Laufenbergs Laester-Lexikon
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Stichwortverzeichnis


 
Gehirn
Das G. ist physikalisch gesehen eine träge Masse. Meist auch in anderer Hinsicht. Außer im Boxring kaum in Bewegung zu bringen. Stahlhelme, Sturzhelme, Schutzhelme aller Art resultieren aus der Erkenntnis, daß unser Gehirn, selbst bei Minimalausbildung der wichtigste Körperteil, von diesem Körper nicht ausreichend geschützt wird. Die Schädeldecke ist zu dünn und zu brüchig. Doch die weitergehende Erkenntnis, daß wir mit dem Tragen von Helmen die evolutionäre Bildung eines wirklich schützenden Hartkopfes verhindern, hat das Gehirn uns noch nicht geliefert. Was Zweifel an seiner Schutzwürdigkeit aufkommen läßt (vgl.: Evolution, verkopft).

 Illustration:
 Guntram Erbe, Hilpoltstein

Gehirnwäsche
Die Tatsache, daß man einem Menschen nur vor den Kopf sehen kann und nicht weiß, was sich hinter der Stirn versteckt, vor allem die sogen. Mentalreservation, war schon immer ein Ärgernis. Es hat dazu geführt, daß man perfide Methoden zur Veränderung des fremden Bewußtseins erdacht hat, die diese Barriere überwinden. Solche Methoden wurden und werden vor allem gegenüber gefangenen politischen Gegnern und Kriegsgefangenen angewandt. Durch besonders suggestives Bearbeiten mit immer wieder denselben Begriffen bei pausenloser körperlicher Belastung u.a.durch Schlaflosigkeit, grelles Licht und erzwungene Bewegungslosigkeit erreicht man, was in der Waschmittelreklame heißt: Zwingt Grau raus, bringt Weiß rein. Wer überzeugt ist, daß er das reine Weiß zu bieten hat,  jedem Grau überlegen, ist natürlich berechtigt, seine Mitmenschen der G., auch Brainwashing oder Mentizid genannt, zu unterwerfen (vgl. Gehirn, Gewalttätigkeit, Politiker).

Geiselnahme
Eine Unverschämtheit. Aber verständlich (vgl. Staatsangehörigkeit).

Geld
Für das G., eigentlich bloß das generelle Tauschmittel, gibt es so viele kluge Definitionen, daß es das Klügste ist, sich nicht mit ihnen zu beschäftigen, sich statt dessen darum zu bemühen, fremdes Geld in die eigene Tasche zu leiten. Denn wenn man es hat, ist es sowieso etwas qualitativ anderes als wenn man es nicht hat. Weil man plötzlich versteht, was das alte Sprichwort meint: Geld ist die Brücke zu allen möglichen Lebensträumen, aber auf einer Brücke kann man nicht leben (vgl. Wohlstand, Schere, Durchgangsinteresse, Geldadel, Neid). 

Geldgier
G. beruht auf einem weitverbreiteten Mißverständnis. Denn das Wichtigste im Leben ist Intelligenz, und gerade die kann man nicht kaufen (vgl. Geld).

Geliebte
Bei einem Seitensprung des Mannes entsetzt sich die Ehefrau über Ehebruch und Betrug und verlangt die Trennung, weil sie in der G.n ihres Mannes die Alternative zu sich selbst sieht. Dabei weiß man schon seit der Zeit der Alten Römer, dass die G. nicht das Gegenstück zur Ehefrau ist, sondern eine Ergänzung. Kann doch der Mann mit seiner Ehefrau schon aus Hochachtung so manches nicht tun, was er mit seiner G.n tut, und das allein aus Spaß an der Freud’ (vgl. Betrug, Ehebruch, Liebe, Treue).

Gemeinnutz
G. geht vor Eigennutz, so sagte man früher. Inzwischen weiß man, daß es genau umgekehrt ist. Daß der Eigennutz dem G. vorangeht. Zu dieser Erkenntnis haben nicht zuletzt die Politiker beigetragen, was diesem Berufsstand immerhin eine gewisse Berechtigung gibt. Dienen doch auch schlechte Beispiele der Aufklärung des Volkes. Die neue Regel lautet: Eigennutz geht vor G. Diese Regel ist aber in dem Sinne zu verstehen, daß sogar aus eigennützigem Handeln Gemeinnütziges entstehen kann. Denn da das Gemeinnützige jedem einzelnen einer Gemeinschaft zugute kommt, ist es besonders geschickt, wenn man in einer Weise eigennützig handelt, die dem G. - und damit indirekt auch wieder einem selbst, also dem Eigennutz - dient (vgl.: Künstler, Politiker, Eigennutz, Eigenliebe). 

Genozid
Ein G. (deutsch: Völkermord) ist der gewaltsame Versuch, fremde Gene auszurotten. Das war er unbewußt schon lange, bevor die Gen-Technologie uns die genauere Kenntnis der Begriffe gab. Die frühesten G.-Berichte stehen im Alten Testament (4 Mose, 31): die Ausrottung der Midianiter sowie der Amalekiter durch die Hebräer, Mose angeblich von seinem Gott befohlen (4 Mose, 24), deshalb gerechtfertigt. Schon damals war die Bezeichnung Völkermord zu eng, weil die zuchterfahrenen Viehhalter die unberührten Mädchen der Feinde nicht töteten, sondern für die Verbreitung der eigenen Gene benutzten. Doch kann man nicht sagen, daß der G. mit dem „Holocaust“ auf seine Erfinder zurückgefallen sei. Denn es gab ihn höchstwahrscheinlich schon vorher und anderswo, und es gibt ihn leider auch hinterher, jetzt vor allem in Afrika. Er läßt sich nicht auf eine Region oder Rasse beschränken, sondern ist offensichtlich urmenschlich (vgl. Indianer, Menschlichkeit, Nazis, Präkolumbianische Kultur, Religion, Völkermord). 

Gentechnologie
Neue technische Verfahren rund um die Reproduktion von Leben, die besonders im Hinblick auf den Menschen im Kreuzfeuer der Ideologen stehen. Das wird nicht verhindern, daß –  wie immer – gemacht wird, was machbar ist (vgl. Frankenstein, Pygmalion, unbefleckte Empfängnis).

Genus
Das grammatische Geschlecht hat nichts mit dem natürlichen Geschlecht zu tun. Es ist, was ungebildete und sexorientierte Zeitgenossen nicht verstehen können, geschlechtsneutral. Aus Unverstand meinen diese Leute, alles doppelt bezeichnen zu müssen. So kommt zu dem geschlechtsneutralen Begriff Zeitgenosse die Zeitgenossin und zu dem Begriff Mensch die Menschin, zu dem Begriff Person die ? Dabei bleibt der Schuh der Schuh, gleich wer ihn sich anzieht, ein Mann, eine Frau oder ein Kind. Wie die Arbeitskraft die Arbeitskraft bleibt, gleich wer die Arbeit tut, ein Mann, eine Frau oder ein Kind. Wegen dieser Schwierigkeiten ist in manchen sehr abgeschliffenen Sprachen die G-Einteilung schon verschwunden, beispielsweise im Englischen, in dem ein friend nur noch durch ein zugefügtes Adjektiv oder durch den Zusammenhang als männlich oder weiblich zu identifizieren ist (vgl. Emanzipation).

Genuß
Der Baum genießt das Licht und das Wasser, die Luft und die Nährstoffe des Bodens, der Vogel zusätzlich mancherlei anderes Futter und dazu seine Vögelin, der Mensch ist in seiner Mehrzahl genauso bescheiden. Nur wenige entwickeln die Fertigkeit, Kunst zu genießen (vgl. Überlegenheit).

Gerecht
Die hochgelobte Natur ist alles andere als gerecht, wie sie dem einzelnen sein Maß an Intelligenz zuteilt und den Todeszeitpunkt setzt (vgl. Beschwerderecht, Schicksal).

Gerechtigkeit 
Man sollte sich keinen falschen Hoffnungen hingeben: Im Wort G. kommt zwar das Wörtchen Recht vor, aber im Recht kommt die G. nicht vor (vgl. Illusion).

Geschmackssache
Der eine will Rotwein, der andere Weißwein, die eine will Tee, die andere Kaffee, und das nennen sie G., dabei müsste der eine eigentlich zugeben, dass er was gegen den Durchfall tun will, wie der andere gestehen müsste, er wolle sich keine Verstopfung holen, genauso die eine und die andere, wenn sie ehrlich wären. Denn die Versorgung hat stets mit der Entsorgung zu tun. Aber über sowas am Tisch zu sprechen, das ist halt G. (vgl. Umschreibungen).

Geschwister
Immer wieder erstaunlich, wie sie sich bei aller natürlichen Ähnlichkeit zu unterscheiden suchen. Was dem „Spiegel“ sein Brüderchen „Focus“, das ist der „Zeit“ das Schwesterchen „Woche“: Nicht so tierisch ernst schwadronierend, dafür nervtötend lebhaft und verspielt (vgl. Journaille).

Gesellschaft
Sammelbegriff für Menschen in Menge. Sehr praktisch, wenn es darum geht, einzelne von einer Schuld oder Verantwortung zu entlasten, sehr gefährlich, sobald von Forderungen der G. die Rede ist oder von Verpflichtungen des einzelnen gegenüber der G. (vgl. Popanz).

Gesichtspunkt
Jeder - der, der und der, genau wie die, die und die - ist für sich der Mittelpunkt des gesamten Universums und kann nur so die Welt sehen, erwartet auch, so gesehen zu werden (vgl. Ich).

Gesundheit
Ist doch so einfach: G. ist etwas Veranlagung, etwas Glück und viel Überlegung, wenn man sich gleichzeitig von Ärzten fernhält und nicht von Illustrierten kaputtquatschen läßt (vgl. Ratio).

Gewandfibel
Jahrtausendelang war die G. das wichtigste Accessoire der Kleidung, unverzichtbar zum Zusammenhalten der einzelnen Teile und zugleich die ideale Gelegenheit, durch kunstvolle Verzierung Rang und Reichtum zu zeigen. Sie wurde erstaunlicherweise nicht von der baugleichen Sicherheitsnadel abgelöst, sondern von Knopf und Knopfloch. Ein tröstlicher Hinweis darauf, daß selbst das absolut unverzichtbar Scheinende eines schönen Tages durch was ganz anderes ersetzt wird (vgl. Atomenergie, Auto).

Gewissen
Gewissen
Schon viele Jahrhunderte, bevor Sigmund Freud auf die Idee kam, uns ein Über-Ich anzudichten, hatten die Konstrukteure des christlichen Glaubens es geschafft, uns eine unbestechliche interne Kontrollinstanz einzureden, das G. genannt. Es soll jede unserer Taten auf gut oder böse prüfen und uns beim Urteil böse als ein permanenter Quälgeist terrorisieren. Gut gemeint, aber falsch, weil es weder das Gute noch das Böse gibt, nur geschickt oder ungeschickt Gemachtes (vgl. Böse, Eigennutz, Gemeinnutz).

Gewissen, schlechtes
Das sogenannte sch. G. hat sein Gutes, weil es einen dazu verpflichtet, als Ausgleich für das angeblich Schlechte, das man getan hat, Gutes zu tun (vgl. Absurdität).

Ghostwriter
Talentierte arme Schreiber, die für untalentierte reiche Prominente Briefe, Reden oder Bücher schreiben. Neuerdings ist es üblich, daß die Schreiber in den unter falschem Namen auftretenden Werken heimlich ihre Spuren hinterlassen, mit denen sie die Auftraggeber blamieren. Rache für die Verachtung, mit der sie behandelt werden (vgl. Klassenhass, Prominenz, Risiko).

Gier
Der Mensch ist kein friedfertiges Wesen, wenn er auch noch so oft sagt: Schalom oder Peace oder Salam. Da giert die Scheide mehr nach dem Schwert als das Schwert nach der Scheide (Vgl. Frieden).

Gladiatorenkämpfe
Es war der Hauptreiz dieser Massenbelustigungen im Römischen Reich, bei denen oft an einem Tag einige hundert Männer abgeschlachtet wurden, Kriegsgefangene, Sklaven und freie Habenichtse, dass die Kämpfer mit verschiedener Bewaffnung gegeneinander antraten, wobei der aktive und passive Schutz nicht aufeinander abgestimmt waren: Ein Behelmter mit Schild und Kurzschwert gegen einen Halbnackten mit Wurfnetz und Dreizack, oder Dolch gegen Schlinge usw. Was wir Heutigen so hundsgemein finden, das war in Wahrheit die exakte Kopie des unfairen Überlebenskampfes in der Natur: Flugfähigkeit gegen Klebstoff, Schnelligkeit gegen Panzerung, Reißzahn gegen Gift usw. (Vgl. Fairplay, Vergnügen).

Glauben
G. kann man nur wollen. Gerade für den gebildeten Menschen ist der Glaube die Chance, aller Einsicht in die Sinnlosigkeit des Lebens und in die Relativität unserer Erkenntnis zum Trotz mit der geziehmenden Selbstsicherheit aufzutreten (vgl. Religion, Sinn).

Glaubwürdigkeit
Mittlerweile eines der rarsten Elemente des Lebens, weil seit Jahrtausenden vor allem von Priesterschaften und Herrschern hemmungslos vergeudet (vgl. Skepsis).

Globalisierung
Ein Schreckgespenst, das mit der weltweiten Geltung des kapitalistischen Denkens droht: Gewinnmaximierung geht vor Menschlichkeit. Die Angst ist berechtigt, weil in den privatkapitalistischen Großunternehmen genau wie im Staatskapitalismus die beiden Bremsen fehlen, mit denen wir uns zu trösten gelernt haben: Demokratie und Moral (vgl. Wahn und Wirklichkeit).

Globalisierungserfolge
Für die einen ein Schreckgespenst, für andere eine Notwendigkeit, wenn nicht gar schon die neue Wirklichkeit. Zumindest auf bestimmten Gebieten kann man von längst erreichter globaler Einheitlichkeit sprechen, so in Handel, Wissenschaft, Sport, Architektur und Malerei. Und die G. liegt fast überall im Trend, besonders deutlich im Recht und bei der Sprache zu sehen. Doch stört auf dem Weg zu einer dadurch entstehenden Weltgesellschaft die kleinkarierte Politik der Nationalstaaten ebenso wie die vorgestrige Bemühung um die Etablierung von Teil-Weltgesellschaften wie die Europäische Union (vgl. Europa, Globalisierung, Lingua franca, Nationalismus, Partikularismus, Weltbürger, Welthilfssprache).


 
Glück
G. gibt es nur, weil es Unglück gibt, nämlich mal als dessen Aufhebung, mal als dessen Ausbleiben. Die G.s-Quantitäten hängen vom Einfühlungsvermögen des einzelnen Menschen ab und von seinem Eifer, sich sein G. klarzumachen. Insofern erübrigt es sich, die Göttin Fortuna oder ihre Kollegen zu bemühen (vgl. Bewußtsein, Religion, verkopft).

Illustration:
Jules Stauber, Schwaig

Glücksklee
Eine stets massenweise auftretende dreiblättrige Pflanze. Wer dazwischen eine mit vier Blättern findet, den G., der hat Glück – gehabt (vgl. Aberglauben).

Glücksstreben
Das Streben nach Glück steht als Grundrecht eines jeden Amerikaners in der amerikanischen Verfassung („the pursuit of happiness“). Was gut klingt, aber überflüssig ist, weil sowieso jeder nach seinem Glück strebt. Pech, daß man bei diesem Streben zwangsläufig anderen auf die Füße tritt, weil die Glücksvorstellungen so unterschiedlich sind. Das G. zeigt sich meist asozial. Allein Verliebte und alte Ehepaare schaffen es beim Streben nach Glück, Glück zu spenden, wenn auch nur sich selbst wechselseitig (vgl. Ich).

Glühbirne
Umweltschützer wollen sie aus diesen und jenen Gründen abschaffen, dabei gibt es sie bei uns längst nicht mehr. Weil für Wirtschaft und Werbung die Unterscheidung von leuchtender Glühbirne und Lampe drumherum zu schwierig war, kann man heute nur noch Glühlampen kaufen. Das sind die alten Glühbirnen. In was man sie hineindreht, das ist eine Lampe ohne Glüh (vgl. Analphabeten).

Golf
Als junger Mann muß man mit einem gebrauchten glücklich zu werden versuchen, als alter Mann braucht man viel Glück bei seinen G.-Versuchen (vgl. Geld, Sport).

Gossen
Der deutsche Volkswirtschaftler Hermann Heinrich G. (1810-1858) hat eine subjektive Wertlehre entwickelt, die sich kurz so zusammenfassen läßt: Von jedem Gut ist uns die erste Teilmenge die wertvollste, und jede folgende nimmt gegenüber der vorhergehenden an Wert ab (Erstes G.sches Gesetz). Die Wertabnahme eines Gutes kann dadurch aufgefangen werden, daß man seine folgenden Teilmengen durch erste Teilmengen anderer Güter ersetzt (Zweites G.sches Gesetz). So selbstverständlich das klingt, so schwierig ist es meist, sich in der Praxis entsprechend zu verhalten (vgl. Reiz, Ehe). 

Gottesvorstellung
Noch naiv war sie bei den alten Ägyptern, dagegen schon ihre Schöpfer entlarvend bei den Israeliten, schlitzohrig-allzumenschlich bei den alten Griechen, allzu beliebig bei den Römern und übertrieben heroisch bei den Germanen. Wenn man seine G. im Laden kaufen könnte, aus dem bunten Sortiment ausgewählt, das der Weltmarkt anbietet, ich bin mir sicher, ich würde nicht mein Portemonnaie öffnen, sondern die Tür nach draußen (vgl. Agnostiker, Skeptiker).  

Graphologie
Die G., eine der zahlreichen krummen Künste, gibt sich einen wissenschaftlichen Anschein bei ihrer Behauptung, aus der Handschrift eines Menschen auf dessen zukünftiges Verhalten schließen zu können. Es ist jedoch längst erwiesen, daß die Handschrift nichts über die Persönlichkeit des Schreibers verrät. Firmen und Institutionen, die trotzdem heute noch von Stellenbewerbern einen handgeschriebenen Lebenslauf verlangen, verraten sich damit als von Ignoranten oder Obskuranten geführt und sollten tunlichst gemieden werden (vgl. Kaffeesatzlesen, Horoskop, Meinungsforschung). 

Graukopf
Heute ein negatives Urteil über einen Menschen. Deshalb ist es wichtig sich klarzumachen, wie einfach es zu vermeiden ist, ein G. zu werden. Bloß nach jedem Zeitungslesen die eingeschwärzten Finger an den Haaren abwischen. So tut der Zeitungsleser was für seinen Kopf (vgl. Alt, Wunder, Zeitung).

Grenze
Jahrtausendelang waren G.n das wirksamste Machtmittel der Herrschenden bei ihrem ständigen Bemühen, das eigene Volk bei der Stange und sich Konkurrenten vom Hals zu halten. Das ist vorbei. Der Eiserne Vorhang und die Berliner Mauer waren schon Auslaufmodelle. Die heute zur Abwehr von Wirtschaftsflüchtlingen da und dort errichteten Sperren sind Restposten. Was Kaufleute begonnen haben, die grenzüberschreitende Aktivität, ist von Touristen, Künstlern und Sportlern ins Extrem gesteigert worden. Heute haben die ehemals Mächtigen ihre liebe Not mit mächtigen Grenzignoranten, die Namen tragen wie Internet oder Aids, BSE und MKS (vgl. Fortschritt).



Großstadt
G. ist, wo die Häuser sich so eng aneinander kuscheln, wie nirgends sonst, obwohl die Menschen sowenig miteinander zu tun haben wollen, wie nirgends sonst (vgl. Absurd, Dorf, Provinz).



Groupie
Sexbesessenes Girl, das sich an ein Idol aus der Glamourszene wirft, um mit ihm hemmungslos zu genießen, was man High-life nennt, aber mangels Steuerung durch den Kopf meist noch schneller untergeht als sein Opfer (vgl. Persönlichkeit, Sonnentau).

Grundbedürfnisse
Früher war man sich einig, daß die das Leben möglich machenden Bedürfnisse, also die G. aller Menschen, Nahrung, Unterkunft und Bekleidung sind. Menschenfreunde haben diese Dreiheit durch ein viertes Bedürfnis bereichert: Geschlechtsverkehr. Die Praxis der Haftstrafen zeigt, daß sie recht haben; sie zeigt aber auch, daß noch ein fünftes Bedürfnis zu den G.n gehört: Bewegungsfreiheit. Und das eigentliche Bedürfnis eines jeden, nämlich sein Ich rauszuhängen, müßte zumindest als sechstes Grundbedürfnis ergänzt werden. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) jedoch läßt bei ihrer Definition der G. diese drei Ergänzungen unter den Tisch fallen und bezeichnet statt dessen als weitere G. gesundes Trinkwasser, sanitäre Einrichtungen, Transportmittel, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, angemessen entlohnte Arbeit, nichtzerstörte Umwelt und die Möglichkeit der Beteiligung an politischen Entscheidungen. Ende des Wunschzettels. Auf die äußere Fensterbank legen, wird dann vom Christkind abgeholt (vgl. Blauäugigkeit, Bürokratie, Ich, Vereinte Nationen).
 

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Walter Laufenberg