928. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

In diesem Jahr kommt auf die US-Bürger Einiges zu. Ich spreche nicht von Trump, sondern von zwei dort weitverbreiteten Arten Zikaden, die nur alle paar Jahre sich massenhaft vermehren, zum Glück in unterschiedlichem Vermehrungsrhythmus. Doch in diesem Jahr ist bei diesen beiden Arten gleichzeitig high life angesagt. Da hilft nur, dass effektive Netzsysteme für die massenhafte Ernte entwickelt und in den Feinschmeckerzeitschriften besonders köstliche Zikadengerichte propagiert werden. Beides soll schon in der Mache sein.

 

Universitäten und Schulen dürfen machen, was sie wollen. Baden-Württembergs Innenminister lehnte jetzt den mit weit mehr Unterschriften als erforderlich eingereichten Antrag auf ein Volksbegehren gegen die Genderpflicht an Schulen, Universitäten und in Behörden ab. Als kleinen Ausgleich verbot er lediglich für den Schriftverkehr der Ministerien und Regierungspräsidenten die Verwendung von Gendersonderzeichen. Das alte Prinzip: Innen hui, außen pfui.

 

Immer neue Elektronik wird uns aufgedrängt, und von geschäftstüchtigen Leuten wird das Ende des Buchzeitalters beschworen. Doch die Bibliothekare sind verzweifelt, weil sie immer mehr veraltete Geräte mit längst überholter Software aufbewahren müssen, um die darin elektronisch gespeicherten Schätze zugänglich zu halten. Die so schnell vergänglichen Computer-Programme haben kaum Jahrzehnte als Halbwertzeit. Als vor einigen Jahren die Universität Chicago das Wörterbuch der assyrischen Sprache, die seit über 2000 Jahren vergessen war, veröffentlich hat, fand eine beinahe hundertjährige Bemühung vieler Übersetzer um die Keilschrifttafeln ihren Abschluss in einem 21-Bände-Wörterbuch. Das war natürlich auf Papier gedruckt, weil kein elektronisches Medium genügend Haltbarkeit bieten kann. Disketten und Tablets, Chips oder Reader, alles nur Spielzeug im Vergleich zum Buch. 

 

Die große Vogelzählung, die gerade in Deutschland und Österreich stattfand, hat Tierschutzaktivisten dazu gebracht, sich über die angebliche Verleumdung ihrer Schützlinge, vor allem der Vögel, durch die Umgangssprache zu beklagen. Die Süddeutsche Zeitung hat die Leute wortreich zu beruhigen versucht. Danach liegt der Rückgang der Vogel-Populationen nicht an unseren Ausdrücken Spinatwachtel, Hupfdohle, Schmierfink, dumme Gans, verrücktes Huhn und Unglücksrabe oder komischer Kauz, auch nicht am Hühnchenrupfen und nicht an dem Schimpfwort: Du hast ja eine Meise. Weil sich das alles überhaupt nicht gegen die Vogelwelt richtet, sondern nur Humor ist. Manchmal auch Sprachverstümmelung, wie beim Pleitegeier, der sich von dem jiddischen Wort für Pleitegehen herleitet. Ob das aber in jedes Spatzenhirn passt? Und was ist mit all den komischen Vögeln, die überhaupt keine Zeitung lesen?

 

Ich habe in meinen früheren Jahren oft und intensiv mit Politikern zu tun gehabt, bis hinauf zu Ministerpräsidenten. Und etliche spätere Minister waren meine Büro-Nachbarn. Doch habe ich auf eine Karriere in der Politik verzichtet und mich stattdessen ganz auf die Literatur konzentriert. Konnte ich doch nicht übersehen, dass die Spitzenpolitiker ihre Friseure, Visagisten, Modeberater, Coachs und Fotografen viel wichtiger nehmen als ihre Parteifreunde. Ich hatte also die falsche Ausbildung gewählt. Und eine Umschulung war mir zu lästig.

 

Forscher des Max-Planck-Instituts Leipzig haben der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass der Zweitspracherwerb unser Gehirn verändert. Denn die Nervenverbindungen der beiden Gehirnhälften werden verstärkt. Zwar verringere sich die Konnektivität zwischen den beiden Gehirnhälften je größer der Lernerfolg ist, heißt es, das deute aber darauf hin, dass die sprachdominante linke Hemisphäre weniger Kontrolle über die rechte Hemisphäre ausübt, damit diese die neue Sprache besser integrieren kann. So – nun lassen wir rechts und links eifrig arbeiten, um das irgendwann zu verstehen.

 

Zur Überraschung will ich mal wieder an ein Buch erinnern, das ein überholtes Thema aufgegriffen zu haben scheint. Aber das nur scheinbar, weil daraus ein echter Lesespaß geworden ist. Schon kurios, wie der Verleger Franz Westner selbst dieses Buch herausstellt: „Mit dem biografischen Roman ‚Jesus Online’ ist dem Autor ein Lebensbild des Phänomens Jesus gelungen, das hochinformativ ist, nicht von vorgefassten Meinungen oder Glaubenssätzen beherrscht und dabei in einer Art erzählt, dass die Lektüre zu einem einzigen Vergnügen wird – egal, ob man an die Bibel glaubt oder nicht, und auch egal, ob man Laufenberg glaubt oder nicht.“ Recht hat er. Wer die Leserurteile über diesen ungewöhnlichen Roman aufruft, der fasst sich erst recht an den Kopf: https://www.netzine.de/book/jesus-online-annaeherung-an-unbekannt/?grid_referrer=4078 

 

 

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