Egoismus
Unter E. versteht man das Vorherrschen des eigenen Interesses.
Was bei allen Menschen selbstverständlich ist, denn es gibt für
einen Menschen nichts Wichtigeres als ihn selbst. Dennoch ist es geschickt,
den Mitmenschen ihren E. zum Vorwurf zu machen, weil man dann so aussieht,
als wäre man anders. Nur selbst daran glauben, E. sei etwas Vorwerfbares
und man selbst sei anders, sollte man nicht. Denn das wäre schrecklich
dumm (vgl. Ich,
Dummheit). |
Illustration:
Guntram Erbe
Hilpoltstein
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Egomanie
Wer einem anderen Menschen, weil ihm dessen
Selbstbezogenheit zu auffällig erscheint, die Geisteskrankheit E.
an den Hals zu reden versucht, ist selbst nicht anders veranlagt, lediglich
dümmer (vgl. Egoismus, Ich).
Egotismus
Philosophischer Versuch einer auf die ganze
Menschheit ausgerichteten Glücksfindung, der leider zu dem Kalauer
verkommen ist: Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht (vgl.
Egoismus, Ich).
Ehe
Die E. ist - immer nur auf Zeit - im Falle eines Fehlgriffs ein
trostloses Ausnützungsverhältnis, im Idealfall eine symbiotische
Gemeinschaft und im Normalfall so was wie ein vierhändiger Rückgriff
auf die Eiserne Ration, und zwar aus der Einsicht heraus, daß das
Leben einem sonst nichts bietet, weil man selbst ja nichts Besonderes zu
bieten hat (vgl.: Glück, Liebe, Rationalität). |
Illustration:
Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg
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Ehepaar
Zwei Menschen, die sich freiwillig aneinander
fesseln lassen, weil sie am besten zu wissen glauben, wie sie einander
Freude machen können. Pech, daß sie nach einiger Zeit auch wissen,
wie sie einander am wirksamsten Wunden beibringen können (vgl. Scheidungsrate).
Eifersucht
Der Philosoph Schleiermacher soll die Platitüde verbrochen
haben: "E. ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft."
Sprachlich reizvoll, aber unsinnig, weil der Mensch Lust sucht und nicht
Leid. Der Schriftsteller La Rochefoucauld kam der Sache schon näher
mit seiner Bemerkung: "In der E. liegt mehr Eigenliebe als Liebe." Weil
jedoch die Unterscheidung von Liebe und Eigenliebe ein bloßes Vorurteil
ist, können wir schlicht feststellen, daß die E. ein Phänomen
der Eigenliebe ist. Es geht um einen selbst. E. ist keine therapierbare
Krankheit, sie ist einfach fehlendes Selbstbewußtsein, ist das Eingeständnis
der eigenen Austauschbarkeit. Das heißt, daß die Vehemenz der
E. weder von der Stärke der Persönlichkeit dessen abhängt,
der einen eifersüchtig macht, noch von der des dritten beteiligten
Menschen. Sie ist allein abhängig von unserer Selbsteinschätzung.
Und die Kombination von nicht überwundener Unsicherheit und heimlicher
Selbstüberschätzung ist das brisante Gemisch, das aus einer banalen
E.-Szene eine Katastrophe entstehen lassen kann (vgl.: Persönlichkeit,
Basis-Instinkt,
Psychiater, Selbstbewußtsein).
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Eigentum
Das E. – meist in der Form eines Häuschens – ersetzt in
unserem Lohnsklavenzeitalter die Galeerenketten früherer Zeiten. Die
Fesselung ist perfekt und hält ein Leben lang, der Arbeitswille wird
mit der Lohnpeitsche wachgehalten. E. ist der Eckstein eines brutalen Ausnutzungssystems.
Und dennoch herrscht kein Mangel mehr an Sklaven. Im Gegenteil, sie drängeln
sich an den Ruderbänken. Während die Herren auf E. verzichten
und mit Dienstvilla, Dienstwagen, Spesenkonto und Entscheidungsbefugnis
über fremdes Kapital viel unbeschwerter leben als jeder Eigentümer
(vgl. Grundbedürfnisse,
Kapitalismus).
Einbürgerung
Deutschland ist so hart wie kein anderes Land mit einer E. auf
den Bauch gefallen, nämlich mit der E. des Österreichers Adolf
Hitler, der unsere Begeisterungsfähigkeit, unsere Wirtschaftskraft
und unseren guten Ruf rücksichtslos mißbraucht und auf Jahrzehnte
hinaus ruiniert hat, nur um sein Ich raushängen zu können. Deshalb
steht es Deutschland wie keinem anderen Land an, in Sachen E. vorsichtige
Reserviertheit walten zu lassen statt vorschneller Begeisterung für
jeden Ausländer und alles Ausländische (vgl. Staatsangehörigkeit,
Ich,
Xenophilie). |
Illustration:
Vangelis
Pavlidis, Rhodos |
Einehe
Jeder weiß, daß sie unnatürlich
ist, muß sich – zumindest scheinbar – aber daran halten. Erst der
Blick ins Tierreich, wo es nicht um den Aufbau von Vermögen, um Versorgung
und Erbrecht oder den ehrlichen Namen für die Kinder geht, auch
wohl kaum um Gewohnheit und Bequemlichkeit, macht die E. zu einem interessanten
Phänomen. Oder geht es bei den unzertrennlichen Mandarinentenpärchen
vielleicht auch um so was? (vgl. Ehe, Gossen, Treue).
Einsamkeit
Eine Situation, in der du dich nicht über
andere ärgern mußt – dafür über dich selbst um so
mehr (vgl. Ich).
Ekel
Ein starkes Gefühl des Abscheus. Tiere
kennen keinen E., und auch uns Menschen wird er in den ersten Lebensjahren
nur mühsam beigebracht. Wozu? Damit wir ein Leben lang das lästige
Gefühl, das nicht einmal zur Gefahrenabwehr taugt, nicht mehr los
werden (vgl. Natur, Sozialisation).
E-mail
Der als E-mail bezeichnete elektronische
Brief (zu unterscheiden von Email=Schmelzüberzug) hat als Kreuzung
aus Anruf und Briefsendung mehr Ähnlichkeit mit dem Vater als mit der
Mutter. Das spontane und ungeordnete Gebrabbel ohne Rücksicht auf
Orthographie und Umgangsformen, wie es beim Telefonieren üblich ist,
wirkt aber in schriftlich fixierter Form doppelt peinlich. Dagegen hilft
nicht mal ein beigefügtes Smiley ;-) |
Illustration:
Guntram Erbe,
Hilpoltstein |
Emanzipation
Der Reinfall des 20. Jahrhunderts. Denn
was als Befreiung der Frau aus der Abhängigkeit vom Mann gedacht war,
entartete zur Angleichung an den Mann, womit sich die Frau die Last einer
Doppelrolle auflud, bei gleichzeitigem Wegfall aller traditionellen Privilegien.
Und weil Dummheit abstößt, wurde der Begriff Emanze zum Schimpfwort
(vgl. Gleichmacherei, Volksverdummung).
Enkel
Enkel sind das Größte, sobald
man einsehen muß, daß man aus sich selbst nichts Großes
gemacht hat und auch aus seinen Kindern nichts Großes mehr werden
kann (vgl. Nachkommenschaft).
Entlassungsproduktivität
Einerseits als Unwort des Jahres 2005 verworfen, andererseits
als Fachbegriff in die Betriebswirtschaftslehre aufgenommen. Der besondere
Reiz liegt in der Prägnanz der Bezeichnung für einen komplizierten
Zusammenhang. Das A & O des Wirtschaftens ist bekanntlich die Produktivitätssteigerung.
Die Faustformel dafür heißt: Die Produktivität eines Betriebes
steigt, wenn ein höherer Ertrag bei gleichem Einsatz erzielt wird oder
der gleiche Ertrag bei weniger Einsatz. Pfiffige Köpfe haben nun zwischen
dieser Lehrbuch-Alternative eine Ideallinie entdeckt: Die Produktivitätssteigerung
durch Massenentlassungen, wenn weniger Einsatz von Lohngeldern den gleichen
Ertrag bringt, wobei nichts davon gesagt wird, dass dieses Ergebnis nur
durch höhere Leistung der im Betrieb verbliebenen Mitarbeiter zustande
kommt. Das wird in der Chefetage grinsend als unvermeidlich hingenommen
und an der Börse zu Recht mit einem Kurssprung honoriert (vgl. Arbeit, Ehrlichkeit, Kapitalismus).
Entschädigung
Ein Wort, das nach jahrzehntelanger Zahlung von E.en Deutschlands aus
dem deutschen Wortschatz gestrichen wurde, weil semantisch falsch und irreführend.
In Wahrheit aber, damit nicht irgendwelche Leute eines Tages auf die fixe
Idee kommen, eine E. zu verlangen für die Schäden, die sie im
und nach dem Zweiten Weltkrieg durch die völkerrechtswidrige Flächenbombardierung
von deutschen Wohngebieten erlitten haben oder durch die Vertreibung aus
den deutschen Ostgebieten oder durch den Raubbau am Schwarzwald oder durch
die Demontage der deutschen Industrie oder durch die Mißachtung deutscher
Patente oder als Frau durch die Vergewaltigung durch die Eroberer oder als
Kriegsgefangener durch den gegen die Haager Landkriegsordnung verstoßenden
Einsatz zur Zwangsarbeit. Ein Trost: In allen anderen europäischen
Sprachen sowie im Russischen und Hebräischen gibt es das Wort E. nach
wie vor. Es ist also für die Kultur kein großer Verlust zu beklagen
(vgl. Siegermentalität).
Entwicklungshilfe
Umschreibung für das mit gutem Gewissen
ausgehaltene Verreckenlassen ganzer Völker. Denn je mehr seit einem
halben Jahrhundert darüber geschrieben und an Organisationen gegründet
wird, um so mehr vergrößert sich der Abstand zwischen
den reichen und den armen Ländern.
Selbst das 1970 von den Vereinten Nationen vorgegebene maßvolle Ziel,
daß die Industriestaaten 0,7 % ihres Bruttosozialprodukts für
E. ausgeben sollten, ist nicht annähernd erreicht worden (rühmliche
Ausnahmen bilden nur Norwegen, Schweden, Dänemark und die Niederlande).
Was leider nur zu verständlich ist. Denn so wie das Lebensgefühl
des einzelnen Menschen vom Kontrast in seinen Verhältnissen zu schlechter
gestellten bestimmt wird, so lebt das wirtschaftliche Handeln vom Wohlstandsgefälle
zwischen den Ländern oder Regionen (vgl. Egotismus, Entwicklungsländer, Ignoranz,
Menschlichkeit).
Entwicklungsländer
Die nach den westlichen Maßstäben
der Produktivität und des Lebensstandards als unterentwickelt bezeichneten
Länder Asiens, Afrikas, Amerikas und teilweise auch Europas haben
sich als besonders attraktiv für den Tourismus erwiesen. Weil der
Tourist seinen Wohlstand dort am wohltuendsten wahrnimmt, wo er im größtmöglichen
Kontrast zum Leben der Einheimischen steht. Der Tourismus fördert
jedoch die Entwicklung dieser Länder nicht, wie man lange Zeit geglaubt
hat. Im Gegenteil. Verweigern sich doch immer mehr Menschen in den E.n
der sogenannten Höherentwicklung, sobald sie die Touristen aus den
höher entwickelten Ländern kennengelernt haben (vgl. Entwicklungshilfe,
Mastferkel, Tourismus).
Erektion
Die E. des männlichen Geschlechtsmuskels
wird vom Gehirn ausgelöst, sobald dort irgendwas Erogenes besondere
Aufmerksamkeit erregt. Beim jungen Mann passiert das alle Augenblicke,
weil ihm noch soviel unbekannt ist, beim alten Mann viel seltener, weil
man ihm so leicht nichts Neues mehr bieten kann. Die E. ist also nichts,
auf das man besonders stolz sein kann, eher im Gegenteil ein Zeichen von
Unerfahrenheit. Mit Potenz hat sie nichts zu tun. Ihr mit sogenannten Potenzmitteln
(Levitra und Viagra) auf die Sprünge zu helfen, heißt an den
Symptomen herumfummeln. Wenn E.-Störungen auftreten, muß die
Partnerin sich was Neues einfallen lassen – oder ausgewechselt werden (vgl.
Potenz, Sex, Willensfreiheit).
Erzählung
Eine E. ist eine Situation, die sich über
die momentane Situation des Lesers legt. Als eine zwangsläufig kurzgefaßte
Wiedergabe von wirklichem oder erfundenem Geschehen löst sie Interpretationsunsicherheiten
aus. Die Phantasie des Lesers muß darüber hinweghelfen, indem
sie Lücken ausfüllt und damit die E. erst komplett macht. Da
aber jedes Verstehen, wie Wilhelm von Humboldt erkannt hat, zugleich ein
Nichtverstehen ist, bleibt ein unverstandener Rest. Das ist der Antrieb
zum Weiterdenken. Nur von daher hat alles Erzählen seine Berechtigung
und seinen besonderen Wert. Denn das Weiterdenken ist der eigentliche Motor
der Kulturentwicklung (vgl. Informiert,
Kunstgenuß,
Roman).
Esoterik
Aktuelles Fremdwort für Unsinn. Denn
E. spricht nicht den Verstand an, sondern den Glauben und ist deshalb um
so attraktiver für einen Menschen, je weniger Verstand er hat (vgl.
Rationalität,
Kommerz).
Etymologie
Die Lehre von der Herkunft der Wörter
war bei den alten Griechen beliebt, weil sie den Zugang zur wahren (etymos)
Bedeutung eines Wortes zu bieten schien. Heute kennen wir den vielfachen
Bedeutungswandel vieler Wörter und glauben nicht mehr daran, daß
die erste Bedeutung „wahrer“ ist als die momentane soundsovielte. Was jeden,
der mit etymologischer Wahrheit argumentiert, als Wortverdreher entlarvt
(vgl. Rhetorik, Wahrheit).
Eudämonismus
Der schlichte Wunsch glücklich zu
sein - für den einzelnen Menschen vielleicht so was wie ein Geheimtip,
doch eine Gesellschaft, die sich dem E. hingibt, muß aussterben, weil
sie kaum noch Kinder zeugt. Denn Kinder bieten wenig Genuß, statt
dessen machen sie Arbeit und Ärger und früh alt, weil sie so
rücksichtslos ihr Jungsein betonen (vgl. Bevölkerungsentwicklung,
Kindergeld).
Euro
Noch hat kein Mensch in Europa auch nur
einen einzigen Euro in der Tasche, da zeigt sich schon am Devisenmarkt und
an ersten Lockerungen der Stabilitätskriterien für Italien, daß
auch für diese Mischwährung, die zum Entsetzen vieler eine harte
Währung wie die Deutsche Mark ablösen soll, die alte Volksweisheit
gilt: Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied (vgl. Glücksspiel,
Ignoranz, Politiker).
Europa
Die Dame E. wird in der Malerei stets nackt dargestellt. Und
einigermaßen verzweifelt. Weil sie einmal eine große Hoffnung
war, sich dann aber als höchst verschwenderische Kokotte entpuppt hat,
die zu oft auf Bauern hereingefallen ist, besonders durch die von ihr wider
besseres Wissen eingeführten planwirtschaftlichen Regelungen, weil sie
zudem aus nationalem Eigennutz ständig an außenpolitischer Verstopfung
leidet und weil sie fast nur noch für zwielichtige Geschäftemacher
und abgehalfterte Politiker attraktiv ist (vgl. Europafeindlichkeit, Marktwirtschaft, Sozialismus).
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Europäische Union
Die EU hat ihren Sitz in Brüssel und
und und. Den einen ist sie der Beweis dafür, daß es nicht ohne
das sozialistische System der Zentralverwaltungswirtschaft geht, den anderen
ist sie der Beweis dafür, daß die sozialistischen Staaten an
ihrer Wirtschaftspolitik verrecken mußten (vgl. Agrarpolitik,
Sackgasse).
Europafeindlichkeit
Die E., die den sog. Rechtspopulisten in
Österreich, Frankreich, Italien, Dänemark, Norwegen und den
Niederlanden angelastet wird, ist das Natürlichste von der Welt.
Soziologen und Psychologen wissen, daß bei jedem Zusammenschluß
zu einer übergeordneten Einheit die einzelnen Mitglieder das Bedürfnis
haben, ihre Eigenart um so stärker zu betonen, je mehr die Einheitlichkeit
verwirklicht wird. Die Angst, in der neuen Einheit zu verschwinden, ist
verständlich, egal, ob es sich um die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft,
eines Konzerns, eines Dachverbandes oder eines Staatenbundes handelt (vgl.
Europa, Oberflächendifferenzierung, Profilneurose,
Rechtsruck).
Evaluation
Kommt vom französischen évaluer,
was sowohl schätzen als auch das Gegenteil, nämlich berechnen
heißt. Entsprechend unbestimmt sind meist die Ergebnisse einer Untersuchung,
die sich großkotzig E. nennt (vgl. Spleen, überhochmetzt, Wissen).
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