Cancan
Ein aus Algier stammender Tanz. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts
in Paris durch Etablissements wie das „Moulin Rouge“ und durch die gemalten
Plakate von Henri de Toulouse-Lautrec weltweit bekanntgemacht, durch die
überzeugende Beinarbeit der Tänzerinnen zum Inbegriff der Lust
geworden. Ein früher Höhepunkt in der jahrhundertelangen Entwicklung
des Tanzes von der Verehrung einer Gottheit zum sexuellen Stimulans. Bestätigung
des Vorurteils, das in dem alten Sprichwort steckt: „Kein Tanz, der Teufel
hat nicht dabei den Schwanz.“ Wenn das heute auch anders verstanden wird
(vgl. Lust). |
Illustration:
Guntram Erbe,
Hilpoltstein
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Charakterdarsteller
Wer im landläufigen Sinne Charakter
hat, bringt die schlechtesten Voraussetzungen dafür mit, C. zu werden
(vgl. Konkurrenzkampf, Schauspieler).
Charakterfach
Wenn eine Frau in die Jahre kommt und immer mehr Zeit vor dem Spiegel
verbringt, mit immer weniger Vergnügen an ihrem Abbild, wechselt sie
ins C., so sie gescheit ist. Ein Mann, der in die Jahre kommt, vergißt
einfach alles, was mit Charakter zu tun hat, so er gescheit ist (vgl. Gleichberechtigung,
Moral).
Chat
Schriftlicher Dialog in Echtzeit im Internet,
vor allem von Surfern genutzt, die sich nichts zu sagen haben und das nicht
einmal richtig schreiben können (vgl. Kinderei).
Chef
Der Mann mit dem gespreizten Auftreten, weil er immer mit dem
einen Fuß schon auf der Abschussrampe steht, mit dem anderen im Gefängnis.
Trotzdem oder deswegen umschmeicheltes Feindbild, das die Gruppe der Mitarbeiter
zusammenschweißt – gegen ihn (vgl. Neid,
Widerspruchsgeist).
Christentum
Ursprünglich von den kleinen Leuten
als ideale Welterklärung empfundene Religion, weil sie jeden Menschen
als gleich wertvolles Kind Gottes sieht. Erst mit 300 Jahren Verzögerung
von den Großen als ideales Instrument der Gängelung der kleinen
Leute erkannt und übernommen (Kaiser Konstantin I. u.a.). Nachdem die
kleinen Leute genauso ungläubig geworden sind, wie es die Großen
schon immer waren, mußten die sich neue Ideologien einfallen lassen,
die als Geschirr zur Führung von Öchslein und Eselein brauchbar
sind (vgl. Demokratie,
Ideologie, Menschenrechte, Wirtschaftswachstum).
CNN
Viel mehr als bloß ein amerikanischer Nachrichtensender.
C. am Morgen vertreibt alle Sorgen. Denn du kannst noch so häßlich
sein, fürs Fernsehen, siehst du, bist du gerade richtig. Wenn du auch
absolut nichts zu sagen hast, hier lernst du, es überzeugend zu bringen
- und bist schon wie einer der Großen. Und die schrecklichen Bilder
von Desaster, Tod und Terror, die sind weit weit weg aufgenommen - und schon
vorgestern. Also eine Fernsehsendung mit Trostfunktion. Sie sollte von
der Unesco gefördert werden, nicht als Kulturerbe der Menschheit, sondern
als die unvermeidliche Zukunftskultur der Menschheit (vgl. Kommerz, Amerikanisierung).
Commitment
Ein neues
Modewort, üblich unter Leuten, die noch nicht kapiert haben, daß
sie sich als „geistige Kleingärtner outen“, wenn sie ihre Rede mit
möglichst vielen englischen Ausdrücken spicken. Diese Pidgin-Englisch-Sprecher
lieben es, sich auf irgendwas zu „commiten“, womit sie eine nur halbe Zusage
meinen – und voll hereingefallen sind. Denn C. meint eine besonders starke
Bindung, eine feste Verpflichtung. Doch weil der Begriff von Engländern
meist in der stehenden Redewendung „without c.“ benutzt wird und die Möchtegern-Engländer
nur halb hingehört haben, sagen sie nun stets „verbindlich“, wenn sie
„unverbindlich“ meinen. Nicht übel, finde ich, heißt das Wort
C. doch auch Einweisung in eine Heilanstalt (vgl. Hohlkopf, Sprache).
Computer
Der C. wurde anfangs als Elektronengehirn bezeichnet, obwohl er
nicht einmal bis zwei zählen kann, nur 0 und 1 kennt. Seine jahrzehntelange
Höherentwicklung hat daran sowenig geändert wie an dem himmelweiten
Abstand zu unserem Gehirn. Was uns erst richtig ermessen läßt,
was in uns steckt, obwohl es - genau wie die meisten Computer - nur zu
einem kleinen Teil seiner Kapazität genutzt wird (vgl. Hohlkopf, Gehirn).
Computerkids
Die so hingegeben mit dem Computer spielenden Kinder erleben jetzt das,
was der Gebildete seit eh und je sein Vergnügen nennt: Einfach mal
dieses mit dem verbinden und dabei von jenem überrascht werden (vgl.
Lernmethoden).
Content
Ein Modewort der Jahrtausendwende, meist
inhaltslos benutzt. Englisch, damit es mehr zu enthalten scheint als das
deutsche Wort Inhalt. Dabei wäre man schon glücklich, wenn die
Inhalte überhaupt wieder zur Bedeutung kämen in unseren modernen
Design-Namedropping-Trademark-Optik-Show-Gesellschaften (vgl. Persönlichkeit).
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