Quax, der Bruchpilot

(Quax, der Bruchpilot, D 1941, 90 Minuten, Regie: Kurt Hoffmann, nach einer Erzählung von Hermann Grote)

Viel ist geschrieben worden über den Film als das erstrangige Propagandamittel des Dritten Reiches. Und man weiß, daß Hitler und Goebbels ausgesprochene Kinonarren waren. Der Propagandaminister Joseph Goebbels war seit der Einrichtung der Reichsfilmkammer im Jahre 1933 der allgewaltige Herr des deutschen Films, an dem niemand vorbeikam, schon gar nicht was Weibliches. Der Führer Adolf Hitler hat dem deutschen Volk mit einem halben Jahrhundert Vorsprung vorgelebt, daß man den täglichen Film wie das tägliche Brot braucht. Fast bis in seine letzten Wochen ließ er sich Tag für Tag eine Liste von zehn Spielfilmen vorlegen, aus denen er seinen Film des Abends auswählte. Der nationalsozialistische Film ist also das Kind taktischen Kalküls und unstillbarer Sucht. Dabei wurden durchgehend hohe Qualitätsansprüche gestellt. Das galt für alle Facetten des Filmschaffens, von den Unterhaltungsfilmen über die Dokumentarfilme und Historienfilme sowie die Kriegsfilme bis hin zu den Durchhaltefilmen à la „Kolberg“.

Um so erstaunlicher, daß man mitten im Krieg, aber in noch geordneten Verhältnissen einen Film wie „Quax, der Bruchpilot“ produziert hat. Sieht es doch auf den ersten Blick so aus, als wäre dabei „alles danebengegangen“. Eine kleine, ängstliche und insgesamt lächerliche Type (Heinz Rühmann) als Hauptfigur, der man zudem noch den albernen Namen Quax anhängt. Der Mann kommt als Flugschüler in eine Flugschule, dabei will er gar nicht fliegen lernen. Er hat den Kursus als Hauptgewinn im Preisausschreiben einer Reisezeitschrift gewonnen. Für ein Gedicht, das er eingeschickt hatte. Der Mann stellt sich unglaublich dumm an. Zudem ist er ein widerlicher Angeber, schließlich auch noch verliebt und ungehorsam. Was dazu führt, daß er zuletzt – bei seinem ersten Alleinflug – den schönen Doppeldecker der Flugschule in einen Weiher stürzen läßt. Bruchlandung.

Der Film wurde damals als „künstlerisch wertvoll“ eingestuft, als „volkstümlich“ und „jugendwert“ und spielte insgesamt fünf Millionen Mark ein. Das war ebensoviel, wie der Kassenschlager, der Triumph des Patriotismus mit dem Helden Willy Birgel als Hauptdarsteller, eingespielt hatte: „ …reitet für Deutschland“.

Was war danebengegangen? – Nichts war danebengegangen. Mit der Vorführung eines Antihelden war man psychologisch klug an die deutsche Volksseele herangegangen. Denn Heldenverehrung gab es seit Jahren zuhauf. Aber daß man sogar aus dem letzten Versager einen großartigen deutschen Mann formen kann, das war so noch nicht vorgeführt worden. Kameradschaft, Korpsgeist und freiwillige Unterwerfung unter die Befehlsgewalt eines anderen führen zum Erfolg, so lautet die Quintessenz dieses ungewöhnlichen Propagandastreifens. Der Film endet damit, daß Quax, der Bruchpilot, selbst Fluglehrer ist und seinen Flugschülern wortwörtlich einhämmert, was man ihm eingehämmert hat. Sie sollten nur nicht glauben, das Fliegen sei so einfach, aber daß es himmlisch sei, dort droben herumzufliegen. Und dazu das Lied, zitherumzirpt, das schließlich die durchweg zackige Musik abgelöst hat – und heute noch gesungen wird: „Heimat, deine Sterne“.

Der Junge, der nach diesem Kinoerlebnis nachhause ging und nicht den Wunsch hatte, Pilot zu werden, mußte schon ein komischer Kerl sein. Und Piloten brauchte der Führer. Denn daß dieser Krieg in der Luft entschieden würde, das war dem obersten Kriegsherrn so klar wie seinem obersten Trommler.

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