929. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Nachdem ich in Spanien eine Corrida mit Kühen gesehen habe, verstehe ich die 1970 erfolgte Aufhebung des Verbots von Frauenfußball durch den Deutschen Fußball-Bund. Bei den Kuhkämpfen geht es darum herauszufinden, welche Kühe besonders aggressiv vorgehen. So findet man die richtig wilden Muttertiere für die Züchtung der besten Kampfstiere. Die jetzt heranwachsende Generation von Fußballprofis wird also nicht mehr die Freiheit haben, sich nach Belieben blonde Schönheiten als Luxusweibchen zuzulegen, sondern Mann für Mann in Zusammenarbeit von Bundestrainer und Bundestrainerin mit den besten Fußballerinnen verkuppelt werden. Zur Produktion von Fußballgenies noch nie dagewesenen Formats – im Interesse des Sports und der deutschen Ehre.

 

Verbrecher müssen sich immer tollere Rabiatheiten einfallen lassen, um das gewünschte Renommee genießen zu können. Inzwischen müssen sie schon richtige Reality Shows veranstalten, um bei dem Publikum anzukommen, das sich Tag und Nacht einwickeln lässt von Krimis und Thrillern, mehr Krimis und Thrillern und noch mehr Krimis und Thrillern, hart, härter, am aufregendsten – und sinnlosesten. Unsere Krimi-Manie macht sogar schon die berechtigte Aufregung über völlig sinnlose Verbrechen zur Belanglosigkeit.

 

Bei uns gehört der Zensor der Vergangenheit an, genau wie die allgemeine Angst der kritischen Bürger vor der Zensur. So das Resümee der Historiker. Doch wer sich heutzutage in den sogenannten sozialen Medien bei der stetig wachsenden Zahl an kritischen Themen zu Wort meldet, muss damit rechnen, dass er von einer unsichtbaren Zensurinstanz im Internet gesperrt wird, wenn ihn nicht schon Hunderte selbsternannte Zensoren mit ihren schrägen Moralanforderungen zum Schweigen bringen.

 

Auch eine Art, Ausländerfreundlichkeit zu zeigen: Weil der Schweizer Kanton Zürich  ein neues Taxi-Gesetz hat, wonach die Taxifahrer Deutschkenntnisse mindestens auf dem Niveau B 1 nachweisen müssen, verlieren jetzt rund 1.500 Taxifahrer ihre Lizenz, so berichtete die Neue Zürcher Zeitung. Und George Botonakis, der Präsident des Zürcher Taxiverbandes findet das gut. Sein Kommentar in der Zeitung: „Die Leute waren seit 2020 über die neuen Anforderungen ab 1. Januar 2024 informiert, wussten also auch, dass sie Deutsch lernen müssen.“ Sie hätten also vier Jahre Zeit gehabt, sich weiterzubilden. Doch seien die vom Taxi-Verband eingerichteten Programme zum Deutschlernen kaum genutzt worden. Dabei sei der Smalltalk mit den Fahrgästen wichtig, weil er Vertrauen schaffe und die Fahrt verkürze.

 

Was uns alles an neuer Technik geboten wird, da frage ich mich: Müsste ich mich dafür nicht besonders dankbar zeigen? Aber wenn ich meinen Computer ausschalten will, muss ich nach dem Anklicken von Speichern und von Schließen noch dreimal klicken, zuerst (blödsinnigerweise!) bei Start, dann bei Ein/Aus und schließlich bei Herunterfahren. Danach muss ich auch noch den Strom ausschalten. An diesen sechs Hemmschwellen beim Aussteigen wird deutlich, wer stärker als ich interessiert ist an meinem Verbleib am Computer, nämlich die ganze Horde der Anbieter von Programmen und Portalen. Also nichts mit Dankbarkeit.

 

In der Genderverrücktheit scheint sich die erwartete Krisis zu zeigen. Der Höhepunkt ist mit der Erfindung von Samenspenderinnen neben den Samenspendern bereits erreicht. Jetzt kommt die Phase des Fieberabklingens, weil die vielen Mittel zum Erreichen einer angeblich notwendigen Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache sich sämtlich als Humbug erwiesen haben. Das betrifft Krampfwörter (Elternteil), irreführende Partizipien (Taxifahrende), Vermeidung der Endung er (niemand statt keiner), zwanghafte Beidnennung (Blindenhundentrainer und Blindenhundetrainerinnen), Abstraktion ( freiwillige Hilfe statt der freiwilligen Helfer), die in der Amtssprache üblichen Passivformen (statt der Antragsteller gibt es Beantragtes) und ungezählte Blähwörter (Mitarbeitendengespräche). Dabei wird die von interessierter Seite heftig empfohlene Medizin „Sonderzeichen“ vom Publikum generell abgelehnt. So können wir uns und unserer Sprache wünschen: Gute Genesung!

 

Jetzt hat der Bergische Geschichtsverein sie doch tatsächlich zu einer Art Geschichtsbuch erhoben, meine Familienchronik, in der ich mich in lockerem Ton an 31 meiner Vorfahren erinnere. Einigen habe ich dabei einen größeren Auftritt gegönnt, weil mir imponiert, wie geschickt sie sich durchs Leben gemogelt haben. Waren doch alle so tüchtig und ohne jede Ahnung, was dabei herauskommen würde, nämlich „Der Dritte“. Hier der Blick unter die Decke: https://www.netzine.de/book/der-dritte-seine-praenatale-biografie-et-cetera-pp/?grid_referrer=4078

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