936. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Alle Politik ist Wirtschaftpolitik, so heißt es im Allgemeinen. Und Putin zeigt das gerade, indem er mitten im Krieg einen Wirtschaftsfachmann zu seinem neuen Verteidigungsminister macht. Dem ist hinzuzufügen: Alle Politik ist auch Kulturpolitik, und die zeigt sich am deutlichsten im Wettbewerb der Sprachen. Für Putin geht es um die Herrschaft des Russischen über das Ukrainische. Ein weiteres aktuelles Sprachbeispiel bietet Lettland, wo an den Schulen Englisch traditionell die erste Fremdsprache ist. Russisch war bisher die zweite Fremdsprache, soll nun jedoch als Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine und die dadurch verstärkte Einbindung Lettlands in den europäischen Kulturraum schrittweise abgeschafft werden, zu Gunsten von Deutsch, Französisch und Spanisch.

Am 9. Juni soll ich meine Stimme bei der Wahl des Europaparlaments abgeben. Will ich ja. Aber für welche Partei? 35 Parteien stehen zur Wahl, allein drei von ihnen, die den Tierschutz in ihrer Bezeichnung führen. Deshalb können mir nicht einmal die Raben einen Rat geben, die Tag für Tag meinen Balkon besuchen, der sie, so sauber gekachelt, als öffentliche Toilette einlädt.

Der Appell zu verstärktem Trinken, den wir seit Jahrzehnten auf die Ohren kriegen, hat dazu geführt, dass auch in europäischen Ländern das amerikanische Bedürfnis eingeführt wurde, an jedem Schulranzen und jedem Rucksack und in jedem Auto eine besondere Halterung für Flaschen anzubringen. Erst mit großer Verspätung kommt man dahinter, dass es für den Mehr-Trink-Appell keine wissenschaftliche gesicherte Begründung gibt. Manche Wissenschaftler warnen jetzt schon vor dem gefährlichen Natriummangel durch Ausschwemmen nach zuviel Flüssigkeitszufuhr und raten dazu, sich beim Trinken wieder – wie in den letzten paar zehntausend Jahren – nach seinem Durst und der Menge des abgesonderten Schweißes zu richten. Das ist natürlich nicht im Interesse der Getränkeindustrie, die jetzt vor einem Rückfall in die Steinzeit warnt. Eine ernstzunehmende Warnung, sind die Steinzeitmenschen, diese Trinkmuffel, doch alle gestorben.

Der eiligen Kommunikation im Digitalen verdanken wir immer wieder neue Abkürzungen, mit denen sich vor allem die jüngere Generation von der älteren abzusetzen bemüht ist, natürlich meist auf Englisch. So schreibt sie einfach POV (point of view), wenn sie die Perspektive einer anderen Person meint, oder LOL (laughing out loud), um lautes Lachen auszudrücken, und NSFW (not safe for work), wenn etwas möglicherweise anstößig ist.

Eine Thekenbekanntschaft verriet mir erst nach hartnäckigem Fragen, was sie macht: „Ich habe eine Plastiktütenproduktion“, wollte dann aber unbedingt auch von mir wissen, was ich mache. Ich sagte: „Ich schreibe Bücher.“ „Ja, aber kann man denn davon leben“, kam prompt die Frage. Und meine Antwort: „Das wollte ich Sie auch gerade fragen: „Kann man denn dafür leben?“

Ich habe mich mal wieder dazu verleiten lassen, einfach nur zu genießen. Ich lese noch einmal meinen Bruegel-Roman. Die Gemälde und Zeichnungen dazu sind ja so einfach im Internet aufzurufen. Und die im Netzine versammelten authentischen Kritiken sowie die Leseprobe haben mich überzeugt:

https://www.netzine.de/book/die-frauen-des-malers/?grid_referrer=4078

Dieser Beitrag wurde unter Aktuell veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.