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Im Paradies fing alles an

Im Paradies fing alles an

von Walter Laufenberg

Auf der Website von Amazon können Sie weitere Details nachlesen.

ISBN

inzwischen leider vergriffen.

Verlag

Herbig-Verlag, München 1991

Umfang

geb. 352 Seiten

Preis

16,90 €

Taschenbuch Nr. 23199 Uhlstein, Berlin

leider z. Zt. vergriffen. Beim Verlag nachfragen, wann eine Neuauflage kommt.

Einzelne Exemplare sind gelegentlich zu finden unter www.zvab.com.

Review

Das sagte dazu der Herbig-Verlag in München:

Es darf gelacht werden. – Gelacht? Wo es doch um die Bibel geht? – Und ob! Denn hier werden die biblischen Geschichten erstmals von der menschlichen Unzulänglichkeit her gesehen. Wer hat sie denn je richtig gelesen, die Bibel? Walter Laufenberg, der Erzähler mit dem bekannt trocken-witzigen Stil, hat sie immer wieder gelesen und mit den Ergebnissen der Forschung verglichen, die hier Einzelheiten bestätigt und dort widerlegt.

So ist die Bibel neu entstanden, die ganze Bibel. Aber nicht als Erbauungsbuch, sondern als die Saga von Adam und Eva – und uns. Sind doch diese Geschichten zur Grundlage der meisten Kulturen der Erde geworden. Dabei sind sie echte Literatur, eine köstliche Lektüre zudem. Sex and crime – und vieles mehr, wahrhaftig eine “Comedie humaine”. Seite für Seite höchst aufschlußreiche Begegnungen mit Menschen wie du und ich. Wer hätte das von der Bibel gedacht, dem absoluten Weltbestseller, der damit endlich lesbar wird.

Der Autor zu den Bedenken, daß er zu viele hübsche Blumen zerpflücke: “Der Mythos behält sein Recht und seinen Wert. Daran soll und wird meine Nacherzählung nichts ändern. Denn dieses Buch will keinem Menschen den Ast absägen, auf dem er sitzt. Soll er nur darauf sitzen bleiben. Das Laufen auf der Erde ist ja so selten richtig lustig.”

Und hier eine

Leseprobe aus “Im Paradies fing alles an

Alles hatte so schön angefangen. Nämlich mit nichts, mit absolut nichts. Aber dann auf einmal: Als Gott nach Kraut und Rüben, Maden, Schlangen, Affen und anderem Getier auch noch die Frau erschaffen hatte – einem unbestätigten Ondit zufolge nach dem eigenen Bilde – und sich das Werk besah, da war sie ganz zufrieden. Sieht doch passabel aus, sagte sie sich. Doch je länger Gott sich das Werk besah, um so klarer drängte sich die Erkenntnis auf: Es ist nicht gut für die Menschin, daß sie allein ist. So setzte Gott der eigentlich schon vollendeten Schöpfung noch einen Sahnetupfer auf – der Frau einen Mann an die Seite. Dem gab sie einen Knochen mehr, damit er zu unterscheiden wäre. Da kam Freude auf im Paradies. Das war am sexten Schöpfungstag. Allein vom Zuschaun war Gott dann aber so erschöpft, daß sie sich einen freien Tag gönnen mußte.

So könnte man sich lustig machen über das, was damals geschehen ist, in für unsere Vorstellung viel zu grauer Vorzeit. Und man hätte damit die Kreationisten in ihrem vergeblichen Kampf gegen die Darwinisten unterstützt und gleichzeitig die Theasophinnen oder feministischen Theologinnen in ihrem nicht minder frustrierenden Kampf gegen die Theologen alter Schule. Gleich doppelt also die gute Tat: Hilfe für die Schwachen und Unterdrückten. Aber hier geht es gar nicht um die hochwichtigen haarspalterischen Spekulationen dieser Eiferer, hier geht es ganz einfach um den Menschen, um das, was er tut, und um das Warum.

Deshalb: Wer will, kann Gott genausogut männlich sein lassen. Und den ersten Menschen dann auch. Wer will, kann Gott statt dessen auch als bloße Umschreibung für den großen Eros, den Weltgeist, den Urknall, ein allgemeines Gestaltungsprinzip, die Urformel oder sonst was Schönes sehen. Oder auch überhaupt nicht. As you like it. An den folgenden haarsträubenden Geschehnissen ändert das nichts. Und was da alles geschah! Ist ja kein Wunder, daß es drunter und drüber ging – und geht. Denn Gottes freier Tag währt bis heute. Jedenfalls findet sich nirgends ein Hinweis auf einen achten Tag der Woche oder auf einen neuen Wochenanfang, mit neuer Schöpfungstätigkeit. Nein, immer noch Sonntag, immer noch Ruhetag. War uns doch längst klar, daß die in der Schöpfungsgeschichte gebrauchte Zeitangabe “Tag” nicht so wörtlich zu nehmen ist. Naturwissenschaftler und Theologen sind sich heute einig darüber, daß jeder der sechs “Schöpfungstage” zigmillionen Jahre umfaßte. Dann kann uns also auch der siebte “Tag”, Gottes Ruhetag, noch lang werden.

So wie wir in der Frage nach der Seinsform Gottes großzügig sein können, so können wir auch die Frage nach dem Geschlecht des ersten Menschen leichtnehmen: Mit Sicherheit hatte er, solange er allein war, keine Vorstellung von einem Geschlecht und auch nichts Geschlechtstypisches in seinem Verhalten, weder von diesem Geschlecht noch von jenem, weil es ja noch keine zwei verschiedenen Geschlechter gab. Was natürlich auch die Frage nach dem Geschlecht Gottes zu einem Nonsens macht, solange man nur einen einzigen Gott annimmt. Aber diese Logik ist eine Erkenntnis der Philosophie, und die gehört nicht hierher. Vielleicht war der erste Mensch sogar androgyn, eine Vorstellung, die manchen Leuten besser gefällt als alles andere. Wer will das wissen?

Sprechen wir nun einfach von den ersten beiden Menschen, die sich durch einen Knochen unterschieden. Versetzen wir uns einmal zurück ins Paradies. Also ringsum schönste Gegend und keine anderen Leute, nur friedlich glotzende, zwitschernde, schlafende und blökende Tiere am Busen der Natur. Daß die auch was fressen, übersehen wir großzügig. Sonne, Regen und Wind kommen abwechselnd und sind so ideal dosiert, daß jederzeit alles voll von reifen Früchten ist. Und mittendrin die erste Frau und der erste Mann. Die zählten natürlich nicht ihre Rippen. Viel eher dürfte den beiden etwas anderes aufgefallen sein, was sie für einen Knochen halten konnten. Und so können wir annehmen, daß ihre Lieblingsbeschäftigung das Knochen-Verstecken wurde. Gäbe es uns sonst?

Die regelmäßig folgende zeitweilige Knochenerweichung empfanden die beiden nicht als negativ, weil ihnen ja noch niemand Negativbegriffe wie Krankheit, Streß und kaputt eingeredet hatte. Es gab noch keine Ärzte und Psychologen. Man war noch ungestört ungebildet. Das war das Paradiesische an diesem Leben im Garten Eden. Im übrigen ist es recht einfach sich vorzustellen, wie der Alltag der beiden ausgesehen hat. So ganz friedlich kann es nicht hergegangen sein. Dagegen spricht schon unsere Natur. Oder, um es etwas schonender an einem Beispiel aus der Tierwelt zu zeigen: Der Wolf heult nicht mit dem Wolf, wenn er an ihn gekettet ist, er heult gegen ihn. Die ersten beiden Menschen waren zwar ein Paar, aber natürlicherweise auch Konkurrenten. Jeder wollte den anderen ausstechen, ausnützen und auslachen, der eine den anderen zu seinem Fußbänkchen machen, ihm sein Ich aufdrängen und ihn als Spiegel benutzen, um sich selbst darin bewundern zu können. Das als Kurzdefinition für den sogenannten Gattungscharakter des mit Vorliebe gesellig lebenden Wesens Mensch.
Bei den beiden im Paradies dürfte sich das folgendermaßen geäußerst haben: Er hatte schnell herausgefunden, daß er stärkere Arme hat als sie. Das brachte ihn zu der Meinung, er müsse fürs Sagen gemacht sein und sie fürs Gehorchen …

Am 26. Juli 2000 Besprechung dieses Buches von Prof. Dr. em. Dr. h.c. theol. Gerhard Bassarak (1918-2008) aus Berlin:

Das Buch “Im Paradies fing alles an” habe ich gelesen. Für mich war es eine nützliche Rekapitulation der Bibelkunde, vor allem des AT, und der Geschichte Israels.
Es ist eine fleißige Arbeit, referiert das Material so gut wie lückenlos. Auch die apokryphen Schriften fließen ein. Nicht verwunderlich; diese Schriften bieten reichlichen, zum Teil märchenhaften, Erzählstoff … Die Darstellung ist “religionslos”, säkular und entspricht so dem von Bonhoeffer vorausgesagten “religionslosen Zeitalter”. Sie kommt weitgehend, aber nicht ganz “ohne die Vokabel Gott” aus. Das Vergnügen am Drastischen, Derben, Kriminellen, auch Sexuellen ist deutlich, selten wird es “frivol”, aber gelegentlich schon “lasziv” – was Wunder bei solchen Vorgaben!
Parallelen zur Gegenwart wirken wie “säkulare (politisch moralisierende) Predigt”. Fast durchgängig sind Ergebnisse moderner Forschung – Archäologie, auch Theologie – bekannt und verwertet. Ich hatte keine Probleme mit der Lektüre. Mich hat “der Ton” nicht gestört, auch nicht “betroffen” gemacht. Dabei ist klar: Auch eine säkulare Nacherzählung ist “Auslegung”, und da ließe sich über Einzelnes diskutieren. So stimme ich der Übersetzung der Formel für den mosaischen Gottesnamen JHVE nicht zu. In Kurzform wäre zu übersetzen: “Ich bin da”, nicht “Ich bin ich”. Zwar findet der heute moderne Subjektivismus auch in der Theologie und auf Kanzeln Widerhall … Aber der Subjektivismus ist nicht “biblisch”, auch nicht “jesuanisch”. Er paßt schon soziologisch nicht in die biblischen Landschaften. Das gilt wie für die Übersetzung der JHVE-Formel auch für das von Jesus aus dem AT übernommene “Liebesgebot”:
“Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”. Sie notieren zwar die wohl zutreffende Übersetzung: “Er ist wie du”, lehnen sie aber ab und bleiben bei Luthers “wie dich selbst”, was nicht nur bei Ihnen, sondern heute auch bei vielen Theologen zur Selbstliebe als erstes Gebot und auch so gepredigt wird.
Übrigens habe ich einmal in einem Aufsatz zur Frage, wie man die Bibel lesen soll, empfohlen, es nicht mit frommen oder religiösen Scheuklappen zu tun, sondern so normal wie man zeitgenössische Autoren liest. Einer solchen Empfehlung kommen Sie – wenn auch sehr zugespitzt – nahe. Im ganzen habe ich das Buch mit Interesse und gern gelesen.