Haare
H. trägt der Mensch an den Stellen
des Körpers, an denen es darum geht, die lebenswichtigen Funktionen
des Organismus vor Überhitzung zu schützen. Durch in der behaarten
Haut vorhandene Schweißdrüsen erzeugt der Körper eine
Nässung der H., womit die Nässe auf eine riesige Oberfläche
verteilt wird und so für eine schnell wirkende Verdunstungskälte
sorgt. Wer diese Abläufe nicht durchschaut, glaubt, daß man durch
die Behaarung ans Schwitzen kommt und greift zum Rasierer (vgl. Hohlkopf, Mode).
Haftstrafe
Eine besonders perfide Art der Bestrafung,
weil die Delinquenten dabei von ihrer natürlichen sexuellen Veranlagung
auf Homosexualität umgepolt werden. Für die Härte der H.
ist nicht ihre Länge ausschlaggebend, wie naive Juristen glauben, sondern
die Härte der Mitgefangenen (vgl. Gewaltmonopol, Grundbedürfnisse,
Menschenwürde). |
Illustration:
Guntram Erbe, Hilpoltstein |
Haiku
Japanisches Kurzgedicht, das in drei Zeilen
zu fünf, sieben und fünf Silben überraschende Aussagen
macht. Was uns im Japanischen mangels genauerer Sprachkenntnis nicht gestört
hat, wird bei der gern geübten Nachäffung durch westliche Dichter
entlarvt: Der Haiku ist eine Affenschande, weil er zum Ausdruck eines Gedankens
oder Gefühls nicht die treffendsten Wörter wählen darf,
sondern Verlegenheitswörter benutzt, die zufällig die richtige
Silbenzahl haben (vgl. Korsett).
Haltung
Wenn mir das Wasser bis zum Hals steht, darf ich den Kopf nicht hängen
lassen (vgl. Überlebensstrategie, Weisheit).
Handy
Denglische Bezeichnung für Mobilphone,
das neue Lieblingsspielzeug der Kinder. Auch Erwachsene sind stolz auf
das Ding am Gürtel oder in der Tasche, solange sie noch nicht kapiert
haben: Wer meine H.-Nummer hat, hält mich am Nasenring gepackt (vgl.
Bärennummer).
Hanf
Die botanisch Cannabis sativa genannte erstaunlich
schnell nachwachsende Nutzpflanze H. ist ein Wunder an Vielseitigkeit.
Bereits im 2. Jhdt. v.u.Z. wurde in China die Papierherstellung aus H. erfunden.
Schon früh wurden Seile und Segel und Kleidungsstücke, die besonders
haltbar sein mußten, aus H. hergestellt. Die Samen sind wertvolle
Nahrungsmittel und bieten Öl als Brennstoff sowie für Farben
und Lacke. Die Pflanze wurde immer als Lieferant vielseitiger Heilmittel
geschätzt. Doch sie bietet daneben, allerdings nur beim Anbau in heißen
Landstrichen, das wohl älteste Halluzinogen der Menschheit, das nicht
süchtig machende Haschisch bzw. Marihuana. Hernry Ford präsentierte
1941 ein Auto, das aus Hanfkunststoff konstruiert war und mit Hanfdiesel
fuhr. Daß dieses so universell brauchbare Geschenk der Natur auf die
Rauschgift-Verbotsliste kam, verdanken wir einem Komplott des amerikanischen
Bankiers und Erdölmagnaten Mellon mit dem Holzpapierfabrikanten und
Medienzar Hearst und dem General-Motor-Eigner und Chemieindustriellen DuPont.
Diese drei Herren gaben vor, uns vor der sanften Droge Cannabis beschützen
zu wollen, und vergiften seitdem die Umwelt und uns in viel stärkerem
Maße mit ihren Produkten Papier, Baumwolle, Kunstfaser, Pharmaka und
Autoabgase (vgl. Ethik, Manchesterkapitalismus, Sucht, Wirtschaftskriminalität).
Harem
Vorratskammer der Lust im traditionellen
islamischen Haushalt. Zur sicheren Aufbewahrung unter Verschluß,
von Eunuchen bewacht, der bis zu vier rechtmäßigen Ehefrauen und
beliebiger Mengen weiterer Mädchen und Frauen. Schon bei den israelitischen
Königen üblich. Später in orientalischen Herrscherhäusern
sogar mit Hunderten und Tausenden schöner Frauen bestückt. Deren
Zahl hing nicht vom Hormonhaushalt des Herrschers ab, sondern von seiner
Finanzkraft bzw. seinem Renommierbedürfnis (vgl. Macho, Stress).
Hausarbeit
1. Die Chance eines Lernenden, dem Lehrenden
zu beweisen, daß er eine Aufgabe
tiefer durchdenken und ausführlicher
darstellen kann. Für Lehrende heute nicht mehr interessant, weil
die Darstellungen immer öfter aus dem Internet abgeschrieben werden,
wo es für beinahe jede Frage die vorgefertigte Antwort gibt.
2. Das, was eine Hausfrau tut. Was hier
kurz abgetan werden kann, weil
niemand davon wissen will, daß eine
Hausfrau überhaupt was tut (vgl. Betrug, Cleverness, Ignoranz).
Hausmeister
Der Titel H. für den
im Angelsächsischen schlicht housekeeper genannten Hausdiener ist
etwas zu groß ausgefallen. Was gelegentlich zu Größenwahn
führt. Im übrigen erkennt man H. daran, daß sie mit modernster
Technik, die viel Lärm macht und giftige Abgase produziert, gegen ein
paar herumliegende Blätter, ein bißchen Straßenstaub oder
drei Schneeflocken ankämpfen, statt zum Besen zu greifen. Der würde
nicht zum Mobiltelefon am Gürtel und zur Zigarette zwischen den Lippen
passen. Denn nur so werden sie aktiv, am liebsten sehr früh morgens
oder in der Mittagszeit. Was sich darin an Mißgunst gegenüber den
Mitmenschen äußert, zeigt sich auch an den krummgetrampelten Fahrrädern,
die sich erlaubt hatten, auf dem Terrain des H.s angekettet abgestellt worden
zu sein (vgl. Mißgunst, Funktionär).
Haustier
Das H. gibt es als Stalltier, Thema Landwirtschaft,
und als Wohnungstier, Thema Mensch. Denn jedes Tier in der Wohnung ist
nur ein schlechter Ersatz für einen menschlichen Partner bzw. ein Kind.
Ein Ersatz, auf den man angewiesen ist oder zu sein glaubt, weil es einem
an der Fähigkeit zum menschlichen Zusammenleben fehlt (vgl. Ich, Sozialisation).
Haustier
Immer ein Nutztier. Früher hielt man es sich als Milch- und Eier-
und Wolle- und Fleisch-Lieferant, heute hält man sich Hund, Katze,
Vogel, Fisch und dergleichen, damit sie einem tagtäglich die eigene
Überlegenheit als angebliches Intelligenzwesen bestätigen. Denn
auch der Dümmste braucht noch was Dümmeres, auf das er wohlwollend
hinabsehen kann (vgl. Tierliebe).
Hege
Die H., des Reimes willen nur immer in Verbindung mit Pflege genannt,
ist das, was Förster und andere Jäger den Wäldern und Wildtierbeständen
an Maßnahmen angedeihen lassen. Sie fördern und vernichten, was
sie für förderns- und vernichtenswert halten, und das nach ihrem
ersten besten Wissen und ohne schlechtes Gewissen. Die H. ist damit im Kleinen
das, was die Politiker uns im Großen antun. Nur der Umstand, daß
die Politiker keine grünen Röcke tragen und nicht selbst schießen,
macht sie für uns noch gefährlicher (vgl.: Politiker, Natur,
Krieg).
Hegemonie
Wenn ein Staat so stark ist, daß er
anderen Staaten seine Rechtsauffassungen aufzwingen kann, ist er ein Hegemon,
egal, ob er als Schutzmacht oder Freund oder Polizist auftritt.
Er schränkt die Souveränität der anderen Staaten ein, was
dazu führt, daß die Staaten untereinander nicht mehr als Gleichberechtigte
auftreten und handeln können. Wenn aber das Prinzip der Gleichheit
im zwischenstaatlichen Bereich gestört ist, wird es sich auch nicht
im innerstaatlichen Bereich aufrechterhalten lassen. So entstehen Gesellschaften
von Nicht-Gleichberechtigten. Das ist ein Rückfall in vordemokratische
Zeiten (vgl. Präventivkrieg,
Terrorismus,
Völkerrecht,
Weltpolizist).
Heimate
Weil wir die Anlässe zum Verlust der
Heimat, also des Umfeldes, mit dem man sich besonders verbunden fühlt,
ständig vermehren, durch Kriege und Grenzverschiebungen mit Bevölkerungsaustausch,
durch Wirtschaftsdruck und Wohlstandsanreize, durch Umweltzerstörung
und Arbeitsangebote, ist es an der Zeit, dem schönen Wort Heimat einen
Plural zu geben. Bleibt doch immer mehr Menschen unserer Erde nichts anderes
übrig, als sich für zwei H. zu erwärmen, für die alte
und die neue (vgl. Lebenskunst).
Heirat
Eine gefährliche Veranstaltung, bei
der zwar der Eintritt frei ist, der Austritt aber um so teurer (vgl. Ehe, Versorgung).
Hektik
Von genügend hoher Warte aus betrachtet,
ist das eifrige Gewusel meiner Mitmenschen so amüsant wie das der Ameisen
unter meiner Gartenbank (vgl. Eintagsfliege, Zeit).
Helgoland
Die von England zweimal nur ungern an Deutschland
abgegebene Insel ist genaugenommen immer noch britisch. Denn aus der Vogelperspektive
und von Südosten her gesehen, brutzelt der Felsklotz wie ein Steak
in der Nordseepfanne, nicht wie üblich medium, sondern britisch blutig
(vgl. Krieg).
Heroen
Noch vor einem halben Jahrhundert waren
die H. der Jugend Geistesgrößen, Genies und Erfinder. Sie sind
abgelöst worden von Schauspielern, Musikern und Sportlern. So bestimmen
die technischen Möglichkeiten und die bescheidenen Qualitätsansprüche
der Massenmedien das Niveau der modernen Gesellschaft (vgl. Körperkultur,
Persönlichkeit).
Herrscher
Ein Herrscher glaubt an nichts als an sich
selbst. Doch ist es hilfreich beim Regieren, wenn er den Glauben seines
Volkes als fromme Pose draufhat. Leistet er sich dagegen den Luxus, wirklich
gläubig zu sein, scheitert er wie Zar Nikolaus II., weil sein Glaube
ihm in den Arm fällt (vgl. Machiavelli,
Politiker).
Heuchelei
H., das Vortäuschen nichtvorhandener
Gefühle wie Freude, Mitleid, Trauer und dgl., wird bei bestimmten
Anlässen einfach erwartet und deshalb nur von Dummköpfen für
bare Münze genommen. Kurioserweise ist die H. sowohl Anlaß als
auch Strategie bei so beliebten Gesellschaftsspielen wie „Üble Nachrede“
und „Bloßstellen“ und „Fertigmachen“ (vgl. Ich-Instinkt).
Historikerstreit
Im Jahre 1986 entbrannte in Deutschland
ein Streit unter Historikern und Philosophen über die historische
Einordnung der nationalsozialistischen Verbrechen. Während die einen
Hitler in der Verbrecherkartei neben berühmten Massenmördern
wie Qin Shi Huangdi, Baibars, Tamerlan, Stalin, Mao, Pol Pot und Idi Amin
sahen, setzten die anderen ihn in scholastischer Manier auf die Nadelspitze
der Bösartigkeit, wo neben ihm kein anderer mehr Platz fand. Dabei
spielten nicht einmal die Quantitäten an Toten die entscheidende Rolle,
denn darin konnte Stalin mit Hitler gleichziehen, und Mao übertraf
sie alle. Es gab vielmehr die Vorstellung eines qualitativ anderen Verbrechens,
das Hitler begangen hat. Ob uns Nachgeborenen eher die eine oder die andere
Betrachtungsweise dabei hilft, aus der Geschichte zu lernen, blieb eine
offene Frage (vgl. Gelehrsamkeit, Ich).
Hohlkopf
Als H. bezeichnet man fälschlicherweise einen Menschen, der
dumm und uninteressiert ist. Dabei hat dieser Mensch genausoviel Gehirnmasse
im Kopf wie der Durchschnittsmensch. Nur daß er sie nicht nutzt,
sie als bloßes Füllsel mit sich herumschleppt (vgl. Gehirn, Computer). |
Illustration:
Tanja Ehnle, Mannheim |
Homo erectus
Der Nachkomme des Homo erectus soll der Homo sapiens sein. So die
Forscher. Mag ja sein. Wenn mir das mit dem Wort erectus=aufgerichtet
auch etwas zu direkt ausgedrückt ist für die Schaffung von Nachkommenschaft.
Und dann noch den Homo sapiens hervorzubringen? Was für ein zweifelhafter
Reproduktionserfolg. Weiß doch jeder, dass wir erigiert nicht viel
Sapientia=Klugheit zu zeigen pflegen (vgl. Darwin, Evolution, Hominiden).
Homosexualität
Bei manchen Menschen eine hormonelle Fehlschaltung,
die den natürlichen Zweck der Sexualität, die Vermehrung, zugunsten
der Lust am eigenen Geschlecht verdrängt hat, bei anderen eine bloß
aus Überdruß, Ekel, Angst, Langeweile, Neugier oder ähnlichem
resultierende Ablehnung des anderen Geschlechts. Wo H. aber zur Mode wird,
handelt es sich um eine geistige Fehlschaltung der Gesellschaft. In diesem
Fall gilt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie nicht Ihren Arzt oder
Apotheker (vgl. Dekadenz,
Ich, Konformitätsdruck,
Liebe).
Hooligans
Nur in der Mehrzahl vorkommende simple Schlägertypen,
die bereit sind, sich für die Ehre ihres Landes bei Fußball-Länderspielen
von fremden H. sowie der Polizei die Köpfe blutig schlagen zu lassen.
Kulturpolitisch wichtig, weil sie das Bewußtsein dafür schärfen,
daß es ein Unsinn ist, sportliche Wettkämpfe auf der Basis von
Nationalismusgefühlen ablaufen zu lassen, mit Flaggen und Nationalhymnen.
Wenn diese Peinlichkeiten eines Tages abgeschafft sind, wird man den tatkräftigsten
H. ein Denkmal setzen müssen (vgl. Fußballweltmeisterschaft,
Zeitgeist).
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