Laufenbergs Laester-Lexikon
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Stichwortverzeichnis

Aasfresser Die peinliche Tatsache, daß der Mensch ein A. ist, beweist, es fehlte unseren Urururahnen viel zu lange an der nötigen Intelligenz zur Entwicklung von Waffentechniken für die Jagd. Heute ist die hochentwickelte Waffentechnik ein Indikator für ein anderes menschliches Defizit (vgl. Frieden,  Ich-Instinkt, Krieg).

Abklatsch „Der Spiegel" hat damit angefangen. Danach glaubte man, daß eine neue Zeitschrift, eine neue Fernsehsendung in Deutschland nur Erfolg haben kann, wenn sie ein amerikanisches Vorbild nachahmt (Ausnahme: dieses Netzine). Beweis unserer weitgehenden Amerikanisierung und schreckliche Zukunftsvision zugleich (vgl. Amerikaner, Leitkultur, Netzine).
 Illustration: Guntram Erbe, 
 Hilpoltstein

Absurd A. ist: Je älter mein Paßfoto wird, um so jünger werde ich darauf (vgl. Großstadt, Relativität).

Absurdität Eine Absurdität ist etwas Widersinniges, etwas, das dem gesunden Menschenverstand widerspricht. Beispielsweise, wenn die deutsche Bundesregierung sagt, wir könnten trotz der weltpolitischen Entspannung nicht zu einer Berufsarmee übergehen, weil wir die Wehrpflichtigen brauchen, die die Wehrpflicht verweigern (vgl. Zivi, Leistungslohn).

Adel Es tut sich was in der sozialen Schichtung unserer Gesellschaft. Viele Jahrhunderte lang feierte man den Geburtsadel als den krönenden Abschluß der Pyramide. In der Zeit unserer Klassiker, vorneweg Goethe und Schiller, erkämpften sich die Hochgebildeten die Spitze: Der Geistesadel war geboren. Nur 200 Jahre später erleben wir heute wieder einen Wechsel: Nicht mehr Geburt und nicht mehr Geist gelten als das Größte, sondern Geld – der Geldadel erntet die höchste Bewunderung. Und in fünfzig Jahren wird wohl nach der Entwertung von Geburt, Geist und Geld die optimale Genkonstellation die Spitzenstellung einnehmen: Dann haben wir den Genadel (vgl. Bildung, Fortschritt, Geld, Persönlichkeit, Wissenschaft).

Ärsche Der bunte Haufen der Mimen, Gaukler, Possenreißer, Musiker und Artisten hat jahrhundertelang ein Leben außerhalb der Gesellschaft geführt, gerade nur geduldet und in größter Armut. Im Fernsehzeitalter sind diese Leute wieder in eine Außenseiterstellung gedrängt, nun allerdings als Millionäre. Daß man heute die Schauspieler und Sportler und sonstigen Showgrößen nicht hungern läßt, ist ja okay, aber wie wir ihnen den Arsch vergolden, das steht in gar keinem Verhältnis zu dem, was sie für uns leisten (vgl. Showgeschäft, Sport).
 Illustration:
 Walter Hanel, Bergisch Gladbach

Agnostiker Zwischen dem, der behauptet, es gebe Gott (der Gläubige), und dem, der behauptet, es gebe Gott nicht (der Atheist), steht der A. als der Ehrliche, der zugibt: Das wissen wir nicht und können wir nicht wissen (vgl. Deismus, Religiosität).

Agrarpolitik Wird für Europa in Brüssel praktiziert als die geniale Verbindung von sozialistischer Zentralverwaltungswirtschaft und maffiösem Kapitalismus. Effekt: Gigantische Steuergelder-Verschwendung und Überschuß-Produktion bei gleichzeitig fortschreitender Umweltzerstörung und Nahrungsmittelvergiftung (vgl. Bauer, Europa, Lobby).

Ahnenforschung Wer sich mit seinen Ahnen beschäftigt, steigt nicht nur aus dem Heute aus, er zeigt damit auch seine Defizite an Selbstbewußtsein. Die Namen und Leistungen der Ahnen werden zu Korsettstangen umfunktioniert, was zum Anschein einer besseren Haltung führt. Die Ahnen konnten ja nicht ahnen, wozu sie einmal mißbraucht werden - und wehren können sie sich schon gar nicht. Bei Pferden, Hunden und Kühen sind die Ergebnisse der A. sicherer als beim Menschen, weil die körperliche Beschaffenheit gute Anhaltspunkte für die Beurteilung gibt. Was bei Menschen nur selten der Fall ist. Dennoch ist von dem Versuch einer Anknüpfung an einen Tier-Pedigree abzuraten (vgl. Eskapismus, Selbstbewußtsein, Dekadenz, Zuchtwahl).
 Illustration:
 Guntram Erbe,   Hilpoltstein

Aktuell A. ist das, wovon gestern noch niemand sprechen konnte und morgen niemand mehr was hören will (vgl. Strohfeuer).

Albernheit Die aktuelle Form der deutschen A. ist, seine Zunge so zu verdrehen, daß sie beinahe wie eine englische klingt, - aber nur beinahe, sonst könnte ja keiner mehr darüber lachen (vgl. Handy, Verdrängungswettbewerb).

Allergie Eine A. ist die erworbene Überempfindlichkeit gegenüber Stoffen des natürlichen, vor allem auch beruflichen Umfeldes. Bei diesem Erwerb spielen die Massenmedien eine Hauptrolle. Deshalb sind die Leute am besten dran, die auf  jegliches A.-Geschwätz allergisch reagieren, d.h. abschalten (vgl. Gesundheit, Massenmedien, Volksverdummung).

Alt Alt bist du, wenn du versuchst, die Zeit auf ihrem momentanen Stand festzunageln: Das ist meine letzte Wohnung, das mein letzter Wagen, mein letzter Computer, und es werden keine neuen Bücher mehr gekauft - das Regal ist voll (vgl. Überalterung).
 Illustration:
 Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Alternative Die A. bezeichnet das andere von etwas und bleibt bei Unklarheit über das Etwas genauso schwammig wie dieses. Bei Leuten, die das Wort A. im Plural gebrauchen, kann man gleich weghören. Es sei denn, es ist von Personen die Rede. Dann meint die Bezeichnung A. Menschen, die irgend etwas anders zu machen vorgeben und sich selbst als A. bezeichnen, weil sie es noch nicht zu Etablierten gebracht haben (vgl. Sprache, Karriere). 

Altersbeschwerden Der Frau macht ihr Körper immer mehr Schwierigkeiten, je älter sie wird. Ihrem Mann, je älter er wird, erst recht (vgl. Doppelbelastung).

Amerikaner Die A. sind platt und geschmacklos, aber mit Zuckerguß. Deshalb sagen viele Menschen: A. hab‘ ich zum Fressen gern (vgl. Gebäck, Gewalttätigkeit, Weltpolizist). 

Angeber Als A. beschimpfen wir einen, der das tut, was jeder von uns am liebsten tut, nämlich sein Ich raushängen, der sich dabei aber so ungeschickt anstellt, daß andere damit großtun können, wenn sie auf ihn hinabsehen. Dabei dürfen sie mit dem Applaus der Allgemeinheit rechnen. Denn der A. gilt gemeinhin als widerlich, wenn auch nur, weil er seinen Mitmenschen einen Spiegel vorhält, der sie nackt zeigt (vgl. Ichkitzel, Basis-Instinkt).


 Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos;

Anglizismen  Als A. bezeichnet man Übernahmen von englischen Begriffen in einen deutschen Text, wo sie die Qualität von Kotzbrocken annehmen. Die Deutschen zeigten schon immer einen peinlichen Hang dazu, ihre Sprache mit Wörtern der jeweiligen Lingua franca zu spicken. Die Latein-Mode des späten Mittelalters und die Französisch-Mode der frühen Neuzeit hat das Deutsche dennoch gut überstanden. Die heutige Englisch-Marotte geht weiter. Sie hat in einigen Bereichen der Wissenschaft und Technik schon zur völligen Verdrängung des Deutschen geführt. Dabei ist das Deutsche wegen seines Formenreichtums in der Genauigkeit des Ausdrucks dem stärker abgeschliffenen Englisch unbestritten überlegen. Erst recht dem uns von Werbefuzzis aufgedrängten Pidgin-English. Schreiberlinge und Firmen, die durch übertriebenen Einsatz von A. Eindruck zu schinden versuchen, sollte man deshalb nicht einfach auslachen. Dummheit verdient Mitleid  (vgl. Lingua franca, Verdrängungswettbewerb).




Antexten Eine moderne Schreibvariante. Man textet an statt anzuschreiben, wenn man einen vorgefertigten Wisch verschickt. Oder eine SMS, also einen Textstummel statt eines Textes oder eines Telefonats. So oder so heute eine besonders attraktive Form der Kommunikation (vgl. Bildungsnotstand).

Antisemitismus Erst Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommener dummer, weil zu weiter Begriff, der ausschließlich Judenfeindlichkeit meint. Deren Ursprünge liegen schon vor der bei uns üblichen christlichen Zeitrechnung, als das Hirtenvolk der Hebräer sich von allen benachbarten Hirtenvölkern durch seinen Monotheismus und den Anspruch, Gottes auserwähltes Volk zu sein, absetzte. Ausgelöst vor allem von der Kreuzzugsidee eskalierte im Mittelalter die religiöse Ausgrenzung in grausamen Judenpogromen. Nicht so, wo die Juden durch staatliches Dekret frühzeitig des Landes verwiesen worden waren, wie in England, Frankreich und Spanien. Nachdem in der jüngeren Vergangenheit der Versuch gescheitert ist, in Europa die Juden mittels einer wissenschaftlich nicht haltbaren Rassentheorie und ihrer brutalen Umsetzung auszurotten, können die Juden auf den wachsenden christlichen Fundamentalismus hoffen. Denn ein gläubiger Christ kann kein Antisemit sein, weil er einen Juden als Gott verehrt: Jesus von Nazareth (vgl. Fundamentalismus, Religion, Viktimologie). 

Arbeit Absurderweise liebt man es bei uns, damit zu renommieren, wieviel man arbeitet. Man fühlt sich auch im Goldenen Westen gern als Held der A. Denn wir haben sie gefressen, die dummen Sprüche: "Arbeit adelt" und "Arbeit macht frei". Keine Erinnerung mehr daran, daß bei den Vätern unserer Kultur, den Alten Griechen, das Arbeiten verpönt war. Denn A. war was für Sklaven, nicht für freie Männer. Man hatte Muße und beschäftigte sich mit Geistigem, mit Gaumen- und anderen Freuden. Aber das war ja auch eine Sklavenhaltergesellschaft, während wir Heutigen in Sklavengesellschaften leben (vgl. Grundbedürfnisse, Eigentum). 

Arbeitslose A. kann man durchaus als eine besondere Art von Losen betrachten. Denn der Arbeitgeber, der in die Lostrommel greift, hat bezüglich Hauptgewinn und Nieten kaum mehr oder weniger Chancen als bei jeder anderen Verlosung (vgl. Glücksspiel, Menschenbeurteilung).

Arbeitslosigkeit Ein irreführender Begriff. Gemeint ist mit A., daß jemand nicht in einem offiziell anerkannten Arbeitsverhältnis steht. Daß die Arbeitslosen, soweit sie arbeiten wollen, ohne Arbeit wären, kann nicht im Ernst behauptet werden. Und das betrifft nicht nur die in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen Stehenden oder die Scheinselbständigen. Die in fast allen westlichen Ländern gegen Ende des 20. Jahrhunderts gigantische A. wird in ihren Folgen für den einzelnen Arbeitslosen abgemildert durch eine ebenso gigantische Schwarzarbeit. Damit läßt sich im allgemeinen leben. Die Dummen sind die Finanzminister und die Träger der Sozialversicherungen. Daß die Schwarzarbeit ebenso durch zu hohe Steuern gefördert wird wie der Stellenabbau, ist bekannt und unbestritten. Aber auf Steuern zu verzichten ist für die herrschende Politikerklasse so gut wie unmöglich, weil das eine Einschränkung ihrer Verfügungsmacht wäre. Wirksame Initiativen gegen die A. sind deshalb von den Regierungen erst zu erwarten, wenn die Steuerausfälle durch den grauen Arbeitsmarkt höher sind als die geschätzten Ausfälle durch eine maßvolle Steuersenkung (vgl. Politiker, Aussteiger, Steuern). 

Arbeitsplatz Obwohl Arbeit im Volksbewußtsein mit Mühsal und Zeitverschwendung gleichgesetzt wird, gilt die Schaffung oder Erhaltung eines A. als Wert an sich. Dabei fehlt uns immer noch eine Werteskala für Arbeitsplätze. Ist es doch ein Wertunterschied, ob man notwendige Arbeiten verrichtet, wie Krankenschwester, Nutte, Polizist und Klofrau, oder überflüssige, wie Zuhälter, Cola-Vertreter und Klatschreporter, oder verderbenbringende, wie Drogendealer und Waffenproduzent. Doch daß eine solche Werteskala die skandalöse Einkommensskala umkehren würde, ist wohl nicht zu erwarten (vgl. Arbeit, Gerechtigkeit).

Arbeitsteilung A. ist der Versuch, eine Last so auf mehrere Schultern zu verteilen, daß sie allen Belasteten nicht allzu schwer wird. Ob man diese Last ganz vermeiden könnte oder gekonnt hätte, ist dabei kein Thema. Ein Musterbeispiel gutdurchdachter Arbeitsteilung brachte der Kosovokrieg von 1999, bei dem die Amerikaner die Last der Zerstörung trugen, die Europäer dafür die Last des Wiederaufbaus tragen müssen (vgl. Realsatire, Schildbürger).
 

 Illustration: 
 Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Atomenergie Eine der drei Erfindungen zuviel, die der Mensch gemacht hat. Welche die beiden anderen sind, ist umstritten. Die A. ist eine Energie, die durch Atomspaltung und Kettenreaktion gewonnen wird und sich primär als Atombombe brauchbar zeigte. Ergebnis des ungezügelten Ehrgeizes von Wissenschaftlern wie O. H. und F. S., E. F. und R. O. (um sie nicht zusätzlich mit Ruhm zu belohnen, sollen ihre Namen nicht genannt werden) sowie ihrer großzügigen Unterstützung durch die Militärstrategen des Deutschen Reiches und der USA. Erstmalig im Menschenversuch eingesetzt von den Amerikanern, und zwar im August 1945 über Hiroschima und Nagasaki, was mehr als 250.000 Japanern den Tod brachte. Wie viele Atombomben heute in wie vielen Ländern lagern, ist nicht feststellbar. Die sogenannte friedliche Verwendung der A. nach dem Zweiten Weltkrieg führte dazu, daß inzwischen über 400 Kernkraftwerke in über dreißig Ländern arbeiten. Und es werden permanent mehr, obwohl die vorrangige Frage der Entsorgung noch immer offen ist. Ergebnis des ungezügelten Gewinnstrebens von Wirtschaftlern, die nur zu gern ungenannt bleiben. Der Unterschied zwischen Atombombe und Kernkraftwerk ist bloß ein theoretischer, wie die Katastrophe von Tschernobyl gezeigt hat. Jedes Kernkraftwerk ist eine potentielle Atombombe (vgl. Ehrgeiz, Gewinnstreben, Tschernobyl, Wissenschaft, Wirtschaft, Weltende). 

Atomstreit Meinungsverschiedenheit zwischen dem selbsternannten Weltpolizisten Amerika und dem mumifizierten Kommunistenstaat Nordkorea über die Berechtigung zum Besitz von Atomwaffen. Weil Nordkorea bereits Atomwaffen hat, wird dieser Streit nur verbal ausgetragen und nicht durch eine Invasion mit weitgehender Zerstörung des Landes wie im Falle Irak. Woraus Staatsführer in aller Welt die Lehre ziehen: Egal auf welche Weise beschafft und egal was sie kosten, man muss Atomwaffen haben, um vor der Polizei sicher zu sein (vgl. Atomenergie,Vorbeugung, Weltpolizist). 

Aufklärung Nicht in drei Sätzen zu schaffen. Zu finden unter den Stichwörtern A – Z!

Ausländerfeindlichkeit A. entsprang schon immer dem Wunsch von Leuten aus der untersten
Gesellschaftsschicht, nicht mehr länger der letzte Dreck zu sein. Sie suchen sich andere, die sie zum allerletzten Dreck erklären können. Und je stärker sie die Abhängigkeit von diesen anderen als einen Makel empfinden, um so heftiger die Ablehnung (vgl. Xenophilie).

Ausländerhass Nachdem die Deutschen mit einem Ausländer namens Adolf Hitler schlechte Erfahrungen gemacht haben, bringen sie die bei ihnen genau wie in anderen Ländern auftretenden stumpfsinnigen Abneigungen gegenüber Ausländern immer gleich mit den Nazis in Verbindung (vgl. Paradox, Xenophilie).
 


Ausschuß Wenn man sieht, wie in allen Gremien jedes Problemchen stets an den dafür zuständigen oder neugegründeten A. abgeschoben wird, und was dabei herauskommt, muß man feststellen: Der Doppelsinn des Wortes A. hat seine Berechtigung (vgl. Etymologie).

Auto Das A. (griechisch: selbst) ist für viele Menschen schon ihr Selbst geworden. Sie leben nicht mehr für sich, sie haben nur noch eine A.-Biografie. Dabei ist das A. bloß ein Hilfsmittel zur Fortbewegung. Zudem nur bei gutem Wetter brauchbar, wie jeder Wintereinbruch beweist. Wenn das A. heute erfunden würde, bekäme es keine Zulassung, weil es die Umwelt zerstört. Zum Glück ist es aber schon vor gut 100 Jahren erfunden worden, sagen viele Zeitgenossen. Andere sagen, das A. gehöre zu den Erfindungen, die der Mensch sich besser verkniffen hätte (vgl. Persönlichkeit, Atomenergie).
 Illustration: 
 Simon Atzbach, Münster
Autor Einem berühmten A., der nichts zu sagen hat, verzeiht man das, weil er es so herrlich phantasievoll und unterhaltsam bringt. Sobald er aber meint, daß er zu sagen haben müsse, kann man nur noch weghören (vgl. Literaturnobelpreis).
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Walter Laufenberg