Bank
Das unbequemste aller Sitzmöbel.
Das sollte einem zur Warnung dienen vor Gebäuden, an denen B.
steht. Denn solch eine B. ist nur daran interessiert, dich zu erleichtern.
Und so wie dein Geld weg ist, läßt sie dich hintenrunter fallen
(vgl. Edelganoven).
Bart
Der B. ist
als das auffälligste sekundäre Geschlechtsmerkmal des Mannes
das Pendant zum Busen der Frau. Er ist - über die Jahrhunderte
gesehen - viel stärker Modetrends unterworfen als die weibliche Brust,
da die B.- Moden manchmal bis hin zur Forderung der Totalentfernung
gehen, während die Frauen ihren Busen nur mehr oder weniger betonen
bzw. verhüllen müssen. Daß hinter dem zeitweilig modischen
unnatürlichen Auftreten des Mannes mit glattgeschabtem Gesicht
Frauenpower steht, vielleicht sogar ein heimlicher weiblicher Kastrationswunsch,
ist zu vermuten, läßt sich aber wegen des empfindlichen männlichen
Selbstbewußtseins nicht beweisen (vgl. Domestizierung, Softy). |
Illustration:
Vangelis
Pavlidis, Rhodos
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Basis-Instinkt
Das, was dem Menschen bei seiner
Fortentwicklung vom Instinktwesen zum Verstandeswesen, an Instinkt
geblieben ist (vgl. Ich-Instinkt).
Bauer
B. ist das Gegenstück
zu Dichter. Für die Grundversorgung einer Gesellschaft ist der
eine so wichtig wie der andere. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot
allein. Was mit einer Gesellschaft los ist, erkennt man daran, wie sie
den einen und den anderen fördert (vgl. EU-Subventionen, Grüner
Plan, Landwirtschaftsminister, Dichter).
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Illustration:
Walter
Hanel, Bergisch Gladbach |
Bauernfängerei
Der Schimpfwort Bauernfänger für Betrüger entstammt
der Berliner Gaunersprache um die Mitte des 19. Jahrhunderts und ist
ein Beispiel für das - unberechtigte - Überlegenheitsgefühl
des Städters gegenüber dem Landbewohner, der als unerfahren
und arglos abgetan wurde. Durch Reichsnährstand und Grünen
Plan der Europäischen Gemeinschaft emanzipiert, rächt der Bauer
sich heute damit, dass er unsere Nahrungsmittel und Umwelt rücksichtslos
vergiftet (vgl. Ökologie, Umweltzerstörung).
Beamte
Ein besonderer Arbeitnehmerstatus,
entstanden aus der richtigen Überlegung, daß ein Staat
sich auf die absolute Loyalität bestimmter Berufsgruppen verlassen
können muß, um auch noch in Extremsituationen funktionieren
zu können. Deshalb gilt für B. das Streikverbot und die jederzeitige
Versetzbarkeit, als Gegenleistung die Unkündbarkeit und eine besondere
Fürsorgepflicht des Staates. So weit, so gut. Nur haben sich die
Verhältnisse so geändert, daß wir heute vor der Absurdität
stehen: Militärpfarrer, Stadtgärtner, Museumskustoden und
Lateinlehrer sind meist B., die unverzichtbaren Leute in den Rechenzentren,
der Flugsicherung, den Wasserwerken und der Müllabfuhr aber nicht
(vgl. Reformstau, Tradition).
Bedeckungsveränderliche
Unnötig aufgeplusterte offizielle Fachbezeichnung für die
Sterne, weil sie je nach Bedecktheit des Himmels von der Erde aus anders
zu sehen sind. Setzt man allerdings für Sterne das englische Wort Stars,
hat man mit Bedeckung eine treffliche Definition für den viel bewunderten
sexuellen Mehrverkehr, der bei ihnen üblich ist (vgl. Libertinage,
Wechselbalg).
Beischlaf
B. ist nicht gleich B. Die gute Ehefrau ist, wenn Bedarf besteht, zur
Verfügung. Die richtige Geliebte aber verzehrt sich nach dir – und
dich, so sie dich endlich zur Verfügung hat (vgl. Bescheidenheit, Ehe, Geliebte,
Treue).
Bekanntheit
Bekannt ist, wen die kleinen Leute
durch seine regelmäßigen Auftritte im Fernsehen oder von
der Bild-Zeitung her kennen. Das bringt viel Geld, hat aber den Nachteil,
daß man dafür einer von ihnen werden muß (vgl. Niveau,
Persönlichkeit).
Bekehrung
B. kommt bei einfach gestrickten
Gemütern immer gut an. Saulus bekämpfte das Christentum
und wurde als Paulus sein wichtigster Apostel, Joschka Fischer bekämpfte
den Staat und wurde als Joseph Fischer Minister, der Hacker X bekämpfte
den Software-Giganten Microsoft und wurde als Herr YZ erfolgreicher
IT-Unternehmer (vgl. Wendehals).
Belesen
Einst ein positives Urteil über
einen Mitmenschen, stets kombiniert mit Augenaufreißen und
dem Wörtchen sehr. Aber seitdem man weiß, wie kritiklos
beispielsweise Karl Marx und Adolf Hitler krauses Lesefutter in sich
hineingefressen haben, was zu desaströsen Folgen im Weltformat
führte, gilt Belesenheit leider nicht mehr als Vorzug (vgl. Bildung, Körperkultur,
Nachdenklichkeit).
Berühmtheit
Von Karl Kraus stammt der Ausspruch: „Ich bin berühmt – es hat sich
nur noch nicht überall herumgesprochen.“ Recht hatte er. Denn unsterblich
ist man, sobald man dafür die Werke geliefert hat. Ob die Öffentlichkeit
einen deshalb schon zu der Gruppe der Berühmtheiten zählt oder
nicht, hängt von anderen, sachfremden Umständen ab (vgl. Kraus, Kritiker,
Werbung).
Beruf
Was früher oft mit Berufung
zu tun hatte, wenn auch nur in der Einbildung, hat heute bloß
noch mit Geldbedarf zu tun und wird deshalb mit recht als Job abgetan
(vgl. Berufsethos, Gottesgnadentum, Pfarrer).
Beschäftigung
Selbständige und Freiberufler
arbeiten gegen die Hast der Uhr an, nicht selbständig Beschäftigte
gegen ihre Langsamkeit. Dabei bleibt die Gangart der Uhr stets gleich.
Nur die Arbeitsergebnisse sind sehr unterschiedlich (vgl. Arbeit).
Bestseller
B. sind Bücher,
die Autoren, Verlegern und Buchhändlern Freude machen. Weil sie
Geld in die Kasse bringen. Wegen der Anspruchslosigkeit der großen
Masse ist es naheliegend, die Faustformel aufzustellen: Ein Buch gibt
dem Autor, dem Verleger und dem Buchhändler um so mehr, je weniger
es den Lesern gibt - und umgekehrt (vgl.: Kommerz, Kultur). |
Illustration:
Walter
Hanel, Bergisch Gladbach |
Bewußtsein
B. ist das, was den Menschen vom
Tier unterscheidet. Wenn auch nicht jeden. Weil die meisten Menschen
in Sachen Bewußtseinserweiterung zu träge sind. Denn die
ist nicht mit Dösen und nicht mit Drogen zu schaffen, sondern
nur mit Denken. Ein entwickeltes B. verhilft dazu, das Leben leichter
in den Griff zu bekommen. Denn: ... alles, alles, alles ist vor allem
Sache des Bewußtseins (vgl. Hohlkopf).
Bezahlung
Was bezahlt wird, ist nichts wert,
weil das Geld dahinterstehenden Zwecken dient. Wertvolles wird lieber
als unbezahlbar angenommen (vgl. Ehrenamt, Künstler,
Lohnarbeit).
BfA
Die Bundesversicherungsanstalt
für Angestellte (BfA) in Berlin heißt so, weil sie den
Tausenden von Angestellten, die sie beschäftigt, einen sicheren
Arbeitsplatz bietet. Alle sechs Jahre veranstaltet sie eine sogen. Sozialwahl,
zu der rund dreißig Millionen Haushalte in Deutschland mehrfach mit
Postsendungen beglückt werden. Die Vertreterversammlung, die in dieser
Wahl mittels mehr als zwanzig Listen gewählt wird, hat so gut wie keine
wichtige Entscheidungsbefugnis, weil fast alles gesetzlich festgelegt ist.
Für den nicht von Hunger aufgeblähten BfA-Bauch und das überdimensionierte
demokratische Feigenblatt davor zahlen die Zwangsmitglieder der BfA einen
hohen Preis, der ungenannt bleibt, von dem man aber weiß, daß
er bei 100 Mio DM liegt (vgl. Sozialstaat, Pseudodemokratie).
Bierce
Ambrose B. (1842 – 1913)
war der konkurrenzlos frechste amerikanische Journalist. Aus Wut
über den „Durchschnittsmenschen, den ewigen Schafskopf“ und
auch darüber, daß er zeitlebens an der Journaille hängenblieb.
Weil der exzellente Schreiber von seinen Kurzgeschichten über
Bürgerkriegserlebnisse und von Gruselgeschichten nicht leben
konnte. Doch als er mit 71 Jahren aufbrach, um in den mexikanischen
Bürgerkriegswirren spurlos unterzugehen, was ihm auch gelungen
ist, hatte er ein Meisterwerk hinterlassen, „Das Wörterbuch des
Teufels“, das ihn unsterblich machte (vgl. Aufklärung, Läster-Lexikon). |
Illustration:
Guntram
Erbe. Hilpoltstein
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Big Brother
In dem Zukunftsroman „1984“ von
George Orwell eine warnende Bezeichnung für das allgegenwärtige
Kontrollorgan im totalen Überwachungsstaat. Neuerdings so gern
wie gähnend langweilig als Fernsehshow einer ferngesteuerten Laienspielschar
inszeniert. Der Reiz liegt in der scheinbar echten Mischung von Reality-TV,
Beobachtung von gruppendynamischen Prozessen, sexueller Freizügigkeit
und der Möglichkeit, Leute abzuschießen wie Moorhühner
(vgl. Fernsehen,
Geschmack).
Bildung
Unter Bildung verstand man früher die Gesamtheit dessen,
was durch die Sozialisierungsmaßnahmen aller Art der Natur
des einzelnen Menschen an Kultur hinzugefügt worden war. Die
umfangreiche, positiv besetzte Wortgruppe B., zu der Begriffe wie gebildet,
Gebildeter, B.s-Beflissenheit, Aus-B., B.s-Grad, B.s-Anstrengungen,
B.s-Stolz gehörten, ist in den westlichen Wohlstandsländern
im Zuge der totalen Kommerzialisierung des Lebens perhorresziert worden.
B. ist heute ein untergegangener Begriff, nur noch in der Zusammensetzung
Stau-B. geläufig (vgl.: Journaille,
Sprache,
Persönlichkeit,
Verkehr, Kommerz).
Bildungsnotstand
Ein weitverbreitetes Leiden, dessen Besonderheit ist, daß
die Betroffenen selbst nicht daran leiden. Sie fühlen sich im
Gegenteil sauwohl und zeigen ein entsprechendes Selbstbewußtsein.
Darunter leiden deshalb allenfalls ihre Mitmenschen. Meist wird die
Diagnose B. auf ganze Gesellschaften angewandt, nämlich wenn man
besondere Anstrengungen (sprich: Ausgaben) auf dem Bildungs- und Ausbildungssektor
anreizen will. In neuerer Zeit kein allzu wirksamer Appell mehr (vgl.
Bildung,
Selbstbewußtsein,
Volksverdummung).
Bild-Zeitung
Die größte deutsche
Straßenverkaufs-Tageszeitung. Gegründet 1952. Arbeitet
nach dem Prinzip: Das Kleine groß und das Große klein
bringen, damit der Konsument nicht durch Schwieriges belastet wird
und sich doch einbilden kann, er sei informiert. Vorsicht, Verwechslungsgefahr:
Der Name „Bild“ kommt sowenig von Bildung, wie Bildung von „Bild“ kommt
(vgl. Boulevardpresse,
Journaille).
Bionik
Ein noch junger Wissenschaftszweig,
der in der Natur gefundene geniale Problemlösungen in die Welt
der Technik überträgt. Eine solche Problemlösung ist
beispielsweise die bei allen Lebewesen gleichzeitige Entwicklung von Maul
und Arsch, die uns zur selbstverständlichen Zusammenschau von Versorgung
und Entsorgung brachte. Die Leute, die diesen Zusammenhang bei der Entwicklung
der Atomkraft unterschlagen haben, weil die Atomtechnik sich sonst als
zu teuer erwiesen hätte, waren Ärsche, die das Maul zu voll
nahmen (vgl. Atomenergie,
Milchmädchenrechnung).
Blaue Blume
Die berühmte B. B. der
Romantik ist nicht mehr gesucht (vgl. Bildung,
Bewußtsein,
Denken).
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Illustration:
Jules
Stauber, Schwaig bei Nürnberg |
Blogs
Kurzform für Weblogs, die interaktiven Online-Foren, in denen die
Nutzer ihre Gedanken, Meinungen, Beobachtungen, Urteile, Vorurteile und
üble Nachrede zu einem gemischten Salat zusammenwerfen. Weil sie dabei
meist auf Prominente zielen, die sich dagegen nicht wehren können,
zeigen sich B. in den USA, dem Ursprungsland dieser Veröffentlichungen,
oft als die virtuelle Variante der Lynchjustiz (vgl. Gegenmacht).
Blondine
US-amerikanisches Idealbild der
jungen Frau, zu dem außer langem, superhellblondiertem Haar und
schwarzer Augendekoration ein im übrigen total haarloser Körper
gehört, mit vollem Busen und leerem Gehirn. Betonter Kontrast zu
den dort massenhaft vorkommenden schwarzen und Mischlings-Schönheiten
(vgl. Rassismus, Schönheit).
Blutdürstig
B. sind wir alle. Von unseren guten
Erfahrungen im Mutterleib fürs ganze Leben geprägt (vgl.
Krimikultur)
Bluter
Leute, die an einer Degenerationserscheinung leiden, die sie ohne Ursache
und dazu beinahe unstillbar bluten läßt. Im übertragenen
Sinne sind auch ideologiefundierte Institutionen wie Kirchen und Gewerkschaften
B., weil ihnen die Mitglieder weglaufen, ohne dass es ein Mittel dagegen
gibt ( vgl. Glaubwürdigkeit).
Boulevardpresse
Was auf der Straße breitgetreten
wird, ist Scheiße. Alles andere hätte längst einer
aufgehoben (vgl. Bild-Zeitung, Boulevardliteratur,
Boulevardtheater, Schuhputzer).
Brandschatzen
Einer aus dem Arsenal von Begriffen,
die Journalisten stets falsch benutzen. Für sie ist das B. ein
schönerer Ausdruck für das Plündern und Brandstiften.
Dabei bedeutet das B., daß „bloß“ mit dem Anzünden
eines Hauses oder einer ganzen Stadt gedroht wurde, um bestimmte Abgaben
zu erpressen (vgl. Bumerang).
Brauchen
Für uns Deutsche ein schwieriges
Wort. Sein Gebrauch geht meist daneben. Denn b. kann man so viele Dinge,
doch ob man sie dann auch richtig gebraucht, hängt von den persönlichen
Einsichten und Fähigkeiten ab. Hilfreich ist der Merksatz: Wer
b. ohne zu gebraucht, sollte b. überhaupt nicht gebrauchen
(vgl. Grundbedürfnisse,
Sprachbeherrschung, Talent).
Briefträger
Ein Berufsstand, der um seinen
Erhalt kämpfen muß, weil im E-Mail-Zeitalter immer weniger
Briefe verschickt werden. Der B. hat deshalb, auch wenn er Beamter
ist, nichts dagegen, sich hauptsächlich als Prospektverteiler
einsetzen zu lassen (vgl. Beruf).
Brille
Die B. ist als Krücke zum besseren Sehen seit dem Ende des
13. Jahrhunderts bekannt. Sie wurde stets als ein notwendiges Übel
angesehen, aber auch als Kennzeichen des Intelligenzlers, weil nur
dieser eine Lesehilfe brauchte. In den letzten Jahrzehnten ist dieses
Verhältnis auf den Kopf gestellt worden. Die Erst- und Zweit-
und Dritt-B. wird den Leuten als Schmuckstück schmackhaft gemacht.
Inzwischen sind etwa drei Viertel der modernen westlichen Menschen verglast.
Ihr Anteil wächst weiter. Und nur noch Intelligenzler sind ohne B.,
weil sie wissen, daß es sich dabei um eine gigantische Geschäftemacherei
mit riesigem volkswirtschaftlichen Schaden handelt. Davon, daß
man immer seltener ein hübsches Mädchengesicht ohne B. sieht,
ganz abgesehen. Augenärzte, Augenoptiker und optische Industrie
verdienen sich eine goldene Nase an dem Umstand, daß die Augmuskeln,
die den Augapfel strecken und zusammendrücken, genau so erlahmen wie
alle anderen Muskeln, wenn sie nicht trainiert werden. Weil damit das Fokussieren
verlangsamt wird, ist es keine Schwierigkeit, den Leuten einen Sehfehler
einzureden und eine B. zu verpassen. Dabei haben nicht einmal 20 % der B.n-Träger
von heute einen echten Sehfehler, der eine optische Krücke notwendig
macht. Ihr Manko liegt woanders. Sie haben sich nicht klargemacht, daß
man mit isometrischen Übungen die Augmuskulatur genauso auf Trab bringen
kann wie die Arm- und Beinmuskulatur. Was ihnen natürlich kein Augenarzt
sagt. Und daß es in jeder Buchhandlung ein halbes Dutzend verschiedener
Taschenbücher mit einfachen Anleitungen für dieses Augentraining
gibt, und das bereits seit Jahrzehnten, haben sie noch nicht mitbekommen
- trotz immer stärkerer Brillen (vgl.: Kommerz).
Brüste
Über männliche
B. kein Wort, weil sie eher peinlich sind. Weiß doch kein Mensch,
wozu der Mann sie hat. Die weiblichen Brüste sind zwei mit je einem
Ventil geschmückte Fetthöcker, die nach einer Geburt für
kurze Zeit mit Milch für den Säugling gefüllt sind.
Höher als dieser Gebrauchswert ist ihr Symbolwert für Weiblichkeit,
noch höher ihr Reizeffekt. Wobei gilt: Geschickt verpackt sind die
B. Aufsehen erregend, mehr aus- als eingepackt erregen sie noch anderes,
ganz bloßgelegt sind sie das Eingeständnis der Dämlichkeit
ihrer Trägerin (vgl. Sex,
Körperkultur,
Dummheit). |
Illustration:
Jules
Stauber, Schwaig bei Nürnberg
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Buch
Die das Wort B. fehlerfrei schreiben
können, sind in unserer Gesellschaft die Mehrheit. Gratulation!
Die hin und wieder ein B. kaufen, gehören schon zu einer kleinen,
radikalen Minderheit. Die es auch lesen, stellen den harten Kern
der Extremisten dar. Diese Typen können nicht vermeiden, daß
man ihnen anmerkt: Sie sind ihren Multi-Media-Zeitgenossen überlegen
(vgl. Persönlichkeit).
Bücherverbrennung
Eine besonders hitzige Auseinandersetzung
mit Literatur, die aus politischen oder religiösen Gründen
mißfällt. Wie fast alles schon im chinesischen Kaiserreich
(3. Jhd. v.u.Z.) erfunden. In der Antike beliebt. In der frühen
Neuzeit ließen kirchliche Inquisitoren gelegentlich die Autoren
gleich mit ihren Büchern verbrennen. Burschenschafter haben auf
dem Wartburgfest von 1817 die Schriften des sie verspottenden Bestsellerautors
August von Kotzebue verbrannt, zwei Jahre später den Autor erdolcht.
Die 1933 von den Nazis zum nationalen Happening gestalteten B.en waren
von Berufsverbot und Vertreibung der Autoren begleitet. Immer dasselbe Dilemma:
Man meint den Geist und kann doch nur das Medium und den Verfasser zerstören.
Die neuen Massenmedien und ihre Autoren haben dieses Schicksal noch vor
sich, möchte man manchmal warnen - oder hoffen (vgl. Flaschengeist).
Bürgerkrieg
Ein viel zu lascher und irreführender
Begriff, weil es spätestens seit Napoleon immer die braven Bürger
sind, die zum Kriegführen gezwungen werden. B. meint aber den
besonders tragischen internen Krieg eines Volkes gegen sich selbst,
den man besser Selbstzerfleischung oder Brudermord nennen würde
(vgl. Euphemismus, Völkermord).
Bürokratische Diktatur
Man nimmt mir das gute Geld weg
und zwingt mir dafür den schwachen Mischmasch-Euro auf, man nimmt
mir eine gute Rechtschreibung weg und zwingt mir eine kinderfreundliche
Nonsens-Schreibweise auf (vgl. Demokratie,
Politik).
Bumerang
Der B. ist erstens eine in Frühkulturen übliche Jagdwaffe
aus einem gebogenen Wurfholz, dessen Besonderheit es ist, daß
es in die Hand des Werfers zurückkommt, falls es das Ziel verfehlt
hat. Der B. ist zweitens eine Lieblingsfloskel heutiger Journalisten.
Wobei man sich darauf verlassen kann, daß sie stets falsch angewandt
wird, nämlich im Sinne des Sprichworts: Wer andern eine Grube gräbt,
fällt selbst hinein. In der hartnäckig falschen Anwendung
ist der B. dem Tandem und dem Scherbengericht ähnlich sowie der
Flagge, die meist fälschlich als Fahne bezeichnet wird. Die falsche
Anwendung ist übrigens auch bei Ausdrücken wie evakuieren oder
rasant oder Öl ins Feuer gießen (schon mal probiert?) üblich.
Insgesamt also ein recht schillerndes Objekt, dieser B. (vgl.: Brandschatzen, Journaille,
Wahrheit,
Bildungsnotstand).
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