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Wortsalat

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Wir haben einen „Staatsminister für Kultur und Medien“. Diese Aufzählung sagt, dass die Medien etwas anderes sind als Kultur. Was man ja tagtäglich bestätigt bekommt. Der Titel einer Zeitung der IG Medien grenzt sogar die Kunst aus dem Bereich Kultur aus. Das Blatt nennt sich „Kunst et Kultur“. Meine Tageszeitung macht es mit ihrer Beilage Technik und Motor genauso. Und in Hamburg heißt dieser Nonsens Planten un Blomen. Fehlt nur noch der Laden, der Gemüse und Sauerkraut anbietet. In Bonn ist man so stolz auf die Kunst- und Ausstellungshalle der BRD, die bloß aus Versehen nicht Halle für Kunst- und andere Ausstellungen heißt. Wir haben ja schon immer Schwierigkeiten mit diesen Wort-Kombinationen. Übergeordnete Begriffe sind uns fremd, weil wir gelernte Untertanen sind. Bereits der Ausdruck „Land der Dichter und Denker“ war für Dichter ein Tiefschlag. Jetzt wird deutlich: Wir müssen das Wort Denker (zu hoher Anspruch) ganz weglassen. Dann können wir weiterhin Äpfel und Obst gleichberechtigt nebeneinander nennen. Aber nicht nur Über- und Unterordnung, auch das Nebeneinander der Begriffe ist voller Fallgruben. In Köln gibt es eine Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, dabei gibt es den Bund für öffentliche Verwaltung überhaupt nicht. Gemeint ist die Bundes-Fachhochschule für öffentliche Verwaltung. In unserer Hauptstadt heißt es Bezirksamt Kreuzberg von Berlin statt Bezirksamt Berlin-Kreuzberg. Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) in München hat neben Mitgliedern sogenannte Wahrnehmungsberechtigte. Damit meint sie, kann das aber nicht ausdrücken, die Leute, die der VG Wort das Recht zur Wahrnehmung ihrer Interessen überlassen haben. Man sollte es Behörden und ähnlichen Institutionen generell verbieten, Bezeichnungen zu kreieren, die nicht vorher durch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt geprüft wurden. Dass der Name dieser Akademie selbst ein Unsinn ist, weil Dichtung, sofern es nicht um Klempnerei geht, stets aus Sprache besteht, sollte man dabei wohlwollend übersehen (vgl. Analphabetismus, Sprache).

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