Passiertes! – Passierte es?
Wir Wessis sind Jahrzehnte lang so bearbeitet worden, dass wir amerikanische Deutsche wurden. Die Ossis sind genauso zu russischen Deutschen geformt worden. Jetzt haben wir das Problem, dass Deutschland sich nicht eindeutig für die Russen oder für die Amerikaner begeistern kann. Da kommen erste Forderungen nach einem zweiten Bundeskanzler auf, damit wir gleichzeitig einen nach Washington und einen nach Moskau schicken können. Der Außenminister ist ja schon vollauf damit beschäftigt, mit den Chinesen zu lächeln.
Einen Krieg nicht mehr als Krieg zu bezeichnen, ist kein bloßer Gag, das ist auch ein Akt der Wahrhaftigkeit. Da fehlt nur noch das Eingeständnis, dass der kriegerische Akt reine Verkaufsförderung ist für die neueste Waffentechnik, die den Kaufinteressenten in aller Welt im Realitätstest vorgeführt wird. Hat es ja schon mehrfach gegeben, da und dort in Ost und West. Immer eine Super-Promotion, die nur leider den Nachteil hat, dass sie den gewinnsüchtigen Konkurrenten Gelegenheit gibt, ihre Tod bringenden Produkte in derselben Weise eindrucksvoll vorzuführen. Und dabei verlieren viel zu viele Menschen ihr Leben, die überhaupt keinen Gewinn machen wollten.
Hinterher heißt es: War gar nicht so schlimm. So bei dem Wintersturm „Elli“. Dabei hatten die Wetterfrösche schon vor allerlei Katastrophen gewarnt. Entsprechend waren all die übertriebenen Vorbereitungen. Doch kam es dann nicht so doll. Jetzt wissen wir: Die Meteorologen, aufgerüttelt von Katastrophen wie dem Ahr-Hochwasser, fürchten jetzt stets gerichtliche Regressforderungen, die mit der Begründung kommen, sie hätten nicht genügend gewarnt. Deshalb gilt neuerdings generell die Devise: Warnen auf Teufel komm raus! Umso größer die Freude hinterher, dass kein Teufelchen gekommen ist. Das merken wir braven Bürger uns und nehmen deshalb die Warnungen beim nächsten Mal nicht mehr ernst. – Prompt haben wir dann die Katastrophe.
Nähe und Ferne sind Dimensionen, die in Metern und Kilometern oder Seemeilen ausgedrückt werden und doch immer ein schlechter Behelf bleiben, weil sie eigentlich in soundsoviel Grad Gefühls-Intensität (GGI) angegeben werden müssten. Bedeutet uns doch der Nachbar, der sein im Sturm von einem umgestürzten Baum platt gemachtes Auto bejammert, weit mehr (wohl 30 GGI) als die zwei Männer, die in der Ukraine einer Drohne zum Opfer fielen (vielleicht 15 GGI), erst recht viel mehr als die vielen hundert Opfer der verheerenden Naturkatastrophe, die aus Brasilien oder Indonesien gemeldet wurde (höchstens 10 GGI). Die Ferne beraubt uns der Wärme.
Hörte jetzt mal wieder die fromme alte Formel: Vergelt’s Gott! Da war also ein frommer Mensch, der sich bei einem freundlichen Menschen für etwas bedanken musste, so clever, diese Schuldigkeit dem lieben Gott aufzuladen. Womit der freundliche Mensch auch einverstanden war. Juristisch gesehen, hat der Fromme so mit dem Freundlichen einen Vertrag zu Lasten Dritter abgeschlossen. Das ist im deutschen Recht generell nicht zulässig, weil es absolut ungerecht wäre und auch technisch nicht funktionieren kann. Das beste Beispiel für die Unmöglichkeit des Vertrags zu Lasten Dritter bietet der Kranke, der sich von einem Arzt behandeln, die Rechnung dafür aber an eine Krankenkasse gehen lässt. Dieser klammheimlich geduldete Verstoß gegen deutsches Recht lässt unser Gesundheitssystem immer teurer und total desaströs werden.
Erstaunliche Formulierungen hat unsere Sprache zu bieten: Selbstredend. Dieses Wort, das ein bisschen veraltet klingt, aber für das benutzt wurde, was wir mit selbstverständlich oder natürlich umschreiben, mit versteht sich oder klaro, ging mir jetzt erst in seiner wahren Bedeutung auf, als ich einen Menschen mit einem geradezu grandiosen Mitteilungsbedürfnis traf. Da konnte ich nur noch resignierend feststellen: Der Mann hat selbst redend nichts für das übrig, was ich ihm zu sagen hätte.
Es heißt, der erwachsene Durchschnittsdeutsche benutze nur rund 3.000 Wörter. Ein wichtiger Hinweis für Ausländer. Denn wer als eifriger Surfer die gut 1.300 Wörter in „Laufenbergs Läster-Lexikon“ inhaliert, hat den Hauptteil des deutschen Wortschatzes schon eingeheimst. Er braucht sich daneben nur noch etwa 700 Allgemeinbegriffe anzugewöhnen, die ohne erklärungsbedürftigen Inhalt sind. Also Zeitangaben und Zahlen, ein paar Schaufeln voller Verlegenheitswörter wie ja, jawohl und nein, kaum, vielleicht, eben, genau, tatsächlich, so, allerdings, nebenbei und sowieso, die üblichen Fragen Wer, Wie, Wo, Was, dazu die banalsten Verben wie sein und haben, kommen und gehen bis vergehen. Daneben gerade noch 1.000 von den unvermeidlichen körperlichen Funktionen, dazu unverzichtbar das Süßholzgeraspel Häschen und Schnuckelchen oder Bärchen, ein paar unverbindliche Grußformeln, die wichtigsten Schimpfwörter sowie eine Handvoll deftiger Flüche mit möglichst viel shit und fuck. Und schon ist man ein perfekter Deutschsprecher.
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Der Computer Doktor in Mannheim