Pädagogik
Die Lehre vom Kindererziehen (sog. Erziehungswissenschaft).
Also bloß das Gewußt-Wie. Während das viel wichtigere Zu-Was
außen vor bleibt, abhängig von dem jeweiligen Menschenbild der
Gesellschaft, der Epoche und der Erzieher. Was der P. viel an Bedeutung
nimmt, daran kann sie mit noch soviel angeblich wissenschaftlicher Literatur
nichts ändern (vgl. Bildung, Fachliteratur,
Menschenbild, Persönlichkeit).
Parademarsch
Es gibt davon unterschiedliche Arten, alle gleich lächerlich, weil
sie verraten, wieviel wir Spitzenhominiden uns darauf einbilden, den aufrechten
Gang gelernt zu haben, kaum dass wir von den Bäumen heruntergekommen
sind (vgl. Darwin, Evolution, Kreuz).
Palimpsest
P. ist zu übersetzen mit „das Abgekratzte“.
Als die Schreibmaterialien noch sehr wertvoll waren, wurden alte Handschriften
oft vom Papyrus abgewischt oder mit Bimsstein vom Pergament abgerieben, um
das Blatt neu nutzen zu können. So bei den Römern und im frühen
Mittelalter in den Klöstern. Später wurden die alten Texte unter
der Überschreibung mit viel Mühe wieder lesbar gemacht. Meist entpuppten
sie sich als die wichtigeren. Im Computerzeitalter entwickelt sich eine
neue Art von P.en. Was einmal auf der Festplatte ist, läßt sich
auch nach dem Löschen und Überschreiben mit einigem Aufwand wieder
sichtbar machen. Damit bekommt der Computer, unser Lieblingsspielzeug, schon
fast den Charakter vom „großen Buch Gottes“ (vgl. Datenschutz,
Privatsphäre)
Park
Bezeichnung für freie Flächen in Städten, auf denen Autos
geparkt werden können. Ein Schrumpfwort, das aus dem Wort Parkplatz
entstanden ist (vgl. Auto, Schrumpfwort).
Parkinson
Über der schrecklichen P.schen Krankheit
sollte man nicht vergessen, daß es auch das nach dem britischen Publizisten
Cyril N. P. (1909 – 1993) benannte P.sche Gesetz gibt. Es zeigt, wie das
Wachstum der Bürokratie beinahe naturgesetzlich abläuft. Ein Beispiel
aus eigener Erfahrung: Als ich 1998 das erste Mal in dem noch recht neuen
internationalen Autorenzentrum Rhodos wohnte, in einem der neun Apartments
für Schriftsteller und Übersetzer, saßen in dem Haus zwei
Angestellte und eine Putzfrau, die es verwalteten. Zwei Jahre darauf waren
es bereits vier Angestellte und die Putzfrau. Zwei weitere Jahre später
traf ich auf acht Angestellte und die Putzfrau. Da war mir klar, daß
im übernächsten Jahr sechzehn Angestellte und die Putzfrau
sich (nicht) um die Autoren kümmern würden, die man gar nicht
erst einlädt, weil man sowieso keinen Platz mehr für sie hat (vgl.
Bürokratie, Dichter,
Kulturförderung).
Parteien
In Deutschland nach dem Grundgesetz zwar nicht
vorgeschrieben, aber zulässig. Diese Haltung des In-Kauf-Nehmens läßt
sich nicht mehr durchhalten. Denn die P., egal mit welcher hehren Absicht
sie angetreten waren, schafften es mit Hilfe einer mehr als zweifelhaften
P.-Finanzierung aus dem Steuertopf und gesetzwidriger Spendenaquisition,
den Staat total in den Griff zu bekommen, so daß nun nichts mehr ohne
sie geht. Die P., dem Wortsinn nach nur Teile, weshalb sie nur immer in der
Mehrzahl vorkommen können, haben die Verhältnisse so erfolgreich
auf den Kopf gestellt, daß sie nun Alles sind. Denn alle bedeutenden
Positionen, von der Verwaltung über die Medien bis zur Justiz, können
sie mit ihren Leuten besetzen. Womit sie zum Musterbeispiel für das Prinzip
wurden: Jede Institution nimmt sehr bald den Zweck, zu dem sie gegründet
wurde, vom obersten Rangplatz und macht statt dessen ihr Überlebensinteresse
und die Versorgung ihrer führenden Leute zu ihrer Hauptaufgabe (vgl.
Dekadenz, Machtmißbrauch, Parasiten, Politik).
Patchworkfamilie
Ehepartner trennen sich und tun sich mit neuen Partnern zusammen, ihre
Kinder bekommen dabei Stiefmütter und Stiefväter und Stiefgeschwister
neben den Müttern und Vätern und Geschwistern. So wird aus der
Kleinfamilie die P., die oft größer und bunter und reicher an
Erfahrungen ist, leider auch an Reibungen. Welche Rivalitätskämpfe
stattfinden, ist in der Tierverhaltensforschung bereits bekannt, muß
in der P. aber erst erlitten werden. Die englische Bezeichnung P. hat sich
schnell eingebürgert und wird inzwischen wie ein Orden getragen, weil
die deutsche Übersetzung Flickwerk-Familie so negativ klingt wie die
Stief-Bezeichnungen (vgl. Ehe, Familie, Sprache)
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Patent
Wer eine Idee zu einer neuen, gewerblich
nutzbaren technischen Lösung irgendeines Poblems hat, kann diese Erfindung
beim P.-amt anmelden. Das kostet neben Nerven und Geduld auch Anmeldungs-,
Prüfungs- und Erteilungsgebühren sowie laufende Jahresgebühren.
Was nicht ungebührlich ist, denn das P.amt veröffentlicht die ausführliche
Darstellung der Idee und sorgt so für ihren Schutz. Was so positiv
klingt, ist in der Praxis ein Mittel, mit dem Industrieunternehmen ihre
marktbeherrschende Stellung verteidigen, zum Nachteil der Weiterentwicklung
ihrer Produkte. So wird beispielsweise seit Jahren mittels P. verhindert,
daß die von mir entworfene Zahnbürste auf den Markt kommt, die
weniger Fummelei erfordert, weil sie den Zahncremevorrat in ihrem Griff hat.
Tagtäglich denke ich beim umständlichen Auf- und Zudrehen der Tube:
Man sollte das P.amt endlich abschaffen (vgl. Reformstau).
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Illustration: Vangelis
Pavlidis, Rhodos |
Persönlichkeit
Früher wurde eine Person zur P., wenn
sie soviel an Bildung und Charakter besaß, daß sie weit über
den Durchschnitt hinausragte. Heute genügt für den Aufstieg zur
P. schon, daß man viel Geld hat oder viel in den Massenmedien genannt
wird, wobei es Wurscht ist, woher das Geld stammt bzw. warum man für
die Medien interessant ist (vgl. Bildung, Charakter,
Massenmedien, Dekadenz).
Persönlichkeitswahl
Nur scheinbar die bessere Alternative zur
Listenwahl. Die Wähler stimmen mit Begeisterung für die Kandidaten,
deren laut verkündete Einstellungen zu bestimmten Themen ihren eigenen
entsprechen. Kein Gedanke daran, daß Politiker jede Einstellung nur
solange haben, wie die permanent durchgeführten Meinungsumfragen das
ratsam sein lassen (vgl. Meinung, Rückkopplung).
Pfarrer
Selbst wer ihnen nichts Übles nachsagen
will, muß zugeben, daß die P. die legitimen Nachkommen der
Hofnarren sind. Denn sie genießen wie einstmals diese sogenannten
Lustigen Personen das Privileg, einem jeden ins Gesicht sagen zu dürfen,
was sie wollen, ohne daß man sie dafür bestrafen darf. Dabei
muß es nicht einmal immer lustig sein, was sie von sich geben. Zum
Glück kann man ihnen heute leichter aus dem Weg gehen als damals am
Hofe (vgl. Aufklärung). |
Illustration:
Guntram Erbe, Hilpoltstein |
Piktogramm
Aus der Not entstanden, eine Aussage zu machen,
die für die Vertreter der unterschiedlichsten Sprachen eindeutig verständlich
ist, beschritt man den Weg der Schriftentwicklung in Gegenrichtung. Von der
Buchstabenschrift (H bzw. D) über die Silbenschrift (Psst) bis zurück
zur Bilderschrift. Dabei entstehen immer noch neue Zeichen, gelegentlich
so kryptische, daß jeder erkennen kann: Hier hat der Auftraggeber die
Intelligenz des Graphikers genauso überschätzt, wie der Graphiker
die des Publikums (vgl. Schrift, Smiley).
Illustration: In den Linienbussen von Reykjavik
Pleonasmus
Es gibt Leute, die erklären einem, ein
P. sei eine Tautologie. Wem das nichts sagt, der merke sich die Erklärung:
Das eine Fremdwort wie das andere bezeichnet eine überflüssige
Doppelung des Ausdrucks. Ein typisches Beispiel erscheint immer wieder in
der Presse: Religiöser Wahn (vgl. Religion).
Planespotter
Ein Spotter ist im Englischen ein Beobachter, im Amerikanischen ein Privatdetektiv.
Das passt auf den Menschen mit Kamera und modernem Hobby, der von einem
Flughafen zum anderen zieht und dort an den Startbahnen stundenlang hinterm
Zaun auf der Lauer liegt, um ein startendes oder landendes Flugzeug zu fotografieren.
Die Leidenschaft, seine Fotosammlung von Fluggesellschaften, Flugzeugtypen,
Bemalungsvarianten und Registrationen zu komplettieren, weist ihn als harmlosen
Irren aus. Was für die an Kuriositäten gewöhnten Engländer
nur Beobachter sind, das wurden für die amerikanischen Geheimdienste
jedoch gefährliche Privatdetektive, weil sie auch streng geheime Flüge
zu geheimen Flugbasen und damit illegales Geschehen dokumentierten (vgl.
Hobby, Staatsterrorismus).
Political Correctness
Unter P.C. versteht man, daß alles nur
so gesagt werden darf, wie es sich gehört, d.h. wie die das jeweilige
Thema beherrschende Gesellschaftsgruppe es hören will (vgl. Meinungsfreiheit).
Politik
P. wird gemacht, ist also nichts Ursprüngliches,
wenn auch der Ursprung der meisten Übel. Denn P. zu machen heißt,
Schurkereien um eines höheren Interesses willen zu begehen. Dieses höhere
Interesse bekommt die unterschiedlichsten, meist schönen Namen, die
kaschieren sollen, daß es in Wahrheit heißt: Machterhaltung der
eigenen Clique. Denn diese Macht dient ja dazu, überhaupt P. machen
zu können (vgl. Moral, Parteien, Politiker).
Politiker
Die P. versuchen uns vorzumachen, sie dienten
der Allgemeinheit. Dabei geht es im allgemeinen nur ums Verdienen und ums
Einflußhaben. Spitzen-P. werden von Großkonzernen, Banken und
Verbänden „gemacht“, sind also kaum mehr als deren Marionetten. Wichtigster
Charakterzug eines P.s ist Falschheit. Trotzdem wird das Schimpfwort P. von
den Gerichten noch nicht als Beleidigung gewertet (vgl. Opportunist,
Showgeschäft,
Volksverdummung).
Politikverdrossenheit
Unsere Politiker haben uns eine dümmliche
Rechtschreibreform übergestülpt, dazu eine europäische Weichwährung
und ein unsinniges Staatsbürgerschaftsrecht und jetzt noch die Öffnung
Europas für Nichteuropäer, und das alles ohne uns Wähler zu
fragen, weil man wußte, daß wir mehrheitlich dagegen sind. Da
ist P. noch eine sehr zurückhaltende Reaktion. Man sollte die Verantwortlichen
an die Wand stellen, zumindest in die Ecke - zum Sichschämen (vgl.
Demokratie,
Europa,
Rechtschreibreform,
Staatsangehörigkeit,
Währungsstabilität,
Wahlbeteiligung).
Populismus
Ein neues Negativ-Etikett, noch verschärft
als Rechtspopulismus (obwohl es keinen Linkspopulismus gibt) Politikern
angehängt, die sich in einer Sprache um die Stimmen der Wähler
bemühen, die vom Volk verstanden wird (vgl. Demokratie).
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Priesterinnen
Religionsgemeinschaften, die keine Frauen zum Priestertum
zulassen, und das sind die meisten, verraten damit ein feines Gespür
dafür, dass das Göttliche eigentlich weiblich ist. Die Frau als
die Lebengebende ist und bleibt eine Göttin, deshalb ist sie keine
Priesterin, sie hat Priester (vgl. Berufsverbote).
Prof.
Das Kürzel steht heute für „Pächter
der Wahrheit“ und wegen der härter werdenden Konkurrenz auf dem Markt
der Zeitungen und Zeitschriften unter beinahe jedem größeren Artikel.
Die so aus ihrer Domäne verdrängten Journalisten werfen sich aufs
Romane-Schreiben, und die Schriftsteller werden Zeitungszusteller (vgl.
Flexibilität, Kulturkampf).
Profi
P. ist einer, der etwas berufsmäßig
tut, im Gegensatz zu dem Amateur, der etwas als Liebhaberei betreibt. Daß
der Broterwerb bessere Arbeitsergebnisse hervorbringt als die Liebe zur Sache,
ist nichts als ein positives Vorurteil. Der P. hat im allgemeinen nur mehr
Übung (vgl. Muß, Frust, Lust).
Prohibition
Beim Alkohol hat sich in den USA gezeigt und zeigt sich noch heute
in Resten in skandinavischen Ländern: Prohibition ist die beste Promotion
(vgl. Gehorsam, Rauschgift).
Promenade
Besonders schöner Spazierweg, auf dem
früher die Mütter ihre heiratsfähigen Töchter vorzuführen
pflegten, auf denen heute jedoch die Hunde neben Frauchen oder Herrchen das
vornehm gestelzte Gehen üben, was für die ans Laufen gewöhnten
Tiere nicht einfach ist. Kommen sie sich dabei unbemerkt zu nahe, entstehen
die sogenannten P.-Mischungen (vgl. Hund, Kontaktstelle,
Stadtkultur).
Prominentenbiographie
Von armen Lohnschreibern für scheinbar wichtige Personen aus Politik,
Sport und anderen Bereichen des Showgeschäfts verfaßte Lebensberichte,
die unterbelichteten Leuten Spaß machen, Verlegern dicke Gewinne
bescheren und den sogenannten Prominenten noch mehr Geld und Publizität
einbringen sollen. Ärgerlich daran ist nur, daß für so
beschissene Druckwerke Bäume ihr Leben lassen und sogar gebildete Buchhändler
Verkaufsfläche freimachen müssen (vgl. Buch, Persönlichkeit,
Prominenz,
Schauspieler).
Prominentengeliebte
Für Politiker, Wirtschaftsbosse und Kulturschaffende
universell einsetzbares Public-Relations-Instrument, mit dem auch in Zeiten
der Flaute den Medien immer etwas Attraktives geboten werden kann (vgl.
Selbstdarstellung).
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