Lärm
Lärm ist Leben. Auf diese plumpe
Alliteration fallen wir schon als Kinder herein, als Erwachsene
kultivieren wir sie, als Alte erleiden wir sie nur noch (vgl.
Umweltverschmutzung). |
Illustration:
Guntram Erbe, Hilpoltstein
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Läster-Lexikon
Kritisches Wörterbuch einer neuen
Sachlichkeit. Interaktiv entstanden. Typisches Kennzeichen: Offenheit.
Betroffene beanstanden, es trage eine falsche Bezeichnung, müsse
lästiges Lexikon heißen (vgl. Aufklärung, Laufenberg).
Lästern
Sich äußern mit befreiendem
Effekt, was von manchen Mitmenschen als lustig empfunden wird, von
anderen als lästig. Also einem Furz vergleichbar, nur besser
gestaltet (vgl. Meinungsfreiheit).
Laufenberg
Walter L. ist auf dem Markt der Schriftsteller das, was der
Kristallstift aus Ammonium-Aluminiumsulfat auf dem Deo-Markt ist: der
Geheimtip. Effektvoller als alle anderen und dabei nicht
parfümiert, setzt er sich gegenüber der übertrieben
hochgelobten Konkurrenz fast ohne Werbung allein per Mundpropaganda
durch und scheut dabei keine Vergleiche (vgl.: Kultur,
Kommerz,
Kritiker).
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Illustration:
Klaus Päkel,
Düsseldorf |
Lebenslauf
Es hat mich geboren, ich bin und stolper,
tapse, haste, döse, tanz und taumel, denke, fühl und ahne,
torkel
und vergehe in die Welt wird immer tiefer hinein (vgl. Durchblick).
Leitkultur
In jedem Staat
haben die Bürger die verschiedensten Vorstellungen von Gott und
der Welt. Doch die in ihrem Land von den meisten Menschen vertretenen,
also vorherrschenden Grundsätze von Recht, Sitte und Tradition (in
Deutschland ist das
Christlich-Jüdisch-Römisch-Hellenistisches mit ein wenig
Germanischem) bilden die Leitkultur, der sie unterworfen sind,
gleichgültig, ob ihnen das gefällt oder nicht. Was
selbstverständlich weitgehend auch für ausländische
Mitbürger gilt. Nicht daß es in
jedem Land eine L. gibt, ist das Aufregende, sondern wie schnell sie
sich heute überall verändert, durch Tourismus und Migration,
vor allem aber durch die über Film und Fernsehen sich weltweit
breitmachende L.
der USA (vgl. Amerikaner,
Kulturimperialismus, Multikulti,
Toleranz).
Leserbrief
Ein
L. ist die nur andeutungsweise und ausnahmsweise gewährte
Gegenrichtung in der journalistischen Informations- und
Meinungs-Einbahnstraße Redaktion - Leser. Wer einen L. schreibt,
hofft darauf, daß er veröffentlicht wird. Es erhöht
seine Chance, wenn er zu einem gelesenen Artikel nur unwesentliche
Einzelheiten als Ergänzung bringt. Oder wenn er eine
naiv-gläubige Bestätigung aus eigener Erfahrung bietet. Keine
Chance hat ein L., der wesentliche Gesichtspunkte nachreicht, die in
dem Artikel gefehlt hatten. Klar. Welcher Journalist läßt
sich schon gern von
seinen Lesern beschämen? (vgl. Journaille,
Selbstbewußtsein).
Leugnen
Das als unwahr Bezeichnen eines Sachverhalts. Es ändert zwar
nichts an dem betreffenden Sachverhalt, trotzdem kann es strafbar sein,
z. B. bei der Zeugenaussage vor Gericht, weil es das Finden der
Wahrheit behindert, also ein Verstoß gegen das staatliche
Gewaltmonopol ist. Anders das Holocaust-Leugnen, das die
Aufrechterhaltung einer einmal gefundenen Wahrheit erschwert, also ein
Verstoß gegen das Meinungsmonopol der gerade die Political
Correctness Bestimmenden ist (vgl. Political Correctness).
Lichtenberg
Daß der spottlustige
Schriftsteller und Göttinger Physikprofessor Georg Christoph L.
(1742 – 1799) in
diesem Läster-Lexikon hinter Laufenberg steht, ist alphabetbedingt
und weder historisch noch inhaltlich berechtigt. Er ist einer meiner
Vorläufer. Ich schätze den aufklärerischen Autor der
„Sudelbücher“ so hoch ein, daß ich ihn glatt auf den Stuhl
neben mir heben würde. Vor allem wegen seines auch für das
„Laufenberg NETzine“ programmatischen Satzes: „Es ist fast
unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu
tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.“ Und wegen der
überlegenen Abrundung dieses Programms: „Der Weisheit erster
Schritt ist: alles anzuklagen. Der letzte: sich mit allem zu
vertragen.“ (vgl. Aufklärung, Kraus, Schubart). |
Illustration:
Guntram Erbe,
Hilpoltstein
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Liebe
Machen wir uns doch nichts vor. Wenn wir stammeln: "Ich
liebe
dich", dann glauben wir, dem anderen damit Gutes zu tun. Dabei
heißt
das bloß: Es begeistert mich, daß es dich begeistert, wie
es
mich begeistert, daß es dich ... Das ist das Gesetz, nach dem wir
Menschen
angetreten sind. Im Tierreich ist die Liebe noch simpler. Da geht es
nur
um heiß oder kalt (vgl. Ich). |
Illustration:
Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg
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Liebesarten
Die Jungen können sich nicht vorstellen, dass die Alten Liebe
machen können. Dabei ist deren Liebe die wahre, weil freiwillig
und bewusst. Die Jungen dagegen machen bloß zwangsläufig in
Liebe, weil ihre Körper es so unwiderstehlich verlangen (vgl.
Fremdbestimmung).
Liebesglück
L. ist, wenn der eine Mensch nicht mehr weiß, ob der andere
Mensch so gierig über ihn hergefallen ist oder er über ihn –
und
es sowieso nicht sagen könnte, weil man ja nicht darüber
sprechen
darf. Zu dumm, so eine Einschränkung dieses Glücks (vgl. Sex).
Liebesspiel
Das L. beim Menschen hat sich sowohl den geänderten
Verhältnissen als auch den neuen Erkenntnissen angepasst, ob man
das wahrhaben will oder nicht. Als der Mann noch eine Frau suchte, mit
der er eine Zucht aufmachen könnte, um sich selbst zu verewigen,
musste er den dicken Willem macnhen und balzen auf Teufel komm raus,
und die umworbene Frau konnte sich zieren. Nachdem aber für den
Mann die Zucht heute kaum noch eine Rolle spielt und man aus der
Tierverhaltensforschung weiß, dass stets das Weibchen sich den
Partner aussucht und nicht umgekehrt, kann der Mann sich umwerben
lassen und zieren, muss sich dafür aber auch schönmachen
(vgl. Machohaltung).
Lingua franca
Darunter verstand man zunächst nur das
im Mittelalter durch Vermischung mit dem Arabischen verdorbene
Italienisch, das durch den Fernhandel Venedigs und Genuas im Nahen
Osten entstanden und bald im gesamten Mittelmeerraum gebräuchlich
war. Heute bezeichnet man mit L.f. eine international benutzte
Verkehrssprache wie das Griechische um die Zeitenwende, das Lateinische
im Mittelalter, das Französische in der frühen Neuzeit und
das Englische heute. Weil eine Sprache stets nur stark primitivisiert
zur L.f. wird, ist das ein Pyrrhussieg im weltweiten Sprachwettkampf
(vgl. Anglizismen,
Sprache,
Welthilfssprache).
Linksintellektuelle
Im 20. Jahhundert galt als Intellektueller nur, wer den Staat
kritisierte. Und weil solche Kritik überhaupt nur unter
bürgerlichen, also rechten Regierungen möglich war, galt sie
als links. Von den linken Regimen wurden fast alle Kritiker
liquidiert, vor allem unter Mao, Stalin und Pol Pot. Auf diese Weise
wurde der Bestand an Intellektuellen um rund 100 Millionen
Menschen reduziert. Umso leichter konnten viele echte und
Möchtegern-Intellektuelle in den nichtkommunistischen Ländern
sich voller Stolz als L. fühlen und aufführen (vgl.
Farbenblindheit).
Literaturpreis
Ein
L. ist ein Feigenblatt. Denn er soll kaschieren, daß in unserem
manchester-kapitalistischen Kulturbetrieb alle an der Produktion und
Verteilung von Literatur Beteiligten, also Verleger, Vertreter,
Kritiker, Buchhändler, Papierhersteller, Drucker und Buchbinder,
von ihren Einnahmen leben können, nur der das Buch geschrieben hat
nicht. Denn der Kreative kassiert am wenigsten. Wenn ein Autor es
trotzdem irgendwie geschafft hat zu überleben und auch noch
berühmt zu werden, verpassen irgendwelche Institutionen ihm gern
einen L., um sich mit dem Namen des bekannten Autors zu schmücken.
Die hinter einem L. stehenden wenigen und meist anonymen Juroren, die
bei fast allen Preisverleihungen dieselben sind, entscheiden sich immer
wieder für dieselben wenigen und bekannten Autoren, weil sie bei
diesen mit ihrem positiven Votum nicht das Risiko eingehen, von anderen
Literaturkennern als Nichtkenner gescholten zu werden (vgl.
Kulturbetrieb, Ignoranz, Zivilcourage).
Literaturproduzent
Der L. ist ebenso unverzichtbar
für die Grundversorgung der Menschheit wie der Waffenproduzent und
doch sein genaues Gegenteil: Kriegt dieser extrem viel Geld und einen
schlechten Ruf, so kriegt jener einen guten Ruf und extrem wenig Geld
(vgl. Autor, Grundbedürfnisse). |
Illustration:
Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg |
Live
Bei Funk und Fernsehen das A und O, weil es
den Leuten vormacht, sie bekämen das wahre Leben geboten.
Daß es sich auch dabei immer öfter um zeitversetzt
Serviertes oder aus
mehreren Veranstaltungen Zusammengeschnittenes handelt, bei dem die
gröbsten Schnitzer beseitigt wurden, ahnt der Konsument nicht.
Weiß er doch nicht,
daß eine große Studioproduktion viel teurer und jedes
Gespräch
viel länger ist als die angebliche Live-Produktion. Doch zum
Glück
signalisiert die Bezeichnung immer noch den Unterschied: Live ist die
Kurzform
für alive = lebendig und deshalb nicht mit Life = Leben zu
verwechseln
(vgl. Fernsehen).
Lobby
Ursprünglich der Säulengang vor
dem Parlament, in dem die Gesetze im Gespräch vorbereitet wurden,
heute die Bezeichnung für die großen Interessengruppen
(Kirchen, Konzerne und Verbände), die alle ins Parlament
eingebrachten Gesetzesvorschläge zu ihren Gunsten umbiegen (vgl. Agrarpolitik,
Pressure-group).
Lotterie
Sein Geld für eine L. auszugeben, ist objektiv ein Unsinn, weil
die Gewinnchancen verschwindend gering sind. Subjektiv aber kann das -
je nach Mentalität - goldrichtig sein; denn jeder Einsatz bringt,
auch wenn er kein Geld hereinholt, als Gewinn die Hoffnung auf den
plötzlichen Geldsegen, was einem ein ganz anderes, schöneres
Lebensgefühl gibt (vgl. Illusion, Lebenskünstler).
Lyrik
Neben Epik und Drama die dritte Hauptgattung der Literatur. Für
prosaische Menschen selbst ein Drama, zwischen Komödie und
Tragödie changierend, sobald sie die L. als die hohe Kunst der
mutwillig falschen Formulierung
durchschaut haben (vgl. Roman, Subjektivität).
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