900. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Diese 900. Netzine-Ausgabe ist jetzt so pünktlich im Netz, wie es alle anderen Ausgaben vor ihr waren. Und das Netzine wird auch nach 27 Jahren weltweit von immer mehr Menschen entdeckt und gelesen. Damit ist vermutlich ein absoluter Rekord aufgestellt. Weiß ich doch von keiner anderen Literatur-Gazette, die so viele Ausgaben erlebt und so viele Jahre überlebt hat. Aber die Presse zu einer Jubiläumsfeier einzuladen, habe ich mir verkniffen, weil die Zeitungsleute doch voll ausgelastet sind mit der Sorge um ihre eigenen Medien.

 

Die Bezeichnung Ampel für die gegenwärtige Regierungskoalition ist allgemein akzeptiert, weil die Ampelfarben Rot, Grün, Gelb zufällig den Symbolfarben der beteiligten Parteien entsprechen. Der Nürnberg-Erlanger Professor Horst Haider Munske wunderte sich jetzt darüber, dass diese Metapher bisher nicht weiter ausgedeutet wird: „Sonst stünde ja die SPD für Halt, die Grünen für Los geht’s und die Gelben für beides: jetzt auf die Bremse treten oder jetzt Gas geben.“   ̶  Wenn das nicht ein passender Spruch zum Neuen Jahr ist.

 

Üblich ist, dass uns in Presse, Funk und Fernsehen zum Jahresende die großen Ereignisse des Jahres noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Also nur kalter Kaffee. Überraschend und sinnvoll dagegen, was heute die FAZ im Wirtschaftsteil unter der Überschrift bietet Unternehmen geht es gut: „Die hundert umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland haben ihren Umsatz in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 30 Prozent gesteigert … Fast drei Viertel der Unternehmen haben in den ersten neun Monaten neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt stieg die Beschäftigung um 2 Prozent auf 4,35 Millionen.“  ̶   Okay, bei diesem Feuerwerk positiver Meldungen muss die Wirtschaft es verkraften können, dass ich bei der albernen Silvester-Knallerei nicht mitmache.

 

Bemerkenswert selbstbewusst. Die Berufung einer erstplazierten Frau auf eine Forschungsstelle der Universität Triest musste jetzt zurückgezogen werden, nachdem der abgelehnte Zweitplazierte dagegen geklagt hat, weil die Frau ihren Lebenslauf nur auf Englisch eingereicht hatte. Damit hatte sie nach Ansicht des Gerichts nicht alle geforderten Bewerbungsunterlagen eingereicht. Es fehlte der Lebenslauf, denn ihre Bewerbung war amtlicher Schriftverkehr, und die Amtssprache in Italien ist Italienisch.  ̶  Es gibt noch Richter in Italien.

 

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2021 rund 662.100 Menschen von deutschen Gerichten verurteilt. Das waren 5,3 % weniger als im Jahr 2020. Damit setzte sich eine Tendenz fort: Es wird bei uns immer weniger gestraft, und wenn überhaupt, dann in fast 80 % der Fälle nur mittels Geldstrafe. In nicht einmal 100.000 Fällen gab es Freiheitsentzug. Wie diese positive statistische Entwicklung mit dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung kontrastiert, dazu wurde leider nichts gemeldet. 

 

Ich lese in der Zeitung: „In Deutschland wird jede zweite Ehe geschieden.“ Toll! Bestätigt mir das doch, dass ich was Besonderes bin, denn bei mir war es die erste Ehe, die geschieden wurde. – Tja, man muss nur richtig lesen können.

 

Ob wir das gut finden oder nicht: Wir leben mit der amerikanischen Leitkultur. Und jetzt schiebt Putin mit seiner Eroberungspolitik uns noch fester an die amerikanische Brust. Ich habe die amerikanische Leitkultur bei etlichen USA-Besuchen kennen gelernt, nach dem dort vorherrschenden Motto: Have a taste! Daraus sind drei Bücher über Amerika entstanden. 1972 erschienen „Die letzten Tage von New York“, 1983 „Orakelfahrt“ und 2019 „Die Triangel“. Sehr persönliche, sehr ehrliche Bücher, die jedes Mal auch Blicke in unsere eigene Zukunft waren. Warum also nicht zum Jahresende einen solchen Blick nach vorne wagen?! In diesem Sinne wünsche ich all meinen Leserinnen und Lesern ein erfolgreiches und trotzdem angenehmes Jahr 2023!

 

 

 

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