Deutschen machen weiterhin die Unterstützer. Dabei bleibt das ein asymmetrischer Krieg, solange der eine Kriegsherr ein noch weniger aufgeklärtes Volk zur freien Verfügung hat als der andere.
Die Sprach-Weichspüler wieder am Werk: Wie die Putzfrauen zu Raumpflegerinnen veredelt wurden, so wird jetzt das Gegenteil von Demokratie, nämlich die Diktatur, in der Presse durch den sanfteren Ausdruck autoritäres System ersetzt. Und Begriffe wie Despot, Diktator und Tyrann fallen unter den Tisch, ersetzt durch die leichter verdaulichen Bezeichnungen Alleinherrscher oder Autokrat.
Eine Sonderbriefmarke Queen Elizabeth II., herausgegeben von der Deutschen Post. Da fragt man sich natürlich: Was haben wir mit der britischen Königin zu tun? Solche Bedenken übersehen, dass wir, zumindest sprachlich, bereits so was wie eine britische Kolonie sind, in der die deutsche Sprache von Jahr zu Jahr mehr zur Mundart der Einheimischen abgewertet wird.
Seit dem Brexit gibt es kein englischsprachiges Land mehr in der EU,weil Englisch lediglich auf den Inseln Irland und Malta gesprochen wird, dort jeweils nur als zweite Amtssprache neben Irisch und Maltesisch. Eine Bestandsaufnahme der Verwendung der Sprachen in den europäischen Institutionen Kommission, Rat, Parlament und Gerichtshof ergab, dass die Dominanz des Englischen noch stärker ist als befürchtet. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Europäische Union sprachlich von ihrem Volk distanziert, so das Resultat. – Ist doch schon lange nicht mehr zu übersehen.
Das Satire-Magazin Postillon hat eine Serie nicht ganz ernst gemeinter Eindeutschungen von Anglizismen gebracht, von denen manche echte Bereicherungen wären, wenn sie ernst genommen und gebraucht würden, vor allem „Hirnausschüttelung“ statt Brainstorming, „Peintinktur“ statt Aftershave oder „Flanierkaffee“ statt Coffee-to-go und „Massentaumel“ statt „Hype“.
Das betrifft auch Schriftsteller und ihre Verleger: Die jährliche Schuleingangsuntersuchung hat jetzt in der Ruhrmetropole Essen ergeben: Jedes dritte Kind im Vorschulalter spricht schlecht oder gar kein Deutsch. Das passt zu der Klage von Uni-Professoren, dass sie heute Studenten vor sich haben, von denen höchstens 20 % die Lesefähigkeit mitbringen, die für ein Studium notwendig ist.
Lächerlich, wenn eine alternde Gesellschaft wie die unsere, in der Generationen von Analphabeten heranwachsen, auf Deutung des Lebens durch Debütanten setzt, statt sich nach denen umzusehen, die ihr Alter in überlegene Erfahrung umzumünzen verstehen. Ein gestandenes Werk wie „Die Salzhexe“ bringt mehr auf die Waage als eine Handvoll Debütantenbüchlein. Einfach mal ansehen!

Der Computer Doktor in Mannheim