938. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Jede Volkswirtschaft strebt danach, mehr Exporte als Importe zu verbuchen. Was die Sprache angeht, haben wir das z. B. im Verhältnis zu Japan geschafft. Gegenüber den wenigen japanischen Wörtern, die Eingang in unsere Alltagssprache gefunden haben, beispielsweise Bonsai, Tofu, Mikado, Futon und Sudoku, gibt es rund fünftausend japanische Wörter deutscher Herkunft, wenn die auch oft stark verändert daherkommen, wie baumukühen für Baumkuchen und gasumasuku für Gasmaske.

Die Freigabe von Cannabis in Deutschland erinnert mich an meine aufregenden Kontakte mit der Drogenszene Ende der 60er Jahre. 1971 kam dann mein Buch „Rauschgift, der stille Aufstand“ auf den Markt, und ich hielt einige Vorträge über die Rauschgifte in vollen Sälen sowie im Radio. Alles längst von neuen Erkenntnissen überholt. Doch nach wie vor stimmt, was unter dem Stichwort Hanf in „Laufenbergs Läster-Lexikon“ zu lesen ist: https://www.netzine.de/hanf/

Seit 20 Jahren gibt es den Rechtschreibrat, gegründet von Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol, Liechtenstein und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und bieten uns klare Regeln, wie auf Deutsch richtig geschrieben wird. Daneben gibt es zahlreiche Gender-Eiferer, meist als Gleichstellungsbeauftragte mit festem Gehalt aus Steuergeldern tätig, die sich offenbar die „Förderung des Falschschreibens“ zur Aufgabe gemacht haben. Dadurch gilt beispielsweise in Stuttgart als falsch, was in Rostock richtig ist. Können wir uns doch alles leisten. Den Erfolg zeigen uns die sogenannten Sozialen Medien, in denen einem nur noch selten ein fehlerfrei geschriebener Satz begegnet.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) überträgt die Bearbeitung der Beihilfeanträge für ihre Beamten auf die Postbeamtenkrankenkasse (PBeaKK). In einem ausführlichen persönlichen Schreiben kündigt sie an, deshalb werde es eine Pause von ca. 14 Tagen geben, in der die alte Stelle nicht mehr und die neue noch nicht für Beihilfeanträge erreichbar ist. Eigentlich einfach zu erklären. Die Arbeitsverwaltung gibt sich aber einen ganz modernen Anstrich und nennt diesen Zeitraum Frozen Zone, und das gleich viermal. Das klingt so nach amerikanischem Horrorfilm, dass den Adressaten die Zähne ans Klappern kommen.

Auf einer Messlatte mit zehn Schritten von „Litteratur“ bis „Hochliteratur“, also von all dem blödsinnigen Geschreibsel, das bloß durch den Druck nach was aussieht, bis zu dem Kauderwelsch, das für die schrägsten Kritiker geschrieben wurde, ist für mich nur lesenswert, was zumindest sechs Schritte geschafft hat, aber einstellig bleibt.

Zu den äußeren Umständen, die dabei mitwirken, den einzelnen Menschen zu formen, gehört der Entwicklungsstand der ihn umgebenden wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Verhältnisse. Daraus versuchen Soziologen, eine Zeitskala mit Menschentypen zu konstruieren und kommen zu so handlichen wie fragwürdigen Kategorien wie Generation X (zwischen 1965 und 1980 geboren) und die Nachfolge-Generation Y (1981-1996) auch Millennials genannt. Der folgte die Generation Z (1997-2012), auch Zoomer genannt. Aktuell ist die Generation Alpha (2013-2028) dran. Diese Bezeichnung zeigt, die Soziologen haben doch noch bemerkt, dass das Leben nicht zu Ende ist, und müssen jetzt von vorne anfangen mit ihrer Kategorisierung.

Was ich noch zu sagen hätte: Wenn Sie meine seit 28 Jahren regelmäßig erscheinenden Kurztexte gerne lesen, dann darf ich wohl darauf hinweisen, dass diese kostenlosen Lesehäppchen nur Appetit machen sollen auf meine Bücher, die Stück für Stück höchstens soviel kosten wie ein gutes Abendessen, aber viel nachhaltiger sind in der Wirkung. Wohl bekomm’s!
https://www.netzine.de/meine-buecher/

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