983. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Die Tötung des iranischen Gewaltherrschers Chamenei bringt keine Veränderung, die den Aufwand lohnt. Das hätten die Amerikaner eigentlich wissen müssen. Entweder wird nach so einer Eliminierung der Despot sofort durch einen anderen ersetzt, oder es gibt bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen. Siehe Libyen, Irak und Syrien. Die Handvoll Personen, die Weltpolitik machen, streiten sich wie die Kinder im Sandkasten, wobei es letztlich darum geht: Ich bin doch stärker als der da (weil ich die besseren Waffen habe). – Also eigentlich Sache der Psychotherapeuten.

Viel zu oft kommt auch anderswo im Streit als das letzte – und dümmste – Argument die Gewalt. Das hat Tradition. Die preußischen Geschütze trugen seit Mitte des 18. Jahrhunderts die Inschrift Ultima ratio regis, frei übersetzt: Das letzte Argument des Königs.

Finanzinvestoren haben in Deutschland schon Hunderte Arztpraxen aufgekauft. Nun weiß man ja, dass Investoren nur kaufen, wovon sie einen dicken Gewinn erwarten können. Da frage ich mich: Wird aus den vereinzelten Fehltritten von Schwarzen Schafen unter der Ärzteschaft, die sich mit der Berechnung nicht erbrachter Leistungen bereichert haben, jetzt das ganz große Geschäft? Unser dummes Krankenversicherungssystem mit der Vereinbarung zwischen Arzt und Patient über Leistungen, die von der Krankenkasse zu tragen sind, ist ja direkt eine Einladung dazu. Denn das ist ein Vertrag zu Lasten Dritter, und der ist nach deutschem Recht generell unzulässig. Was unsere Politiker aber nicht stört, weil sie auf das traditionell hohe Ethos der Ärzte vertrauen. Und unser adipöser Bundestag schläft. Klar, Korpulenz macht träge.

Gutes Schriftdeutsch wird zum Orchideenfach, – nein, ist es bereits, wie ein Blick auf die Facebook-Seiten zeigt. Konsequenterweise verzichtet die Deutsche Bahn großzügig auf die besonders hohe Hürde eines Bewerbungsschreibens, wenn jemand sich bei ihr ausbilden lassen will. Es kommt ja in der Praxis nicht darauf an, ob einer das Wort pünktlich groß oder klein schreibt, mit ue oder ck oder sch oder richtig. Pünktlichkeit ist immer richtig.  

Produktwerbung ist übrigens überraschend aufklärerisch. Ich brauche mir nur das Hauptargument der Werbung für ein bestimmtes Produkt anzusehen, dann weiß ich, was der Hauptnachteil dieses Produkts ist. Wenn also die Haltbarkeit betont wird oder die bequeme Handhabung, der konkurrenzlos günstige Preis, das besonders gute Material oder die geringen Folgekosten, dann sehe ich jeweils den Hinkefuß des Produkts. Nämlich das exakte Gegenteil des Werbearguments, andernfalls hätte man diese Werbung ja nicht machen müssen.

KI bringt nicht nur Quatsch mit Soße, sondern verändert daneben auch unser Sprachgefühl. Prompts heißen bei KI die Eingaben, die wir machen und von denen wir erwarten, prompte Ergebnisse geliefert zu bekommen. Dasselbe Wort prompt, das für uns eine Eigenschaft der Lieferung ist, verlangt KI schon als Vorleistung. So wird von KI sprachlich alles auf den Kopf gestellt.  

Wenn der Göttervater Zeus sich die Mühe und das Vergnügen macht, mal wieder auf die Erde zu kommen, um eine schöne Frau zu verführen, wie in meinem neuen Roman „Beobachter“ geschildert, lässt das die aufmerksamen Leser ahnen, was für eine Gefahr auf die Menschheit zukommt. In einer unterhaltsamen Story serviert, ist das die Warnung vor einer hemmungslosen Hingabe an die Künstliche Intelligenz. Weil die so programmiert werden kann, dass sie sich durch Selbstkorrektur in unvorstellbare Höhen schraubt, weit höher als jede menschliche Intelligenz, so dass schließlich die Technik die Menschheit beherrschen kann. Dass es dabei darum geht, dass die Technik keine Moral kennt, zeigt jetzt Trumps Kampf gegen die vorsichtig moralisierende KI-Software Anthropic und für die weniger auf Moral bedachte Software ChatGPT. Zu dem Buch siehe https://www.netzine.de/book/beobachter/?grid_referrer=4078    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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