Laufenbergs Laester-Lexikon
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Stichwortverzeichnis


Dank
D. wird gern und reichlich gegeben, weil kein Mensch so frech ist, ihn als Falschgeld zurückzuweisen (vgl. Inflation, Schläue).


 
Datenmüll
Alles menschlich zu sehen ist kein Patentrezept. Wer beispielsweise beim Computer vom Elektronengehirn spricht, muß den D. als Elektronenscheiße bezeichnen. Diese Produkte der Überfütterung, auch Datenschmutz oder Spam genannt, werden den Mitmenschen mittels Internet rücksichtslos in den Weg gelegt. Die Arbeit, die ihre Beseitigung macht, ist ärgerlich. Doch gibt es noch nicht den wirksamen Schutz gegen D., wie der Deutsche Multimediaverband  ihn verlangt und die EU ihn ablehnt. Deshalb ist zu befürchten, daß die gerade erst angebrochene weltweite Internetkultur sich zu einer weltweiten Kloakenkultur entwickelt (vgl. Politik, Kommerz).

 

   Illustration:
   Guntram Erbe,
   Hilpoltstein

Datenschutz
Der Begriff ist einer der modernen Euphemismen. In der Praxis bleiben die persönlichen Daten der Bürger für die staatlichen Institutionen trotz D. weitestgehend zugänglich. Lediglich der zwischenmenschliche Kontakt der Bürger wird durch D. massiv erschwert, was das Regieren zusätzlich erleichtert. Der Trend zur weiteren Computerisierung der Kommunikation macht D. vollends zur Farce (vgl.: Computer, Euphemismus, Wortsetzungsmacht, Politiker, Volksverdummung). 

Debütanten-Literatur
Es hat Zeiten gegeben, da wollte man von Debütanten nichts hören. Die sollen erst mal Lebenserfahrung sammeln, ehe sie den Mund aufmachen, hieß es. Doch das gerade geborene 21. Jahrhundert erbaut sich an D.-L. als dem A und O, weil es so beruhigend ist, von jungen Menschen zu erfahren, daß sie alles zum Kotzen finden, wenn man selbst immer noch keine bessere Einstellung zum Leben gefunden hat. Dann fühlt man sich doch wieder richtig jung (vgl. Jugendlichkeitswahn, Hohlkopf).

Deismus
Im Unterschied zum Atheismus leugnet der D. nicht die Existenz Gottes, sieht den alten Herrn aber immer noch an seinem Ruhetag, dem 7. Schöpfungstag, auf der faulen Haut liegen. Weil in der Genesis von einem 8. Tag der Woche und von neuen Taten Gottes nichts gesagt wird. So die Auffassung von Aufklärern des 17. und 18. Jhdts. (sogen. Deisten). Und auch meine, in der Leseprobe meiner unmöglichen Bibelneufassung nachzulesen (vgl. Leseprobe).

Dekadenz
Seit rund 300 Jahren hätscheln wir das Gefühl, daß alles Kultiviert-Überfeinerte der westlichen Gesellschaften nur Erschöpfungssymptome sein könnten und wir deshalb eines Tages dem Neuen und Barbarischen, woher auch immer es kommen mag, zum Opfer fallen müssten. Manch einer glaubte darin sogar eine übergeordnete Gesetzmäßigkeit der Geschichte zu erkennen. Doch hat die Welt, als globales Dorf gesehen, inzwischen die umgekehrte Sorge: Das Unverbraucht-Ursprüngliche wird so schnell vom kommerziell und technisch überlegenen Kultiviert-Überfeinerten durchdrungen, daß ihm keine Zeit mehr bleibt, eine neue, barbarische Kraft zu entwickeln (vgl. Amerikanisierung, Fundamentalismus, Globalisierung).

Demokratie
Als D. (Volksherrschaft) bezeichnet man eine Regierungsform, in der das Volk durch gelegentliche Wahlen, Volksbegehren oder Volksabstimmungen ein Quentchen Einfluß auf die Regierenden ausüben kann. Was offenbar zuwenig ist. Denn Parteienverdrossenheit und Wahlboykott wachsen. In allen Ländern, in denen keine Wahlpflicht wie z. B. in Belgien und Griechenland besteht, ist mittlerweile der Block der Nichtwähler die stärkste "Partei". Verständlich, da die eigentlichen Machtträger in einem modernen Staat nicht die Regierenden und schon gar nicht die Parlamente oder das Volk sind, sondern die Banken, Großunternehmen, Medien, Kirchen und Verbände, deren Führer sämtlich nicht demokratisch legitimiert sind. Der Begriff D. ist zum Feigenblatt verkommen. Also, wenn man ordentlich aussehen will, unverzichtbar (vgl. Parteien, Volksverdummung).

Denken
Immer noch das Abenteuer par excellence. Wer denkt, der Computer nehme ihm das Denken ab, hat falsch gedacht (vgl. Hohlkopf, Luxus).

Denkmal
Ein D. soll dazu dienen, entweder einen großen Menschen oder ein großes Ereignis in Erinnerung zu halten (Ehrenmal oder Mahnmal). Ob es sich dabei tatsächlich um Größe handelte, spielt keine Rolle, ausschlaggebend ist allein die Meinung der Leute, die das D. aufstellen lassen. Gelegentlich erzeugt man auch erst mit dem D. Größe (z.B. mit dem Bomber-Harris-Denkmal in London). Damit das D. seinem Aufforderungscharakter ?Denk mal!? entsprechend auch späteren Generationen noch was sagen kann, muß es einem Gedanken Ausdruck geben, der über das Augenblicksbewußtsein hinausreicht. Das kann nur durch Generalisierung erreicht werden. So wird im Idealfall mit Gefallenen-Mahnmalen der Krieg allgemein angeprangert, mit Holokaust-Gedenkstätten jeder Rassenwahn (vgl. Menschlichkeit, Geschichte). 

Depressiv
Früher sagte man: Dieser Mensch ist traurig, weil ihn was bedrückt. Die Psychobastler haben daraus die persönliche Eigenschaft depressiv gemacht. Der Unterschied ist: während man sich früher darum kümmerte, das zu ändern, was den Menschen bedrückte, drückt man ihm heute den Stempel einer Krankheit auf und manipuliert mit der chemischen Keule an seinem Allgemeinbefinden herum (vgl. Fachidiot).

Designerkleidung
D. hat für den modernen Massenmenschen eine solche Bedeutung erlangt, daß die immer noch unterschiedlichen Köpfe über der Einheits-Markenware störend wirken. Vielleicht sind Stahlhelme und Gasmasken das, was uns mal wieder nottut (vgl. Hohlkopf, Persönlichkeit).

Deutscher
Gelernter Untertan mit einem Hang zum Grübeln und ohne jedes Selbstbewußtsein, im übrigen dankbar für jede Handvoll Asche, die er sich nicht selbst aufs Haupt streuen muß (vgl. Deutscher Michel, Sprache, Verallgemeinerung, Xenophilie).

Diät
In der Einzahl ein zweifelhafter Vorschlag, durch gezielte Enthaltsamkeit im Essen eine Verschlankung zu erreichen. In der Mehrzahl dagegen wird zweifellos nur eine Verdickung erreicht. Wogegen auch ständige, meist unanständig überzogene Steigerungen nicht helfen (vgl. Körperkultur, Politiker).

Dialekt
Jeder D. ist Mutterlaut und deshalb jeder Hochsprache an Gemütswerten und an Intensität des Ausdrucks überlegen. Ein D.-Sprecher jedoch, dem noch als Erwachsener die Hochsprache Schwierigkeiten bereitet, erweist sich damit als nicht richtig abgenabelt. Das wirkt sich negativ auf sein beruflichesFortkommen aus. Zu unterscheiden nach D.en, die einem gefallen, und solchen, die einem nicht gefallen, ist zwar üblich, dennoch unsinnig, weil sich niemand seine Mutter aussuchen kann (vgl.: Sprache, Bildung, Karriere).


 

Dialektik
Während ein unvereinbarer Widerspruch eine Antinomie ist und bleibt, sollen spitzfindig konstruierte Widersprüche sich durch D. überwinden lassen. Dabei ist zu bedenken: Dem griechischen Ursprung nach kommt D. von „sich unterhalten“. Deshalb ist die D. mehr unterhaltsam als informativ. Den Begriff soll der griechische Philosoph Zenon von Elea (ca. 490-430) aufgebracht haben. Er konnte nicht ahnen und verhindern, daß im Laufe der Jahrhunderte immer wieder anderes unter D. verstanden wurde. Nur daß es stets um Gegensätzliches ging, das man unter einen Hut zu bringen versuchte, hatten die diversen Deutungen gemeinsam. Die D. hat als „alter Hut“ ausgedient, nachdem der Marxismus, krampfhaft um den Anschein von Wissenschaftlichkeit bemüht, sich auf den Begriff gestürzt hat, um damit seine „Erkenntnisse“, vor allem auch die Sicherheit seiner Zukunftsdeutung zu begründen (vgl. Rabulistik, Philosophie).

 Illustration:
 Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

 

Dichter
D. ist das Gegenstück zu Bauer. Für die Grundversorgung einer Gesellschaft ist der eine so wichtig wie der andere. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Was mit einer Gesellschaft los ist, erkennt man daran, wie sie den einen und den anderen fördert (vgl. Hungerleider, Bauer).

Dienstleistungsgesellschaft
Angeblich soll sich jede moderne Gesellschaft zur D. entwickeln. Was in Deutschland nicht funktioniert, weil die meisten Dienstleistungsunternehmen frühere Behörden sind und es mit der bloßen Privatisierung nicht getan ist, solange uns das Dienen ein Fremdwort bleibt (vgl. Lächeln).

Diktatur
Eine Herrschaftsform, die zwar uralt ist (Tyrannis und Despotie), die aber im Zeitalter der Demokratieverherrlichung vor allem wegen der brutalen Methoden, mit denen der Diktator seine Herrschaft zu sichern sucht, einen schlechten Geruch bekommen hat. Dabei ist die D. meist effizienter als die Demokratie (Hitler und Stalin), und sie hat peinlicherweise auch große Vorbilder in der Natur (Bienenvolk und Ameisenstaat), die ihre Überlebensfähigkeit zeigen (vgl. Demokratie,Freiheit, Ideologie).

Dolly
Mit dem ersten geklonten Tier, dem Schaf D., hat kurz vor Beginn des dritten Jahrtausends nach der Zeitenwende ein zweites Mal der Tanz um das Goldene Kalb angefangen. Da schon das erste Tänzchen vor drei- bis viertausend Jahren zum Zerbrechen der Gesetzestafeln geführt haben soll, ist damit zu rechnen, daß in kürze wieder hehre Normen den Bach runtergehen. Nebbich, nur so entwickeln sie sich weiter (vgl. Ethik, Moses).


 
Doping
Unter D. versteht man ein medikamentöses Aufputschen des Körpers, wodurch er Leistungen vollbringen kann, die jenseits der natürlichen Belastungsgrenze liegen. Diese natürliche Belastungsgrenze ist jedoch wichtig, weil sie die zum Überleben notwendige letzte Kraftreserve schützt. Insofern ist Doping ein Spiel mit dem Tod und deshalb im Sport absolut verpönt. Da sich jedoch der Spitzensport längst zu einem kommerziellen Unternehmen gewandelt hat, bei dem Gefahren für Leben und Gesundheit zum besonderen Reiz gehören, und das nicht nur beim Boxen und Autorennen, ist zu erwarten, daß die großen Namen der Pharmaindustrie demnächst genauso selbstverständlich am Sportler und seinem Sportgerät zu sehen sein werden wie heute schon die der Auto-, Bekleidungs-, Nahrungsmittel-, Sportartikel- usw.-Industrie (vgl. Heuchelei, Gladiatoren, Kommerz).

 Illustration:
 Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Dotcoms
Sammelbezeichnung für alle Unternehmen, die im Internet mit der Endung Punkt und dem Zusatz commerziell (com) auftreten und bei denen es ohne Belang ist, was vor dem Punkt (englisch: dot) steht, weil sie ohnehin keine Inhalte zu bieten haben (vgl. Content, Internet).

Duden
Ein Wörterbuch, genannt nach dem Gymnasiallehrer Konrad D. (1829-1911), der 1880 ein „Vollständiges orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ herausgebracht hat. Weitergeführt und vielbändig ausgebaut vom Bibliographischen Institut Mannheim, versucht es,  auch oft vorschnell aufgenommene Schludrigkeiten als allgemeinverbindlich hinzustellen. Das Bemühen des D., sich in der Rechtschreibung zum General-Beckmesser aufzuschwingen, scheitert an der Tatsache, daß hinter ihm bloß ein Beschluß der Kultusministerkonferenz steht, also eines Debattier-Clubs, der kein Staatsorgan i.S. des Grundgesetzes ist (vgl. Rechtschreibreform).

Dummheit
D. ist viel schlimmer als Bosheit, weil man nicht einfach dreinschlagen kann, so sehr es einen reizt. Die Gesellschaft verlangt, daß man Verständnis für die D. hat, daß man sich in Geduld übt, daß man daraus resultierende Benachteiligungen klaglos hinnimmt. Alle anderen Reaktionen sind als arrogant verpönt, als elitäres Verhalten. So wird man durch D. noch mehr geschädigt als durch Bosheit. Doch man kann sich damit revanchieren, daß man selbst sich im richtigen Moment dummstellt (vgl. Hohlkopf, Bildung).

Dummheit
Die Krankheit, an der weltweit die allermeisten Menschen leiden, meist allerdings ohne es zu merken. Dummerweise gibt es ausgerechnet gegen diese Volkskrankheit keine Medizin (vgl. Pandemie).

Durchblick
Wer sein Leben nicht dazu nutzt, sehen zu lernen - und das ist was anderes als fernsehen -, der wird gelebt, statt daß er lebt (vgl. Fernsehen, Bewußtsein). 
 

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Walter Laufenberg