843. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Die Berliner Stadtregierung hat eine Anweisung an ihre sämtlichen Bediensteten gegeben. Sie dürfen in amtlichen Schreiben eine ganze Reihe Wörter nicht mehr benutzen. Um dem unverschämten Sprachverbot nicht noch Rückenwind zu geben, wird die Liste der verbotenen Wörter hier nicht aufgeführt. Nur ein Wort sei erwähnt: Schwarzfahrer. Es passt zu diesen Regierenden, die vermutlich ihre persönlichen schlechten Erfahrungen mit dem Begriff Schwarzfahrer haben, auch gut auf alles weitere Schwarze verzichten können, vor allem auf den schwarzen Anzug und das kleine Schwarze sowie auf das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes, und denen das Schwarze unter ihren Fingernägeln peinlich ist – oder dass ihr dummer Aktionismus partout nie ins Schwarze trifft.    

 

Und noch was zum Lachen: Hartschalenkoffer werden immer teurer, aber sie werden ja auch mit immer raffinierteren Schlössern angeboten. Und sogar gekauft. Dabei haben sie um drei Seiten herum einen Reißverschluss, an dem entlang sich der Koffer mit einem einzigen Ratsch eines Messerchens öffnen lässt.

 

All die Zahlenangaben zur Corona-Pandemie bieten dem Publikum mehr Verwirrung als Durchblick. Wirklich aussagekräftig sind doch nur zwei Statistiken: Wieviel Prozent der täglich Getesteten sind positiv? Und wie viele Sterbefälle insgesamt gab es in Deutschland Monat für Monat im vorigen Jahr im Vergleich mit den Sterbefällen dieses Jahres?

 

Ist die hoch gelobte Meinungsfreiheit in Deutschland nur noch was für Lebensmüde? Man nehme einfach Facebook als Indikator. Immer wieder erstaunlich: Wenn da eine ungeniert kritische Äußerung zur deutschen Politik in einem brisanten, die Menschen bewegenden Themenbereich steht, dann sieht man kein einziges Like, und niemand hat geteilt. So wird die Meinungsfreiheit versehentlich mit der eigenen Meinung heruntergeschluckt.

 

In Mannheim, der Sprachstadt, bisher schon Sitz bedeutender Institutionen der deutschen Sprache (u. a. Bibliographisches Institut, Uni-Sprachzentrum und Netzine), wird jetzt am Landgericht eine spezielle Kammer für internationale Wirtschaftsstreitigkeiten etabliert, in der auf Englisch verhandelt werden kann. Das erlaubt eine Ausnahmeregelung im Gerichtsverfassungsgesetz. Allerdings müssen die eingereichten Schriftsätze sowie Protokolle und Entscheidungen auch dort zwingend in deutscher Sprache ausgefertigt werden. Mit dieser Spezialkammer und einer gleichen in Stuttgart will man ein Gegengewicht schaffen zu Schiedssprüchen, die bei Unternehmen besonders beliebt sind, weil sie im Gegensatz zu Gerichtsurteilen weltweite Gültigkeit haben. Ist das neue Angebot, englisch zu prozessieren, also bloß der Versuch einer Wiederbelebung der längst untergegangenen Regel: Britannia rules the waves?  

 

Unseren Urgroßeltern war es noch selbstverständlich, dass das Wahlrecht sich nach dem Vermögen richtete. Darüber können wir nur den Kopf schütteln. Das Wahlrecht ist inzwischen auf beinahe jeden ausgeweitet worden, unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten zur Mitwirkung an der gesellschaftlichen Entwicklung. Noch ist es uns genauso selbstverständlich, schriftliche Mitteilungen von irgendwem nur ernst zu nehmen, wenn sie in korrektem Deutsch gebracht wurden. Doch es sieht so aus, als ob wir schon dabei wären, jede schriftliche Äußerung von irgendwem ernst zu nehmen, ohne Rücksicht auf seinen Bildungsstand der sisch in Wortwal, Ortografi und besonders in der Zeichensätzung verrät !!

 

Übrigens: Ich wäre beinahe Politiker geworden. Ich war noch Student, per Anhalter in Belgien unterwegs und unterhielt mich mit dem Belgier, der mich mitgenommen hatte, in holprigem Schulenglisch. Da sagte der freundliche Mann: „Oh, you speak like Adenauer.“ Mit dem bewunderten Kanzler Konrad Adenauer gleichgestellt zu werden, ließ mich gleich von einer großen Politiker-Karriere träumen. Doch kam ich noch gerade rechtzeitig dahinter, was den Belgier zu seiner Bemerkung gebracht hatte: Dass ich genau wie Adenauer alles in dem Rheinischen Singsang brachte, in dem ich aufgewachsen war, und oft ein  Sch sprach, wo es nicht hingehörte. Da wusste ich, wo ich nicht hingehöre.

 

Wenn unsere Spitzenpolitiker verlangen, wir sollten „Einsatz zeigen gegen Antisemitismus“, ist das nicht nur ein Zeichen von fehlendem Sprachgefühl. Denn „gegen“ und „Anti“ zusammengeführt ergibt: „für“ Semitismus. Aber eine Aufforderung „für“ Juden wagen unsere Spitzenleute nicht. Anders ihre Haltung beim Islam, den sie offen unterstützen. Das erinnert an die protestantischen Niederländer, die Mitte des 16. Jahrhunderts gegen die Oberherrschaft des katholischen spanischen Königs unter der Parole kämpften: „Lieber Türk als Pfaff.“ Spannend dargestellt von Wilhelm Raabe in der Erzählung „Die schwarze Galeere“. Für Sozialwissenschaftler ist dieses Phänomen längst eine Binsenweisheit: Wegen der Pflege des eigenen Profils wird dir zum Feind, wer dir ähnlich ist, während du deutlich Andersartige tolerieren kannst.

 

Die Frankfurter Buchmesse diesmal nur digital, dabei geht doch nichts über ein Buch, das man in der Hand hat. Und gerade jetzt ist das Bücherlesen angesagt, wie nie zuvor. Deshalb starte ich hier für meine treuen Leser eine Dank-Aktion. Habe ich doch von den meisten meiner Bücher, die immer eine Kombination von spannender Unterhaltung und interessanten Neuigkeiten sind, jeweils ein ganzes Paket angekauft, um was Sinnvolles zum Verschenken zu haben. Jetzt aber muss ich Platz machen für die nächsten Bücher, die fast fertig sind. Deshalb mein Versprechen: Wer mir mit einem Fotos zeigt, dass er drei oder mehr meiner Bücher besitzt, bekommt umgehend ein weiteres Buch als Geschenk von mir zugeschickt, für ihn völlig kostenfrei (also Postadresse angeben).

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