979. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Weil die Politiker so hemmungslos mit Milliarden herumwerfen, habe ich mir noch einmal die Bedeutung der großen Zahlennamen klargemacht: Eine Milliarde sind tausend Millionen, deshalb sind hundert Milliarden schon hunderttausend Millionen, aber erst tausend Milliarden ergeben eine Billion. Soweit alles ganz einfach, wären da nicht die Amerikaner und Engländer mit ihrem eigenen Zählsystem, in dem alles noch viel größer wirkt. Denn unsere Milliarde ist bei ihnen eine billion, und hundert Milliarden sind hundert billions, während unsere Billion dort schon trillion heißt. Wer sieht da noch durch? – Aber wir Bürger sollen ja nichts durchschauen; es reicht, dass wir mit unseren Steuerzahlungen die Milliarden aufbringen.

Immer wieder wird in der Öffentlichkeit der Seufzer hochgespielt, Privatversicherte seien bei Krankheit viel besser dran als Sozialversicherte. Dabei gilt weitgehend das genaue Gegenteil. Denn Privatversicherte sind für die Ärzte die Ernährer. Die sie deshalb verständlicherweise zu halten bemüht sein müssen. Wenn mir einer meiner Bekannten vorstöhnt, jetzt schon die dritte Operation erlitten zu haben, kann ich nur fragen: „Privatpatient?“ Und auf sein stolzes „Ja“ habe ich dann nur ein mitleidiges „Aha.“

Bis Europa zu einem Bundesstaat geworden ist, der genauso mit schnellen Entschlüssen auftreten kann, wie seine großen Konkurrenten USA, China und Russland, das wird noch lange dauern. Das lassen vor allem in den kleineren Staaten die kuriosen Sprachprobleme deutlich werden: Das Großherzogtum Luxemburg beispielsweise hat drei Amtssprachen, nämlich Luxemburgisch (Eigenbezeichnung Lëtzebuergesch), Deutsch und Französisch. Diese Sprachen haben unterschiedliche Anwendungsbereiche: Deutsch vor allem für die Schriftkultur, Französisch für die Verwaltung und Justiz, Luxemburgisch für das private Gespräch. Scheint ja alles gut geregelt zu sein. Doch in der Wirtschaft wird vor allem das Englische benutzt. – So what?

Zu der problematischen Unterscheidung zwischen Hochliteratur und Unterhaltungsliteratur fand ich jetzt den Hinweis – leider ohne jeden Beleg –, dass zur Hochliteratur auch die Bücher mit den höchsten Abbrecherquoten der Leser gehörten, nämlich Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Proust), Der Mann ohne Eigenschaften (Musil), Joseph und seine Brüder (Th. Mann) und Ulysses (Joyce). Da muss ich leider zugeben: Bei diesen grandiosen Büchern bin auch ich einer der Abbrecher, allerdings genauso bei Jakob und sein Herr von Denis Diderot.

Selbst in renommierten Zeitungen kommt bei jedem stärkeren Ausschlag der Kurse an den Aktienbörsen nach unten das Gerede vom Absturz und Desaster, vom schweren Schlag, von herben Verlusten und vom Schwarzen Freitag oder Schwarzen Montag. Dabei wissen die Journalisten oder sollten es zumindest wissen, dass jede Aktie, die ein Verkäufer – mit einem weinenden Auge – zu einem von der Börse herabgesetzten Kurs verkauft, von einem Käufer – mit einem lachenden Auge – als ein Schnäppchen gekauft wird. Deshalb steht jedem Verlust ein gleich hoher Gewinn gegenüber, nur bei einem anderen. Das als Katastrophe auszumalen, nur um die Meldung interessant zu machen, fördert die weit verbreiteten Vorurteile gegenüber der Presse. 

Die Leute, die einem begegnen, richtig einzuschätzen, das war schon immer ein Problem. Es gab erfahrene Menschenkenner, wie den Empfangschef eines Top-Hotels, der jeden Besucher mit einem schnellen Blick auf sein Schuhwerk richtig einzuordnen wusste. Das funktioniert heute nicht mehr; dafür gibt es eine neue und bessere Methode: Nur genauer hinschauen auf das, was der Mitmensch in den sozialen Medien von sich gibt. Wenn ein Text weniger als drei Rechtschreibfehler pro Satz enthält, kann man erwägen, den Schreiber ernst zu nehmen. 

Die Karibik ist weit mehr als ein Kriegsgebiet. Man muss sie nur richtig zu nehmen wissen. Ich habe sie zweimal erlebt, einmal mit einem russischen Schiff, einmal mit einem deutschen. Der einmal ganz andere Bericht darüber, Karibik ohne Kannibalen, ist in der auf Reiseerzählungen spezialisierten Berliner edition karo erschienen, genau wie meine beiden anderen nicht touristischen Reisebücher Denk ich an Bagdad in der Nacht und Gesichter Australiens. Für meine nachdenklichen Zeitgenossen lauter höchst aufschlussreiche „Vergnügungsreisen“. Näheres siehe unter  https://www.netzine.de/meine-buecher/

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