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Die Salzhexe – Ein Frauenschicksal in der Zeit, als die Liebe neu entdeckt wurde

Die Salzhexe – Ein Frauenschicksal in der Zeit, als die Liebe neu entdeckt wurde

von Walter Laufenberg

Verlag

Salon LiteraturVerlag

Seiten

464

ISBN

978-3-939321-61-3

Preis

23,50 €

Format

Hardcover, 4-farbiger Schutzumschlag, Lesebändchen

Review

DAS SCHREIBT DER VERLAG:

Am Ufer der Salzach lebt am Anfang des 13. Jahrhunderts eine junge Frau mit einer außergewöhnlichen Gabe: allein durch ihren Geschmackssinn versteht sie die Qualität von Salz zu unterscheiden. Doch die Gabe der Salzschmeckerin Magda ist nicht nur ein Segen. Der Kampf um das weiße Gold prägt die Menschen von Salzach, Saalach und Inn im Guten wie im Schlechten. Als Magda ihren Mann verliert, verändert sich ihr Leben dramatisch. Nun ist sie schutzlos einer von Männern dominierten Welt ausgeliefert. Sie wird zum Mittelpunkt eines Intrigenspiels, an dessen Ende sie – als Hexe gebrandmarkt – fliehen muss. Heimat- und rechtlos zieht sie durch das Berchtesgadener Land, missbraucht von den Männern, denen sie in die Hände fällt. Bis die Vogelfreie nur noch bei den Waldmenschen Unterschlupf finden kann. Dabei gibt es einen Menschen, der aus der Ferne über Magda wacht. Doch dem Erzbischof von Salzburg sind die Hände gebunden, denn sein skrupelloser Sekretär Hunold kennt dessen wahre Beziehung zu der Salzschmeckerin Magda.
Salz ist das wichtigste Gut zwischen Salzburg, Reichenhall, Laufen und Passau. Wertvoller als Gold, schrecken die Menschen für das Wissen um dessen beste Qualität selbst vor Mord nicht zurück. Dabei ist die Zeit eingestellt auf ein ganz anderes, neues Gefühl, das Frauen wie Männer gleichermaßen verwirrt – Liebe und Minnesang.

DAS SCHREIBT DIE PRESSE:

In dem Buch “Die Salzhexe” schildert Laufenberg detailliert und einfühlsam die vom Schicksal geprägte Lebensreise einer jungen Frau. Die Last einer großen Begabung tragend, kämpft sie sich mit Hilfe ihres frechen Mundwerks mutig bis zum überraschenden Ende durch.
Berchtesgadener Anzeiger 14. 6. 2016

LESER-URTEILE:

Der Roman “Die Salzhexe” war für mich die ideale Reiselektüre. So einfühlsam wie darin alles geschildert ist, da konnte ich direkt sehen, wie die Menschen im 13. Jahrhundert gelebt und gearbeitet haben. Und ich konnte, ja musste mitfühlen, wie die junge Frau, die mit dem besonderen Salzgeschmack gesegnet oder geschlagen war, gelebt und gelitten hat. Ein wunderschönes Buch, ein Erlebnis!
Erika Neumann, Dossenheim 14. Juli 2017

Und ob mir „Die Salzhexe“ gefallen hat. Genau wie schon etliche andere Laufenberg-Bücher.
Reiner Wilde, Hohen-Sülzen 17. Februar 2016

Betrifft “Die Salzhexe“: Sie hat mich und meine Frau gefesselt, die Salzhexe. Danke dafür, lieber Schreibkollege Walter!
Thomas Deuschle, Reutlingen 9. Februar 2016

Mir gefällt auch “Die Salzhexe” sehr gut, und den Roman “Axel Andexer” lese ich alle 5 Jahre wieder.
Jürgen Thul, Neuhofen/Rheinland-Pfalz 5. Januar 2016

Ich habe mir das Buch „Die Salzhexe“ mit Genuss einverleibt. Es ist einfach eine Klasse für sich. Drum sende ich diesen Leserbrief: Typisch Walter Laufenberg – „Die Salzhexe“. Wieder hat es Walter Laufenberg geschafft, ein Buch zu schreiben, das in der Genauigkeit der geschichtlichen Abläufe selbst die Geschichte übertrifft. Mit verstecktem Humor, stoischem Ernst und den gesellschaftlichen Darstellungen seiner Zeit, ist ein Buch entstanden, welches sich auf historische Tatsachen bezieht. Das, was die Geschichte nicht hergab, hat Walter Laufenberg in wohlformulierten Worten ergänzt. Es macht einfach Spaß, diesen Roman zu lesen. Walter Laufenberg hat mit seinem Buch m. E. sehr viel für die „geschichtliche Beziehung“ zwischen Deutschland und Österreich getan, indem er sie einfach aufschrieb. Ich hoffe, dass viele österreichische Freunde es ebenso sehen, denn das Salz ist die Würze des Lebens.
Rainer Striegnitz, Ludwigshafen am Rhein, 26. 12. 2015

Bin in dem Roman “Die Salzhexe” fast schon am Schluss. Im Moment bei den Waldmenschen. Toll. Bin gespannt, wie sie da rauskommt.
Rainer Striegnitz, Ludwigshafen 2. Dezember 2015

So umfangreich der historische Roman “Die Salzhexe” ist, ich musste ihn doch in einem Zug lesen. Gefesselt von der intensiven Art, wie der Autor erzählt, und von dem Schicksal der Frau, die anders war, weil sie von einer Ausländerin abstammte, was man heute Migrationshintergrund nennt.
Barbara Hansen, Heidelberg 9. Mai 2015

Das neue Buch “Die Salzhexe” ist wieder so toll geschrieben, dass ich nicht aufhören konnte, es ganz zu lesen, und dass ich es gleich zu meinem Lieblingsbuch erklären möchte. Dabei haben mir die anderen Laufenberg-Bücher, die ich gelesen haben, nicht weniger gut gefallen. Vor allem, weil man mit diesen Büchern nicht nur bestens unterhalten wird, man lernt auch eine ganze Menge Neues daraus. Und darauf lege ich Wert. Dass die geschilderte Salzschmeckerin so Schlimmes von den Männern erlitten hat, das war vermutlich im 13. Jahrhundert in unseren Breiten noch so, wie es heute ja Frauen ergeht in Indien oder Afghanistan, wie man aus der Presse immer wieder erfährt.
Elfi Weber, Heiligkreuzsteinach 7. Mai 2015

Foto: Dieter Neumann, Dossenheim
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LESEPROBE

Wir schreiben das Jahr 1230 nach der
Menschwerdung des Herrn

1.
Das so behäbig daliegende graue Riesentier, das jeden
Besucher mit dem Burgtor und der schmalen Passage
dahinter in seinen begehrlich geweiteten Schlund lockte, es machte
ihr Angst. Dabei hatte sie doch ihren Mann an ihrer Seite, als sie
die Burg Gruttenstein betrat. Wie oft schon hatte er beruhigend
auf sie eingesprochen: „Nur eine Burg, Magda, nichts sonst. Schon
gar kein Tier, das dich fressen will.“
Was hatte er ihr nicht alles an Erklärungen geboten. Er hatte
von dem früheren Herzog Ludwig erzählt, der diese alte Burg zu
einer starken Festung ausgebaut hatte, weil er die Begehrlichkeit
der Nachbarn fürchtete. Es gab immer Streit um die Salzsole, die
zu Füßen der Burg so reichlich aus dem Berg quoll. Zuletzt hatte
er seine Frau mit dem Hinweis zu beschwichtigen versucht, der
jetzt regierende bayerische Herzog habe sich mit dem Erzbischof
von Salzburg darauf geeinigt, Frieden zu halten. „Der Salzburger
Erzbischof überließ dem Bayernherzog die Stadt Reichenhall
samt der Saline. Dem Herzog gehören damit die ergiebigsten
Salzquellen weit und breit, die in den Grutti direkt unter der Burg
entspringen. Der Herzog beschützt und überwacht die Solesiederei
unterhalb seiner Burg und lebt gut von den Verträgen mit harten
Bedingungen, die er den Eigentümern der Siedepfannen wie auch
den Salzhändlern diktierte. Und damit alles ordentlich abläuft,
lässt er meinen Freund, den Hausmeier Hanno, hier in der festen
Burg wohnen.“
„Trotzdem, das einzig Schöne an dieser schrecklichen Feste ist
die Sonnenuhr über dem Burgtor“, flüsterte Magda ihrem Mann
zu, an dessen Arm sie hing. Sie wusste nicht, was sie erschreckte,
und fand es selbst etwas albern, sich so ängstlich zu zeigen. Sie
konnte ja nicht ahnen, dass diese Burg ihr weiteres Leben bestimmen
würde.
„Und auch die große Linde hier im Hof“, ergänzte er, „ist die
nicht schön?“
„ Ja, die auch. Aber die dicken Mauern aus Felssteinen, die finde
ich bedrohlich. Alles so kahl und hart. Und dass da auf dem Dach
der Pförtnerwohnung die Amsel sitzt und uns warnt mit ihrem
Tschilpen, immer wieder dieses Tschilp, Tschilp, Tschilp. Das gilt
uns. Man sagt doch: Schwarzer Vogel bringt schwarze Tage. Oh,
ich glaube, Jörg, wir sollten umkehren.“
„Nichts da“, tat der Laufener Jörg sie rigoros ab. Dabei nahm er
sie fest an die Hand. „Reichenhall ist nicht Salzburg, hier herrscht
nicht der geldgierige Erzbischof Eberhard mit seiner räuberischen
rechten Hand, dem Kaplan Hunold.“
„Aber Jörg“, schrak Magda zusammen, „wie du über den hochwürdigen
Herrn Erzbischof sprichst. Das gehört sich nicht.“
„Egal. Hauptsache, hier in Reichenhall herrscht er nicht. Hier
haben die Patrizier der Stadt das Sagen. Und der Herzog. Deshalb
droht uns hier keine Gefahr. Im Gegenteil. Hier hat Hanno, der
Hausmeier des Herzogs, alles im Auge. Und der ist mein Freund.
Er weiß, mit mir kann er gute Geschäfte machen. Ich habe ihm
noch jede Fuhre ohne Verlust auf die Donau gebracht. Er hat
Vertrauen zu meiner Plätte, die sein Salz abholt. Und er weiß, dass
ich es nur auf die besten Kähne umlade, die es von Laufen dann
weiterbringen. Sehr weit sogar, bis hinauf nach Buda und Pest.“
„Ja, ja, ich weiß doch, wohin das Salz gebracht wird. Das ist es
ja nicht.“
„Doch, gerade das ist es. Je weiter weg das Salz transportiert
wird, umso teurer kann es verkauft werden. Umso höher der
Gewinn. Der Fernhandel, das ist die Seele des Geschäfts. Deshalb
muss ich heute mit dem Hausmeier über eine Fuhre nach Wien
sprechen. Auf dem neuen größeren Kahn, den ich jetzt habe.“
„Wie? Was sagst du da? Ist das Boot schon fertig?“
„Ja, gerade fertig geworden. Unsere Laufener Handwerker sind
tüchtig und sehr schnell. Und jetzt muss der Kahn eingesetzt werden.
Damit er das viele Geld wieder einbringt, das er gekostet hat.
Jetzt fängt für uns ein ganz neues Leben an. Also ist nichts mit
Umkehren.“
Ohnehin war es dafür zu spät. Die beiden wurden schon im
Hof von einem Boten abgeholt, der sie zu dem Bewohner der
Burg, dem Hausmeier des Herzogs, führen sollte. Von dem wurden
sie dann auch sehr freundlich empfangen. Er saß an seinem Tisch
mit zwei großen Stapeln Abrechnungen auf Schiefertäfelchen und
fein geglätteten Pergamenten, mitten in einem hallengroßen Raum
mit niedrigem Gewölbe, das auf dicken Säulen ruhte. Die Wände
waren weiß verputzt und mit einigen Wandteppichen wohnlicher
gemacht. Ein buntes Nachmittagslicht fiel durch zwei Fenster mit
vielen kleinen farbigen Glasscheiben in Bleirahmen herein.
Während die beiden Männer verhandelten, konnte Magda
beruhigt feststellen: Jörg ist hier ja wirklich so gut angesehen, wie
er immer behauptet. Dass der Hausmeier Hanno, dieser so würdig
auftretende Mann in der schönen langen Tunika mit kleinem
Pelzkragen, auch ihr freundliche Blicke zuwarf, und das viel öfter
als nötig, nahm sie gelassen hin. Ich bin noch jung, gerade noch
neunzehn, und ich bin schön mit meinen hellblauen Augen und
dem hellen Haar, das sagen mir alle. Weil ich anders aussehe. Auch
das sagen mir diese begehrlichen Blicke der Männer überall. Und
das jeden Tag. Dieser Hausmeier des Bayernherzogs sieht ungewöhnlich
gut aus, ja, zugegeben, das volle schwarze Haar passt zu
seiner etwas dunkleren Haut. Aber das nützt dem Herrn nichts.
Ich bin verheiratet. Und mein Mann, der Laufener Jörg, der ist der
beste Mann, den sich eine Frau nur wünschen kann.

2.

Wahrhaftig, mit dem neuen, größeren Frachtkahn fing ein ganz
neues Leben an für die beiden Laufener Jörg und Magda. Jörg
ging auf große Fahrt bis hinauf ins ungarische Pest. „Mir fahr’n
von der Langen Bruck in Reichenhall bis Pest und wieder z’ruck“,
jubelte er. Große Fahrt, ja, denn es dauerte Wochen, bis er mit
seinen Leuten wieder nach Laufen zurückkam. Mussten sie, wenn
sie die vielen Salzsäcke abgeladen hatten, den beschwerlichen Weg
doch auch zurück wieder mit voller Ladung machen. Dann hatten
sie Getreide eingekauft und Bier und Federvieh, daneben war
Branntwein und auch Talg für die Grubenlampen wichtig sowie
einiges an feinen Glaswaren. Allerlei Wertvolles, was sie mit nachhause
brachten, wo sie es teuer verkaufen konnten.
Oft mussten die Heimkehrer ihre Boote lange Strecken die
Donau hoch ziehen. Mit gemieteten Treidelpferden. Und von
Passau aus mussten sie die schweren Kähne dann auf dem Inn
und der Salzach weiter treideln. „Au, verdammt, der Weg zieht
sich“, stellten sie Abend für Abend fest, wenn sie irgendwo am
Ufer festgemacht hatten, weil es zu dunkel zum Weiterziehen war,
und sie in einem Gasthaus für Flößer und Treidler noch schnell
einen Humpen Bier getrunken hatten, ehe sie hundemüde auf ihre
Strohsäcke fielen.
Derweil war Magda daheim mit den flachen Hallplätten
beschäftigt, die Tag für Tag mit Salzsäcken beladen wurden. Genau
wie auf dem großen Kahn wurden die Säcke von einer tonnenförmig
aufgespannten Segeltuchplane vor dem Regen geschützt.
Magda musste unter das Zeltdach kriechen, um die Säcke zählen
zu können. Und auch mit den Flößen hatte Magda zu tun, auf
denen das Salz in Holzfässern von Reichenhall auf Saalach und
Salzach nach Laufen transportiert wurde. Oder auch von Hallein
auf der Salzach. Denn für alle Schiffer und Flößer hieß das erste
Ziel Laufen. Dort wurde alles registriert und dann mit viel lautem
„Pack-An“ und „Hau-Ruck“ abgeladen und auf größere Kähne
umgeladen.
Jedesmal waren Jörg und seine Männer froh, wenn sie endlich
wieder in Laufen angekommen waren. Das kleine Städtchen
Laufen an der Salzach war der Mittelpunkt ihrer Welt. Keine
Frage, gab es doch keinen anderen Ort, der an einer ähnlich schönen
Flussbiegung lag. Die Salzach bog sich zu einer Schleife, die
das dazwischen liegende Land beinahe abschnürte und zur Insel
machte. Und auf dieser Landzunge lebten Jörg und Magda. In das
kleine Haus, das Jörg von seinen Eltern geschenkt worden war,
hatte er sie eines Abends nach der Arbeit mitzukommen gebeten.
Einfach so. Auf seiner harten Bettstatt mit dem Strohsack hatte er
sie dann genommen. Bald darauf wurde geheiratet.
Das kleine Haus war nur wenige Schritte vom Ufer der Salzach
entfernt und gerade groß genug für ein Paar. Magda kümmerte
sich mit Eifer darum, aus dem Häuschen ein gemütliches Heim
zu machen. Für Jörgs Geschmack ein viel zu putziges Heim. Kein
Stuhl ohne ein dickes Kissen, dessen Umhüllung sie selbst bestickt
hatte. Das galt auch für das breite Kissen auf der Wäschetruhe.
Und das Bettzeug auf den Strohsäcken war immer frisch aufgezogen,
wenn Jörg heimkam. Dabei war Magdas eigentliches Reich
die kleine Küche, in der sie so gern werkelte. Sie hatte den Ehrgeiz,
ihren Mann immer wieder mit einem andersartigen Essen zu überraschen.
Dazu verhalf ihr das Gärtchen, das sie hinterm Haus
hatte, wie auch, dass sie die Bauern kannte, die das Gemüse mit
dem Boot in die Städte Burghausen und Passau brachten. Wenn
sie in Laufen umluden, war Magda da und kaufte ihnen ein wenig
vom Besten ab.
„Das ist gerade gut genug für meinen Jörg“, sagte sie dann gern.
Und wenn ihr entgegnet wurde: „Aber das ist doch viel zu teuer für
Euch“, antwortete sie: „Mein Jörg verdient das, weil er so fleißig ist.“
Der gute Kontakt mit den Händlern auf der Salzach kam von
den gefährlichen Untiefen im Fluss bei Laufen, die jeden Schiffer
zwangen, seine Ladung an Land zu bringen, um sie hinter den
Hindernissen dann auf größeren Booten weitertransportieren zu
können. Von den Laufen genannten Felsen in der Fahrrinne, diesen
tückischen Untiefen im Fluss, hatte der Ort seinen Namen
bekommen – und seinen Wohlstand.
Hier in Laufen waren sie beide aufgewachsen, Magda und
Jörg. Nachbarskinder waren sie. Jörg war der jüngste Sohn eines
selbständigen Schiffsführers, kam also aus einer Familie, in der das
Brot nie zu knapp gewesen war. Seine beiden älteren Brüder waren
mehr der Landwirtschaft zugetan und ins Oberbayerische gezogen.
Magda war zehn Jahre jünger als Jörg und kam aus recht ärmlichen
Verhältnissen. Der Vater war ein Flickschuster. Die Mutter
war meist kränklich. Deshalb hatte Magda keine Geschwister. Als
Kinder hatten Magda und Jörg nicht miteinander gespielt. Dafür
war der Altersunterschied zu groß. Jörg war zu stolz gewesen,
mit kleinen Mädchen zu spielen. Und Magda hatte nicht viel
freie Zeit zum Spielen. Wenn sie einmal nicht im Haushalt mit
anpacken musste, dann stand sie auf dem Platz herum, auf dem
die Salzladungen abgestellt wurden, um auf die größeren Schiffe
gebracht zu werden. Sie sah dem eifrigen Treiben der Männer
zu und war immer gleich da, wo ein Sack aufgeplatzt war. Dann
schnupperte und leckte das Mädchen an dem Salz, und die Männer
hatten ihren Spaß daran.
Doch als Magda sich zu einer recht ungewöhnlichen Schönheit
entwickelt hatte, wohlgerundet und mit hellblauen Augen und
sonnengelbem Haar, war Jörg gleich zur Stelle. Er, der schon ein
reifer Mann war, groß und von kräftiger Statur, gefiel sich in der
Rolle des Beschützers. So waren sie sich näher gekommen. Und
natürlich auch durch die gemeinsame Arbeit. Denn beide hatten
im Salzhandel eine Beschäftigung gefunden. Zumindest für Magda
war das ungewöhnlich, weil ihr Vater, der Flickschuster, nichts mit
Salz zu tun hatte und für die Herren des Salzes ein Nichts war.
Aber so, wie Magda am Salz hing, und so gut, wie sie die Salzsorten
unterscheiden konnte, das hatte den Lademeister aufmerksam
werden lassen. Die Kleine kann ich brauchen, sagte er sich. Und
schon bald hatten beide, Jörg und Magda, bei dem unvermeidlichen
Umladen von den kleinen Kähnen und den Flößen auf die
größeren Kähne eine Aufgabe gefunden. Er beim Säckeschleppen,
sie beim eiligen Notieren der Mengen und der Zielorte auf die
Schiefertafeln, die sie dann beim Lademeister des Städtchens abzuliefern
hatte. Das eine wie das andere eine schöne Arbeit, weil sie
die beiden zusammengebracht hatte.
Dann hatte Jörg das Boot seines alten und kranken Vaters
übernommen, der sich zur Ruhe setzte. Dadurch war Jörg oft
viele Tage lang unterwegs. Gern dachten die beiden an die schöne
Zeit zurück, als sie noch gemeinsam beim Umladen geschwitzt
hatten. Denn obwohl sie so ordentlich ihre Arbeit taten, so eifrig
und zuverlässig, dass sie nie einen Tadel hörten, hatten sich doch
ihre Blicke allmählich ineinander verhakt. Und irgendwann hatte
Jörg der Magda einen Kuss gegeben, ihren ersten richtigen Kuss.
Hinter Salzsäcken versteckt, die auf Salzfässer gehievt waren, weil
auf dem Stapelfeld der Platz knapp wurde. Der starke Jörg und die
fleißige Magda für einen schönen Moment versteckt. Jörg hatte
Salz geschmeckt bei diesem Kuss, das hatte ihm gefallen. Weil es
zeigte, dass sie die Salzlieferungen abschmeckte. Donnerwetter,
hatte er sich gesagt, das ist die Frau für mich. Das hatte er ihr später
gestanden, lange nach diesem Tag mit dichtem Schneetreiben,
das wusste Magda noch. Als ob der Himmel uns liebevoll unter seinem
schönsten Schleier verbergen wollte, als er mich in die Arme
genommen hatte, einfach so, ohne was zu sagen – über der Arbeit.
Wie ich diesen Kuss genossen habe. Das zarte Drängen der starken
Arme, die mich umfassten, und wie sich dann unsere Lippenpaare
gefunden hatten, mit sehnsüchtigem Druck.
Das war ganz was anderes als der allererste Kuss, den sie von
einem Mann bekommen hatte, drei Jahre zuvor. Das war Magda
bei dem Kuss im Schneetreiben hinter den Salzsäcken sofort eingefallen,
dabei hatte sie sich so bemüht, den allerersten Kuss für
immer und alle Zeiten zu vergessen, so widerlich war er. Auch
deshalb hatte sie ihn keinem Menschen gestanden, nicht einmal
Jörg. Und sie würde es ihm auch nicht sagen, wenn er eines Tages
ihr Mann wäre, das hatte sie sich fest vorgenommen. Der allererste
Kuss war einfach unsagbar peinlich und scheußlich gewesen.
War der erste Mann, der sie geküsst hatte, doch der Sekretär des
Erzbischofs von Salzburg gewesen. Alle nannten ihn nur Kaplan
Hunold und hatten Angst vor ihm. Er war der starke Arm des allmächtigen
Erzbischofs, der über die Saline Hallein an der Salzach
herrschte. Damit war er der mächtige Konkurrent der Salzsieder
von Reichenhall. Kaplan Hunold hatte Salzplätten begleitet, die
von Hallein nach Laufen kamen. Dort, auf dem Stapelplatz direkt
am Strand, hatte Magda den Kaplan Hunold das erste Mal gesehen.
Ein untersetzter, etwas dicklicher Mann von etwa fünfzig
Jahren mit einem Rabengesicht. Er hatte Magda gleich nicht gefallen.
Doch sie konnte ihm nicht aus dem Weg gehen. Sie musste
die Markierungen von den Säcken ablesen und auf die Schiefertafel
in ihrer Hand schreiben. Der Mann brüllte seine Befehle über den
Stapelplatz, als wäre er der Herr der Welt. Und plötzlich stand er
neben ihr. Er wandte sich zu ihr um, riss ihr einfach mit beiden
Händen den Kopf herum und küsste sie wild auf den Mund – der
schreien wollte, aber nicht konnte. Viel zu lange küsste er sie, und
so fest, dass sie glaubte zu ersticken. Mit der einen Hand drückte
er ihr Gesicht an seins, mit der anderen Hand griff er ihr an den
Hintern. Als er sie dann endlich losließ, sie sich angewidert den
Mund abwischte und ihn voller Hass anzischte: „Schweinskerl!“,
da gab er ihr mit weitem Ausholen eine Ohrfeige, dass ihr der
Kopf herumflog und sie auf den Boden stürzte. In das zertrampelte
und schlammverschmierte Gras. Wie sie danach ausgesehen hatte,
verdreckt und verheult, und trotzdem durfte sie sich nicht einfach
nachhause schleichen. Der Sekretär des Erzbischofs befahl ihr in
grobem Ton weiterzuarbeiten. Das alles hatten einige von den
Flößern aus Hallein gesehen, und die hatten gelacht und sich auf
die Schenkel geschlagen vor Vergnügen. Auch deshalb werde ich
ihm das nie vergessen, hatte Magda sich vorgenommen.