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Hotel Pfälzer Hof

Hotel Pfälzer Hof

von Walter Laufenberg

Auf der Website von Amazon können Sie weitere Details nachlesen.

ISBN

3-89735-466-7

Kategorie

Historischer Roman

Umfang

302 Seiten, Paperback

Verlag

verlag regionalkultur, Heidelberg – Ubstadt Weiher – Basel 2006

Preis

14,90 €

Review

Das schreibt der Verlag dazu:

Foto: Dr. Fritz Gesing, Schondorf

Foto: Dr. Fritz Gesing, Schondorf

Dieser Schicksalsroman macht mit drei historischen Figuren vertraut, die nie miteinander zu tun hatten: Der Theaterdichter August von Kotzebue aus Weimar, der Theologiestudent Carl Ludwig Sand aus Wunsiedel und der Scharfrichter Franz Wilhelm Wittmann aus Heidelberg. Doch dann kamen ihre Lebenslinien sich in Mannheim in die Quere. Damit bescherten sie der Stadt Anfang des 19. Jahrhunderts die beiden aufregendsten Ereignisse ihrer Geschichte. Sands Mord an dem berühmten Dichter bot dem Fürsten Metternich, der Spinne im Netz Europas, den willkommenen Anlaß für die Karlsbader Beschlüsse, die jedes patriotische und demokratische Aufbegehren unterdrückten. Damit entließ er die gerade erst vom napoleonischen Joch befreiten deutschen Länder in die zwielichtige Idylle des Biedermeier, die in Mannheim jedoch zu einer neuen Epoche des Ärmelaufkrempelns wurde.

Das möchte ich als Autor noch zur Aktualität des Buches sagen:

In unserer Zeit des religiös motivierten Terrors erinnert dieses Buch an einen Mord aus Fanatismus, der damals nicht verstanden wurde. Die Selbstmordattentäter von heute haben einen berühmten Vorgänger, der hieß Carl Ludwig Sand und hat in Mannheim zugeschlagen, wo er auch begraben liegt, dicht bei seinem Opfer.

Joachim Hemmerle schrieb am 5. Dezember 2006 im Mannheimer Morgen unter der Überschrift “Politischer Mord als irrationale Selbstverwirklichung”:

Das bevorstehende Jubiläum Mannheims gibt vielerlei Anlass, Rückschau auf vier Jahrhunderte Stadtgeschichte zu halten. Zu den denkwürdigen Geschehnissen gehört der Mord am Dichter August von Kotzebur durch den Burschenschafter Carl Ludwig Sand am 23. März 1819. Die ideologisch motivierte Tat hat nicht nur Mannheimer bewegt, zumal die Folgen weitreichend waren. In der Historie steht das Ereignis als Auftakt der Metternichschen “Demagogenverfolgung” durch die Karlsbader Beschlüsse, sie bescherten den Ländern des Deutschen Bundes mehr oder weniger eine jahrzehntelange Friedhofsruhe.
Viel ist darüber geschrieben worden, auch der Film hat dieses Drama abgehandelt. Der Autor Walter Laufenberg, seit langem Wahl-Mannheimer, ist eingetaucht in das Geschehen aus dem Biedermeier und hat eine Geschichte geschrieben, die keine Geschichtsschreibung sein will, obwohl darin viel historische Recherchearbeit steckt. Der Erzähler entwirft seine eigene Deutung ….

Hier der Erfahrungsbericht der Leserin Elira, wie er in www.ciao.de/hotel_pfaelzer_hof_laufenberg_walter steht::

Ein dramatisches Geschehen, das nur durch reinen Zufall 1819 in Mannheim stattgefunden hat, veranlasste den Autor Walter Laufenberg, diesen historischen Roman zu schreiben.

Nach seiner eigenen Aussage erinnert die Geschichte ” in unserer Zeit des religiös motivierten Terrors an einen Mord aus Fanatismus, der damals nicht verstanden wurde. Die Selbstmordattentäter von heute haben einen berühmten Vorgänger, der hieß Carl Ludwig Sand und hat in Mannheim zugeschlagen, wo er auch begraben liegt, dicht bei seinem Opfer August von Kotzebue”. Noch heute befinden sich die Gräber der beiden in unmittelbarer Nähe zueinander auf dem Mannheimer Hauptfriedhof.

Das Geschehen wurde damals von Metternich zum Anlass für die “Karlsbader Beschlüsse” genommen, die Deutschland in eine Zeit der Unfreiheit in Bezug auf demokratische Reformen, besonders hinsichtlich der Pressefreiheit, zurückgeworfen haben.

Der Roman widmet sich vor allem der Frage, was den fleißigen und bis dahin rechtschaffenen Studenten Sand aus Wunsiedel zu dieser Tat veranlasst hat. Der Autor geht dieser Frage mit akriebischer Genauigkeit nach, wandelt auf Sands Spuren als Student in Erlangen und Jena und immer wieder einmal ins Haus der Eltern nach Wunsiedel.

Die Unruhe unter den Studenten, die sich mehr Freiheit für das Volk wünschten, die Abschaffung der Zensur, die Einigung der vielen deutschen Kleinstaaten zu einem einzigen freien Deutschland fand ihren Ausdruck in einer regen Beteiligung der Burschenschaften am Fest auf der Wartburg zum Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig und zum dreihundertsten Jahrestag des Thesenanschlages von Martin Luther. Auf der Wartburg wurden die Lieder gesungen und die Schriften verfasst, die danach viele Dinge in Gang bringen sollten.

Die Französische Revolution hatte den Samen gesät, der nun nach und nach in den Köpfen der Jugend aufging. Der Autor macht deutlich, warum und wie bei Karl Ludwig Sand diese Parolen auf fruchtbaren Boden fielen. Er entwickelte sich nach und nach zu einem glühenden Patrioten und steigerte sich hinein in einen Fanatismus, der ihm und seinem späteren Opfer zum Verhängnis wurde.

Zur gleichen Zeit machte August von Kotzebue Karriere als Bühnendichter und als Diplomat in den Diensten des russischen Zaren. Diese Tätigkeit machte ihn in den Augen der revolutionaren Studenten zu einem Vaterlandsfeind, dem man auch nicht verzeihen konnte, dass er in seinen Bühnenstücken dem bürgerlichen Geschmack, dem Kleinbürgertum und den bestehenden Verhältnissen das Wort redete. Seine Stücke waren erfolgreich, die Zuschauer amüsierten sich und das war die Hauptsache. Dies alles konnte nach Meinung des Autors kein ausreichender Grund sein für den Hass, den der verblendete und fanatisierte Student Sand nach und nach gegen von Kotzebue in sich aufstaute.

Walter Laufenberg lässt seiner Phantasie freien Lauf und beschreibt alle Facetten des privaten und öffentlichen Auftretens eines jungen Menschen in seiner Zeit, einer Zeit des Umbruchs in allen Gesellschaftsschichten. Er beschreibt ebenfalls das Leben und Treiben einer aufstrebenden Stadt, die ein Anziehungspunkt in der Region und darüberhinaus war im angehenden 19. Jahrhundert. Dem Mannheimer Maimarkt widmet er ein ganzes Kapitel. Der Freiherr von Drais und sein Laufrad taucht im Geflecht der Beziehungen der Protagonisten auf, ebenso der Scharfrichter Wittmann aus Heidelberg, der noch eine wichtige Rolle spielen wird.

Wie sich die Lebenswege der Menschen auf einen Kulminationspunkt am 23. März 1819 in Mannheim hinbewegen, welche Rolle immer wieder das Hotel “Pfälzer Hof” spielt, dies alles beschreibt der Autor sachkundig, unterhaltsam und detailgenau in diesem historischen Roman um ein unerhörtes Vorkommnis in einer Stadt, die nur durch viele Zufälle zum Austragungsort eines so dramatischen Geschehens wird. Die Liebesgeschichten, die Walter Laufenberg um den Erfinder des hölzernen Laufrades sowie um den Heidelberger Scharfrichter Wittmann und seine Friderike herumspinnt, lockern das Ganze auf und geben ihm die nötige menschliche Wärme.

Man weiß etwas mehr über die Zeitenwende vom 18. zum 19. Jahrhundert in Europa, man findet Parallelen in der heutigen Zeit, wenn man den Weg des freiheitsliebenden Studenten Sand hin zum fanatischen Patrioten und Mörder eines Unschuldigen lesend verfolgt. Nebenbei taucht man ein in das bunt gemischte Leben und Treiben der Stadt Mannheim, die mit ihrem Umland schon damals eine “Metropolregion” war.

Walter Laufenberg hat sich an die wesentlichen Fakten gehalten und sich die Freiheit genommen, sie phantasievoll und lebendig auszuschmücken, so dass dabei die Unterhaltung nicht zu kurz kommt.
Für Mannheimer und andere Geschichtsbewusste ist das Buch zu empfehlen
.
Walter Laufenberg hat noch einige andere historische Romane verfasst wie z.B. “Stolz und Sturm”, “Goethe und die Bajadere”, “Ritter, Tod und Teufel”. Am meisten bekannt wurde er jedoch durch sein “Läster-Lexikon” und seine Website “netzine.de”.

Weitere Leserurteile

Ich muss zugeben: Den so aufschlussreichen historischen Roman “Hotel Pfälzer Hof” zu lesen, das war für meine Frau wie für mich eine einzige Freude.
Hans-Bernd von Vietsch, Ellerstadt 15. 10. 07

Hotel Pfälzer Hof“, ein großartiges Buch, so spannend und informativ. Ich habe schon drei weitere Exemplare gekauft und verschenkt. Man ist ja froh, wenn man mal was findet, womit man seinen Freunden was Gutes tun kann.
Dr. Günter Fuhrken, Heidelberg 8. Oktober 2007

Das “Hotel Pfälzer Hof” hat mir sehr gut gefallen. Da möchte man sich ja glatt einquartieren!
Erwin Fenner Hockenheim 15. Februar 2007

Den Roman “Hotel Pfälzer Hof” habe ich sofort erworben und schon fast zu Ende gelesen. Klasse!
Peter Montag, Mannheim 6. 2. 2007

Hatte jetzt die Chance, Ihr “Hotel Pfälzer Hof” zu lesen. Ich habe nahezu ohne Unterbrechung und mit Vergnügen mich in die Zeit nach Napoleon versetzt, und ich fand es gut, daß Sie damalige Zeitgenossen sich treffen liessen …. Das gibt einen guten Rundblick von Mannheim aus über ein Deutschland, das Metternichs Restauration ertragen musste.
Wilderich Graf von und zu Bodman Ludwigshafen-Bodman 16. Januar 2007

Nun habe ich das Buch “Hotel Pfälzer Hof” gelesen und möchte Ihnen doch gerne berichten, dass es mir sehr gefallen hat, wie Sie vor allem den Spuren im Denken des Carl Ludwig Sand nachgegangen sind. Was ihn zu dieser fanatischen Tat veranlasst hat, das fragt man sich doch immer wieder, wenn man diese Geschichte liest. Es gibt so viele Parallelen in der Weltgeschichte, und man kann sich gar nicht genug wundern, wie einseitig ein junger Mensch eine Zeitströmung aufnehmen kann. Ich kann es einfach nicht verstehen, dass ausgerechnet ein Theologiestudent sich offensichtlich keinen Moment darüber Gedanken gemacht hat, dass es doch schon in den Zehn Geboten heißt “Du sollst nicht töten”. Dass Sie den Freiherrn von Drais mit einer Liebesgeschichte bedacht und das Buch mit der Liebes- und Ehegeschichte des Scharfrichters ausgeschmückt haben, das lockert natürlich das Ganze auf. Auch die Beschreibung des Lebens und Treibens auf den Straßen Mannheims sowie die geschichtlichen Rückblenden auf die Entstehung der Quadrate beleben den Gang der Dinge in ihrem Roman.
Eleonore Zorn Mannheim 11. 1. 2007

Gestern haben wir die letzten Seiten des Buches “Hotel Pfälzer Hof” gelesen. Ich habe es meinem Mann abends ganz vorgelesen, und wir haben immer mit Freude und Spannung den weiteren Hergang erwartet. Über diese Epoche wußten wir nicht so schrecklich viel, und so wurde beim Lesen die Historie für uns lebendig, besonders durch die detaillierten und lebendigen Beschreibungen. Die Detailkenntnisse und die guten Recherchen beeindruckten uns sehr. Ein Lesevergnügen, für das wir herzlich danken möchten!
Ursula Ott, Badenweiler 21. 12. 2006

Das “Hotel Pfälzer Hof” hat mir schöne Stunden geschenkt. Eigentlich wußte man ja schon immer, daß ein Mord passiert ist und daß der Täter hingerichtet wurde. Aber wenn man das Buch liest, werden einem die handelnden Personen als Menschen so vertraut, da sieht man das alles auf einmal ganz anders.
Carl Ludwig Lotz, Leimen 21. Dezember 2006

Bin dabei, den historischen Roman “Hotel Pfälzer Hof” zu lesen. Sehr schön. Wirklich flott geschrieben. Bin gespannt, wie es weitergeht.
Werner Maar, Heppenheim 18. 12. 06

Das “Hotel Pfälzer Hof” reist mit uns auf die Kanaren nach Gomera zur Jahreswende. Wir wollen mal Aussteiger für 3 Wochen sein.
Rosi und Jochen Müller, Berlin 14. 12. 2006

Zu dem Roman “Hotel Pfälzer Hof“: Im Mannheimer Morgen (und auf Ihrer Website) habe ich gesehen, dass Sie einen Kriminalroman (oder einen kriminalistischen Roman?) über den Mord an Kotzebue durch den Studenten Sand geschrieben haben. Das freut mich sehr, dass Sie sich als in Mannheim lebender Autor dieses faszinierenden Themas angenommen haben.
Schon immer war ich, wenn ich über den Mannheimer Hauptfriedhof ging, von der Tatsache angerührt, dass dort sowohl der Ermordete als auch sein Mörder in relativ naher Nachbarschaft innerhalb desselben Friedhofs begraben sind. Und das angesichts der Tatsache, dass früher (auch noch als der Mord passierte) Mörder und Selbstmörder doch außerhalb der Friedhofsmauern begraben werden mussten. Mir schien es jedenfalls ein Zeichen von Toleranz und gelebtem Christentum zu sein, dass die Friedhofsverwaltung diese Umbettungen gestattet hat, denn Sand war ja vorher auf einem anderen Friedhof begraben … Als Krimi habe ich diesen Vorfall schon immer empfunden und als großes Fragezeichen: Warum hat Sand sich angemaßt, August von Kotzebue zu ermorden? Sand war doch Theologiestudent, wie passt das zusammen? Man sieht, es gab schon immer Irregeleitete und Fanatiker. Leider. Ich werde auf jeden Fall Ihren Krimi lesen und freue mich schon darauf.
Eleonore Zorn, Mannheim 10. Dezember 2006

Schade, daß man so ein wunderbares Buch wie “Hotel Pfälzer Hof” nicht in einem Zug durchlesen kann. So interessant die historischen Dinge und so lebendig geschildert alles. Aber dann hat man dies und das zu tun und wird herausgerissen. Auf diese Weise muß ich immer wieder ein Stück zurückgreifen und lese beinahe alles doppelt. Doch ich finde: Das ist auch wieder sehr schön.
Erika Neumann, Dossenheim 30. 11. 06

Inzwischen haben wir in Ihrem Manuskript “Hotel Pfälzer Hof” gelesen, fanden es unterschiedlich gut, insgesamt jedoch beeindruckend. Es ist schon verblüffend, aus welchem Reichtum an Einfall und Sprache Sie – oft auch humorvoll – schöpfen.
Dr. Ulrich Nieß, Mannheim 15. 2. 2006

Habe jetzt übers Wochenende mal die ersten 120 Seiten in dem Roman-Manuskript “Hotel Pfälzer Hof” gelesen. Es ist schon beeindruckend, was Ihnen so alles einfällt, außerdem ist es – im besten Sinne! – einfach und auch flüssig geschrieben.
Dr. Peter Rings Mannheim 6. Februar 2006


Leseprobe:

1.

Die Macht des sogenannten kleinen Mannes

Den Kopf mit der imposant schnörkelverzierten Dienstmütze auf die weißbehandschuhten Fäuste gestützt, würdevoller Empfangschef hin und würdevoller Empfangschef her, so sitzt er zusammengeknickt in seiner wie immer frisch gebügelten Uniform hinter der Theke, starrt in das leere Foyer und wünscht sich, den Sommer schon hinter sich zu haben, der wieder drückend heiß zu werden droht. Daß die Sonne aber auch nichts Besseres zu tun hat, als überm Rheintal zu hängen und uns Mannheimern einzuheizen. Wo wir doch weiß Gott genug um die Ohren haben, was uns in Hitze bringt. Gerade erst den Maimarkt mit seinem Trubel hinter uns gebracht, liegt jetzt die letzte Maiwoche vor uns, also noch lange hin bis zum Sommer, und doch klebt mir schon die Zunge am Gaumen, daß ich kaum sprechen kann. Zum Glück muß ich ja auch nicht sprechen. Die Messe vorbei, jetzt reist kein Mensch mehr an. Mannheim ist in Verruf geraten, das ist nicht zu übersehen. Mit uns geht es zu Ende. – In dem Moment rollt eine Kutsche vor.

„Kundschaft, Johann!“, schreckt er hoch. „Schau nach, wer da kommt, los, los! Und bring das Gepäck gleich mit herein. Wir brauchen dringend Gäste.“

Reifstein ist aufgesprungen und steht jetzt in Säulenhaltung neben der Empfangstheke, in voller Würde, den Schnauzbart wie das Jackett schnell noch glattgestrichen, jedes Hosenbein einzeln geschüttelt, daß die messerscharfe Bügelfalte richtig zur Geltung kommt, das verbindlichste Berufslächeln im Gesicht. Der erste Eindruck, den der Gast gewinnt, der bin immer ich. Ob er das Hotel gut findet oder nicht, das entscheidet sich an mir.

Ein Mann betritt das Foyer. Ach, leider allein, ohne allen Anhang. Immerhin, er trägt fremdländisches Schuhwerk, sicher teures. Und der Mantel aus gutem Tuch, den er lässig um die Schultern gehängt hat, ist für kältere Gegenden bestimmt. Ein Mann von Welt, ganz offensichtlich. Auch die Haltung, wie er auf einen zu kommt. Ein Herr. Ja, solche Gäste brauchen wir.

„Wünsche einen schönen guten Tag, der Herr. Das Hotel Pfälzer Hof, erstes Haus am Platze, steht zu Euren Diensten. Schon Wolfgang Amadeus Mozart hat unter diesem Dach genächtigt.“ Volltönend ins Foyer gerufen und mit einem angedeuteten Bückling unterstrichen.

„Mein Name ist Otto von Kotzebue. Ich brauche ein gutes Zimmer für zwei, drei Nächte, vielleicht auch für mehr, falls es mir hier gefällt.“

Der Name trifft den Empfangschef wie eine Ohrfeige, doch ist er gewohnt, sich keine Gemütsregung anmerken zu lassen. Immer ganz Würde und in Habachtstellung, in seiner tressenbesetzten Uniform wie in einem schmucken Flakon eingeschlossen. Das Gesicht mit dem Hoheitsblick, der immer Eindruck macht: Das Kinn vorgestreckt, und die Augenlider schwer herabhängend, als könnte er die Last der Welt nicht mehr tragen und möchte einfach alles aussperren, was auf ihn eindringt.

„Ein Zimmer, ja, ein Zimmer“, kommt es etwas zögerlich. „Das haben wir natürlich“, fügt er schnell an. „ Johann, begleite den Herrn zum Zimmer Numero 13.“ Doch als der Hoteldiener, nur starr dastehend in seinem weißen Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln, die blaue Schürze vorgebunden, eine ebenfalls blaue Kappe auf dem runden Schädel, ihn verständnislos angafft, wird der Empfangschef energisch: „Steh nicht so dumm herum, nimm das Gepäck und schaffe es auf das Zimmer, das ich dir genannt habe!“

Reifstein wundert sich kein bißchen, als der Gast schon nach wenigen Minuten wieder im Foyer auftritt, Empörung im Blick, den Hoteldiener mit dem gesamten Gepäck hinter sich. Er hört sich in aller Ruhe das Lamento des Reisenden an, der das ihm zugewiesene Zimmer als ein Kämmerchen bezeichnet. „Völlig unakzeptabel für mich! Was glaubt man denn, wen man vor sich hat? Ich bin der Entdecker eines Sundes bei Alaska, der jetzt meinen Namen trägt, der Kotzebuesund, bin von Adel zudem, habe eine lange, anstrengende Reise hinter mir, bereit und in der Lage, das beste Zimmer zu bezahlen, außerdem hungrig und erpicht darauf, dem Maitre de Cuisine meine Wünsche kundzutun.“ Dabei drückt er dem Empfangschef einen Geldschein in die Hand. Der so selbstverständlich angenommen wird, wie die Antwort kommt:

„Tut mir aufrichtig leid, mein Herr, aber Alaska kenne ich nicht, und hier in Mannheim ist unsere Numero 13 das einzige Zimmer, das noch frei ist. Die Stadt ist voller Gäste, von überallher angereist wegen des außerordentlichen Ereignisses, das gerade vorgestern hier in Mannheim stattfand. Wenn Ihr wißt, was ich meine, mein Herr.“

Dabei hatte er das Wort außerordentlich so merkwürdig betont, daß jeder wissen muß, was er meint. Einer mit dem Namen Kotzebue erst recht. Nur der Hoteldiener, der wie angewachsen dasteht und dumm guckt, braucht noch eine besondere Erklärung: Ein ihm heimlich zugeworfenes Zwinkern holt ihn aus seiner Erstarrung, läßt ihn die rechts und links neben sich abgestellten Gepäckstücke wieder aufnehmen und vernehmlich ächzend ein zweites Mal die Treppe hochschaffen. Zum Zimmer Numero 13. Der neue Gast zögernd hinter ihm her. Das Hoheitsgesicht unter der Dienstmütze schickt ein hämisches Grinsen hinter diesem her.

Als Johann nach geraumer Zeit wieder ins Foyer herunter kommt, er hat dem Gast wohl beim Auspacken seines schweren Überseekoffers und beim Einräumen in den Kleiderschrank geholfen, hält er die Hand auf der Jackentasche, als wolle er das verstecken, was seine zufriedene Miene ohnehin verrät.

„Hast du wenigstens ein Trinkgeld gekriegt, Johann?“

„Hab ich. Der Herr ist sehr großzügig. Nur – sagt mal, wieso habt Ihr ihm das schlechteste Zimmer gegeben? Wo das Haus doch beinahe leer ist. Und der Herr ist von Adel.“

„Adel bedeutet für uns gar nichts. Es sei denn, es ist ein Pfälzer Adliger. Hast du Dummkopf denn nicht den Namen gehört? Kotzebue.“ Soviel Abscheu in das Wort gelegt, mit feuchter Aussprache und gerümpfter Nase, daß man meinen könnte, es sei ihm zum Kotzen.

„Aber der ist doch tot, – denke ich mal so“, stammelt der Hoteldiener.

„Dummkopf, dreigestrichener. Die Stadt ist voll von seinen Söhnen. Alle dritt- und viertklassig untergebracht, weil meine Kollegen in den anderen größeren Häusern nicht so voreilig waren und sich gleich dienstbereit erklärt haben, noch ehe sie den Namen gehört hatten. Nur ich habe leider – na ja, bei der Hitze macht man schon mal was falsch.“

2.

Ehrengast im ersten Haus am Platze

Es ist früher Nachmittag, die Sonne hat am wolkenlosen Himmel schon den Zenit überschritten, aber mit ihren langen Armen legt sie die Hände jetzt erst recht heiß auf das Gewusel im Rheintal. Dieser Tag will und will nicht vergehen, seufzt so mancher. Die Gesichter der Leute glänzen von Schweiß, und was man anfaßt, wird feucht, sogar durch den weißen Handschuh hindurch. Für Reifstein eine Situation, in der er jede unnötige Bewegung vermeidet. Eine sitzende Säule jetzt nur noch, an der das Hotel angebunden ist. „Mein Hotel“, wie er zu sagen pflegt.

Doch als die Tür aufgeht und ein vom Leben gebeugtes Mütterchen im schwarzen Kleid eintritt und kaum ein Schrittchen vorwärts zu gehen wagt in dem verwirrend großen und prächtigen Foyer, ein billiges Köfferchen an der Hand, da kommt Leben in die Säule Reifstein. Und auch gleich in das angebundene Hotel.

„Grüß Gott, Wilhelmine Sand ist mein Name“, hat die Frau nur gesagt, viel zu leise. Doch hat das genügt, den Empfangschef zu einer richtigen Verbeugung zu veranlassen. Und das war für ihn ungewöhnlich viel.

„Grüß Gott, grüß Gott, gnädige Frau. Wir freuen uns, Euch begrüßen zu dürfen, und hoffen, daß Ihr Euch in unserem Hause wohlfühlt. Schon Wolfgang Amadeus Mozart hat unter diesem Dache genächtigt. Bei der Gelegenheit, eh, mein höchstpersönliches herzliches Beileid, gnädige Frau.“ Und im selben Atemzug, an den Hoteldiener gewandt: „Johann, nun mach schon, bitte den Chef hierher!“

Der läßt nicht lange auf sich warten. „Reinhardt ist mein Name“, begrüßt er die Frau, die neben ihrem Köfferchen vor der Theke steht, „ich bin der Patron dieses Hauses, Hotelier in der zweiten Generation, und heiße Euch herzlich willkommen, Madame. Es ist mir eine besondere Ehre, Euch hier empfangen zu können, gnädige Frau. Bekommt doch dieses Haus, das wir erst unlängst aus seiner bescheidenen zweigeschossigen Erscheinung befreit und zu diesem dreigeschossigen Prachtbau entwickelt haben, durch Euren Besuch einen ganz besonderen Glanz. Dafür danken wir Euch und wünschen Euch …“

„Aber Ihr habt mich doch eingeladen und mir auch noch die Fahrt mit der Extrapost von Wunsiedel hierher bezahlt, also habe ich Euch zu danken“, wagt die gerade Angekommene nun doch zu widersprechen. Sie hat mittlerweile in der ungewohnten Situation Fuß gefaßt und erinnert sich nun an den Vorsatz, mit dem sie sich auf diese Reise begeben hat: Laß dir nur ja nichts gefallen! Deshalb klingt es gar nicht so bescheiden, wie es klingen soll, als sie nun sagt: „Ich weiß gar nicht, wie ich zu der Ehre komme, ich bin doch nur eine einfache alte Bürgersfrau. Ich bin Wilhelmine Sand. Mein Mann, ja, der Justizrat, der war ein Herr, als er noch in Arbeit war, doch jetzt ist er zu alt zum Reisen, mein Mann, aber ich, ich bin doch keine gnädige Frau und keine Madame, und soll ich Euch mal was sagen, Herr Hotelier, ich war noch nie in meinem Leben in einem Hotel.“

Ein Einwurf, der einen Mann wie Reinhardt nicht aus dem Konzept bringen kann. In der routinierten Art des gebürtigen Hoteliers verbindet er dynastische Hoffahrt mit geschäftstüchtiger Liebedienerei. Eine Melange, die sich in der besonderen Haltung der Vertreter dieses Berufsstandes auszudrücken pflegt: Das Kinn so kühn vorgestreckt wie den Steiß devot rausgedrückt. Genau so steht er da, in seinem festlich wirkenden schwarzen Habit, das einen deutlichen Kontrast zu seiner Halbglatze mit dem schütteren grauen Haar drum herum und zu seinen feinen weißen Händen abgibt. Er kann seine mit Leichenbittermiene vorgetragene obligate Kondolenz ohne Probleme mit der barschen Anweisung an den Hoteldiener verbinden: „Johann, nimm den Koffer und führe die Dame in unser bestes Zimmer, Nummer 33, und hilf ihr beim Einrichten, und stell dich diesmal nicht allzu dumm an dabei!“ Und zu Reifstein gewandt: „Die Küche soll einen Kaffee aufs Zimmer bringen.“ Die geschmeidige Körperdrehung fortsetzend dann noch die Frage an die Besucherin: „Ihr trinkt doch einen Kaffee zur Erfrischung nach der langen Reise, Madame?“

„Ja, aber …“

„Nichts aber. Ihr seid unser Ehrengast, werte Frau Sand. Alles, was unser Haus zu bieten hat, steht zu Eurer Verfügung, selbstverständlich auf Kosten des Hauses. Es ist mir eine Ehre …“

„Aber wieso denn, ich weiß wirklich nicht, was …?“

„Mannheim hat an Euch soviel gutzumachen.“ Mit weinerlicher Stimme und schon im Abwenden gesagt, daß es aussehen kann, als müsse er Tränen verbergen, die ihm in die Augen gestiegen sind. „Wir sehen uns ja später noch, Madame.“

3.

Doch Trauerarbeit verbindet

Auf Zimmer 13 bleibt es lange ruhig. Das liegt nicht zuletzt daran, daß Erschöpfung auch über den größten Ärger hinweghilft. Weniger besänftigend war das Essen im Restaurant des Hotels. Es gab angeblich nur Pfälzer Kost, reichlich und von Fett triefend, doch dazu ein gutes Bier. Das hatte dem von langer Reise Erschöpften darüber hinweggeholfen, daß er von dem unfreundlichen Kellner einen kleinen Tisch in der hintersten Ecke angewiesen bekommen hatte, den Katzentisch, und dann feststellen mußte, daß er der einzige Gast blieb. In sein Schicksal ergeben hat Otto von Kotzebue sich auf sein Bett geworfen, in seiner Reisekleidung. Egal, wie sehr sie verknittert, meine Seele ist es noch viel mehr. Und nicht einmal die Reisestiefel ausziehen. Nur nicht zeigen, daß man diese Unterbringung akzeptiert.

Doch, – wem das nicht zeigen? Ist er doch bloß in den unruhigen Träumen, die ihn schon bald aus dem miesen Zimmer entführen, nicht allein. Er ist wieder in Reval, seiner Geburtsstadt, im Kreis seiner Schulkameraden, die ihn um den berühmten Vater beneiden, es gleichzeitig aber auch als ganz selbstverständlich hinnehmen, daß Otto bestimmt, was gespielt wird. Immer. Und was sie alles spielen. Die ganze Welt erobern sie, er als Kapitän und die anderen als seine Mannschaft, manchmal auch als der General mit seiner Armee.

Exakt über ihm, nur zwei Stockwerke höher, im Zimmer 33 hat sich der Ehrengast des Hauses, die ebenfalls völlig erschöpfte alte Frau Sand, auf ihr Bett gelegt. Auf ein so hohes und langes und breites Bett, wie sie es noch nie erlebt hat. Ein Himmelbett zudem. Da hat sie der Versuchung nicht widerstehen können, schnell Schuhe und Kleid abzulegen, und auszuprobieren, wie man unter diesem Himmel aus feiner Seide liegt. Ein hellblauer Betthimmel, in dem Sonne, Mond und Sterne in Gold und Silber glänzen. Ganz was anderes als das stundenlange harte Gerüttel in der Postkutsche. Selbst der gerade erst genossene starke Kaffee, den der Hotelier ihr aufs Zimmer bringen ließ, hat keine Chance, sie wach zu halten. Oder war es vielleicht gerade der Kaffee, bei manch einem bekanntlich genau umgekehrt wirkend, was sie so schnell müde gemacht hat und sie nun in den Himmel entrückt, wo sie ihren Sohn zur Rechten Gottes sitzen sieht. Sie kann ihm glücklich zuwinken, und er sieht es und antwortet ihr mit einem zufriedenen Zwinkern. Einig sind sie sich wie stets, wortlos einig, so daß sie nicht einmal das eifrige Jubilieren der Engel zu stören brauchen.

Es wird Abend, bevor die Schulkameraden verschwinden und der etwas verknitterte Gast, der von Alaska gesprochen hatte, sich endlich zum Friedhof der Stadt aufmacht. Daß es schon dunkelt, ist ihm mehr als recht. Ich will keinen Menschen sehen, sagt er sich, dabei will er nur möglichst nicht gesehen werden. Darin, ohne es zu ahnen, mit der alten Frau in Trauerkleidung einig, die noch ein wenig länger braucht, bis sie aus dem Himmel auf die Erde und in ihr schwarzes Kleid zurückfindet und sich auf den Weg zum Friedhof macht. So begibt es sich, daß sich auf dem Lutherischen Friedhof von Mannheim im Planquadrat Q 7 an diesem Abend zwei recht unterschiedliche Gruppen versammeln, jeweils an einem anderen noch mehr oder weniger frischen Grab. Das sind hier drei der sechs Söhne des berühmten deutschen Theaterdichters und russischen Staatsrats August von Kotzebue, nämlich Otto, Moritz und Paul. Nach Mannheim gekommen, um ihren vor einem Jahr und zwei Monaten ermordeten Vater zu betrauern sowie die Hinrichtung des Mörders mitzuerleben. Was Moritz und Paul gelungen ist, nicht aber Otto, der sich nur verspätet von seinen vielen wissenschaftlichen Verpflichtungen lösen konnte. Und dort, wenige Meter weiter und bloß durch eine niedrige Hecke getrennt, Mutter Sand und die himmlischen Heerscharen, die den Tod des vor zwei Tagen hingerichteten Studenten Carl Ludwig Sand beklagen und seine glorreiche Aufnahme als Märtyrer in den Himmel bejubeln.

Die Beschäftigung mit dem geliebten Entschlafenen ist das eine, was die Söhne eint, die natürliche Neugier das andere. So dauert es nicht lange, bis die drei jungen Herren genug haben von dem Starren auf das väterliche Grab und auf den Stein in Form einer gebrochenen Säule, zu dessen Herstellung und Aufstellung sie in schönster brüderlicher Eintracht zusammengelegt hatten. Die Blumenbuketts sind längst vertrocknet, und nur die Inschrift auf dem Grabstein bemüht sich noch Eindruck zu machen. Verkündet sie doch Namen und Rang und Lebensdaten des berühmten Verstorbenen. Was die Söhne ohnehin alles wissen. Und auch die Wiedersehensfreude der getrennt angereisten Brüder hält nur eine kleine Weile vor. Was man sich an Neuigkeiten zu sagen hat, ist schnell gesagt. Im übrigen verabredet man sich zum gemeinsamen Abendessen im Hotel „Pfälzer Hof“. Gleich im Anschluß an den Friedhofsbesuch. Nur sich noch schnell standesgemäß fürs Dinner umkleiden. Zu dritt würden sie sicher einen besseren Tisch bekommen als den Katzentisch, ist Otto sich sicher. Und diesmal würde die Order beim Kellner viel bestimmter ausfallen. Beim Essen würde man dann Gelegenheit genug haben, sich ausführlich zu unterhalten. Hier steht man doch nur dumm herum.

So wendet sich die Aufmerksamkeit der drei stattlichen Herren bald der alten Frau in Schwarz zu, die gleich nebenan vor einem offensichtlich noch neuen Grab kniet und leise vor sich hin singt. Das klingt nach Kirchenliedern. Vor ihr steht ein Holzkreuz, allerdings ein sehr schlichtes, aus unbearbeitetem Tannenholz. Dafür aber ist der aufgehäufte Blumenschmuck frisch und überwältigend in seiner Fülle. Das Trauerblühen hat nicht genug Platz auf dem frischen Grab gefunden und deshalb die Nachbargräber teilweise mit überflutet. „Was mag wohl auf dem Kreuz stehen? Wer ist so bedeutend?“, fragen die Söhne sich. Es ist dann Otto, der ewige Anführer, der sich am nächsten an die sonderbar abwesend wirkende Frau heranwagt und einen schnellen Blick auf das Kreuz riskiert. Einen Blick, der ihn bis ins Mark erschüttert und zurückscheucht zu seinen Brüdern.

„Das darf doch nicht wahr sein“, flüstert er ihnen zu. „Das ist das Grab des Mörders, der unseren Vater auf dem Gewissen hat.“

„Ein Affront!“

„Eine unglaubliche Frechheit der Friedhofsverwaltung, die beiden Gräber so eng zusammen zu legen.“

„Ja, nun liegen sie beinahe Schulter an Schulter in geweihter Erde, der Ermordete und sein Mörder.“

Schon wollen die beiden jüngeren Brüder empört über die alte Frau herfallen. Doch kann Otto sie gerade noch zurückhalten. Wieder derjenige, der bestimmt, was gespielt wird. „Hier wird nicht das üble Spiel des Lebens fortgesetzt“, sagt er mit Bestimmtheit. „Wir sind auf dem Friedhof. Die beiden Toten sollen in dieser Welt der Entschlafenen ihren Frieden haben, sie werden sich vor dem Allerhöchsten verantworten müssen. Denn wir sind nicht Richter, wir sind bloß trauernde Hinterbliebene, genau wie diese alte Frau in Schwarz, die da im Schmutz der Erde kniet, vermutlich die Mutter des hingerichteten Studenten.“

„Ja, – wenn das wahr ist, wenn sie die Mutter ist, dann hat sie wahrhaftig noch mehr zu beklagen als wir“, gibt Paul sich einsichtig. Und Moritz ergänzt: „Weil sie einen Mörder zu beklagen hat.“

„Ja, auch deshalb“, schließt Otto die geflüsterte Diskussion ab und zieht seine Brüder mit sich fort. Nur schnell weg von diesem schaurigen Ort des Todes. Zurück ins Leben!

„Im Tode sind eh alle Menschen gleich“, resümiert Paul, der jüngste der drei Brüder, bei Verlassen des Friedhofs. Daß er zu altklugen Reden neigt, das kennen die Brüder schon.

„Nicht nur im Tode, sondern auch im Leben sind sie letztlich gleich, so scheint mir“, korrigiert ihn der nur wenig ältere Moritz.

„Das ist absolut wahr“, stellt Otto, der älteste der Drei, mit einer gewissen Feierlichkeit fest, „die Menschen sind in dem, was sie eigentlich und letztlich wollen, überall gleich – auch zu allen Zeiten.“ Und weil er der berühmte Naturforscher ist, gibt es von seinen Brüdern keinen Widerspruch.

Ein jeder geht zu seiner Herberge, um sich umzuziehen. Dann will man sich im Hotel „Pfälzer Hof“ zu einem opulenten Mahl und einigen Schoppen gutem Wein zusammensetzen und so tun, als finge damit der Tag erst an. Recht so. Auch das Verdrängen-Können gehört zur Lebenskunst. Ob es was nützt, ist eine offene Frage.