Passiertes! – Passierte es?
Unser Nachwuchs immer dümmer? Regelmäßige IQ-Messungen im 20. Jahrhundert haben ergeben, dass die Ergebnisse sich von Generation zu Generation um jeweils einige Punkte verbesserten. Der sogenannte Flynn-Effekt. Doch seit den 90er Jahren hat sich der Trend umgekehrt. Offenbar eine Folge der Abhängigkeit von Social Media und Smartphone. Und schon spricht man davon, dass die Kinder immer dümmer werden. Doch weiß man inzwischen, dass es bei den negativen Messergebnissen um die total veränderte Aufmerksamkeitsverteilung geht. Es wird nicht mehr so konzentriert in die Tiefe gedacht, vielmehr im Überblick, und es muss sich nicht so viel gemerkt werden, weil man das Spiel mit den immer mehr Fundstellen zu beherrschen meint. Letztlich geht es um den Einsatz von Aufmerksamkeit, der im heutigen Leben immer komplizierter wird – und für den die traditionelle IQ-Messung nicht mehr ganz passend ist.
Die meisten Blumen vom Valentinstag sind inzwischen verblüht. Ich muss gestehen: Ich habe bei dem neuen Modezwang nicht mitgemacht. Kann ich doch nicht einfach so tun, als wüsste ich nicht, dass all das bunte Blühen nur egoistischem Streben entspringt. Blumen sind da nicht anders als wir.
Von frühester Jugend an lebte ich nach der Devise: Du musst dir einen Schatz von Büchern schaffen; der macht dich überlegen. Aber nach 50 Jahren musste ich feststellen, dass sich alles Wichtige schneller im Internet nachschlagen lässt; da staubten mehr als 8.000 Bücher zu, auch die vier großen Meyers- und Brockhaus-Lexika von jeweils anderthalb Metern aus den letzten 100 Jahren. Ein täglicher Vorwurf. Doch ein Vierteljahrhundert später kam dann die Künstliche Intelligenz, die angibt, alles zu schaffen; und plötzlich sind meine Bücher, vor allem die Lexika und andere Nachschlagewerke, wieder wichtig. Weil man jetzt im Internet, egal ob Text oder Bild, nicht mehr weiß, ob man eine echte Information oder eine KI-Spekulation oder einen bloßen Scherz geboten bekommt. Die Zweidrittel-Wahrscheinlichkeit für KI spricht Bände – in Leinen gebunden.
Als das Fernsehen Mitte des vorigen Jahrhunderts in die deutschen Haushalte kam, war das Faszinierende daran, dass man erstmals etwas miterleben konnte, das an fernen Orten passierte. Die größten Erlebnisse waren die Krönung der britischen Königin Elizabeth II., eine Fußballweltmeisterschaft und die Mondlandung. Die erste grundsätzliche Verwandlung machte das Fernsehen durch, als es von der Live-Sendung umgestiegen ist auf Vorproduziertes, weil es damit Perfektion bieten kann. Was bei Silvestersendungen, in denen Schauspieler feiernde Bürger darstellten, sehr bald durchschaut und abgelehnt wurde. Die zweite grundsätzliche Verwandlung bietet das Fernsehen mit der Sendung Bares für Rares, die in bemüht perfekter Umsetzung bis ins Einzelne durchgeprobtes und vorproduziertes Geschehen mit Laiendarstellern uns noch Monate später als Live-Sendung verkauft.
Jahrzehntelang kamen wir mit den einmal gelernten Lebenstechniken für den Alltag bestens zurecht. Doch durch die Computerisierung des gesamten Lebens wird alles immer komplizierter, vor allem die Nutzung von Telefon, Post, Bank, Bahn und Flugzeug, weil man gegen deren IT-Leute ankämpfen muss, die einem mit ständigen „Verbesserungen“ ihrer Nutzungssysteme immer neue Steine in den Weg legen.
Gern streiten die Leute darüber, ob man den Kindern noch Latein beibringen soll oder ob diese Sprache tot ist. Dabei ist Latein so was von lebendig, dass es sogar Moden unterworfen ist. Nannte man früher die Öffentlichkeitsarbeit Propaganda, von lateinisch propagatio=Verbreitung, so heißt dasselbe Bemühen heute Promotion, von lateinisch promotio=Anschub.
Wer offen ist für historische Romane, der liest mein Buch über den streitbaren souveränen Militärorden der Johanniter und Malteser: „Favoritin zweier Herren.“ Aufgrund intensiver Recherchen in Palästina, auf Rhodos und auf Malta ist damit ein Buch entstanden, das fehlte. Weil es erstmals den 700 Jahre langen Kampf zur Verteidigung Europas nacherlebbar macht, den erst Napoleon Bonaparte aus Raffgier hat scheitern lassen. Alles authentisch und doch spannend erzählt. Und nicht teurer als ein gutes Abendessen, aber garantiert nicht so schnell verschlungen, erst recht nicht leicht zu verdauen. Siehe https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/favoritin-zweier-herren/

Der Computer Doktor in Mannheim