Laufenbergs Laester-Lexikon
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Stichwortverzeichnis


Ich
Das I. ist für jeden Menschen, wo und wann immer er lebt, das A und O. Darin sind alle Menschen gleich. Denn das Bewußtsein vom eigenen I., um das sich alles dreht, ist das eigentlich Menschliche. Es unterscheidet den Menschen von der gesamten übrigen Natur. Es ihm zum Vorwurf zu machen ist deshalb Unsinn. Egoismus und Egozentrik sind keine Schimpfwörter, sondern Binsenweisheiten. Und Autismus ist lediglich eine krankhafte Übersteigerung des Natürlichen. Daß Menschen für die Äußerungen ihres I.-Interesses viele schöne Umschreibungen benutzen – hohes Ethos und andere hehre Haltungen sowie Ideale aller Art -, resultiert stets entweder aus Dummheit oder aus Gerissenheit, wobei die Frage offen bleibt, was schlimmer ist (vgl.  Wertung, Menschenfreundlichkeit, Politiker).

   Illustration:
   Guntram Erbe, Hilpoltstein

Ich-Instinkt
Die dem Menschen - adäquat auch manchen höher entwickelten Tieren - von der Natur vorgegebene oberste Priorität bei aller Motivation zum Handeln heißt: Mein Ich raushängen! Weil das in der feinen Gesellschaft verpönt ist, muß man es mit allerlei vorgeschobenen edlen Absichten tarnen. Wer sich das einmal klargemacht hat, ist gegen die Verführung durch falsche Ideale gefeit (vgl. Ich).

Idee
Eine I. ist immer ein Geschenk des Himmels – oder der Hölle. Wenn sie im richtigen Moment kommt und man die nötigen Fähigkeiten für ihre Umsetzung hat, ist man da wie dort ein Ass (vgl. Kreativität).

Illustrierte
Als I. bezeichnet man eine umfangreiche Sammlung von teuren Werbeanzeigen in bester Druckqualität, angereichert mit Public-Relations-Beiträgen und geschickt verstecktem Product-Placement. Das Ganze wird von ein paar Artikeln über aufgegagte Belanglosigkeiten mit meist großformatigen Fotos unterbrochen, die so informativ zu sein scheinen, daß das Publikum bereit ist, für die I. Geld auszugeben, statt für das aufmerksame Durchblättern dieses Werbemediums Bezahlung zu verlangen (vgl. Hohlkopf, Kommunikation).

Individualisten
Wenn Bevölkerungspolitiker heute immer wieder klagen, in den Zentren der Großstädte lebten fast nur noch I., ist das ein großes Mißverständnis. Sie wollen den Singles damit nicht attestieren, sie hätten ihre besondere Eigenart, wären Persönlichkeiten oder sogar unteilbar, wie das Wort Individuum meint. Sie wollen damit nur sagen, daß die Gesellschaft in ihre Einzelteile auseinandergefallen ist, was sich bereits in räumlich separierten Wohnbezirken und dem daraus folgenden öden Konformismus zeigt (vgl. Habitus, Nonkonformismus).

Information
Nur scheinbar scheidet die Informations-Technologie die Menschen der modernen Gesellschaften in Informationsreiche und Informationsarme. Richtiger müßte die Alternative heißen: Interessierte und Uninteressierte. Waren doch auch früher für jedermann weit mehr Informationen greifbar, vor allem in Bibliotheken, als ein Mensch aufnehmen konnte. Der Computer bietet heute nur einen verspielteren Zugriff (vgl. Bildung, Informations-Technologie, Wissen).

Informationsbrei
Was da von den Meisterköchen für uns Fernseher und Surfer angerührt wird, in der Küche Bild + T-Online mit ZDF, in der Küche RTL-Group, in der Küche Pro 7 Sat 1 Media AG mit Bertelsmann und Kirch, das wird ein leckerer Brei aus Informatiönchen mit Schleichwerbung und Zeitvertreib, ohne jeden Nährwert fürs kritische Bewußtsein.  Wer Gescheites sucht, muß www.netzine.de anklicken (vgl. Leitkultur).


Informations-Technologie (IT)
So heißt das moderne Abrakadabra, das Zauberwort für eine Industrie neuer Art. Jeder Provinz ihr Silicon Valley! Und kein Mensch macht sich klar, daß die erstaunlichen Höhenflüge immer neuer IT-Unternehmen nur Inzestresultate darstellen. Da wird eine höhere Klempnerei immer höher entwickelt, so hoch, daß man vom Boden aus die Macher nicht mehr als Klempner identifizieren kann. Das könnte man nur, wenn man einmal auf das schauen würde, dem diese ganze hochgejubelte Klempnerei dient – und siehe da, das sind nach wie vor simple Regenrinnen, Dachtraufen, Wasserspeier und dergleichen Dinge, die der Mensch braucht oder zu brauchen glaubt (vgl. Buchdruck).

Illustration: Jules Stauber, Schwaig

Informiert
I. zu sein hat das fromm zu sein abgelöst. Zwei absolut gleichwertige Qualifikationen. Wer sich mit dem einen oder dem anderen Orden schmückt, zeigt damit, daß er den bescheidenen Anforderungen seiner Gesellschaft entspricht, und braucht deshalb nicht mehr selbst zu denken (vgl. Stein der Weisen).

Infotainment
Das modische Kunstwort aus „informations“ und „entertainment“ sagt, daß Informationen und Unterhaltung gemischt geboten werden. Dabei verrät das Mischungsverhältnis, für wie blöd die Macher ihr Publikum halten und wieviel wichtiger ihnen die Anzahl der Zuschauer/Zuhörer/Leser ist als die Information der Leute (vgl. Ignoranz).

Instinkt
Die den höher entwickelten Tieren von der Natur eingebaute innere Steuerung zur Sicherung des Überlebens. Dabei gibt es diverse Differenzierungen in Freßinstinkt und Paarungsinstinkt und Fluchtinstinkt usw. Die Spezies Mensch hat diese I.-Sicherheit bei der hypertrophen Weiterentwicklung des Verstandes weitgehend eingebüßt. Dadurch ist der einzelne, wenn er wenig Verstand hat, doppelt angeschmiert (vgl. Ich-Instinkt, Urinstinkt).

Intelligent
I. ist, wer die Fähigkeit hat, aus Erlebtem Erkenntnisse zu keltern und Zusammenhänge zwischen Fakten zu deuten. Damit hat er mehr vom Leben, wird aber von vielen Mitmenschen angefeindet, weil sie sich über die ganz offensichtliche Ungerechtigkeit ärgern, mit der die Natur die Intelligenz verteilt hat (vgl. Intelligenz, Neid).

Intelligenz
Es gibt viele Tests, mit denen der IQ (sprich: I-Kuh, weil Abkürzung für Intelligenz-Quotient) gemessen wird. Diese Tests werden nur zu selten eingesetzt. Wenn man einen I.-Test zur Voraussetzung für den Erwerb des Führerscheins und des Trauscheins machen würde, hätten wir an dem einen wie dem anderen Verkehr viel mehr Spaß (vgl. Intelligenztest).

Intelligenztest
Das Gefühl des Umzingeltseins von Dummheit erzeugt das Bedürfnis nach einem zuverlässigen I., der einen vor fruchtlosen Gesprächen bewahrt. Mir genügt als Test die alte Volksweisheit: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Kommt auf meine daran geknüpfte Frage: Wie heißt die Tochter? nur Gekicher, kann ich gleich gehen (vgl. Dummheit). 

Interessant
Ein vernichtendes Urteil. Denn i. ist, was in der Zeitung von heute steht - und schon morgen kalter Kaffee ist. Ein kluger Kopf beschäftigt sich mit dem, was mehr als bloß i. ist (vgl. Journaille, Literatur).


Internet
Das I. ist ein weltweites Telekommunikationssystem, dessen Besonderheit ist, daß es - zum Ärger mancher Machthaber – kein Chefbüro gibt, infolgedessen auch kein "Njet". Was 1969 in den USA als passive Aufrüstung installiert wurde, um die wichtigsten Militäreinrichtungen vor der Ausschaltung durch einen Feind zu schützen, entwickelt sich mit unglaublicher Geschwindigkeit zum wichtigsten aktiven Rüstzeug einer neuen nicht zu unterbindenden, weltumspannenden Aufklärung, und das nicht nur im wissenschaftlichen Bereich. Wobei als andere Seite der Medaille hingenommen wird, daß auch Kommerzinteressen aller Art, Religiöses und anderes Ideologisches sowie Pornografisches ungehemmt eine immer weitere Verbreitung finden (vgl. Meinungsfreiheit, Netzine, Kommunikation, Zensur).

 Illustration:
 Guntram Erbe, Hilpoltstein

IT
Auf deutsch: Informationstechnologie. Ein viel zu enger Begriff für die Computerei. Geht es dabei doch nicht bloß um Informationen, die ausgetauscht werden, es geht auch um Bewusstseinserweiterung, um Gefühlserregung, um Genuss, um Arbeitserleichterung und um ein völlig verändertes Selbstverständnis sowie Weltbild. Denn plötzlich krabbeln wir Edelaffen nicht mehr nur auf der Außenseite des Balls herum, zu dem die Erde uns durch Kopernikus und Konsorten gemacht wurde, jetzt hat die Erde einen noch größeren Ball als Hülle www übergestülpt bekommen, an dessen Innenseite wir herumpicken und uns spiegeln (vgl. Informationstechnologie, Potenz).

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Walter Laufenberg