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Zwei vor Zwölf

Zwei vor Zwölf

von Walter Laufenberg

168 Seiten, gebunden, HC und SU

15,50 Euro
Subskriptionspreis bis 30.4.20: Euro 12,–

Review

Das Buch zum 75-jährigen Ende des Zweiten Weltkriegs

Der Schriftsteller und Blogger (www.netzine.de) Walter Laufenberg entlarvt in diesem auf Tatsachen beruhenden Roman die schier unglaublichen Schlussakt-Metamorphosen der beiden führenden Groß-Egos des Dritten Reichs, Adolf Hitler und Heinrich Himmler.

Beinahe bis zuletzt hatten die beiden Machthaber auf so wunderbare Weise harmonisch zusammenwirken können, weil sie von demselben Züchterdenken beherrscht waren: der Ideal-Vorstellung eines Volkes, mit dem man alles machen kann. Dabei hatten sie in den Juden ihren Lieblingsfeind gefunden. Am Ende ihrer Herrschaft gilt plötzlich für beide nur noch der Spruch: Rette sich, wer kann!

Der Autor bietet den perfekten Mix von „facts and fiction“. Das ist Literatur. Spannend und frappierend, wenn die Faktenlage so ist, dass die Fiktion beinahe zwingend erscheint, wie bei Hitlers Double, oder wenn alles Faktische so unglaubwürdig aussieht, dass ein historisch belegtes Ereignis wie erfunden wirkt, wie Himmlers überraschende Judenrettungsaktion.

Jetzt bringt das in München verlegte und in Israel gedruckte Buch über die letzten Kriegswochen neue und vertiefte Einblicke in die Diktatorendenkweise, die sich selbst entlarvte, als die Uhrzeiger ein deutsch-alliiertes „High Noon“ ankündigten.

Im Blick der Presse

Der ANFANG als Blick ins Buch:

ZWEI VOR ZWÖLF

Was die zwei mächtigsten Männer des untergehenden Dritten Reichs im Schicksalsjahr 1945 Unmögliches anstellten, um ihre Haut zu retten

Wahrheit und Dichtung

Immer dasselbe: Für den verhassten und kaum denkbaren Fall der Fälle häuft ein Machtmensch nicht nur Millionen nach Millionen auf ausländische Banken. Er stapelt auch nicht nur zentnerweise Schokoladentafeln in wohnlich eingerichteten geheimen Bergstollen. Wer die Macht hat und den Verlust seiner Macht überleben will, investiert sehr viel mehr an Überlegung und Tatkraft in seine Zukunft. Und lädt sich als neues Problem die Frage auf, ob er damit schon Verrat an der Idee begeht, der er sein Leben geweiht hat.

Teil 1

Unglaublich, aber wahr: Der fanatische Judenvernichter Heinrich Himmler startet eine große Rettungsaktion für Juden.

Mitte Januar 1945. Zwei schwere schwarze Limousinen sind in riskanter Fahrweise und verschiedener Richtung unterwegs, haben aber dasselbe Ziel: Das Kurstädtchen Wildbad im Nordschwarzwald. Der Tatra kommt von Triberg im südlichen Schwarzwald, der Daimler mit Schweizer Kennzeichen von Berlin. Und das drei Monate nach Winteranbruch. Beide Wagen fahren durch schwärzeste Nacht, mit fast völlig zugeklebten Scheinwerfern und Rücklichtern, auf engen, verschneiten Straßen. Kurve nach Kurve ein Drahtseilakt, weil immer hart am ungesicherten Abhang entlang. Ein Fahren auch dicht am Lebensende entlang, eilig und ohne Sicht in eisiger Winternacht, scheinbar endlos. Und der Mond spielt nicht mit, hält sich die meiste Zeit in den Wolkenkulissen verborgen, als wollte er die Fahrer nur bespitzeln.

Das lässt den Blick nach innen gehen: Ich bin der von den Schicksalsnornen erkorene Nachfolger. Oder wie der Führer sagen würde: Von der Vorrsehung eingesetzt. Ja, wenn der Führer weg ist, und seit einem Jahr dreht sich nun das Geschick in diese Richtung, nicht zu übersehen, dann bin ich da, wo mein Platz ist. Heil Himmler, das klingt doch mindestens genauso gut wie Heil Hitler. Schon Stalingrad hat uns aus dem Tritt gebracht. Das Attentat in der Wolfsschanze hätte uns beinahe den Todesstoß gegeben. Die Landung der Alliierten in der Normandie wie der Wahnsinnskampf im Hürtgenwald, das waren harte Schläge, die wir einstecken mussten. Und die immer wieder beschworenen Wunderwaffen kommen und kommen nicht. Die V 1 und die V 2 bringen uns nicht wieder in die Initiative. Allmählich wird es unübersehbar: Der Führer steht mit bloßen Händen da. Also sollten wir es machen wie die Italiener: Großdeutschland schließt sich den Westalliierten an, für den Endkampf gegen den Bolschewismus. „Ja, das wäre sie dann, die Götterdämmerung.“

„Wie meinen?“, fragt ungewöhnlich formlos der neben Heinrich Himmler sitzende Walter Schellenberg, SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Leiter des Spionagedienstes der SS im Reichssicherheitshauptamt.

Ei, verflucht, was der Kerl sich erlaubt. „Ich meine nichts, ich stellte nur fest.“ Mit Bestimmtheit gesagt, zur Warnung, aber auch zum Ausgleich dafür, dass ihm das mit der Götterdämmerung ungewollt über die Lippen gekommen ist.

„Ja, richtig, wir müssen fest bleiben, Reichsführer SS. Dieser Schweizer genau wie die Amerikaner, die angeblich hinter ihm stehen, die haben doch nur ihre eigenen üblen Winkelzüge im Blick.“

„Falls Sie es übersehen haben, Schellenberg, wir sind hier nicht allein.“ Scharf hingezischt. Und dann nach vorn, zu dem Fahrer: „Halten Sie nur die Straße im Blick. Und machen Sie Tempo. Wir haben einen wichtigen Termin. Aber bleiben Sie auf Straßen, die noch befahrbar sind.“

„Jawohl, Reichsführer SS. Und – wir sind gleich da.“

Nachdem Heinrich Himmler so auf dem Misthaufen sein frühmorgendliches Kikeriki aus der Kehle gelassen hat, ein herrlich befreiendes Gefühl, herrscht wieder Ruhe in dem Tatra.

*

In dem Schweizer Wagen geht es nicht so ruhig zu. „Diese Wahnsinnsfahrt nach Berlin“, schimpft der ehemalige Schweizer Bundespräsident Dr. Jean-Marie Musy vor sich hin. „Die schwarzen Herren lassen uns in ihre unterm Bombenhagel liegende Hauptstadt kommen, nur um uns zu sagen, dass das Treffen im Schwarzwald stattfinden soll. Der Umweg sei einfach notwendig zur Täuschung der feindlichen Abhördienste. Und keine weitere Erklärung. Bei aller Sympathie, das halte ich nun doch für eine Unverschämtheit. Was glauben die denn, wer wir sind?“

„Ihre Lakaien“, ist die verächtlich hingeworfene Antwort seines Sohnes Benoit, der den Wagen fährt.

„Nein, nein, das kann man so nicht sagen.“

„Ich glaube doch, so sehen diese Burschen uns. Die in ihrer schwarz uniformierten Herrenarroganz.“

„Die und Arroganz? Nein. Die haben bei ihrem schneidigen Auftreten doch längst die Hosen gestrichen voll. Das muss man immer berücksichtigen.“

„Ach, glaubst du wirklich, Vater, du könntest mit dieser verständnisvollen Haltung ein Gentleman’s Agreement mit dem Massenmörder zustande bringen?“