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Sylvesterfeuerwerk

Sylvesterfeuerwerk

von Walter Laufenberg

ISBN

3-928254-88-X

Kategorie

Tatsachenroman

Umfang

469 Seiten, Leinen gebunden

Verlag

Oberbaumverlag Berlin 2000

Preis

25,46 €

vergriffen, verlagsfrische Restexemplare noch über den Autor zu beziehen, für 17,- €

Review

Zwei Frauen stehen im Mittelpunkt des dramatischen Geschehens, zwei Frauen, die – so unterschiedlich sie vom Typ her sind – beide als starke Frauen bezeichnet werden können. Sie waren Jugendfreundinnen. Nach einem halben Leben ohne Kontakt treffen sie überraschend und in schwierigster Situation aufeinander. Die eine als Kidnapperin in Untersuchungshaft, die andere als Strafrichterin, die plötzlich vor der Aufgabe steht, ihre ehemalige Freundin zu verurteilen.

Durch die Art, wie die Richterin der Jugendfreundin zu helfen versucht und wie deren Kumpane sie unter Druck setzen, wird die Freundinnenstory zu einem Krimi. Sogar zu einem mit authentischem Hintergrund.

Als junge Mädchen waren sie unzertrennlich, hatten sie sich immer wieder den Traum von der ganz besonderen Beziehung zu einem außergewöhnlichen Mann ausgemalt. Und selbstverständlich wollte die eine den noch großartigeren Mann als die andere bekommen. Das war wie eine Lebenswette. Erst durch den Studienbeginn an verschiedenen Orten waren sie sich aus dem Blick geraten.

Die plötzliche Konfrontation unter völlig veränderten Umständen führt nun all das zur Krisis, was die beiden geprägt hat: Ernsthaftes Rechtsstudium bei der einen und die kritische Theorie der Sozialwissenschaften bei der anderen, literarische Vorbilder, das Unsicherwerden an der Vätergeneration und der Konflikt mit der Selbstzufriedenheit der Wohlstandsgesellschaft, nicht zuletzt das neue feministische Selbstverständnis, das sich vor allem auf Simone de Beauvoir beruft.

Das Thema Freundschaftsbeweis ist in der Literatur stets an Männern dargestellt worden, wobei die Frau allenfalls einmal als Objekt der Begierde dienen durfte. Hier wird das Verhältnis umgekehrt. Schließlich wird sogar zur Frage, was die festere Verbindung ist: die zur Freundin oder die zum Mann. Eine besondere Zuspitzung erfährt das Freundinnenthema dadurch, daß die beiden Frauen sich identifizieren mit den biblischen Schwestern Martha und Maria, denen Jesus gesagt hat, Maria habe den besseren Teil gewählt. Nur, – welche darf sich als Maria sehen? Welche ist die Martha?

Die Handlung ist in einem einzigen Jahresende zusammengefaßt: Berlin Ende der siebziger Jahre. Das Ende eines turbulenten Jahrzehnts. Auch das Ende des Terrorismus? Wie sich die Krisensituation schließlich in einem Sylvesterfeuerwerk auflöst, das könnte bei beiden Frauen als Scheitern bezeichnet werden. Wäre da nicht ein kleiner Unterschied. Jedenfalls ist die Großartigkeit der beiden Männer, mit denen sie sich verbunden haben, als schöner Schein entlarvt. Ein ungewöhnlicher Frauenroman. Ganz ohne die übliche Betulichkeit. Hier werden keine Hautreflexe stimuliert und beschrieben. Dieses Buch geht unter die Haut.